22❤️
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Keine zehn Minuten später war an Schlaf überhaupt nicht mehr zu denken.
Alle hatten sich im großen Wohnzimmer verteilt.
Auf den Sofas, Sesseln, auf dem Teppich, an den Wänden. Einige waren noch halb in Schlafsachen, andere hatten sich schnell etwas übergezogen. Auf dem niedrigen Tisch standen Wasserflaschen, Gläser und irgendjemand hatte Decken gebracht.
San saß tief in einer Ecke des großen Sofas.
Er sah immer noch beschissen aus.
Blass, erschöpft, die Haare noch feucht vom See. Seine Ellenbogen lagen auf seinen Knien und immer wieder fuhr eine Hand an sein Ohr, als würde dort noch immer etwas nachhallen.
Minho saß nicht weit von ihm entfernt.
Yoongi ebenfalls.
Hongjoong und Seonghwa hatten sich in Sans Nähe gesetzt, während die anderen ATEEZ-Mitglieder über den restlichen Raum verteilt waren.
Namjoon stand zunächst am Fenster.
Lange sagte niemand etwas.
Dann drehte er sich um.
„Keine Sirene löst so etwas in einem anderen Wesen aus.“
Wooyoung sah auf.
Namjoon schüttelte den Kopf.
„Nicht so.“
Sein Blick ging zu San.
„Und schon gar nicht in einem Leviathan.“
Hongjoong nickte langsam.
„Genau das ist unser Problem.“
Namjoon ging einige Schritte in den Raum.
„Wir reden hier außerdem nicht über irgendein kleines, körperlich schwaches Wesen, das sie einfach überwältigt hat.“
Sein Blick blieb bei San.
San hob müde eine Augenbraue.
Namjoon deutete auf ihn.
„San ist nicht gerade ungefährlich.“
„Danke“, murmelte San.
„Das war kein Kompliment.“
„Nehme ich trotzdem.“
Yoongi schnaubte leise.
Namjoon fuhr fort.
„Und klein ist er auch nicht. Nicht einmal jetzt als Mensch.“
Das stimmte.
San war schon in menschlicher Gestalt kräftig gebaut.
Breite Schultern.
Muskulös.
Und als Leviathan war diese menschliche Erscheinung sowieso nicht einmal ansatzweise ein Vergleich zu dem, was tatsächlich in ihm steckte.
Namjoon sah zu Minho.
„Und trotzdem konntest du ihn kaum halten.“
Minho nickte.
„Ja.“
„Wie stark hat er sich gewehrt?“
Minho dachte kurz nach.
„Am Anfang dachte ich noch, ich kriege ihn einfach raus.“
San sah zu ihm.
„Sorry.“
„Darüber reden wir später.“
Minho blickte wieder zu Namjoon.
„Als die Stimme nochmal kam, war es anders. Ich hatte beide Hände an ihm und dachte wirklich, er zieht mich mit rein.“
Chan runzelte die Stirn.
„Dich?“
Minho nickte.
„Ja.“
Changbin sah San an.
Dann Minho.
Das allein sagte schon einiges.
Minho war ebenfalls kein normaler Mensch.
Namjoon sah zu Yoongi.
„Und du?“
„Ich hab gesehen, wie seine Verwandlung angefangen hat.“
Sofort sah Hongjoong zu ihm.
„Wie weit?“
„Nicht weit.“
Yoongi lehnte sich zurück.
„Weil er dagegengehalten hat.“
San rieb sich über das Gesicht.
„Ich hab versucht, sie zurückzudrängen.“
„Wie schwer war das?“, fragte Yunho.
San ließ die Hände sinken.
Er dachte einen Moment nach.
„Als würde ich versuchen, einen Reflex nicht auszuführen.“
Yeosang runzelte die Stirn.
San suchte nach Worten.
„Nur hundertmal schlimmer.“
Er sah seine Hände an.
„Mein Körper hat nicht auf meine Entscheidung gewartet.“
Das ließ ATEEZ wieder still werden.
Jongho fragte: „Hat die Verwandlung angefangen, bevor du bewusst zu ihr wolltest?“
San blickte auf.
Dann nickte er.
