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Kapitel 6

Der Unerwünschte Zusammenhang Von Sex Und Liebe — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 6

Hallo zusammen,

irgendwie scheint der Freitag so ein schöner Tag zum Hochladen zu sein. Also geht es jetzt auch gleich weiter. Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen.

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Kapitel 6:

Bester Laune betritt Darius das Büro und setzt sich hinter seinen Schreibtisch. Er summt sogar leise vor sich hin, während er seine Tasche in die große Schublade legt, die er extra für diesen Zweck frei von Akten hält.

Erstaunt über dieses ungewöhnliche Verhalten blickt Harold von seinem Bildschirm hoch. »Was ist denn mit dir los? Gute Laune an einem Mittwochmorgen? Du hast gestern länger gearbeitet und kommst trotzdem pünktlich?« Breit grinsend sieht Darius ihn an. »Ja, ich habe länger gearbeitet. Heute werden meine Hintergründe mit der Software verheiratet. Wenn alles klappt, müssen wir im schlimmsten Fall nur noch ein paar Kleinigkeiten anpassen und sind locker bis zur Präsentation am Freitag fertig.«

Anerkennend nickt Harold und beugt sich zu Darius herüber. »Jetzt aber mal ganz unter uns: Wer ist denn nun dein Partner bei dem Projekt? Hast du dir etwa doch Hilfe von einem Externen geholt? Ohne Jones was zu sagen und die nötigen Papiere auszufüllen?«

Immer noch grinsend schüttelt Darius den Kopf. »Nein, noch interner geht’s gar nicht. Aber ich habe versprochen, dass ich seinen Namen nicht verrate und da kannst du mich noch so lange mit deinem treudoofen Hundeblick ansehen«, erwidert Darius, während er gleichzeitig das Passwort für das Log-in eingibt. »Ich weiß ja noch nicht einmal, ob er überhaupt möchte, dass bekannt wird, dass er programmieren kann.« Gibt er dann doch noch zu, während er das Mailprogramm öffnet.

Darius überfliegt die eingegangenen E-Mails. Es ist eine von Steve dabei, die er zuerst öffnet:

Guten Morgen, Darius, wenn du schon fertige Bilder hast, dann schicke sie mir als JPEG-Anhang zu, damit ich sie einbinden kann. Mit freundlichen Grüßen, Steve Mitchell.

Darius ist verwirrt. So hatten sie das gestern aber nicht abgesprochen. Unsicher zögert er, aber dann greift er doch zum Telefon wählt Steves Durchwahl, um Samantha zu umgehen.

»Mitchell«, erklingt Steves Stimme, die Darius einen angenehmen Schauer über den Rücken jagt, den er aber zu ignorieren versucht.

»Guten Morgen. Darius Harper hier. Ich soll die fertigen Hintergründe schon jetzt schicken? Es fehlen aber noch vier Stück.«, vergewissert er sich.

»Guten Morgen, Darius. Ja, schick mir zu, was du hast. Dann kann ich mich in den ruhigen Minuten schon mal dransetzen, damit es heute Abend nicht ganz so spät wird.«

Darius markiert die fertigen Bilder, zieht sie in die Antwortmail an Steve und schickt sie ab. »Ist schon erledigt.«

»Okay, dann bis zum Sechzehn-Uhr-Termin.«

Noch bevor Darius etwas erwidern kann, hat Steve das Gespräch schon beendet, was ihn mit einem leisen Gefühl der Enttäuschung den Hörer auflegen lässt. »Ja, bis sechzehn Uhr«, murmelt er tonlos und atmet tief durch, bevor er sich den letzten Bildern zuwendet, die zum Glück nur noch etwas Feinschliff benötigen.

Ein widerlicher Geruch lässt Darius aufblicken. Unbemerkt hat Jones sich genähert und steht nun vor ihm.

»Mister Jones, was kann ich für Sie tun?«, fragt er möglichst freundlich und hofft, dass der Abteilungsleiter schnell wieder verschwindet.

Mit zusammengekniffenen Lippen erwidert Jones Darius’ Blick. »Wie geht’s mit dem Auftrag von Peach Computers voran? Bis jetzt habe ich von Ihnen nur ein paar Entwürfe erhalten, aber noch nichts wegen der Software. Nichts Vorzeigbares. Wehe, wenn Sie uns bei Präsentation blamieren. Sie sind ja nur noch auf Bewährung hier, wie mir Mitchell mitgeteilt hat.« Mit einem triumphierenden Blick mustert er Darius und grinst breit, als dieser ihn geschockt ansieht. »Ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie sich schon mal nach einer neuen Stelle umsehen und dann selbst kündigen. Das macht sich immer besser, als eine Entlassung. Und Sie wollen ja sicher auf der Insel bleiben«, gibt ihm Jones gespielt freundlich den Rat, ehe er sich umdreht und geht.

