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Kapitel 17: Das Brechen des unendlichen Blicks

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Kapitel 17: Das Brechen des unendlichen Blicks

Der Morgen des Aufbruchs brachte keine Dämmerung, sondern das absolute Erlöschen der fernen, violetten Nebel. Als die magisch-kryptonische Maschinerie im Herzen der Festung hochfuhr, schien das Schattenthron-Archipel die verbliebene Energie des umgebenden Vakuums in sich aufzusaugen. Die Luft in den Korridoren schmeckte nach Ozon und geschmolzenem Obsidian. Jede Faser des schwarzen Gesteins vibrierte in einer tiefen, mörderischen Frequenz, die das Nahen einer neuen Epoche ankündigte.

Kara stand im Zentrum der Thronhalle, vollkommen ruhig, während sich ihre kryptonische Rüstung wie eine zweite Haut um ihre Glieder legte. Das tiefe Silber des Metalls fing das unheilvolle rote Leuchten des Wappens ihres Hauses auf. Ihr blondes Haar war streng nach hinten geflochten, was den Blick auf ihren Hals völlig freigab. Die dunkelroten, besitzergreifenden Flecken, die Loki in der vergangenen Nacht in ihr Fleisch gesaugt hatte, hoben sich scharf von ihrer Haut ab – ein flammendes Mal ihres dunklen Paktes. Sie strich sich nicht mehr darüber; sie trug diese Spuren nun mit der absoluten, kühlen Arroganz einer Herrscherin, die wusste, dass sie die unumstößliche Mitte dieses Imperiums war. Jedes Mal, wenn sie einatmete, spürte sie die Präsenz des Gottes in ihrem Verstand. Seine Obsession war zu ihrem Fundament geworden. Sie brauchte seine Nähe nicht mehr zu hinterfragen; sie war zu ihrer Lebensnotwendigkeit geworden.

Loki trat aus den Schatten an ihre Seite. Er trug seine vollständige, asgardische Rüstung, die goldenen Beschläge spiegelten das Licht der pulsierenden Datenkristalle wider, und sein grüner Umhang fiel in schweren, eleganten Falten hinter ihm her ab. In seiner Rechten hielt er das silberne Zepter, dessen Spitze in einem unruhigen, smaragdgrünen Feuer flackerte. Seine Augen, kalt und präzise wie zwei Klingen aus Eis, fixierten sie für einen unendlich langen Moment. Er sah die Flecken an ihrem Hals, sah das mörderische, lustvolle Funkeln in ihren blauen Irisen, und seine eigene Besessenheit von ihr erreichte den Punkt der totalen Vollendung. Sie war bereit. Sie war sein perfektes, unbesiegbares Gegenstück.

„Heimdall glaubt, er könne uns isolieren“, raunte Loki, und seine Stimme besaß jenes tiefe, samtige Vibrato, das durch das Fundament der Halle schnitt. Er hob das Zepter und deutete auf das massive, kreisrunde Tor am Ende der Halle. „Er glaubt, sein allsehender Blick schütze die Außenposten Asgards vor der Rache der Geächteten. Zeigen wir ihm, wie blind seine Treue ihn gemacht hat.“

Mit einer fließenden Geste seiner linken Hand entfesselte er die Magie. Die smaragdgrünen Energieströme der asgardischen Sphäre schossen nach vorn, fraßen sich in die schwebenden kryptonischen Kristalle und rissen ein gewaltiges, vertikales Portal im Raum auf. Es war kein gewöhnlicher Bifröst; es war ein Riss im Gefüge der Dimensionen – ein brodelnder, weiß-grüner Schlund, der direkt in das Herz des asgardischen Außenpostens auf dem sterbenden Mond von Himinbjörg führte. Die mathematischen Frequenzen von Karas Schiff hielten den Riss stabil, während Lokis Runenmagie die energetische Signatur so perfekt maskierte, dass kein Auge im Kosmos ihr Kommen voraussehen konnte.

„Nach dir, meine Königin“, flüsterte er.

