Kapitel 8
Kapitel 8
Hallo zusammen
Es ist wieder Zeit für das nächste Kapitel. Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen.
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Kapitel 8:
Mit gesenktem Blick steht Darius an der Bushaltestelle und zerbricht sich den Kopf darüber, was er machen soll. Eigentlich macht er die Arbeit sehr gern und mag die Kollegen. Aber wenn Jones bleibt … Nein, das ist es ihm nicht wert.
Auf einmal hält ein Auto vor ihm. Mit gerunzelter Stirn beobachtet er, wie sich das Fenster auf der Beifahrerseite senkt und den Blick auf den Fahrer freigibt.
»Soll ich dich mitnehmen? Wir haben ja immerhin einen erfolgreichen Abschluss zu feiern.« Lächelnd sieht Steve Darius an, der sich nach kurzem Zögern einen Ruck gibt und einsteigt.
»Was bedrückt dich? Ist es wegen Jones?« Besorgt mustert Steve seinen Beifahrer.
Aber Darius schüttelt nur den Kopf.
Seufzend fährt Steve los. »Mein Haus wird gerade umgebaut, sonst würde ich mit dir dort hinfahren und uns von meinem Koch ein Essen zaubern lassen, aber so denke ich, dass es auch ein Restaurant tun wird.« Er fährt auf die Straße, die hoch zur Rundfeste führt.
Es dauert einen Moment, bis Darius realisiert, was Steve da gesagt hat. »Was? Du hast einen eigenen Koch?« Geschockt starrt er ihn an.
Steve nickt. »Und auch eine Putzfrau und einen Chauffeur, der gleichzeitig auch mein Gärtner ist. Die Drei sind allerdings noch in London, da sie hier ja noch nichts zu tun haben. Aber in einem Monat sollte alles soweit fertig sein, dass ich mein Haus beziehen kann und dann kommen sie nach.«
»Du musst ja verdammt reich sein, wenn du dir auch privat Angestellte leisten kannst«, murmelt er und blickt zu dem größer werdenden Tonum auf. »Dir ist bewusst, dass das Restaurant da oben sauteuer ist?«
Schmunzelnd nickt Steve und fährt auf den Parkplatz, der gut zweihundert Meter von der Feste entfernt ist. Ab hier beginnt das Naturschutzgebiet, in dem Autos verboten sind. »Ja, es hat stolze Preise, aber der Koch ist ein Genie und das Essen ist jedes einzelne Pfund wert.«
Darius kann da nicht mitreden, da er sich zwar die Karte des Stronghold im Internet mal angesehen, aber es aus Kostengründen nicht mal betreten hat, obwohl er im Sommer oft hier oben im Wald unterwegs ist.
»Willst du nicht aussteigen?«, reißt ihn Steve aus seinen Gedanken und sieht ihn durch die geöffnete Beifahrertür fragend an. »Sie haben heute eine spezielle Karte. Australische Spezialitäten, wenn ich mich nicht irre.«
»Ich komme schon«, erwidert Darius leise und steigt mit seltsamerweise weichen Knien aus. Er umklammert den Riemen der Freitag-Tasche.
Tief die nach Fichtennadeln duftende Luft einatmend, sieht er mit einem schiefen Grinsen zu Steve, während er auf die bunte Tasche deutet. »Wenn ich das gewusst hätte, dass du mit mir in diesen Edelschuppen gehst, hätte ich sie im Büro gelassen und nur das Wichtigste mitgenommen.«
Lachend verschließt Steve den Wagen und wendet sich dem breiten Fußweg zu, der neben einem schmalen Pfad nach oben zum Haupttor des Tonums führt. Dennoch besteht er eigentlich nur aus festgestampfter Erde, die mit Fichtennadeln bedeckt ist, sodass ihre Schritte regelrecht zu federn scheinen, als sie ihm nach oben folgen.
Meistens sind sie im Schatten der Bäume unterwegs, der dank der tief stehenden Sonne noch dunkler als sonst zu sein scheint, aber an den Stellen, wo ein Sonnenstrahl die Erde berührt, glitzern aufgewirbelte Staubpartikel in der Luft.
»Es ist schön hier. Trotzdem war ich erst zweimal hier«, murmelt Steve nach gut der Hälfte des Weges.
