LNCrawler

Kapitel 5

Der Unerwünschte Zusammenhang Von Sex Und Liebe — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 5

Irgendwie scheint Freitag gerade so gut zum Hochladen zu passen. Ich wünsche euch viel Spass.

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Kapitel 5:

Murrend zieht sich Darius die Decke über den Kopf, als laut an seine Wohnungstür gehämmert wird. Er hofft, dass der Störenfried aufgibt, wenn er ihn nur lange genug ignoriert. Schließlich ist Sonntag und mitten in der Nacht!

Nach einer gefühlten Ewigkeit wird es wirklich wieder ruhig und Darius will schon erleichtert aufatmen, als ihm plötzlich die Decke weggezogen wird. »Verdammt! Was soll das?«, schreit er und fährt entsetzt hoch.

Vor ihm steht sein Nachbar und bester Freund Alessio Caruso. »Schätzelchen, du hast mir versprochen, dass du mir heute beim Streichen helfen wirst. Wir waren um acht verabredet und jetzt ist es neun!«, sagt er mit kräftigen italienischem Akzent und wirft theatralisch die Arme in die Höhe, wobei er den Zipfel der Decke, den er noch festgehalten hatte, durch seine Finger gleiten lässt.

Stöhnend vergräbt Darius das Gesicht im Kopfkissen. »Mann, ich war im Uranus und bin erst gegen fünf nach Hause gekommen«, jammert er gedämpft.

Das lässt Alessio aber kalt. »Selbst schuld. Niemand hat dich dazu gezwungen. Und jetzt raus aus dem Bettchen! Die Wand streicht sich nicht von allein!« Alessio geht mit schwingender Hüfte zur Zimmertür. »Ich gehe dir jetzt einen Kaffee und auch deinen geliebten Toast machen, dann fällt das Aufstehen nicht ganz so schwer. Also husch, husch, ab unter die Dusche, damit der Kaffee noch heiß ist, wenn du kommst.« Er lächelt Darius zuckersüß an, bevor er winkend das Schlafzimmer verlässt und ins Wohnzimmer geht, wo er die Balkontür aufreißt, um die kühle Morgenluft in die Wohnung zu lassen.

Nach einem tiefen Atemzug geht Alessio in die Küche und bereitet dort das Frühstück vor.

Aus dem Augenwinkel kann er durch die offene Tür sehen, wie Darius verschlafen und nur in seinen Shorts, durch den Flur ins Bad schlurft. Dazu die in allen Richtungen abstehenden Haare… ein Bild für die Götter! Zu schade, dass sein Handy drüben in seiner Wohnung an der Steckdose hängt und er kein Foto machen kann.

Mit geschlossenen Augen und einem Brummschädel, der sich anfühlt, als würde er jeden Moment platzen, steht Darius unter der Dusche und lässt eiskaltes Wasser über seine Brust laufen. Dann dreht er die Temperatur so hoch, dass er es gerade noch aushalten kann. Eigentlich belebt ihn so eine Wechseldusche immer, aber diesmal will sein Kreislauf nicht auf Touren kommen.

Er steigt aus der Dusche. Aus leidlicher Erfahrung weiß er, dass er sich mit dem quirligen Italiener in der Wohnung nicht zu viel Zeit im Bad lassen darf. Es wäre nicht das erste Mal, dass dieser plötzlich im Bad steht oder an die verschlossene Tür hämmert und darauf kann Darius mit seinem Kater gut verzichten. – Hätte er ihm bloß nie den Wohnungsschlüssel gegeben!

Er nimmt trotz seines leeren Magens zwei Aspirin, bevor er sich abtrocknet und zurück ins Zimmer geht, wo er sich für seinen Zustand überraschend schnell anzieht.

In der Küche wird er schon von dem ungeduldigen Alessio erwartet, der ihm eine gefüllte Tasse in die Hand drückt. »Danke, Koffein ist das, was ich jetzt brauche«, sagt Darius dankbar und setzt sich an den gedeckten Tisch. Erst jetzt fällt ihm auf, dass Alessio wieder in seinen geliebten roten Lederhosen rumläuft und dazu ein neongelbes Shirt trägt. Was für eine Farbkombination und Qual für seine armen Augen.