Kara sah ihn an, ein wildes, gefährliches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie spürte, wie die rohe Macht in ihren Venen kochte, bereit, entfesselt zu werden. Ohne ein weiteres Wort ergriff sie seine kühle Hand, verschränkte ihre Finger fest mit den seinen und schritt gemeinsam mit ihm durch das Portal.

Der Übergang war ein einziger, lautloser Herzschlag im Nichts.

Als sie auf der anderen Seite wieder festen Boden unter den Füßen spürten, schlug ihnen die eisige, dünne Atmosphäre des Mondes entgegen. Der asgardische Außenposten war eine massive Festung aus weißem Marmor und goldenen Säulen, erbaut auf einem Felsvorsprung über einem tiefen Krater. In der Mitte der Festung erhob sich ein gewaltiger, kristalliner Turm – ein kosmisches Relais, das Heimdalls Blick durch diese Region des Universums verstärkte und leitete. Die Wachen, hochgewachsene asgardische Krieger in glänzenden Rüstungen, bemerkten die plötzliche Raumkrümmung erst, als es bereits zu spät war.

Der Schlag, den das Herrscherpaar entfesselte, war von einer unbarmherzigen, perfekt koordinierten Grausamkeit. Es gab kein Zögern, keine Warnung, kein Verhandeln. Sie bewegten sich wie eine einzige, tödliche Entität durch die Reihen ihrer Feinde.

Kara schoss mit der Wucht eines fallenden Kometen nach vorn. Bevor die erste Wache ihr Schwert erheben konnte, packte sie den Mann am Brustpanzer und schleuderte ihn mit einer solchen Leichtigkeit gegen die nächste goldene Säule, dass der Marmor in Millionen Teile zersplitterte. Zwei weitere Krieger stürmten mit schweren Hellebarden auf sie zu, doch Kara wich nicht aus. In ihren Augen kochte das tiefrote Feuer ihrer Hitzevision. Mit einem gellenden, rauen Schrei entfesselte sie zwei massive Strahlen reiner, zerstörerischer Energie. Das rote Licht schnitt durch die Rüstungen und die Waffen der Asgardianer wie ein heißes Messer durch weiches Wachs, ließ sie leblos im Staub des Mondes zusammensinken.

Loki bewegte sich direkt in ihrem Windschatten, seine Eleganz im Kampf war ein mörderischer Tanz der Illusionen. Als drei Wachen versuchten, Kara von der Flanke her einzukesseln, löste er sich in einen smaragdgrünen Nebel auf. Die Krieger schlugen ins Leere, durchstießen nur die Trugbilder, die er im Raum manifestiert hatte. Im selben Atemzug erschien der echte Loki hinter ihnen. Mit einer blitzschnellen, präzisen Drehung seines Zepters stieß er die silberne Klinge in die ungeschützte Kehle des ersten Angreifers, während er mit einem Energiestrahl aus der Spitze der Waffe den zweiten quer über den Hof schleuderte.

„Haltet die Stellungen!“, brüllte der asgardische Kommandant des Außenpostens, ein hünenhafter Krieger, der eine schwere Antimagie-Axt schwang. Er erkannte Loki und in seinen Augen blitzte pure Verachtung auf. „Der Verräter ist zurückgekehrt! Vernichtet ihn!“

Der Kommandant stürmte auf Loki zu, die Axt hoch erhoben, bereit, den Gott der Lügen in Stücke zu reißen. Die Antimagie-Runen auf der Waffe begannen zu leuchten, ein Zeichen dafür, dass sie Lokis asgardische Zauberkraft im Moment des Aufpralls blockieren würden. Loki hob das Zepter zur Parade, doch er wusste, dass die schiere physische Wucht der Waffe ihn zurückdrängen würde.

Er musste den Schlag nicht parieren.

Aus dem Himmel herab stürzte sich Kara. Ihre tiefe, obsessive Liebe zu ihm duldete keinen einzigen Angriff auf sein Leben; die Vorstellung, ihn verletzt zu sehen, entfachte eine grenzenlose, mörderische Raserei in ihr. Sie landete mit einem ohrenbetäubenden Knallen direkt zwischen Loki und dem Kommandanten, der Boden unter ihren Füßen riss meterweit auf. Mit ihrer bloßen, linken Hand fing sie die schwere Axt mitten im Schwung ab. Das Antimagie-Metall der Waffe suchte nach ihrer Energie, fand jedoch keine Magie, sondern nur die unbändige, biologische Dichte einer Kryptonierin. Mit einem brutalen Druck ihrer Finger zerschmetterte sie das Metall der Klinge wie trockenes Glas.

