Boston / Virginia - Die (Schneeball-)Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg!
Boston / Virginia - Die (Schneeball-)Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg!
Hallo ihr Lieben,
es ist mal wieder soweit für ein weiteres Kapitel aus Mistress Kenways
Leben und ihre Erinnerungen.
Heute widmen wir uns einer Schlacht zwischen Faith und Haytham,
die schon lange überfällig war. Wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann
noch mal eine Revanche für den Verlierer dieses Duells.
Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen und bleibt gesund.
Liebe Grüße von MrsHEKenway
PS: Diese Schlacht könnt ihr bald auch aus Sicht von Faith Cormac in
Götterdämmerung vom Todesengel222 nachlesen.
Zitat Kapitel 10 - Boston/Virginia
Kapitel 10
~~~ Die (Schneeball-)Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg ~~~
Der Mittagsschlaf der Kinder war irgendwann beendet, so dachten wir eigentlich, weil ich mich auf warmen Nachmittagstee und vielleicht sogar noch auf ein paar Plätzchen freute.
Auf unsere Versuche den Nachwuchs zu wecken, reagierte keines der Kinder. Sie schliefen alle tief und fest.
Was mir aber auffiel war, dass es hier nach Alkohol roch. Edward zum Beispiel hatte eine Fahne! Entsetzt sah ich zu Haytham, welcher sich langsam zu Faith umdrehte.
Auch sie hatte bemerkt, dass die Kinder einfach betrunken waren.
Grinsend eilte sie hastig an meinem Mann vorbei, der schon angesetzt hatte zu meckern.
„Wie in drei Teufels Namen ist das möglich? Passt hier eigentlich gar keiner mehr auf sie auf?“ Er war wütend, sehr sogar!
Auf der einen Seite verständlich, aber auf der anderen musste er etwas lockerer werden.
Faith kam zurück und erklärte, dass diese betrunkenen Schlafmützen das Obst vom Rumtopf genascht hatten. Natürlich, es war süß und den Alkohol schmeckte man nicht sofort.
Kichernd betrachtete ich Edward und Florence.
„Wie kommen sie daran?“ die Stimme meines Mannes zitterte vor Wut und er musste sich arg zusammenreißen.
„Oh, wir haben vorhin den Rest vom Rumtopf getrunken und ich hatte wohl vergessen das Obst wegzustellen, passiert Bruder. Alles was die fünf später haben werden, ist ein kleiner Kater.“ erklärte ihm Faith in aller Ruhe.
Doch wirklich besänftigen konnte das meinen Mann nicht.
Im Grunde waren die Nerven aller hier Anwesenden etwas angespannt. Wir konnten nicht raus, wir konnten nicht wirklich etwas tun und das frustriert halt.
Außerdem spürte ich, dass Haytham sich zunehmend Sorge um unsere eigene Plantage machte. Wir konnten nur hoffen, dass niemand zu Schaden kommen würde und dass dieser vermaledeite Schneesturm bald nachließ.
Dazu kam noch, dass ich eigentlich auch den Besuch bei Achilles Davenport planen musste.
Am nächsten Morgen erwachte ich neben meiner persönlichen Wärmequelle und einer brabbelnden Florence. Müde sah ich mich um, es wurde langsam hell und ich hoffte, dass nicht noch mehr Schnee gefallen war.
Faith war nicht hier, auch nicht Anna. Vermutlich hatten sie sich zurückgezogen um uns nicht zu stören. Sehr aufmerksam, wenn man bedachte, dass die anderen Räume derzeit Stunden brauchen würden um mit dem Kamin geheizt zu werden!
Imhotep kam auf mich zu und bat mich ihm beim Frühstück zu helfen, Faith hätte sich noch einmal nach einer durchgemachten Nacht hingelegt.
Mit einer hochgezogenen Augenbraue ließ mich Haytham gehen, aber ich wusste, es passte ihm nicht, dass ich schon wieder eine Küche betrat. Bei Odin! Wer sollte es denn sonst machen?
Wir kochten Wasser für Tee und Kaffee, toasteten einige Scheiben Brot, kochten Porridge und drapierten alles auf zwei großen Tabletts.
Im Salon angekommen riss man uns förmlich das Frühstück aus den Händen und in Sekunden hörte man rundum zufriedenes leises Schmatzen und Schlürfen.
Plötzlich tauchte meine Schwester im Türrahmen mit einem Teller in der Hand auf. Ihr Blick ging etwas wütend in meine und Imhoteps Richtung, als sie sich zu uns setzte. Was bitte hatte ich ihr getan?
„Lass mich raten, du hast nicht hinter dir aufgeräumt.“ flüsterte Haytham wissend und sah zu seiner kleinen Schwester.
Ernsthaft? Das würden wir im Anschluss alles erledigen …
Doch July holte mich aus meinen Überlegungen, weil sie unbedingt das belegte Brot ihrer Mutter haben wollte.
Shays Blick und ein lauteres „July!“ ließ sie ihr eigenes Frühstück essen. Kinder waren manchmal mehr als merkwürdig, dachte ich grinsend.
In dem Moment begann Anna zu schreien und Faith wollte sie schon hochnehmen, als ich aufstand um die Kleine zu beruhigen.
„Ich nehme die Kleine, mo rionnag, du setzt dich wieder hin und isst etwas!“ ermahnte ich sie. Sie sah nicht gut aus und ich konnte mir vorstellen, dass sie völlig übermüdet war.
Die kleine Anna lag auf meinem Arm und in ihren grünen Augen schimmerte soviel Neugierde und Wissensdurst.