Darius verzieht das Gesicht. Der Gestank des Aftershaves ist einfach unerträglich und er stürzt regelrecht zu den Fenstern, die er weit aufreißt, um die herrlich frische Luft hereinzulassen, die nach den alten Bäumen duftet, die vor dem Fenster wachsen.

Tief durchatmend schließt er für einen Moment die Augen, um seine Nerven zu beruhigen. Das mit der angeblichen Bewährung lässt ihn vergleichsweise kalt. Aber dass Jones ihn tatsächlich raushaben will, setzt ihm ziemlich zu. Was hat der Kerl bloß gegen ihn? Geahnt hat er es ja schon, aber dass er wirklich so richtig gelegen hat … das tut trotz allem weh.

In seine trüben Gedanken versunken, bemerkt er gar nicht, dass seine Kollegen hereinkommen, und springt vor Schreck beinahe aus dem Fenster, als Harold ihm die Hand auf die Schulter legt.

Sich die Hand auf die Brust pressend dreht er sich keuchend um. »Verdammt, müsst ihr mich so erschrecken? Ich dachte schon, dass Jones wieder zurückgekommen ist!«, fährt er die beiden unwillkürlich an, schluckt dann aber schwer. »Entschuldigt, ich wollte euch nicht so anschreien.«

»Man riecht’s«, kichert Sebastian nur, während ihn Harold mit einem verständnisvollen Lächeln ansieht. »Du musst dich nicht entschuldigen. Das nächste Mal machen wir mehr Lärm, wenn wir reinkommen«, zwinkert er ihm zu und geht dann zu seinem Schreibtisch. Allerdings nicht, um sich hinzusetzen. Im Gegenteil, er schnappt sich mehrere Aktenmappen und eilt aus dem Büro.

Verwirrt starrt Darius ihm hinterher. »Ich wusste gar nicht, dass er heute außerhalb arbeiten muss. Hat er dir etwas in der Richtung gesagt?«

Sebastian hebt ratlos die Arme. »Na ja, er hat draußen einen Anruf bekommen, darum sind wir auch früher wieder aus der Pause gekommen. Er meinte, dass er dringend mit Jacob Harkness aus der Finanzabteilung reden muss.«

»Verstehe«, murmelt Darius nachdenklich, während er sich wieder an seinen Schreibtisch setzt.

Er will schon den inzwischen gesperrten PC entsperren, hält aber mitten in der Bewegung inne. Aus einer der Schubladen holt er eine nigelnagelneue Box mit Desinfektionstüchern und wischt alles ab, was sich auf dem Tisch befindet. Erst als wirklich alles mindestens einmal mit den Tüchern in Berührung gekommen ist, wirft er diese in den Papierkorb und kann jetzt auch wieder freier durchatmen. Den amüsierten Blick Sebastians ignorierend, verstaut er die Box wieder im Schreibtisch. »So und nun weiter im Text.« Grinst er vor sich hin und lässt die Fingerknöchel knacken.

***

Pünktlich auf die Minute steht Darius mit den Unterlagen und einer Schachtel Femina-Pralinen vor Samanthas Tür. Seltsamerweise nervös, streicht er sich mit der freien Hand das graue Hemd glatt, das perfekt zu seinen graublauen Augen passt. Sein verführerischstes Lächeln aufsetzend, klopft er an und betritt das Vorzimmer. »Einen wunderschönen Nachmittag wünsche ich. Wie geht’s meiner Lieblingssekretärin denn heute?« Er hält ihr mit einer galanten Verbeugung ihre Lieblingspralinen hin.

»Hallo, Darius. Was hast du mir denn da mitgebracht? Das wäre doch nicht nötig gewesen.« Strahlend nimmt sie die Pralinen entgegen. » Und dann sind das auch noch meine Lieblingspralinen! Darius, die sind doch viel zu teuer!«, ruft sie aus und drückt ihm einen Schmatzer auf die Wange.