Mit einem leisen Brummeln nickt Darius. »Ich bin im Sommer regelmäßig hier oben. Es gibt ein paar tolle Wanderwege, aber oft bleibe ich auch einfach nur beim Tonum und beobachte die zahmen Hirsche im Festungsgraben. Die sind so süß. Besonders wenn sie Junge haben. Ich vergesse dabei die Zeit und meine Sorgen.«
Mit einem verträumten Blick geht er weiter und vergisst sogar, dass er nicht allein ist. Auf der Zugbrücke bleibt er stehen und blickt nach unten in den Graben, wo die Hirsche in aller Ruhe fressen, während die Kitze wilde Haken schlagen, nur um dann gleich wieder zu ihren Müttern zu rennen und zu trinken.
»Ein friedliches Bild«, sagt Steve nach einer Weile leise und lehnt sich dabei entspannt an die Brüstung, um besser nach unten sehen zu können.
»Ja, das ist es. Man muss aber meistens Geduld und auch etwas Glück haben, um die Kleinen wirklich in Aktion sehen zu können. Wenn zu viele Leute hier sind, dann verstecken ihre Mütter sie oft im Stall und bleiben auch selbst eher im Hintergrund. Ab und zu gibt es aber auch den einen oder anderen Frechdachs, der dann trotzdem draußen allein rumspringt«, erzählt Darius und deutet dabei auf eine etwas abseits stehende Hirschkuh, die gerade ihr Kitz säugt. »Der Kleine da, der ist so ein Kandidat. Ich denke, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er auch ohne sie herumrennt und jede Ecke auf eigene Faust erkundet.«
Gebannt hört sich Steve mit einem warmen Lächeln Darius Erzählung an. »Das hört sich toll an. Ich sollte wohl wirklich öfter hier hochkommen.«
»Ja, das solltest du«, stimmt Darius zu und will noch etwas sagen, als sein Magen laut und deutlich knurrt. Reflexartig legt er die Hand auf den Störenfried.
»Gehen wir essen, bevor du noch verhungerst«, lacht Steve.
Verlegen nickt Darius und wendet sich von dem Anblick der Hirsche ab. Sie gehen weiter über die Zugbrücke, bis sie den Torbogen erreicht haben. Dort bleibt Darius stehen und blickt nach oben zu dem Eisengitter, von dem jetzt nur die Zacken zu sehen sind. Er lächelt, als er daran denkt, wie er mal während der dreiwöchigen Winterpause hier oben war und das Tor verschlossen und mit runtergelassenem Eisengitter vorgefunden hatte.
Als Steve neben ihn tritt, löst er sich von dem Anblick, geht weiter in das überdachte Innere der Festung und atmet ein paar Mal tief durch. Die Luft in dem hallenartigen Raum ist immer kühl, aber nicht kalt, und das Licht so gedämpft, dass man auf den ersten Blick glauben könnte, dass die Fackeln die einzige Lichtquelle seien. Dabei sind im Boden schon vor Jahren Lampen versenkt worden, die die Wände und Stützpfeiler gezielt in ein warmes Licht tauchen.
Obwohl er schon oft im Tonum gewesen ist, blickt sich Darius neugierig um, während er Steve zu der schmalen Wendeltreppe folgt, die nach oben in den Festungshof führt und über die man eigentlich noch weiter nach oben, bis in die Wohnung des Tonumwächters, der für die Festung, die Hirsche und die Touristen verantwortlich ist, gelangen könnte, wenn der Bereich für die Öffentlichkeit zugänglich wäre. So aber ist spätestens auf Höhe der Festungsmauern Schluss, die den runden Hof umgeben, in dem sich auch ein altes Steingebäude befindet, das wohl mal eine Unterkunft oder Küche war, in dem sich aber jetzt das Stronghold befindet.
Gelassen wirkend, aber tatsächlich bis zum Zerreißen angespannt, betritt Darius an Steves Seite das Restaurant durch eine uralt wirkende Eichentür. Zu seiner Überraschung wirkt der Gastraum ganz anders, als man es vermuten könnte, ist der erste äußere Eindruck, doch der eines schlichten Restaurants, das bis auf die Lage nichts Besonderes zu sein scheint. Innen wirkt es zwar gemütlich, aber gleichzeitig auch sehr teuer. Alles schreit Darius an, dass er sich hier drin nicht einmal ein Glas Wasser leisten könnte.
