Epilog: Das Erbe der Finsternis und des Lichts
Epilog: Das Erbe der Finsternis und des Lichts
Fünf Jahre waren ins Land gezogen, seit das Schattenthron-Archipel Zeuge einer Geburtsstunde geworden war, die das Schicksal der Neun Reiche für immer verändert hatte. Die Jahre hatten die Festung nicht geschwächt, sondern sie in ein lebendiges, unbezwingbares Denkmal verwandelt. Die eiserne Armada patrouillierte noch immer in lautloser Perfektion durch das indigoblaue Vakuum, und die erblindeten Grenzwelten Asgards hatten längst gelernt, dass der Schutz des Archipels sicherer war als die goldenen, fernen Versprechen von Odins Thron. Es war ein Imperium des Friedens geworden – ein Frieden, der mit eiserner Rationalität und unbarmherziger Macht verteidigt wurde.
In den privaten Gemächern des asgardischen Prinzen war die Zeit zu einer harmonischen, dichten Ewigkeit verschmolzen. Kara stand am großen Bogenfenster, die Arme lose unter der Brust verschränkt. Sie trug eine fließende Robe aus schwerer, dunkelgrüner Seide, und das smaragdgrüne Kronjuwel auf ihrer Brust pulsierte in perfektem Gleichklang mit ihren kryptonischen Zellen. Wenn das Licht der fernen Nebel ihren Hals streifte, waren dort noch immer, frisch und unbarmherzig erneuert, die dunkelvioletten Flecken von Lokis Lippen zu sehen. Sein visuelles Siegel. Ein Brandmal einer obsessiven, tiefgründigen Liebe, die mit jedem vergangenem Jahr nur noch manischer geworden war. Sie liebte ihn mit jeder Faser ihres Wesens, und sie war stolz darauf, die Königin seiner Finsternis zu sein.
Doch ihr Blick galt an diesem Tag nicht den Flotten im Orbit. Er galt dem Zentrum des Raumes.
Dort, inmitten der schützenden Smaragd-Runen, die sanft im Obsidianboden glühten, saß ein kleiner, fünfjähriger Junge. Vali. Er besaß das rabenschwarze Haar seines Vaters, das ihm wild in die Stirn fiel, doch seine Augen waren von einem tiefen, stählernen Blau, in dem bei jeder emotionalen Regung das kochende rote Feuer der kryptonischen Hitzevision aufflackerte. Er spielte mit kleinen, holografischen Trugbildern aus asgardischer Magie, die er mit seinen winzigen Fingern formte, während sein Körper in einem sanften, weißen Licht glomm – die Anomalie der Götter, herangewachsen zu einem unbesiegbaren Thronfolger.
Loki trat lautlos aus den Schatten an Karas Seite. Er hatte seine Rüstung abgelegt, trug nur die schwarze Hose und ein leicht geöffnetes Hemd. Seine übermäßige, fast krankhafte Fürsorge für sie hatte sich in den fünf Jahren kein Stück abgeschwächt; er war nach wie vor wie besessen von ihr. Er schlang seine langen, kühlen Arme von hinten um ihre Taille, drückte seinen Körper unnachgiebig gegen den ihren und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals, bevor er einen fordernden, heißen Kuss auf ihre Halsschlagader hauchte.
„Er kontrolliert die Illusionen heute mit einer erschreckenden Präzision, meine Königin“, raunte Loki, und seine Stimme besaß dieses tiefe, samtige Vibrato der totalen Hingabe. Seine Handflächen legten sich flach auf ihren Bauch, hielten sie fest an seine Brust gepresst. „Die mathematischen Konstanten deines Volkes geben seiner Zauberkraft eine Stabilität, die ich in seinem Alter nie besessen habe. Er wird Asgard erzittern lassen, wenn die Zeit reif ist.“
Kara legte ihre Hände über die seinen, verschränkte ihre Finger fest mit den seinen und lehnte den Kopf an seine Schulter. Ihre unendliche Liebe zu ihm flutete ihr Herz mit einer unerträglichen Wärme. Sie sah zu ihrem Sohn, der gerade einen kleinen, glühenden Smaragdraben in die Luft entließ, der mit weißem Licht ummantelt war.
„Er wird Asgard nicht erzittern lassen müssen, Loki“, erwiderte sie flüsterleise, und ein stolzes, wunderschönes Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Asgard wird freiwillig vor ihm knien, weil er der Erbe der gütigsten und mächtigsten Herrscher ist, die dieser Kosmos je gesehen hat. Du hast ihm die Heimat gegeben, die man dir verweigert hat.“
Loki hielt im Atem inne. Er drehte sie sanft in seinem Griff um, seine smaragdgrünen Augen bohrten sich mit einer obsessiven, grenzenlosen Leidenschaft in die ihren. Jede Maske des Intriganten war in ihrer Gegenwart für immer verloren. Er war ihr König, ihr Diener und der stolzeste Vater des Universums.
„Weil du mein Licht bist, Kara“, raunte er gegen ihre Lippen, hob sie mit einer Leichtigkeit an und zog sie in einen tiefen, besiegelnden Kuss, der all ihre unheilvolle, ewige Bindung in der Glut ihres gemeinsamen Atems für immer festhielt.
Vali sah kurz von seinen Illusionen auf, seine blau-roten Augen blitzten glücklich auf, als er seine Eltern sah, bevor er den Smaragdraben durch die Gemächer fliegen ließ. Sie waren das Schattenthron-Archipel. Eine vollkommene Herrscherfamilie, unbesiegbar, besessen voneinander und unsterblich vereint im finsteren Licht ihrer gemeinsamen Ewigkeit.