„Ja.“
Stille.
Wooyoung setzte sich gerader hin.
„Das ist richtig komisch.“
„Ja“, sagte Hongjoong.
San fuhr sich vorsichtig über ein Ohr.
„Ich habe sie gehört und mein Körper hat sofort reagiert. Ich wusste noch, dass ich nicht hin darf.“
Er sah zu Yoongi.
„Ich wusste, warum wir da waren. Ich wusste, dass etwas nicht stimmt. Ich wusste sogar, dass Yoongi-hyung und Minho-hyung versuchen, mir zu helfen.“
Seine Stirn legte sich in Falten.
„Aber gleichzeitig war da nur dieses…“
San brach ab.
Seonghwa wartete.
„Was?“
„Ich muss dahin.“
San sagte es leise.
„Nicht ich will.“
Er sah in die Runde.
„Ich muss.“
Felix zog die Beine etwas näher an sich.
San schluckte.
„Und je weiter Yoongi-hyung weggeflogen ist, desto schlimmer wurde es erst. Es hat sich angefühlt, als würde etwas in mir zurückgerissen.“
Minho sah ihn von der Seite an.
„Du hast gesagt, du würdest sterben, wenn du nicht zurückkommst.“
Mehrere Köpfe drehten sich zu ihm.
San schwieg.
Minho sah zu Namjoon.
„Nicht wortwörtlich so. Aber so hat er sich verhalten.“
San nickte langsam.
„Hat sich auch so angefühlt.“
Namjoon verschränkte die Arme.
Jungkook saß auf der breiten Fensterbank und hatte bisher ungewöhnlich wenig gesagt.
Jetzt hob er den Kopf.
„Hat sie nur dich erwischt?“
San sah ihn an.
„Was meinst du?“
„Minho war da.“
Jungkook deutete zu ihm.
„Yoongi-hyung auch.“
Dann wieder zu San.
„Ihr habt alle dieselbe Stimme gehört.“
Minho nickte.
„Ja.“
„Und du wolltest nicht zu ihr.“
„Nein.“
Jungkook sah Yoongi an.
„Du?“
„Nein.“
Jungkooks Blick ging zurück zu San.
„Nur San.“
Im Raum wurde es ruhig.
Hongjoong sah zu San.
Dann zu Namjoon.
„Das ist noch ungewöhnlicher.“
„Genau“, sagte Namjoon.
Er ging langsam zum Tisch.
„Wenn das einfach eine besonders starke Sirene wäre, müsste die Wirkung wenigstens grundsätzlich auch bei den anderen beiden angekommen sein.“
Yoongi nickte.
„Ich hab sie gehört.“
„Und?“
„Sie klang wie eine Sirene.“
Mehr nicht.
Minho hob die Hand leicht.
„Bei mir auch. Ich fand die Stimme…“
Er verzog das Gesicht.
„Anziehend trifft es vielleicht. Man will hinhören. Aber als Yoongi-hyung gesagt hat, ich soll nicht zuhören, konnte ich mich auf ihn konzentrieren.“
Wooyoung zeigte sofort auf San.
„Und das ist der Unterschied.“
San nickte.
„Ich konnte das nicht.“
Namjoon blieb stehen.
„Deswegen glaube ich nicht, dass wir es nur mit einer Sirene zu tun haben, die besonders stark ist.“
Yoongi hob den Blick.
„Sondern?“
Namjoon schwieg einen Moment.
„Weiß ich noch nicht.“
Jungkook sah wieder hinaus in die Dunkelheit.
„Sie wollte San.“
Der Satz ließ mehrere Leute gleichzeitig zu ihm sehen.
Hongjoongs Gesicht verhärtete sich.
„Woher willst du das wissen?“
Jungkook sah ihn an.
„Weiß ich nicht.“
Er deutete erst auf Yoongi und dann auf Minho.
„Aber warum reagieren die beiden kaum und San verliert fast die Kontrolle über seine Verwandlung?“
San sagte nichts.
Jungkook blickte wieder zum Fenster.
„Vielleicht ging es gar nicht darum, irgendwen anzulocken.“
Seine Augen verengten sich.
„Vielleicht sollte genau er kommen.“