LNCrawler

Kapitel 20: Das Echo zweier Welten

Der Thron Aus Asche — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 20: Das Echo zweier Welten

Indigo war die Farbe ihres Schweigens geworden. Seit vierzehn Tagen dehnte sich das Schattenthron-Archipel wie ein unbarmherziger Ölfleck im Vakuum des Kosmos aus. Grenzwelt um Grenzwelt fiel geräuschlos an ihre eiserne Armada, während Asgard in seiner erzwungenen Blindheit verharrte. Jedes Gefecht, jede taktische Verschiebung auf dem Obsidianpult der Thronhalle war ein Triumph ihrer mörderischen Alchemie gewesen. Doch für Kara Zor-El hatte sich das Universum in diesen zwei Wochen der verdeckten Expansion radikal verkleinert. Es ging nicht mehr um die Sterne. Es ging um den unendlich winzigen, aber bebenden Fixpunkt tief in ihrem eigenen Schoß.

Sie stand nackt vor dem deckenhohen Spiegel aus geschliffenem Obsidian in Lokis Gemächern. Das fahle, violette Licht der fernen Nebel strömte durch die Bogenfenster und zeichnete die Konturen ihres Körpers nach. Sie betrachtete sich mit einer Intensität, die ihr fast körperlichen Schmerz zufügte. Ihre Brüste waren voller geworden, die Haut spannte sich empfindlich unter den Berührungen des Stoffes, und ihre Taille besaß nicht mehr die makellose, messerscharfe Symmetrie einer reinen Kriegerin. An ihrer Halsschlagader prangten die tiefvioletten, fast schwarzen Flecken, die Loki ihr mit besessener Härte in die Haut gesaugt hatte – sein unauslöschliches Siegel. Sie liebte ihn. Diese Wahrheit stand felsenfest, eingebrannt in jede Faser ihres Fleisches. Sie würde ihn niemals verlassen. Aber die Gewissheit, dass in ihrem Inneren eine Anomalie heranwuchs – eine Schöpfung aus asgardischer Magie und dem solaren Licht Kryptons –, hatte das Fundament ihrer Gedankenwelt erschüttert.

In ihrem Kopf tobte ein unaufhörlicher, einsamer Krieg. Zum ersten Mal seit sie in diesem Archipel gestrandet war, dachte sie nicht an Rache, nicht an die Heuchelei Odins oder die Stärke ihrer Flotte. Sie dachte an das Kind. Was taten sie hier eigentlich? Sie bauten ein Imperium auf den Trümmern von Grenzwelten. Sie herrschten mit einer rationalen, aber unbarmherzigen Grausamkeit. War das die Welt, in der dieses Kind aufwachsen sollte?

Sie spürte, wie die mörderische Entschlossenheit der letzten Wochen einer tiefen, zerrissenen Melancholie wich. Sie wollte Loki beschützen, sie wollte seine Nähe, seine manische Obsession, die sie so unendlich erregte – aber sie spürte auch das unaufhaltsame Erwachen eines Instinkts, der nach Schutz und Frieden verlangte, nicht nach verbrannter Erde.

Sie schloss die Augen und presste die flachen Hände auf ihren noch flachen Unterleib. Ihre kryptonischen Sinne registrierten ein feines, unruhig vibrierendes Summen tief in ihrem Inneren – die Verschmelzung zweier göttlicher DNS-Stränge. Es war real. Und es machte sie verletzlich. Ihre Kräfte blieben instabil; das weiße Glimmen auf ihrer Haut flackerte in unregelmäßigen Abständen auf und erlosch, als würde ihr Körper die solare Energie prioritär in den Schoß leiten, um das neue Leben zu nähren. Sie musste es weiterhin vor ihm geheim halten. Sie musste die Maske der unnahbaren Königin tragen, so schwer es ihr auch fiel.

„Du bist nicht hier, Kara.“

Die samtige, raue Stimme durchschnitt die Stille des Raumes wie eine geschliffene Klinge. Kara fuhr nicht herum, doch ihr Herz machte einen unruhigen Sprung.

Loki war lautlos aus den Schatten des Raumes an sie herangetreten. Er war nur mit einer schwarzen Hose bekleidet, sein Oberkörper bleich im Indigolicht. Seine smaragdgrünen Augen waren zu zwei schmalen, mörderischen Schlitzen verengt. Seine jahrhundertelang geschärfte, asgardische Intuition und seine krankhafte, obsessive Eifersucht hatten sich in den letzten zwei Tagen zu einem unerträglichen Generalverdacht gesteigert. Er spürte die Schwingungen des Raumes. Er sah die subtile Veränderung ihrer Körperform, das unruhige Flackern ihrer Aura und die tiefe Abwesenheit in ihren blauen Irisen. Seine Paranoia flüsterte ihm unaufhörlich zu, dass sie sich von ihm entfernte, dass ein Geheimnis zwischen ihnen stand, das er nicht kontrollieren konnte.