Noch bevor er nach dem Toast greift, trinkt er aus und streckt sich dann nach hinten, um sich den nächsten Kaffee aus der Kaffeemaschine zu holen. Dann wendet er sich wieder Alessio zu, der sich inzwischen auch hingesetzt hat und in aller Ruhe frühstückt. »Also dafür, dass du es so eilig hast, nimmst du es jetzt ziemlich gemütlich«, brummt Darius, was ihm aber nur ein Schulterzucken einbringt.

»Na ja, du musst ja erst noch was essen. Da kann ich mir ruhig ein zweites Frühstück gönnen. Außerdem ist dein Kaffee besser als meiner, dabei habe ich die gleiche Marke. Außerdem sollte ich als Sohn eines Baristas doch eigentlich den besseren Kaffee von uns beiden haben.«

Kopfschüttelnd mustert Darius seinen besten Freund. »Dann müsstest du doch eigentlich genau wissen, dass auch die Kaffeemaschine viel ausmacht. Wenn die nicht zum Kaffee passt oder du sie nicht passend einstellen kannst, dann musst du dir entweder eine andere Maschine kaufen oder andere Kaffeesorten ausprobieren.«

»Oder ich komme zu dir rüber und trinke deinen Kaffee.« Alessio zwinkert Darius zu und nimmt sich noch eine zweite Toastscheibe. »Du solltest übrigens mal wieder einkaufen gehen.«

Mit einem gequälten Seufzen verdreht Darius die Augen. »Ich weiß. Nach dem Streichen gehe ich zum Tesco und decke mich wieder mit Vorräten ein.« Dass er in der ganzen Woche nicht wirklich zum Einkaufen gekommen ist, weil er mit dem Projekt für Peach Computers alle Hände voll zu tun hatte und nach Feierabend noch zu Steve musste, sagt er nicht.

Alessio sieht ihn ernst an. »Du arbeitest zu viel. Vor allem, weil der Arsch Jones eh das ganze Lob einheimsen wird, wenn du es schaffst, das Projekt pünktlich fertigzukriegen.« Als Darius nicht nur nichts dazu sagt, sondern plötzlich auch noch leicht verträumt wirkt, beugt er sich misstrauisch vor. »Finger weg. Chefs schleppt man nicht ab oder verknallt sich in sie! Das kommt nie gut!«, warnt er ihn und wedelt mit dem ausgestreckten Finger vor Darius’ Gesicht rum.

Unwillkürlich hebt Darius abwehrend die Hände. »Wie kommst du denn auf die Idee? Du weißt genau, dass ich mich nie verliebe oder verknalle und schon gar nicht in Ste… Mister Mitchell. Wir arbeiten nur zusammen an dem Projekt, weil sonst keiner Zeit hat. So einfach ist das.«

Alessio hebt nur vielsagend eine Augenbraue und enthält sich ausnahmsweise eines Kommentars. Jedenfalls eines akustischen. Seine mit Kajal hervorgehobenen Augen hingegen … sprechen Bände.

Nach dem Frühstück, bei dem sie nach dem kleinen Gespräch zur Abwechslung mal geschwiegen haben, geht Alessio zurück in seine Wohnung, während Darius die Küche aufräumt und die kurze Ruhe genießt. Alessio ist zwar ein Schatz, entspricht aber in praktisch jedem Punkt den heterosexuellen Klischees bezüglich schwuler Männer und ist mitunter auch genauso anstrengend.

Als Darius kurz darauf den Hausflur betritt, dröhnt der unverkennbare Sound von AC/DC aus der Nachbarwohnung. Kopfschüttelnd öffnet er die Tür mit seinem Zweitschlüssel, weil Alessio das Klingeln jetzt sowieso nicht hören würde. Zum Glück sind die Wände dick und ich ein netter Nachbar.

Schon kurz nach seinem Einzug vor bald drei Jahren hatten sie sich angefreundet und die Schlüssel getauscht, was sich vor allem bei ihm schon öfter als Glücksfall erwies, wenn er samstagmorgens unten die Post holte und dabei den Schlüssel nicht mitnahm.

Sich demonstrativ die Ohren zuhaltend, geht Darius ins Wohnzimmer, wo Alessio ihn schon breit grinsend erwartet. Inzwischen hat er sich einen billigen weißen Overall angezogen, der schon von einigen hellblauen Spritzern geziert wird, die ihren Weg auch auf sein Gesicht und in die rot gefärbten Haare gefunden haben.