Darius trifft fast der Schlag. Er hasst Schmatzer! Schon als Kind durfte ihn niemand so auf die Wangen küssen, nicht mal seine Eltern oder Großeltern!

»Nun schau nicht so verkniffen. Damit musst du schon rechnen, wenn du mir so eine Freude machst«, lacht Samantha, als sie sein Gesicht sieht. Sie geht zu Steves Büro, wo sie wie immer höflich anklopft.

Darius folgt ihr und sieht sich dabei genauer in dem Vorzimmer um. Die Pflanzen in der Ecke sind gestern noch nicht da gewesen. Als er bei Samantha ist, die ihm zuvorkommend die Tür aufhält, nickt er lächelnd.

»Alles Gute zum Geburtstag«, raunt er ihr zu, bevor er Steves Büro betritt.

Dieser sieht nur kurz zu ihm. »Setz dich, Darius. Ich bin gleich bei dir«, sagt er und sieht wieder auf den Bildschirm.

Leise setzt sich Darius auf einen der beiden bequemen Stühle und wartet geduldig. Dabei mustert er Steve unauffällig und registriert, wie sehr das dunkelrote Hemd diesem schmeichelt und seine natürliche Eleganz dezent untermalt.

Schließlich rollt Steve mit den Schultern und greift nach dem Glas Wasser, das er neben der Tastatur stehen hat. »Entschuldige bitte, dass du warten musstest, aber ich …«

»Kein Problem«, fällt ihm Darius ins Wort und muss sich räuspern, weil sein Mund von Steves Anblick trocken geworden ist. »Du hast mehr als genug zu tun. Auch ohne das Projekt.«

Schmunzelnd nickt Steve und deutet zur Sofaecke, wo schon der Laptop bereitsteht. »Gut, aber trotzdem musstest du beinahe eine halbe Stunde warten.«

Kurz streckt er seinen Rücken durch, bevor er Darius folgt, sich neben ihm auf das Sofa setzt und den Laptop aufklappt.

»Bis auf die letzten vier Grafiken habe ich alles eingefügt. Hast du sie dabei?« Fragend sieht er zu Darius, der ihm einen Stick hinhält.

Als Steve diesen entgegennimmt, berühren sich ihre Finger, was seine Fingerspitzen unwillkürlich kribbeln lässt und das Kribbeln scheint sich in seinem ganzen Körper auszubreiten. Das seltsame Gefühl mit Mühe ignorierend, steckt Steve den Stick in den Laptop und zieht die Dateien rüber auf den Laptop und beginnt die Graphiken nun in das Programm einzubauen.

Fasziniert beobachtet Darius, wie Steve die Bilder mit der Software verbindet. Auch wenn er überhaupt nicht versteht, was da gerade passiert.

Nach beinahe einer Stunde lehnt sich Steve zufrieden zurück und grinst ihn breit an.  »Bereit für einen Schnelldurchlauf?« Zwinkert er ihm zu und startet das Programm. »Die Bilder wechseln jetzt minütlich. Sonst sitzen wir ja morgen noch hier«, erklärt er und beobachtet, wie sein Mitstreiter mit beinahe kindlicher Faszination auf den Bildschirm starrt.

Als der Durchlauf fertig ist und wieder von vorn beginnt, strahlt Darius seinen Chef an: »Das ist ja um Welten besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Genial wie sich die Landschaft mit den Pfirsichbäumen fließend verändert ohne dabei störend zu wirken.« Seine Stimme überschlägt sich beinahe vor Begeisterung und er muss sich zurückhalten, um Steve nicht um den Hals zu fallen.

Beruhigend hebt dieser nun die Hand. »Du hast ja noch nicht alles gesehen.« Mit einem gewissen Stolz auf sich und seine Arbeit demonstriert er nun, was passiert, wenn man einen der Ordner öffnen will. Kaum fährt er mit der Maus darüber, springt er optisch ein bisschen nach vorn und wird von einer leichten Korona umgeben, die sich verstärkt, als er den Ordner anklickt. »Na, was meinst du? Ist doch mal was anderes, als das Nullachtfünfzehn-Zeugs.«

»Das ist absolut cool. Genau so habe ich es mir vorgestellt«, staunt Darius und schlägt ihm kumpelhaft auf die Schulter. »Mit dir arbeite ich gern wieder zusammen. Es fehlen wirklich nur noch ein paar Kleinigkeiten, dann kannst du übermorgen dem Vorstand von Peach Computers eine perfekte Arbeit präsentieren – oder lässt du das etwa Jones machen?«

