Kapitel 7
Kapitel 7
Hallo zusammen,
ich hoffe, ihr habt immer noch Spass beim Lesen.
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Kapitel 7:
Nervös steht Darius mit einem möglichst ruhigen Gesichtsausdruck vor der Tür zum großen Sitzungszimmer, in dem schon alles für die Präsentation vorbereitet ist. Er wartet auf die Ankunft der Manager von Peach Computers. Eigentlich ist es so wie immer, doch diesmal ist Steve mit dabei. Und Jones. Der will ihm ja offenbar eins reinwürgen, um die schlechte Bewertung zu begründen.
Endlich kommt Steve mit den Leuten von Peach Computers und leider auch Jones. Sofort öffnet Darius mit einem professionellen Lächeln die Tür und bittet sie herein. Es stehen schon Getränke und Schalen mit Gebäck auf dem großen Tisch bereit. Der Laptop von Steve ist mit dem Beamer verbunden und Darius hat bereits einen Funktionstest durchgeführt.
Nachdem er die Tür geschlossen hat, setzt er sich neben Steve an den Tisch. Zu seinem Leidwesen nimmt Jones ihm gegenüber Platz. Da er an der Tür unwillkürlich die Luft angehalten hatte, als Jones an ihm vorbeiging, wappnet sich Darius nun gegen die Konfrontation mit der Stinkwolke – doch sie bleibt aus. Nur ein ganz leichter Geruch nach frisch aufgetragenem Deo und Aftershave trifft auf seine Geruchsnerven. Klar: Boss und Kunden, da will er nicht müffeln. Zwar lässt das Darius erleichtert aufatmen, aber es macht ihn gleichzeitig auch wütend: Wieso kann sich der Kerl denn nicht auch waschen, wenn der Chef nicht dabei ist?
So in diese Überlegung vertieft, verpasst Darius beinahe den Beginn der Präsentation. Sich gedanklich zur Ordnung rufend, wendet er sich Steve zu, der sich erhebt und alle Anwesenden begrüßt, erläutert, was sie gemacht haben und was ihre Überlegungen zur Durchführung des Projektes waren.
»Also, meine Herren, dann lasse ich mal das Ergebnis für sich sprechen«, schließt er seine Einführungsrede und startet das Programm, bevor er sich wieder auf den Stuhl sinken lässt. »Denken Sie daran, das ist jetzt der Schnelldurchlauf, mit einem Wechselintervall von dreißig Sekunden. Gedacht ist, dass sich der Hintergrund jede Stunde fließend ändert, wenn der Nutzer keine andere Einstellung wünscht.«
Während des Durchlaufs herrscht Schweigen. Anschließend wechselt der Laptop in den Standardmodus und Steve führt das Verhalten der Icons vor, fährt die Menüs aus und erläutert die einzelnen Aspekte.
***
Die Präsentation dauert noch eine weitere Stunde, bis alle Punkte besprochen sind und sich die Leute von Peach Computers zufrieden verabschieden. Erleichtert atmet Darius auf, als sie gehen, kann aber die wütenden Blicke von Jones regelrecht in seinem Rücken spüren. Sich anspannend wendet er sich zu ihm um und will etwas sagen, aber da hat sich Jones schon umgedreht eilt mit weit ausgreifenden Schritten zu den Aufzügen.
Ihm nachblickend fragt sich Darius erneut, warum dieser ihn so sehr hasst, dass es ihm sogar gegen den Strich geht, dass der Auftrag erfolgreich erledigt wurde und sie sogar die Zusage für weitere Aufträge erhalten haben.
»Was ist denn mit dem Kerl los?«, murmelt er leise und erstarrt, als er eine Hand auf der Schulter spürt. Es ist Steve.
Dieser lächelt traurig. »Jones war davon überzeugt, dass du den Auftrag nicht erfüllt hast und es nur nicht zugeben wolltest. Es war für ihn gelinde gesagt ein Schock, als er die Präsentation sah. Und dass Parrish, der bei der ersten Präsentation eigentlich nie zufrieden ist, wie Jones mir sagte, gleich weitere Aufträge in Aussicht gestellt hat, kommt noch obendrauf.«
Den Blick senkend schluckt Darius. »Verstehe. Und was bedeutet das jetzt?« Er fürchtet sich unsinnigerweise vor der Antwort.