»Da bist du ja endlich, Schätzelchen. Ich dachte schon, dass du dich wieder ins Bettchen verzogen hast«, ruft er ihm mit seiner hohen Stimme zu, statt die Musik einfach leiser zu drehen.

Darius geht zur Stereoanlage und dreht die Musik auf ein erträgliches Maß herunter. »Ich musste erst das Chaos aufräumen, das du in meiner Küche hinterlassen hast«, meint er nur und nimmt die Farbrolle in die Hand. Nachdem er sie in den Eimer mit der babyblauen Farbe getaucht hat, sieht er die Rolle kritisch an. »Bist du dir wirklich sicher, dass du das ganze Wohnzimmer in dieser Farbe haben willst?«

»Natürlich. Wie sieht das denn sonst aus, wenn ich nur die Hälfte streiche«, blafft Alessio empört und fuchtelt dabei so heftig mit seiner vollen Farbrolle rum, dass er sie beide mit der blauen Farbe vollspritzt.

Sich die Farbspritzer aus dem Gesicht streichend, seufzt Darius: »Nun reg dich doch nicht gleich auf. Wenn es gut gemacht ist, dann sieht es doch richtig gut aus, wenn nur eine Wand bunt gestrichen ist«, versucht er, ihn zu besänftigen.

Schon hat er die Farbrolle auf seinem Shirt. Schwungvoll zieht er darauf seine Rolle über Alessios Overall.

»Der war neu!«, kreischt Alessio grinsend und schnappt sich den Pinsel.

»Diva!«, kreischt Darius zurück und ergreift den anderen Pinsel.

Sie fuchteln sich gegenseitig wie Degenfechter mit den, vor Farbe triefenden Pinseln vor dem Gesicht herum.

Alessio schnauft: »Was hast du gegen Diven? Ohne uns würde die Welt auch noch den letzten Rest an Stil verlieren.« Er landet einen Treffer an Darius’ Wange, von der es nun hellblau heruntertropft.

Darius schleudert nur die Farbe seines Pinsels quer über Alessios Gesicht und in dessen rote Haare. »Touché!«, ruft er zufrieden, nur um sich gleich darauf auf dem Boden liegend wiederzufinden und von Alessio noch mehr Farbe ins Gesicht geschmiert zu bekommen. Lange liegt er aber nicht unten, denn schon befördert er Alessio auf den Rücken und kniet sich über ihn. Lachend, aber ohne viel Erfolg, wehrt dieser den Pinsel ab.

Schließlich hat Darius von der Farbschlacht genug. »Wollen wir nicht endlich die Farbe auf die Wände bringen?«, schlägt er zwinkernd vor und lässt sich neben Alessio auf den Boden sinken. Sich mit den Armen abstützend mustert er seinen hellblau beschmierten Freund, der sich jetzt auch aufsetzt.

»Ja, wir sollten langsam loslegen, mein blaues Schätzelchen«, kichert er und steht auf. Als er sich mit der Hand durch die Haare fährt, verzieht er das Gesicht und starrt auf seine blaue Hand.

***

Drei Stunden später sind nicht nur sie beide voller Farbe, sondern auch die Wände. Zufrieden mit dem Ergebnis wirft Alessio den Pinsel in Richtung Farbeimer, verfehlt diesen aber. »Warum müssen die Eimer auch so klein sein?«, mault er rum und öffnet den Reißverschluss des Overalls.

Darius sammelt die Pinsel und Farbrollen ein, um sie im Waschbecken auszuspülen, bevor die Farbe eintrocknen kann. Auf einmal spürt er etwas Eiskaltes im Nacken und fährt mit einem Aufschrei herum, nur um von Alessio eine Flasche Guinness in die Hand gedrückt zu bekommen.

Mit einem ziemlich blöden Gesichtsausdruck sieht Darius die Flasche an.

»Schätzelchen, du musst das Bierchen trinken und nicht anstarren. Davon wird es auch nicht kälter. Lass die Pinselchen doch Pinselchen sein. Wir trinken jetzt und dann gehst du einkaufen, während ich putze und aufräume.«

Darius hält ihm das Bier hin. »Es ist kalt.«

»Schätzelchen, wir sind hier nicht in der britischen Provinz. Im neuen Jahrtausend trinkt man Guinness kalt.«

»Banause!«

»Hinterwäldler!«

Kichernd stoßen sie an und Darius trinkt in großen Schlucken. Bis jetzt hatte er gar nicht bemerkt, wie durstig er ist.