Eigentlich möchte Darius das Restaurant am liebsten gleich wieder verlassen, aber da kommt schon einer der Kellner und führt sie nach einem kurzen Wortwechsel mit Mitchell in eine ruhige Ecke, die von Pflanzen abgegrenzt wird und so ein Gefühl von Privatsphäre vermittelt.
Kaum haben sie sich hingesetzt, werden ihnen die Speisekarten gereicht, die Gläser mit stillem Wasser gefüllt und eine volle Karaffe auf den Tisch gestellt.
Lächelnd nickt Darius dem Kellner zu, bevor er in die Karte sieht und unwillkürlich die Stirn runzelt. »Wo sind denn hier die Preise?« Er versucht einen Blick auf Steves Karte zu erhaschen, der sie jedoch geschlossen zur Seite legt und die Hand darauf liegen lässt. »In deiner Karte sind bewusst keine Preise. Bestell dir einfach, was du möchtest«, erklärt er lächelnd. »Ich kann aber die Varietätenplatte empfehlen. Nur müssten wir diese dann gemeinsam bestellen, da sie die erst ab zwei Personen servieren.«
»Aha. Und was ist da drauf?«, fragt Darius, statt selbst nachzusehen. Ich habe eine Damenkarte bekommen. Dass es das noch gibt …
Steve sieht in seiner Karte nach. »Diese Woche besteht sie aus Kängurusteak, Straussenfilet, Krokodilstreifen und Bisonsteak. Dazu gibt es mehrere Gemüsesorten und hausgemachte Bratkartoffeln. Ursprünglich war die Idee des Kochs, dass er die Platte nur am Valentinstag für Pärchen anbietet, aber sie kam bei den Leuten so gut an, dass sie es auf die reguläre Karte geschafft hat.«
Erstaunt hebt Darius eine Augenbraue. »Also, du bist ja ganz schön gut informiert. Du kannst doch unmöglich erst zwei- oder dreimal hier gewesen sein.«
Breit grinsend legt Steve die Karte wieder zur Seite. »Ich war wirklich erst zweimal hier essen, aber in London gibt es ein ähnliches Restaurant, das mit diesem hier zusammenarbeitet, und ich kenne den Koch, der hier schon seit drei Jahren das Kommando in der Küche hat.«
»Ah, dann bestellen wir doch diese Varietätenplatte. Ich probiere gerne neue Sachen und diese Fleischsorten habe ich noch nie gegessen.«
Schon steht der Kellner wieder neben ihnen und fragt freundlich nach ihren Wünschen. Nur zu gern überlässt Darius Steve das Bestellen und lehnt sich betont entspannt zurück. Nur als er die Bestellung einer ganzen Flasche des auf der Insel produzierten Rotweins hört, zieht er die Augenbrauen etwas zusammen. »Dir ist aber schon bewusst, dass du noch fahren musst?«
Schmunzelnd greift Steve nach seinem Wasser und nimmt einen Schluck. »Wenn ich zu viel trinken sollte, dann kann ich ja immer noch dich fahren lassen, oder hast du keinen Führerschein?« Fragend sieht er ihn in dem warmen und dazu noch leicht gedämpften Licht an, das die Atmosphäre noch vertrauter und gemütlicher erscheinen lässt.
Auf einmal verlegen, schüttelt Darius den Kopf. »Ich bin in London aufgewachsen. Bei den Kosten für ein Auto und dem Chaos auf den Straßen hat es für mich keinen Sinn ergeben, dass ich das Geld in einen Führerschein investiere. Hier auf der Insel gibt es außerdem einen guten Nahverkehr und zur Not habe ich ja auch noch mein Fahrrad im Keller.«
Erstaunt stellt Steve sein Glas wieder hin. »Na, dann halte ich mich entweder zurück oder wir nutzen das Angebot des Strongholds und übernachten hier, wenn wir kein Taxi nehmen wollen. Aber das können wir ja dann spontan entscheiden. Oder was meinst du?«
Der Kellner bringt die bereits geöffnete Flasche.
Den für ihn ungewohnten Anblick genießend, beobachtet Darius, wie Steve probiert und anerkennend nickt. »Sehr gut. Ideale Temperatur und eine angenehm schwere Note, mit einem Hauch von Kaffee und Schokolade. Dazu noch das leicht fruchtige Aroma«, lobt er den im Licht bordeauxrot schimmernden Wein, was den Kellner doch tatsächlich verlegen lächeln lässt.
