21❤️
21❤️
San hing inzwischen vollkommen erschöpft vor Minho auf Yoongis Rücken.
Der Widerstand war aus seinem Körper verschwunden. Nicht weil es ihm plötzlich besser ging, sondern weil schlicht keine Kraft mehr übrig war.
Seine Hände zitterten noch.
Sein Atem war unregelmäßig.
Er hielt die Augen geschlossen, während Yoongi mit schnellen, kräftigen Flügelschlägen immer mehr Abstand zwischen sie und den See brachte.
Minho hielt ihn weiterhin fest.
„San?“
San reagierte erst nach einigen Sekunden.
„Hm.“
„Alles okay?“
Eine ziemlich dumme Frage.
Das wusste Minho selbst.
San schluckte schwer.
Dann hob er langsam eine Hand an die Seite seines Kopfes.
„Meine Ohren.“
Minho sah ihn sofort genauer an.
„Was ist damit?“
San verzog das Gesicht.
„Es ist…“
Er atmete zitternd ein.
„Als würden sie jetzt bluten.“
Minhos Gesicht veränderte sich.
„Bluten?“
Er sah sofort an Sans Ohr.
Kein Blut.
Zumindest nichts, was er in der Dunkelheit erkennen konnte.
San presste die Hand fester dagegen.
„Es fühlt sich so an.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Als hätte jemand direkt in meinem Kopf geschrien.“
Yoongis Kopf bewegte sich leicht.
Er hatte jedes Wort gehört.
„San?“
„Ich bin okay, Yoongi-hyung.“
Yoongi knurrte.
San öffnete müde die Augen.
„Okay. Bin ich nicht.“
„Offensichtlich.“
Normalerweise hätte San auf diesen Ton sofort etwas zurückgegeben.
Jetzt kam nichts.
Und genau das ließ Yoongi noch schneller fliegen.
San zuckte plötzlich wieder zusammen.
Seine Hände gingen an beide Ohren.
„Fuck.“
Minho reagierte sofort.
„Hey.“
San schüttelte den Kopf.
„Ich höre sie noch.“
Minho lauschte.
Er hörte nichts mehr.
Nur Wind.
Yoongis Flügelschläge.
Sans Atem.
„Ich höre nichts.“
„Ich schon.“
San kniff die Augen zusammen.
„Nicht richtig. Ich weiß nicht. Es ist noch da.“
Er klang völlig fertig.
„In meinem Kopf.“
Minho zögerte keine Sekunde länger.
Er rückte näher an San heran und legte ihm vorsichtig beide Hände über die Ohren.
San erstarrte kurz.
Minhos Handflächen schirmten seine Ohren vollständig ab.
„Nicht dran denken“, murmelte Minho.
San schloss die Augen.
Minho hielt seine Hände dort.
Nicht fest.
Kein Druck.
Nur abschirmend.
„Denk nicht dran.“
San atmete aus.
Minho beugte sich ein wenig näher, damit San ihn trotz seiner Hände verstehen konnte.
„Du bist nicht mehr da.“
San schluckte.
„Ich höre sie.“
„Dann hör auf was anderes.“
Minho hielt seine Ohren weiterhin bedeckt.
„Auf mich.“
San sagte nichts.
„Oder auf Yoongi-hyungs Flügel.“
Ein gewaltiger Flügelschlag rauschte durch die Nacht.
Minho murmelte:
„Da.“
Noch einer.
„Hörst du?“
San nickte schwach.
„Nur darauf konzentrieren.“
Yoongi sagte nichts.
Aber seine Flügelschläge wurden gleichmäßiger.
Fast wie ein Rhythmus.
Rauschen.
Kurzes Gleiten.
Rauschen.
Wieder gleiten.
Minho bemerkte es.
Er sah kurz nach vorne.
Yoongi flog weiter, als hätte er nichts getan.
Minho grinste diesmal nicht.
Er sah wieder zu San.
„Genau darauf.“
San lehnte den Kopf etwas zurück.
Direkt gegen Minhos Brust.
Normalerweise hätte er das wahrscheinlich niemals gemacht.
Jetzt war es ihm vollkommen egal.
Er war fertig.
Minho ließ seine Hände auf Sans Ohren.
„Besser?“
Lange kam keine Antwort.
Dann ganz leise:
„Ein bisschen.“
„Gut.“
San atmete langsam ein.
Wieder aus.
Yoongis Flügel.
Minhos Hände.
Der Wind.
Mehr gab es gerade nicht.
Nach einigen Sekunden murmelte San:
„Minho-hyung?“
„Hm?“
„Nicht wegnehmen.“
Minhos Blick wurde weich.
„Mach ich nicht.“
Yoongi hörte es.
Ein tiefes, leises Grollen vibrierte durch seinen Körper.
Nicht aggressiv.
San spürte die Vibration unter sich.
Seine Finger lösten sich langsam aus Yoongis Schuppen.
„Yoongi-hyung.“
„Hm?“
„Wie weit noch?“
„Nicht mehr weit.“
San nickte schwach.
Dann blieb er einfach liegen.
Minho hielt weiterhin beide Hände über seine Ohren.
Und keiner machte einen dummen Spruch.
Keiner provozierte den anderen.
Nicht einmal Yoongi und San.
Denn spätestens jetzt war vollkommen klar, dass sie es nicht mit der normalen Wirkung einer Sirenenstimme zu tun hatten.
Und als die ersten Türme des Drachenschlosses zwischen den Bäumen auftauchten, war San noch immer wach.
Aber gerade so.