Mit verschränkten Armen lehnt sich Steve zurück und blickt auf den Bildschirm. »Warum ich allein? Du hast viel mehr Zeit als ich investiert, also wirst du übermorgen natürlich auch mit dabei sein. Jones wird nur als Abteilungsleiter anwesend sein. Da er ja keine Details zu dem Projekt kennt, macht es keinen Sinn, wenn er die Präsentation übernimmt.«

Unwillkürlich rümpft Darius die Nase, als er nur schon daran denkt, dass er über einen längeren Zeitraum mit Jones zusammen in einem Raum sein wird. Er sagt jedoch nichts, da es wirklich seltsam aussehen würde, wenn dieser bei der Präsentation nicht anwesend wäre.

»Was ist los? Du siehst aus, als würdest du faule Eier riechen«, fragt Steve verwirrt.

»Du findest nicht, dass Jones’ Aftershave stinkt? Ich meine … ich halte den Geruch kaum aus, wenn er mit mir in einem Raum ist und ich bin nicht der Einzige, dem es so geht«, wundert sich Darius.

Einen Moment lang starrt Steve ihn an, dann kann er sich das Lachen nicht mehr verkneifen. »Entschuldige bitte, dass ich so lache. Es ist nur so, dass es nicht Jones’ Aftershave ist, das so riecht. Er leidet an einer seltenen Stoffwechselstörung, weshalb sein Schweiß einen extrem starken Geruch entwickelt«, erklärt er, dabei immer noch vor sich hin glucksend. »Soweit ich weiß, verbringt er viel Zeit damit, sich unter den Achseln zu waschen und mit einem medizinischen Deo zu behandeln.«

Mit offenem Mund hört Darius zu und schluckt. »Das wussten wir nicht. Wir dachten immer, dass er ein furchtbares Aftershave benutzt. – Aber wir haben uns nie etwas anmerken lassen«, versucht sich Darius zu rechtfertigen, verstummt aber, als Steve ihm die Hand auf die Schulter legt.

»Ihr konntet es nicht wissen, das soll ja auch ein Geheimnis bleiben. Ich weiß es nur, weil … Vermutlich macht er sich immer noch mal frisch, bevor er bei mir einen Termin wahrnimmt. Mir ist der Geruch zwar aufgefallen, aber nicht so extrem. So viel Glück habt ihr wohl nicht.« Er grinst verlegen. Leicht drückt er Darius’ Schulter. »Gut, da wir das jetzt geklärt haben, machen wir uns an den Feinschliff.« Er wendet sich wieder dem Laptop zu.

Darius hat ein schlechtes Gewissen, dass er Jones so unrecht getan hat, aber nur kurz, denn dann wird ihm klar, dass sich ihr Abteilungsleiter offenbar nicht die Mühe macht, sich vor einem Gespräch mit ihnen zu waschen! Und das, obwohl der Kerl ganz genau wissen muss, wie sehr er stinkt! Darius merkt, wie die Wut in ihm hochkochen will, weshalb er den Gedanken schnell beiseiteschiebt und sich wieder auf den Laptop konzentriert. Steve tippt in einer kleinen Box am Bildschirmrand Code ein, worauf sich Stück für Stück die fehlenden kleinen Puzzleteile in der Oberfläche einfinden – die Ecken waren bisher eckig und werden nun gerundet, die Ordnernamen werden mit einem dezenten Schlagschatten unterlegt und die einblendbaren Hauptmenüs passen sich farblich dem jeweiligen Hintergrund an, was Darius verblüfft schnaufen lässt.

»Du musst Bild zehn noch mal machen«, stellt Steve fest. »Der Übergang ist nicht korrekt, hier – siehst du?«

Darius nickt und greift nach dem Laptop. »Das kann ich sofort machen.«

Als Darius auf die Uhr blickt, ist es schon nach acht. Ein Stöhnen entschlüpft ihm.

»Was ist los? Gibt es ein Problem?«, will Steve wissen, während er den Laptop zuklappt.

»Es ist nichts. Ich habe nur den letzten Bus verpasst.« Dass er jetzt einen langen, sehr langen Fußmarsch vor sich hat, weil ihm ein Taxi zu teuer ist, erwähnt Darius nicht.

Einen Moment lang schweigt Steve, während er den Laptop in einer edlen Ledertasche verstaut. »Ich fahre dich nach Hause«, meint er dann, nimmt sein Jackett von der Garderobe und führt den sprachlosen Darius zur Tür.