Nach dem zweiten Bier geht Darius zurück in seine Wohnung und stellt sich nach einem Blick in den Spiegel zum zweiten Mal an diesem Sonntag unter die Dusche, um sich die blaue Farbe abzuwaschen. Wie diese auch unter sein Shirt gelangen konnte, ist ihm allerdings ein Rätsel.

Nachdem er die Waschmaschine gefüllt und angestellt hat, zieht er sich bequeme Jeans und einen dünnen Pullover an, bevor er in die Küche geht und zwei Einkaufstaschen aus einer der Schubladen nimmt.

So gerüstet geht er zurück in den Flur und verstaut die Tüten in seiner geliebten Freitag-Tasche, ehe er den Schlüssel vom Schuhschrank nimmt und die Wohnung verlässt.

Während er durch die Straßen geht und dabei die für Ende September angenehm warmen Sonnenstrahlen genießt, fallen ihm immer wieder die amüsierten Blicke der Leute auf. Er kennt die meisten von ihnen nur vom Sehen, aber mit einigen hat er auch schon das eine oder andere Wort gewechselt, wenn er im Park oder in einem der Cafés war.

So langsam werden ihm die Blicke etwas suspekt, weshalb er vor einem Schaufenster stehen bleibt, in dem er sich etwas spiegelt. Na toll … Haare waschen misslungen, denkt er, als er die babyblauen Strähnen sieht. Kurz überlegt er, ob er wieder zurückgehen und noch einmal duschen soll, aber dann pfeift er drauf. Es sind ja nur noch ein paar Häuser, bis er den Tesco erreicht hat.

Als er den kleinen Quartierladen betritt, grüßt er den so gut wie immer anwesenden alten Wachmann und nimmt sich einen der Einkaufskörbe. Sorgfältig sucht er sich Früchte und Gemüse aus, nimmt sich Hackfleisch aus dem Kühlfach und legt sich auch noch eine Packung Schnitzel in den Korb, weil er ab zwei Fleischprodukten zwei Pfund weniger bezahlen muss.

Nach einem Abstecher zu den Milchprodukten geht er mit dem vollen Einkaufskorb und einem Sechserpack Mineralwasser zur Kasse. Er ignoriert aus Prinzip die Selbstbedienungskasse und stellt den Korb vor der Kassiererin hin. »Hallo, Esther. Gibst du mir bitte auch noch ein Päckchen Zigaretten?« Lächelnd sieht er die Kassiererin an.

»Hallo, Darius. Natürlich, bist ja schon alt genug«, erwidert sie ebenso lächelnd, während sie ihm die eingescannten Lebensmittel reicht, die er in den Taschen verstaut. »Du wirst jetzt ganz schön zu schleppen haben.«

»Manchmal ist es halt nötig«, seufzt er und bezahlt.

Mit Taschen und Wasser beladen verlässt er den Tesco und geht ein paar Schritte, bevor er stehen bleibt und sich eine Zigarette gönnt. Tief inhaliert er den blauen Dunst, während er genießend die Augen schließt. Er raucht nur sehr selten, sodass ihm das Päckchen sicher einen guten Monat lang reichen wird.

Schließlich nimmt er sein Gepäck wieder auf und geht weiter. Bei der einzigen Fußgängerampel, an der er die Straße überqueren muss, sieht er sich kurz um, während er auf den vertrauten Summton wartet, der das Umspringen der Ampel von Rot auf Grün anzeigt. Auf diesem Teil seines Weges ist nicht wirklich viel los, da hier die Partymeile mit den meisten Klubs der Stadt beginnt – die haben um diese Uhrzeit noch geschlossen.

Wieder in seiner Wohnung, verstaut Darius seine Einkäufe und bereitet sich dann ein Gulasch zu. Während es im zugedeckten Topf vor sich hinköcheln muss, genießt er ein paar der frischen Trauben, bevor er heute zum dritten Mal unter die Dusche steigt und sich noch mal gründlich die Haare wäscht.

Auch die Waschmaschine ist inzwischen fertig geworden, weshalb er die Wäsche auf dem Balkon aufhängt und sich einen Stuhl daneben hinstellt, um sein spätes Mittagessen hier draußen genießen zu können.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Das war es auch schon. Ich hoffe, es hat euch gefallen.