»Na ja, ich habe in den letzten Wochen mit den früheren Arbeitgebern von Jones gesprochen, die ziemlich direkte Worte gefunden haben. Zusammen mit meinen eigenen Beobachtungen …« Steve bricht ab und spricht auch nicht weiter, als Darius ihn fragend ansieht.
»Du wirst es sehen«, meint er schließlich. »Jedenfalls hast du nichts zu befürchten, also mach dir keine Sorgen.« Steve nickt ihm zu und geht zu den Fahrstühlen.
Er dreht sich auf halbem Weg noch einmal um. »Ach ja: Gute Arbeit. Jetzt kann ich wirklich mit einem guten Gewissen sagen, dass du zurecht zu den Kunden geschickt wirst, um deine Arbeit zu präsentieren. Auch wenn du heute nur Fragen beantwortet hast. Du warst so gut vorbereitet, dass du jederzeit für mich hättest übernehmen können – das schätze ich bei meinen Mitarbeitern.« Dann erreicht er die Aufzüge und verschwindet in einer der Kabinen.
Sprachlos steht Darius da und kann kaum glauben, was er gerade gehört hat. Zu seinem Leidwesen hat aber auch Mary vom Empfang alles gehört und so, wie er sie einschätzt, wird spätestens am Montag jeder in der Firma jedes einzelne Wort dieser Ansprache kennen. Also auch Jones!
Gequält aufstöhnend vergräbt Darius das Gesicht in den Händen. Atmet dann aber tief durch und lächelt sie freundlich an, während er an ihr vorbei zum Treppenhaus geht. Er nimmt die Treppe, um sich wieder zu beruhigen und seine Gedanken zu ordnen. Eigentlich kann es ihm ja egal sein, Steve hat ihm versichert, er habe nichts zu befürchten. Das war quasi eine Jobgarantie.
Als er oben ankommt, geht er gelassen durch den Flur zu seinem Büro und ignoriert dabei die neugierigen Blicke der Kollegen. Er hofft, dass Harold und Sebastian gerade eine rauchen sind und hat Glück; die beiden sind wirklich nicht da, sodass er sich setzen und für einen Moment entspannen kann. Dabei löst er den Knoten seiner mitternachtsblauen Krawatte und zieht sie sich mit einem erleichterten Aufatmen vom Hals. Er stopft sie in die Tasche der gleichfarbigen Anzugjacke und öffnet den obersten Knopf seines weißen Hemdes. Er hasst es, wenn er Anzüge tragen muss, aber was macht man nicht alles für die perfekte Präsentation und für den heißen CEO, der in dem schwarzen Armanianzug einfach nur zum Anbeißen lecker ausgesehen hat. Zu schade, dass er es vorhin verpasst hat, den Anblick noch etwas länger zu genießen.
Darius blickt nach draußen. Das Wetter ist herrlich und er sitzt hier bei geschlossenen Fenstern rum. Kurz entschlossen steht er auf und lässt die herrlich frische Luft rein.
Zufrieden setzt er sich wieder hin und entsperrt seinen Rechner, nur um ihn reflexartig mit der Windowstaste wieder zu sperren, da Jones in dem Moment die Tür aufreißt und auf ihn zustürmt: »Was sollte das, Harper? Sie haben dieses Programm doch unmöglich selbst geschrieben und keiner, der dazu in der Lage wäre und hier arbeitet, hatte die Zeit, das so schnell zu erledigen! Sie sind Ihren Job so was von los, wenn Sie, ohne die nötigen Dokumente auszufüllen, einen Externen mit dieser delikaten Aufgabe betraut haben! Und dazu noch das regelwidrige Öffnen der Fenster!«, brüllt Jones mit sich überschlagender Stimme.