Ohne einen Tropfen des bestimmt sauteuren Weines zu verschütten, schenkt der Kellner ihnen diesen in wunderschöne Rotweingläser, die über eine dezente Goldverzierung oder Gravur, da ist sich Darius nicht so sicher, verfügen.
Als sie wieder allein sind, heben sie ihre Gläser und lassen sie mit einem leisen Klirren aufeinandertreffen, bevor Darius zum ersten Mal einen auf Tonum produzieren Wein probiert. »Sehr gut«, murmelt er und stellt das Glas wieder hin. »Nur habe ich nicht eine einzige der Geschmacksrichtungen erkennen können, die du aufgezählt hast«, gibt er mit einem schiefen Grinsen zu.
Leise lachend beugt sich Steve vor. »Ich auch nicht. Aber das steht in der Weinkarte und wenn du dein Gegenüber oder auch den Kellner beeindrucken willst, dann merkst du dir das und zählst es beim Probieren einfach auf. Das kann manchmal wahre Wunder bewirken«, flüstert er ihm zwinkernd zu.
Um die leise gesprochenen Worte überhaupt verstehen zu können, musste sich Darius etwas über den Tisch beugen. Jetzt aber, lehnt er sich lachend wieder zurück und schüttelt den Kopf. »Du bist unmöglich. Aber den Tipp werde ich mir merken und ihn bei Gelegenheit mal ausprobieren.«
Sich nun deutlich wohler fühlend, lässt Darius entspannt den Blick durch das gut besuchte Restaurant gleiten. Erst jetzt fällt ihm auf, dass die Wände nicht verputzt sind. Im Gegenteil, man kann deutlich die Kalkfugen zwischen den Blöcken aus Vulkangestein sehen, die in dem warmen und indirekten Licht der Lampen cremefarben zu leuchten scheinen. In den kleinen Nischen, die in unregelmäßigen Abständen in die Wände eingelassen sind, kann er kleine Öllämpchen entdecken, die die Schatten mit ihrem leichten Flackern der Flammen lebendig erscheinen lassen.
Zu seiner Freude ist der Gastraum auch nicht mit Tischen und Stühlen überladen, stattdessen hat man mit Pflanzen kleine Bereiche geschaffen, die einem das Gefühl von Privatsphäre vermitteln.
»Du warst noch nie hier drin?«, möchte Steve leise wissen.
Aus seiner Beobachtung gerissen, wendet sich Darius wieder Steve zu. Er hat schon eine Entschuldigung auf den Lippen, weil er ihn ignoriert hat, als er jedoch den warmen Ausdruck in dessen Augen sieht, lächelt er verlegen. »Nein, ich war noch nie hier drin. Ich finde es nicht richtig, in ein Restaurant zu gehen, wenn ich nichts bestellen möchte. Darum habe ich das Stronghold bis jetzt immer nur von außen betrachtet, wenn ich mal in den Tonum reingegangen und auch hier hochgekommen bin. Meistens bleibe ich nämlich draußen bei den Hirschen oder laufe auf einem der Wanderwege durch das Naturschutzgebiet, das zur Festung gehört. Die Landschaft ist hier oben so toll, man muss nur die Augen aufmachen und hinsehen.« Um ihm zu zeigen, was er meint, nimmt Darius sein Handy und zeigt Steve das Foto einer violetten Blume. »Die ist ganz klein und auf den ersten Blick unscheinbar. Wenn du aber genau hinsiehst, dann kannst du innen drin diese kleinen Sprenkel entdecken. Siehst du?« Er vergrößert das Foto.
Aufmerksam betrachtet sich Steve das Bild. »Ja, wunderschön. Jetzt weiß ich auch, warum du als Grafikdesigner so gut bist. Du achtest auf die kleinsten Dinge, die einem nicht wirklich auffallen, aber das Design so komplettieren, dass etwas fehlen würde, wenn man sie wegließe.«
Verlegen steckt Darius das Handy wieder ein. Der Kellner bringt ihnen gerade eine große steinerne Platte mit Fleisch und stellt sie in die Mitte des Tisches, dazu eine Schüssel mit Bratkartoffeln und diverse kleinere Schälchen mit gedünstetem Gemüse. Zum Schluss werden ihnen noch vorgewärmte Teller hingestellt und ihre Weingläser wieder aufgefüllt, obwohl sie ja erst ein paar Schlucke getrunken haben.