Der Kommandant starrte fassungslos auf den leeren Schaft in seinen Händen. Kara gab ihm keine Zeit, den Schock zu verarbeiten. Sie packte ihn mit der Rechten am Hals, hob ihn mühelos in die Luft und sah ihn mit Augen an, in denen das rote Feuer des Todes brodelte. „Ihr habt den Falschen herausgefordert“, flüsterte sie, und ihre Stimme war so eisig wie das Vakuum um sie herum. Mit einer rücksichtslosen Bewegung schleuderte sie den tonnenschweren Körper des Hünen direkt in das Fundament des zentralen Kristallturms.

Der Turm erzitterte, tiefe Risse zogen sich durch das weiße Kristall.

Loki trat an ihre Seite, sein Atem ging flach, und ein Ausdruck von absolutem, besessenem Triumph lag in seinen Zügen. Er legte seine Hand auf ihre Schulter, spürte das heftige Beben ihrer Kraft unter der Rüstung. „Das Relais, Kara“, raunte er, und seine Stimme war vollkommen rau vor Begehren und mörderischer Freude. „Blenden wir den Wächter.“

Gemeinsam traten sie vor das beschädigte Fundament des Turms. Es war der Moment der totalen Synchronisation ihrer Macht. Kara hob die Hände, und das weiße, intensive Glimmen ihrer Kraft flutete aus ihren Handflächen direkt in das Kristall des Relais, überlud die kosmischen Leitungen mit der unbändigen Energie einer Kryptonierin. Loki schlang seine Magie um dieses Licht; er wob die smaragdgrünen Runen seiner asgardischen Zauberkraft in die Frequenzen ein, verkehrte die Signale des Turms in ihr exaktes Gegenteil.

Mit einem ohrenbetäubenden, markerschütternden Kreischen explodierte der Kristallturm in einer gigantischen Wolke aus weißem und grünem Licht. Die energetische Rückkopplung schoss durch die Dimensionen, direkt zurück zur Bifröst-Brücke in Asgard, wo Heimdall in diesem Moment auf seiner Galerie stand. Weit entfernt, in den goldenen Hallen, taumelte der allsehende Wächter zurück, seine goldenen Augen brannten vor schierem Schmerz, als die weiß-grüne Alchemie seinen unendlichen Blick für die kommenden Wochen in absolute Dunkelheit stürzte.

Auf dem sterbenden Mond von Himinbjörg war der Kampf vorbei. Die Festung war eine rauchende Ruine, die Wachen lagen im Staub, und der Turm war nichts weiter als interstellare Asche.

Kara und Loki standen inmitten der Zerstörung, ihr Atem strömte heiß in der dünnen Luft. Loki wandte sich zu ihr um, packte sie ohne ein weiteres Wort an den Hüften und zog sie so heftig an sich, dass ihre Rüstungen metallisch aufeinanderprallten. Er drückte sein Gesicht an ihren Hals, seine Lippen strichen fordernd und besitzergreifend über die roten Flecken an ihrer Halsschlagader.

„Wir haben ihn geblendet“, flüsterte er, vollkommen berauscht von ihrer gemeinsamen Macht. „Der Himmel gehört uns, Kara. Uns ganz allein.“

Kara schlang ihre Arme um seinen Nacken, krallte die Finger in sein schwarzes Haar und presste sich so eng an ihn, als gäbe es im gesamten Kosmos keinen anderen Halt mehr. In Gedanken flüsterte ihre unaufhaltsame Liebe ihm zu, dass sie für ihn jede Welt in Asche legen würde, doch sie schwieg. Sie sah ihn nur an, mit Augen, die lauter sprachen als jedes Wort, unbesiegbar, besessen und unsterblich miteinander verbunden im finsteren Licht ihrer gemeinsamen Herrschaft.