Als sie durch den nur noch schwach erleuchteten Flur auf dem Weg zu den Aufzügen sind, findet Darius seine Stimme wieder: »Aber Steve, das kann ich doch nicht annehmen. Du willst doch sicher auch nach Hause …«

Steve schüttelt den Kopf. »Ich bin mit dem Auto hier. So groß kann der Umweg ja nicht sein. Es ist eine kleine Insel, weißt du?«

Darius lächelt, als sie in die Kabine treten. Sein Blick fällt auf die verspiegelte Wand und unwillkürlich kommt ihm der Gedanke, was er hier und jetzt mit Steve anstellen und sie beide dabei im Spiegel beobachten könnte … unbewusst leckt er sich über die Lippen.

Auf einmal bemerkt er, wie es in seiner Hose enger wird. Sofort zwingt er seine Gedanken in eine unerotische Richtung – Jones, wie er Speichelfäden versprühend und stinkend vor seinem Schreibtisch rumbrüllt – und atmet erleichtert auf, als sich die Türen in der ersten Etage öffnen.

»Bin gleich zurück, geh schon vor«, ruft er Steve zu und eilt in sein Büro, um seine Sachen zu holen. Verdammt, das ist mir schon lange nicht mehr passiert, wundert er sich und greift sich beherzt in den Schritt, um die Kronjuwelen wieder an Ort und Stelle zu rücken, nachdem die Aufzugtüren sich hörbar geschlossen haben und er sich alleine wähnt.

»Kein Problem. Ich warte unten am Empfang«, ruft Steve Darius durch die sich schließenden Türen nach. Mit einem leichten Lächeln lehnt er sich nun an die Kabinenwand. Er muss vor sich selbst zugeben, dass er den Abend mit ihm sehr genossen hat. Dabei haben sie doch nur gearbeitet!

»Du weißt gar nicht, wie verrückt du mich machst«, murmelt Steve vor sich hin, als er im Erdgeschoss die Kabine verlässt. Kopfschüttelnd geht er dem inzwischen elegant und modern gestalteten Flur entlang, bis er den Empfang erreicht, wo er sich entspannt mit dem Rücken an den Tresen lehnt.

Lange muss er nicht auf Darius warten. Schon nach wenigen Minuten kommt dieser angelaufen, sich dabei noch die schwarze Lederjacke anziehend, die einen interessanten Kontrast zu dem eleganten Hemd bildet. Dazu noch die alte Freitag-Tasche, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben muss.

»Bereit?«, fragt Steve.

»Ja, dann zeig mir mal deinen Wagen«, grinst Darius schelmisch und folgt Steve nach draußen.

Der Parkplatz ist um diese Zeit nur noch schwach beleuchtet. Es steht nur ein Auto da. Noch kann Darius nicht erkennen, was für ein Modell es ist, aber von der Form her sieht der Schlitten nicht schlecht aus.

»Ein Rover?«, ruft Darius verblüfft, als er den Wagen erkennt. »Du machst wohl Scherze!« Er muss sich ein breites Grinsen verkneifen, als er den verwirrten Ausdruck in Steves Gesicht sieht. »Das ist doch so was von oldschool. Werden diese Karren nicht nur von Rentnern mit zu viel Geld gefahren?« Trotz seiner Worte mustert er den silbernen Wagen mit einem anerkennenden Blick, während dieser per Knopfdruck entriegelt wird.

Als Darius sich in den bequemen Sitz sinken lässt, seufzt er genüsslich auf.

Steve sagt nichts zu der Aussage, dass er einen Rentnerwagen fährt, grinst aber breit. »Der Wagen erfüllt seinen Zweck. Mit vierzig hat man schon gern eine Sitz- und eine Lenkradheizung. Die Bequemlichkeit das Alters eben«, erklärt er trocken, während er den Wagen startet und langsam vom Parkplatz rollt. »Also, wo soll es denn hingehen, Mister Harper?«, fragt er Darius, den Tonfall seines Chauffeurs in London imitierend.