Nachdem der Kellner ihnen einen guten Appetit gewünscht hat, zieht er sich diskret zurück.
Erst jetzt mustert Darius die Fleischplatte. »Und woher weiß ich, was was ist?«, fragt er und deutet auf ein Stück helles Fleisch. »Das ist Strauß, oder?«, rät er auf gut Glück. Schließlich ist Geflügel ja immer hell.
Mit einem leichten Lächeln schüttelt Steve den Kopf. »Nein, das ist Krokodil. Ich bin das erste Mal auch reingefallen, weil ich den Strauß mit Hühnchen gleichgesetzt habe«, erwidert er und zeigt auf das rote Fleisch. »Das hier ist Strauß und das ist das Känguru. Hier, in Streifen geschnitten, haben wir den Bison. Sie schneiden das Steak immer schon vor. Warum weiß ich auch nicht, aber ich vermute, um dem Gast zu zeigen, dass es nur medium durch ist.«
»Gut, dann probiere ich mich mal durch«, meint Darius grinsend und legt sich als Erstes von dem Bison ein paar Streifen auf den Teller, dazu noch Kartoffeln und Karotten. »Ich wünsche dir einen guten Appetit«, sagt er lächelnd, als er mit ihm anstößt.
»Lecker, das ist ja wie ganz zartes Rindfleisch, nur viel aromatischer«, stellt Darius überrascht fest, als er sich endlich den ersten Bissen in den Mund schiebt.
Steve freut sich über die ehrliche Reaktion. »Ja, das ist es und dazu noch sehr mager, also auch noch gesund, wenn man denn Fleisch als gesund bezeichnen kann.« Er selbst hat sich ein Stück Strauß genommen und dazu Kartoffeln, Brokkoli und Bohnen.
Als Nächstes wagt sich auch Darius an den Strauß, ist aber eher enttäuscht: »Das schmeckt ja auch wie Rindfleisch«, wundert er sich. Hatte er doch einen etwas exotischeren Geschmack erwartet.
Dafür entschädigt ihn dann aber das Krokodil mit einem wirklich außergewöhnlichen Aroma. »Hühnchenfisch«, grinst er Steve breit an, der den Blick jedoch verwirrt erwidert.
»Was meinst du?«, fragt er nach und versucht über die Steinplatte auf Darius Teller zu blicken.
»Na, das Krokodil. Es schmeckt wie eine Kreuzung aus Hühnchen und Fisch – Hühnchenfisch.«
Auflachend hält sich Steve die Hand vor den Mund. »Oh Mann, Darius«, Steve kichert. »Du bist ziemlich sicher der Erste, der für den Geschmack von Krokodil so eine Beschreibung erfindet. Aber ja, du hast recht, das kommt hin.«
»Wie soll man den Geschmack denn sonst nennen?«, erwidert Darius und fällt langsam in seinen Flirtmodus. Er zwinkert Steve mit einem neckischen Lächeln und verspielt prostend zu, bevor er einen kleinen Schluck trinkt und sich dann über die Lippen leckt.
Für einem Moment stockt Steve, hebt dann aber auch sein Glas und nimmt einen Schluck von dem wirklich guten Wein. Er hatte sich schon gefragt, wohin der selbstbewusst flirtende Mann aus dem Uranus in den letzten Wochen verschwunden ist, denn diese Seite von Darius gefällt ihm deutlich besser, als der gestresste und in letzter Zeit auch zunehmend verunsicherte Mann, den er viel zu oft beobachten musste – woran Jones ziemlich sicher nicht unschuldig ist.
Eigentlich ist Darius schon satt, dennoch legt er sich das Kängurufleisch auf den Teller; er muss es einfach probieren. Gespannt schneidet er sich ein Stück ab und steckt es sich in den Mund. Gleich darauf verzieht er das Gesicht und nimmt einen großen Schluck Wein.
»Magst du Känguru nicht?«, fragt Steve amüsiert und füllt Darius’ Glas wieder auf, der es erneut bis zur Hälfte leert.
»Ich hasse Wild und das schmeckt nach Wild«, stellt Darius angewidert fest und schiebt sich eine Gabel Gemüse in den Mund, um das Känguruaroma loszuwerden.