Ich erzählte ihr von den neun Welten und ihren Göttern, von Jörmundgandr und Bifröst.
Mi sol, du sprichst altnordisch. Hörte ich meinen Templer in meinem Kopf. Als ich in seine Richtung sah, lächelte er mich liebevoll an. Ein wunderschöner Anblick, wenn du ein Baby auf dem Arm hast. Diese letzten Worte kamen etwas stockend in meinem Geist an. Irgendwann, vielleicht, würden wir ein weiteres Kind haben.
Im Laufe des Vormittags waren Haytham und ich mit Faith und Anna hier alleine. Das kleine Mädchen weinte ununterbrochen und ließ sich einfach nicht beruhigen. Kein Wunder! Sie spürte unsere eigenen angespannten Nerven, die aufgeheizte Stimmung und unsere Launen. Wie schon gesagt, Kinder haben ganz feine Antennen dafür!
Irgendwann war es meinem Mann zu viel und er bat seine kleine Schwester doch einfach mit Anna hinaus zu gehen.
„Klar mit Anna in die Kälte, geh du doch raus!“ fauchte sie meinen Templer an und die beiden standen sich, wie schon vor ein paar Jahren lauernd gegenüber.
„Beruhigt euch! Es bringt nichts sich zu streiten. Mi Amor, bedenke Anna ist erst ein paar Tage auf dieser Welt und für sie ist alles neu. Bei kleinen Babys kann es vorkommen, dass sie Probleme haben sich an das Leben außerhalb des Körpers der Mutter anzupassen. Es ist natürlich. Anna hat Hunger, das ist ein neues Gefühl und auch eine nasse Windel oder wenn, ich sag es jetzt mal so, ein Pups ihr quer sitzt, ist das für sie noch unheimlich und unbekannt. Meist nach ein paar Wochen legt sich das.“ versuchte ich Haytham zu besänftigen. Auch wenn er es ja schon selber zweimal mitbekommen hat und … ach was rede ich eigentlich gegen diese beiden störrischen Personen an.
Und ehe ich mich versah, hatten die beiden ein Duell vereinbart.
Eine Schneeballschlacht!
Der Schneesturm war vorüber, Odin sei Dank und erst jetzt sah ich, dass die Sonne langsam wieder herauskam. Bevor ich jedoch intervenieren konnte, zogen sich die beiden Mäntel und Handschuhe an!
Etwas perplex nahm ich Anna von Faith entgegen und beobachtete Haytham und Faith, wie sie nach draußen gingen um sich auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten.
Diese störrische Schottin hatte mitunter Kräfte an ihrer Seite, die sie nutzen würde, so aber auch mein Mann. Ich hörte meinen Göttervater und Tyr, wie sie ihm Tipps und Taktiken vorschlugen.
Abgemacht wurden 3 Minuten Vorbereitungszeit und beide begannen die kleinen Schneebälle zu stapeln.
Immer noch hatte ich dieses kleine Bündel Mensch auf dem Arm, welches mich jetzt aufmerksam ansah.
„Ja, deine Mama und dein Onkel toben sich jetzt endlich aus! Dann haben wir hoffentlich Ruhe und sie sind entspannter. Versprich mir nur, dass auch du etwas ruhiger wirst.“ bat ich sie leise in der alten Sprache und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
Beide Kontrahenten gaben sich nichts und zum ersten Mal sah ich, wie mein Mann trotz der Kälte im wahrsten Sinne des Wortes auftaute. Er entspannte sich und konnte seinen Frust ablassen!
Edward und Florence hätten auch gerne mitgemischt, wie ich sehen konnte. Die beiden feuerten ihren Vater lautstark an und hüpften auf der Veranda herum.
30 Minuten später standen sich die Duellanten schwer atmend gegenüber.
„Unentschieden?“ fragte Haytham nach.
„Ja aber gib zu, es hat dir Spaß gemacht und jetzt fühlst du dich besser“ ihr Grinsen ging von einem Ohr zum anderen.
„Ja und danke, ich denke das haben wir alle gebraucht nach den letzten Tagen. Es tut mir Leid, als Vater weiß ich doch, dass die Mutter nichts dafür kann, wenn ihr Kind schreit“ plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck und fies grinsend nahm er eine Handvoll Schnee um sie Faith ins Gesicht zu werfen. „Gewonnen kleine Schwester!“ lachte er.
„Diese Schlacht, Master Kenway, habt ihr gewonnen, aber nicht den Krieg“ lachend wischte sie sich den Schnee aus den Augen.
Ehe sich Haytham versah hatte er eine volle Breitseite Schnee abbekommen! Sie hatte ihre Kräfte genutzt! Aber beide wurden dabei von den Füßen geholt und lagen nebeneinander am Boden.
„Das gibt eine Revanche Faith, nächsten Winter, gleiche Zeit, gleicher Ort!“ mein Templer war hochmotiviert und ich freute mich im Stillen über dieses Versprechen. So hatten wir einen Grund der Familie Cormac einen Besuch abzustatten, ohne dass ich die treibende Person war.
„Gleiche Zeit und gleicher Ort.“ stimmte Faith zu und reichte ihm die Hand.
„Ich denke es reicht, wir sind nass und holen uns noch eine Erkältung.“ mahnte mein Templer und ich sah Faith Augenrollend in meine Richtung blicken. Er war halt so, er konnte nicht anders.
Irgendwann war auch dieses Unwetter vorbei, der Kater unserer Kinder auskuriert, die Schneeballschlacht erledigt und wir machten uns auf den Heimweg!