Er legte seine kühlen Hände von hinten an ihre Taille. Seine Finger drückten sich fordernd, fast schmerzhaft in ihre Haut, während er seinen Körper unnachgiebig gegen den ihren presste. Er senkte den Kopf an ihren Hals, seine Lippen suchten die frischen Flecken an ihrer Halsschlagader, und er biss leicht zu, hinterließ einen heißen, brennenden Schmerz auf ihrem Fleisch. Doch als er sie hielt, spürte er das feine Zittern ihrer Muskeln.

„Dein Körper ist warm, aber dein Geist ist meilenweit entfernt“, raunte er, und seine Stimme besaß dieses tiefe, gefährliche Vibrato, das von aufgestautem Misstrauen zeugte. Er zwang sie, seinen Blick im Obsidian-Spiegel zu halten. „Seit Wochen expandiert unser Reich, wir brechen die Barrieren Asgards, und doch stehst du hier und siehst aus, als würdest du den Verlust einer Welt betrauern. Wer hat mit dir gesprochen, Kara? Welcher Schatten nährt diese Zweifel in deinem Kopf?“

Kara hielt seinem starren, obsessiven Blick im Spiegel stand. Sie sah die nackte Angst vor dem Verrat in seinen Augen – die Angst des verstoßenen Sohnes, der glaubte, dass sein perfektes Gegenstück ihm entglitt. Ihre unendliche Liebe zu ihm brannte heiß in ihrer Brust, und sie drückte ihren Rücken fester an seine nackte Brust.

„Niemand spricht mit mir, Loki“, erwiderte sie, ihre Stimme klang deutlich tiefer und rauer als gewöhnlich. Sie legte ihre Hände über die seinen, versuchte die Instabilität ihrer Kraft hinter einer Fassade aus absolutem Besitzanspruch zu verbergen. „Ich betrauere nichts. Ich denke nur an die Zukunft. An das, was wir erschaffen, wenn der Krieg vorbei ist.“

Loki verengte die Augen. Ihr Atem ging flacher, und als seine Hände langsam über ihren flachen Bauch strichen, spürte seine Magie für den Bruchteil einer Sekunde eine winzige, fremde Resonanz im Gewebe – eine energetische Anomalie, die er nicht einordnen konnte, die seine obsessive Neugier jedoch bis aufs Äußerste reizte. Sein Misstrauen war geweckt, kalt und unerbittlich. Er zog sie noch enger an sich, seine Lippen pressten sich fordernd auf ihren Hals, während das Geheimnis im dichten Indigo der Gemächer wie eine tickende Zeitbombe zwischen ihren Körpern pulsierte.

---------

Ein feines, unregelmäßiges Zittern lief durch die smaragdgrünen Linien des monumentalen Obsidianpults, als die Thronhalle in das schwere, dichte Indigoblau der kosmischen Nacht tauchte. Das Imperium wuchs weiter; die eiserne Armada hielt die erblindeten Grenzwelten Asgards in einem eisernen Griff. Doch im Inneren des Schattenthron-Archipels hatte sich das Gewicht der Existenz verschoben. Die unbarmherzige, rationale Maschinerie des Krieges schien an diesem Abend hinter den dicken Festungsmauern zu verblassen, verdrängt von einer lautlosen, biologischen Wahrheit, die im Herzen ihrer Gemächer pulsierte.

Loki stand am Rande der zentralen Halle, das silberne Zepter locker in der Hand, doch seine Augen fixierten nur einen einzigen Punkt im Raum. Kara. Sie saß auf der breiten Fensterbank, die Knie leicht an die Brust gezogen, das blonde Haar offen über die Schultern fallend. An ihrem Hals zeichneten sich die dunkelvioletten, fast schwarzen Flecken seiner Lippen scharf gegen die blasse Haut ab – sein ewiges, besitzergreifendes Brandmal. Er war wie besessen von ihr, jede Sekunde seines Lebens war von ihrer Existenz kolonisiert. Doch in den vergangenen Tagen hatten sich ihre Symptome mit einer unbarmherzigen Deutlichkeit gezeigt, die selbst seine tiefste Paranoia in eine völlig neue Richtung zwang.

Er hatte gesehen, wie sie am Morgen das Essen unberührt beiseitegeschoben hatte, geplagt von einer plötzlichen, heftigen Übelkeit, die ihren stählernen Körper erzittern ließ. Er hatte beobachtet, wie das weiße, intensive Glimmen ihrer kryptonischen Macht in unregelmäßigen Abständen flackerte und erlosch, als würde ihre solare Energie in ein verborgenes, inneres Heiligtum geleitet. Und als er vor wenigen Stunden seine kühle Hand auf ihren flachen Bauch gelegt hatte, hatte seine asgardische Zauberkraft keine energetische Anomalie des Konstrukts registriert, sondern ein feines, unendlich kraftvolles Pulsieren. Das Echo zweier Welten. Die Verschmelzung seiner eigenen, uralten Magie mit dem ungezähmten Licht ihres Volkes.

Sie war schwanger. Sie trug sein Kind in sich.