Entspannt lehnt sich Darius im Sitz zurück. »Mosergarden zehn«, erwidert er. Ein bisschen hatte er gehofft, Steve wüsste das, aber warum sollte der die Adressen seiner Angestellten kennen. Er seufzt, als Steve ihn fragend ansieht. »Fahr mal in Richtung Uranus, das ist ganz in der Nähe, wie du weißt. Es sei denn, du hast meine Wohnung mit geschlossenen Augen verlassen, als du verschwunden bist.« Er wollte die Worte nicht vorwurfsvoll klingen lassen, merkt aber, dass ihm das nicht wirklich gelungen ist. Verlegen dreht er den Kopf zur Seite und starrt aus dem Fenster.

Mit einem plötzlich schlechten Gewissen blickt Steve kurz zu Darius, konzentriert sich aber sofort wieder auf die Straße. »Ich musste nach London fliegen, um …«

»Du musst dich nicht rechtfertigen. Ich bin ja schließlich nicht deine Ehefrau«, versucht sich Darius an einem Scherz, um zu überdecken, dass es ihn doch mehr verletzt hat, als er es sich selbst bisher eingestehen möchte.

Steve blickt nur kurz zur Seite und schweigt. Dabei versucht er den Stich in seiner Brust zu ignorieren, den Darius Worte verursacht haben.

Tatsächlich findet er den Weg vom Uranus aus ohne weitere Hinweise und hält vor Darius’ Wohnung an.

»Es tut mir wirklich leid. Ich wollte dich mit meinem Weggehen nicht verletzen. Aber wenn du es sowieso nicht wissen willst … Ich würde sagen, wir treffen uns morgen um die gleiche Zeit noch einmal, sehen uns das endgültige Ergebnis an und besprechen den Ablauf der Präsentation. Einverstanden?«

Darius sieht ihn nicht an, als er sagt: »Ja, morgen um sechzehn Uhr. Ich werde wie immer pünktlich sein. Danke fürs nach Hause fahren.« Er öffnet die Tür.

Dann zögert Darius kurz. »Ich will es hören, aber nicht jetzt. Gute Nacht«, murmelt er und steigt aus, bevor Steve noch etwas sagen kann.

«Gute Nacht«, flüstert Steve tonlos, während er ihm nachblickt, bis Darius im Hausflur verschwunden ist.

Er muss jetzt beinahe den ganzen Weg wieder zurückfahren, wohnt er doch immer noch im Hilton in der Nähe der STM.

In seiner Wohnung pfeffert Darius die Schuhe in die Ecke und auch der Jacke geht es nicht viel besser. »Verdammt! Das darf doch nicht wahr sein!«, flucht er und schlägt gegen die Wand, nur um sich dann die schmerzende Hand zu reiben. Ganz ruhig … du musst nur noch morgen und übermorgen so eng mit ihm zusammenarbeiten und dann siehst du ihn nur noch bei den jährlichen Gehaltsrunden.

Er stapft unbeherrscht ins Wohnzimmer, wo er den Scotch aufbewahrt. Nur ein Glas, mehr nicht. Das letzte Mal verkatert zur Arbeit gehen zu müssen hat ihm gereicht.

Das leicht brennende Gefühl in seiner Kehle genießend, stellt sich Darius auf seinen kleinen Balkon und sieht nach oben. Inzwischen ist es so dunkel, dass er ohne die Straßenlaternen nichts mehr von seiner Umgebung sehen würde. Aber das stört ihn ebenso wenig, wie die inzwischen doch relativ kühle Luft, die er durch den dünnen Stoff seines Hemdes spüren kann.

Er weiß nicht, wie lange er auf dem Balkon gestanden hat, als sich sein Magen lautstark zu Wort meldet und ihm bewusst wird, wie kalt es inzwischen geworden ist. Fröstelnd geht er wieder zurück in die Wohnung und schließt die Balkontür, bevor er in die Küche geht und sich das restliche Risotto vom Vortag in der Mikrowelle aufwärmt.

***

Steve steht mit einem Glas Whisky am Fenster der großen Penthousesuite und denkt darüber nach, was heute … nein, eigentlich schon vor Wochen passiert ist; wieso er sich in der Nacht auf Darius einließ und was in der letzten Zeit mit ihm los ist, wenn er sich in der Nähe seines Mitarbeiters befindet.

Den letzten Schluck von dem gut dreißig Jahre alten Whisky trinkend, dreht er sich von dem unglaublichen Panoramablick auf die Bucht ab, um sich an den Laptop zu setzen und noch etwas zu arbeiten, ehe er weit nach Mitternacht erschöpft ins Bett fällt.

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Das war es jetzt auch schon wieder. So langsam fängt es an etwas zwischen den beiden zu knistern. Oder was meint ihr?