Steve sieht ihn amüsiert an und bemerkt den leichten Glanz in Darius’ Augen und die dezent geröteten Wangen. »Ja, Känguru ist sehr intensiv im Geschmack und nicht wirklich jedermanns Sache«, stimmt er ihm zu und winkt den Kellner herbei, dass er abräumen kann. Als dieser bei ihnen ist, spricht er leise mit ihm und lehnt sich dann mit einem leichten Lächeln etwas vor. »Freu dich auf das Dessert. Es ist eine Spezialität des Hauses und wir haben Glück, dass sie noch zwei Stücke davon haben. Dazu gibt es einen edlen Grappa.« Kurz darauf werden ihnen zwei Stück Kuchen mit Sahne und einer leichten Beerensoße sowie ein im Licht golden schimmernder Grappa gebracht.
Darius deutet auf den Grappa neben Steves Teller. »Also nach dem darfst du endgültig nicht mehr fahren. Was ist das für ein Kuchen?«
Steve reibt sich mit einem schiefen Grinsen das Kinn. »Das durfte ich schon vorher nicht mehr, darum habe ich beim Kellner ein Zimmer für uns reserviert, aber du kannst auch gern auf meine Kosten ein Taxi nehmen. Das da ist eine Torta della Nonna, eine italienische Spezialität, die sie hier jeden Tag selbst backen.«
Zögernd nicht Darius. »Okay. Ich habe noch nie hier oben übernachtet und schon gar nicht in einer Festung«, meint er leise und lächelt dann verschmitzt. »Warum sollte ich mir das entgehen lassen und stattdessen in einem überteuerten Taxi nach Hause fahren?« Er schiebt sich grinsend ein Stück der Torte in den Mund. Unwillkürlich schließt er die Augen und leckt sich über die Lippen. »Die ist ja göttlich«, seufzt er und hält Steve eine Gabel mit einem Stückchen des Kuchens vor die Lippen, obwohl dieser ja den gleichen Nachtisch vor sich stehen hat.
Steve zögert einen Moment. Er kennt das nicht, dass man sich in einem Restaurant gegenseitig füttert, gibt sich dann aber einen Ruck und umschließt die Gabel mit den Lippen, um sie dann aus seinem geschlossenen Mund gleiten zu lassen. »Ja, sehr lecker«, raunt er heiser und fragt sich, wieso der Geschmack des Kuchens noch viel intensiver ist als sonst.
Er sticht ein Stück von seinem eigenen Kuchen ab und hält es Darius an die Lippen, der sofort den Mund öffnet und das Stück mit einem Lächeln in den Augen genießt. »Oh ja, und so schmeckt es noch viel besser.«
Dieser Anblick und dazu noch die heiser gesprochenen Worte lassen Steve schwer schlucken. Er lockert die schwarze Krawatte.
Wieder hält ihm Darius die gefüllte Gabel vor den Mund und diesmal zögert Steve nicht. Er nimmt das Stückchen entgegen und fühlt, wie ein Feuer in ihm auflodert.
Mit trockenem Mund hält er Darius wieder die Gabel hin und kann kaum sein Stöhnen unterdrücken, als dieser die Augen nicht von den seinen abwendet, während er die Gabel mit einer sinnlichen Bewegung umschließt und sie wieder aus seinem Mund gleiten lässt, bevor er mit einem leisen »Hmmm« runterschluckt.
Während sie sich so gegenseitig füttern und den milden Grappa genießen, hat Darius immer mehr das Gefühl, dass Steve ihn mit den Augen auszieht. Wenn er ehrlich ist, macht er bei ihm ja das Gleiche.
Er weiß nicht, ob er froh sein soll, als das Dessert aufgegessen ist und der Kellner den Tisch abräumt, nur um gleich darauf mit der Rechnung wieder zurückzukommen. Ohne mit der Wimper zu zucken gibt ihm Steve seine goldene Kreditkarte. Nur Minuten später bekommt er sie zusammen mit dem Zimmerschlüssel und dem Hinweis, dass das Frühstück auf dem Zimmer im Preis mit inbegriffen ist, wieder zurück.
Sie stehen auf und werden durch den Gang in der Außenmauer des Tonums zu ihrem Zimmer geleitet, wo sich der Kellner mit einem »Gute Nacht, die Herren« von ihnen verabschiedet.
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Das war es auch schon für diese Woche. Ich überlege, ob ich nächste Woche 2 Kapitel hochladen soll, da Kapitel 9 etwas heisser, sprich 18+, wird. Damit auch diejenigen was zu lesen haben, die es lieber überspringen wollen.