Dieser Verdacht war in seinem Verstand zu einer absoluten Gewissheit herangewachsen, und er änderte in dem asgardischen Prinzen plötzlich grundlegend etwas. Es war, als würde das Fundament aus Hass, Missgunst und dem brennenden Wunsch nach Vergeltung, das er über Jahrhunderte hinweg so sorgfältig errichtet hatte, unter der Wucht dieser Erkenntnis in Stücke brechen. Seine Gedanken kreisten nicht mehr um Odins Heuchelei oder die totale Vernichtung der goldenen Stadt. Sie kreisten um die Kreatur, die im Schoß seiner Königin heranwuchs.

Ein Kind, dachte er, und ein tiefes, unendlich schmerzhaftes Gefühl von Verantwortung und ungeahnter Gnade flutete sein Herz. Er erinnerte sich an seine eigene Kindheit – an die Kälte von Jotunheim, an den Verrat Laufey's, der ihn als schwachen Säugling im Eis ausgesetzt hatte, und an die goldenen Lügen Odins, der ihn immer nur als politisches Werkzeug, als Geisel des Friedens benutzt hatte. Er hatte sein Leben lang im Schatten eines Vaters gestanden, der ihn nie wirklich gewollt hatte, und die Angst, dass diese dunkle Prophezeiung sich wiederholen könnte, verbrannte seine Seele. Nein, flüsterte sein Verstand in die dichte Dunkelheit des Raumes. Sollte ich ein Kind haben, will ich, dass es einen Vater hat, der es liebt. Einen Vater, der es beschützt, der ihm die Wahrheit sagt und es nicht in den Schatten eines Erstgeborenen verrotten lässt.

Die mörderische Vision einer finsteren, absoluten Tyrannei, die sie in der Halle der Herrschaft geschmiedet hatten, verlor im Angesicht dieses neuen Lebens ihren Glanz. Er wollte keine Herrschaft über ein Imperium der Asche bauen, in dem sein Kind in Angst und permanentem Krieg aufwachsen musste. Was er wollte, war eine Heimat. Ein sicheres, unbezwingbares Reich des Friedens und der Stabilität, beschützt von ihrer gemeinsamen, unbesiegbaren Macht.

Loki legte das Zepter leise auf den Obsidianboden und schritt lautlos über den schweren Teppich auf sie zu. Seine Bewegungen besaßen keine raubtierhafte Aggression mehr; die obsessive Besessenheit war geblieben, doch sie war vollkommen von einer tiefen, romantischen Zärtlichkeit durchdrungen. Er trat an die Fensterbank heran, setzte sich schweigend neben sie und verschlang seine Beine mit den ihren.

Kara bewegte sich nicht, doch ihr Atem ging flacher, als sie seine Nähe spürte. Sie hütete das Geheimnis noch immer vor ihm, gefangen in der Angst vor seiner unberechenbaren Natur. Doch als Loki langsam die Hand ausstreckte und seine kühlen, schlanken Finger an ihre Wange legte, sah sie in seine Augen. Das mörderische, eifersüchtige Feuer der vergangenen Wochen war vollständig verschwunden. In seinen grünen Irisen lag eine Tiefe, eine verletzliche, unmaskierte Wahrheit, die sie bis ins tiefste Mark erschütterte.

„Du musst es nicht mehr vor mir verstecken, Kara“, flüsterte er, und seine Stimme besaß ein tiefes, raues Zittern, das die Stille der Gemächer auflöste. Er glitt mit seiner Hand von ihrer Wange nach unten, über ihren Hals hinweg, wo er die rot-violetten Flecken sacht mit dem Daumen nachzeichnete, bis seine flache Handfläche auf ihrem flachen Unterleib zur Ruhe kam. Er drückte sie sanft, aber fordernd an die Haut. „Ich spüre es. Die Magie und das Licht... sie weben ein neues Schicksal in deinem Inneren. Wir bauen keine Festung für den Krieg mehr, meine Königin. Wir bauen ein Zuhause.“

Kara hielt den Atem an. Ein monumentaler Strom von Tränen löste sich aus ihren Augenwinkeln und spiegelte das indigo Licht des Raumes, während die unendliche, obsessive Liebe zu ihm ihr Herz flutete. Er wusste es. Und er war nicht das Monster, das sie gefürchtet hatte. Sie legte ihre Hand über die seine, presste seine Finger fester auf ihren Schoß und beugte sich vor, bis ihre Stirn an der seinen lag.

„Ich liebe dich, Loki“, flüsterte sie, und das Wort war die endgültige, unumstößliche Besiegelung ihrer veränderten Zukunft.

„Ich weiß“, raunte er gegen ihre Lippen, zog sie mit einer unbändigen, beschützenden Kraft in seine Arme und schloss die letzte Lücke zwischen ihnen in einem Kuss, der keine Herrschsucht mehr kannte, sondern nur noch die absolute, unheilvolle Hingabe zweier Seelen, die bereit waren, für ihr Kind die gütigsten Herrscher des Kosmos zu werden.