Einige Sekunden lang starrt Darius den tobenden und vermutlich wegen der Aufregung wieder heftig stinkenden Mann an, dann steht er mit zusammengekniffenen Augen auf. »Erstens ist die Software von einem der dafür befugten STM-Mitarbeiter. Sie können gern zu Mitchell gehen und ihn fragen, er weiß nämlich darüber Bescheid. Und zweitens steht nirgendwo, dass wir die Fenster nicht öffnen dürfen«, sagt er absolut ruhig und deutet auf das Telefon. »Sie können Mister Mitchell gern von hier aus anrufen.« Fest sieht er in das vor Wut rote Gesicht, während er gleichzeitig so flach wie möglich atmet.
Mit einem triumphierenden Blitzen in den Augen greift Jones nach dem Hörer. »Hier ist Jones. Verbinden Sie mich bitte mit Mister Mitchell«, blafft er in den Hörer und schnaubt ungehalten, als es ihm nicht schnell genug geht.
Darius ist etwas verwundert, dass er nicht die Durchwahl hat.
»Mister Mitchell, ich bin gerade bei Harper im Büro, um ihn zur Rede zu stellen«, sagt er zuckersüß und nickt dann. »Ja, natürlich. Ich komme gleich vorbei«, sagt er und legt wieder auf. »Spätestens Montag können Sie den Tisch räumen und sich einen neuen Job suchen, Harper!«, zischt er und stolziert mit stolz geschwellter Brust zur Tür. »Und schließen Sie die Fenster!«, faucht er noch, bevor er geht.
Den während des Telefonats unwillkürlich angehaltenen Atem ausstoßend, sinkt Darius zurück in den Stuhl. Obwohl er weiß, dass er nichts zu befürchten hat, zittern seine Hände, als er sich durch die Haare fährt. »Was hat der Kerl nur gegen mich?«, fragt er sich erneut und reibt sich die Augen.
Als Harold und Sebastian kommen, sehen sie das geöffnete Fenster und schnuppern kurz. Sie tauschen einen wissenden Blick aus.
»Ärger im Paradies?«, fragt Harold.
Darius verschränkt stöhnend die Hände hinter dem Kopf. »Jones hat eine Mordswelle gemacht, unter anderem, weil ich die Fenster geöffnet habe. Der hat ganz klar etwas gegen mich, nur weiß ich nicht, was.« Er sieht zu der tapfer ums Überleben kämpfenden Zimmerpflanze, die es immerhin schon seit sechs Monaten bei ihnen aushält – Rekord!
»Ich kann es dir leider auch nicht sagen«, meint Harold. »Du bist immer korrekt, kommst nicht zu spät, gehst nicht zu früh … Im Gegenteil, du bist meistens derjenige, der Überstunden schiebt, um ein Projekt rechtzeitig fertig zu bekommen. Also mach dir wegen dem Scheißkerl nicht zu viele Gedanken.« Aufmunternd drückt er Darius Schulter.
»Das wird schon, Kleiner«, zwinkert Sebastian ihm zu.
Darius verdreht die Augen. »Ich bin mit meinen dreiunddreißig Jahren vielleicht der Jüngste von uns dreien, aber nenn mich nicht Kleiner «, motzt er Sebastian an, der gerade mal vier Jahre älter ist.
»Nun sei doch nicht gleich beleidigt. Wir nennen Harold doch auch manchmal Opa, weil der mit bald fünfundfünfzig schon kurz vor der Rente und dem Scheintot steht«, meint Sebastian grinsend und konzentriert sich auf seinen Bildschirm, während Harolds Blicke ihn durchbohren.
»Ach, alter Mann, dafür musst du dich nicht mehr so lange mit Jones rumschlagen«, tröstet ihn Darius, was ihm auch einen feurigen Blick einbringt.
»Ich scheiß auf euch«, brummt Harold und geht zur Tür.
»Ach nun komm«, ruft Darius erschrocken.
»Beruhig dich, er geht nur aufs Klo«, sagt Sebastian nur, als die Tür hinter Harold lautstark ins Schloss fällt.
Dann geht sie wieder auf und Harold hält grinsend den ausgetreckten Mittelfinger herein. Dann klappt die Tür erneut zu.
Sebastian sieht Darius an. »Harold hat doch in vier Monaten Geburtstag. Nun verdreh nicht die Augen, weil ich jetzt schon damit anfange.« Er blickt kurz zur Tür. »Wir wollen im Orion eine Party für ihn schmeißen, schließlich wird man nur einmal im Leben fünfundfünfzig. Du weißt, dass man den Klub so weit im Voraus buchen muss. Also bist du dabei?« Fragend sieht er Darius an.
Trotz seiner Abneigung gegen den altbackenen Klub nickt dieser. »Na klar bin ich mit dabei. Bucht den Laden. Die Details besprechen wir dann am besten kurz vor …«
Schon geht die Tür wieder auf.
»Durchfall?«, meint Sebastian nur.
»Nee, keine Lust mehr gehabt. Das Klo roch nach Abteilungsleiter.«
Sie grinsen.
Dank seiner Kollegen nun wieder ziemlich gut gelaunt, weckt Darius seinen Computer auf und trägt in sein persönliches Protokoll detailliert ein, wie die Präsentation gelaufen ist.
***
Sie machen gemeinsam und vor allem pünktlich Feierabend. Schwatzend gehen die Drei zum Treppenhaus, wobei Harold rummault, dass sie doch genauso gut den Aufzug nehmen könnten.
Kollegial legt ihm Darius die Hand auf die Schulter. »Du bist doch auf Diät, weil dein Blutdruck zu hoch ist. Ich habe da letztens einen Bericht gesehen, dass Treppensteigen sich gut auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt. Also nutze doch diese Gratismöglichkeit, um etwas für deine Fitness und deine Gesundheit zu tun«, meint er.
»Seit wann bist du Experte für Herz und Kreislauf?«, will Harold etwas genervt wissen, steigt dann aber ohne weiter zu protestieren die steinernen Stufen nach unten.
»Was meint ihr, wann werden auch hier die Wände neu gestrichen? Und bekommen wir wirklich auch solche grünen Farbakzente, wie das Foyer und die Chefetage?«, fragt Sebastian, als sie an dem ewigen dunkelgrauen Fleck auf der weißen Wand vorbeikommen.
Darius folgt Sebastians Blick und zuckt mit den Schultern. »Keine Ahnung. Mitchell ist jedenfalls fleißig dabei, sein Büro und auch das große Sitzungszimmer umzugestalten. Vielleicht kommen wir danach ja auch noch in den Genuss.«
»Du musst es ja wissen. Dank Jones musstest du ja in den letzten Wochen regelmäßig beim CEO antraben und ihm Rede und Antwort stehen. Was ist dabei eigentlich rausgekommen?«
Mit einem nichtssagenden Grinsen zuckt Darius mit den Schultern. »Keine Ahnung. Ich darf meinen Job wohl behalten, bin aber nicht wirklich sicher, ob ich das mit so einem Chef wie Jones überhaupt möchte.«
Einen Moment lang sehen sich Harold und Sebastian schweigend an.
»Darius, es ist logisch, dass du dich das fragst. Aber ich bin sicher, dass wir Jones nicht mehr lange werden ertragen müssen. Keiner kann sich doch auf Dauer so unmöglich verhalten, ohne dass das Konsequenzen hat. Halte noch etwas durch. Du bist immerhin schon über zehn Jahre hier und der Typ gerade mal eins. Da kannst du dich von dem doch nicht vergraulen lassen«, sagt Harold und knufft ihn leicht gegen den Arm.
Tief atmet Darius durch. »Na gut. Ich warte noch bis Ende des Jahres, bis wir die endgültige Leistungsbewertung haben. Wenn sich bis dahin aber nichts geändert hat, bin ich weg. Das halte ich auf Dauer einfach nicht aus.«
Er winkt den beiden zu und marschiert zur Haltestelle.
»Was meinst du? Wird er bleiben?«, möchte Sebastian nach einem Moment des Schweigens wissen.
Harold schüttelt den Kopf. »So, wie es jetzt aussieht, wird er wohl gehen. Was ich auch verstehen kann. Das ist doch wirklich kein Zustand.«
»Tja«, brummt Sebastian, »weiß der Teufel, was Jones da treibt. Ach … sag mal, kannst du mich mitnehmen? Mein Auto ist in der Werkstatt.«
»Das fällt dir aber früh ein. Dann komm.«
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Das war es dann auch schon für diese Woche. Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen.