Boston / Virginia - Die Walküren auf dem Schlachtfeld!
Boston / Virginia - Die Walküren auf dem Schlachtfeld!
Willkommen ihr Lieben!
Die Nibelungen-Saga hat ihre ganz eigene Darstellung der
Walküren gezeigt. Alex wird heute die wahren Gestalten
kennenlernen und ihnen zur Seite stehen.
Ein Schlachtfeld des 1. Weltkrieges ist der heutige Schauplatz.
Ein verstorbener Soldat jedoch ist kein Unbekannter für Alex und
lässt sie an eine emotionale Grenze stoßen!
Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen und bleibt gesund!
Liebe Grüße
MrsHEKenway
Zitat Kapitel 13 - Boston/Virginia
Kapitel 13
~~~ Die Walküren auf dem Schlachtfeld ~~~
Nach dem Frühstück machten wir, Florence und ich, uns mit Frigg, Brünhild und Vör auf den Weg zu einer nahegelegenen Lichtung in einem wunderschönen von der Sonne beschienenen Waldstück unweit der großen Feste.
„Florence, du hast schon einmal mit mir gemeinsam eine junge Frau heim gebracht. Weißt du noch, was ich dir dazu erklärt habe?“ fragte die Patin meiner Tochter lächelnd nach.
„Das weiß ich noch. Ich muss die Verstorbenen genau betrachten, weil nicht alle mit uns und unserer Götterwelt vertraut sind. Auf einem Schlachtfeld würde ich schnell erkennen, wer zum Beispiel einen christlichen oder islamischen Glauben hat. Sie werden von ihrem eigenen Erlöser geholt. Die Körper bleiben jedoch an Ort und Stelle damit die Trauernden sie bestatten können, wohingegen wir die körperlosen Seelen mit uns nehmen.“ stolz sah sie erst zu mir und dann zu Brünhild.
Vör sah mich an und nahm meine Hand.
„Du hast also gehört, was auf dich zukommen kann. Nicht immer ist es ein Schlachtfeld, es kann auch ein kleines Dorf sein oder eine Stadt, wo wir den Seelen helfen ihren Weg zu finden. Alleine würden sie verloren sein und ziellos umherirren!“ ihre Stimme klang etwas traurig bei den Worten und ich hakte nach.
„Hast du … selber schon einmal so eine verirrte Seele gesehen?“
Die Walküre blickte hoch in den Himmel ehe sie antwortete.
„Ja, habe ich und es ist grausam. Ihre Rufe und Gebete hallen des nächtens durch Wälder, Straßen und den Himmel. Die Normalsterblichen hören dies oft als ein Heulen des Windes.“
Wie oft hatte ich selber dieses unheimliche Geräusch des Windes schon wahrgenommen und mir nichts dabei gedacht. Jetzt lief mir eine Gänsehaut über den Körper bei dem Gedanken.
„Dann wollen wir mal ihr beide.“ Frigg hatte bisher schweigend neben uns gestanden und richtete sich jetzt voller Tatendrang auf.
Ihre Hände erhoben sich und um uns herum verschwamm die Welt, das Wäldchen langsam. Der Duft nach nassem Laub wich einem beißenden Geruch nach Schwarzpulver. Er roch schon fast giftig, dachte ich noch, als wir Frauen auf einem riesigen freien Feld standen. Nebel waberte über den Boden und löste sich nach und nach auf um ein grausiges Bild freizugeben!
Hunderte, wenn nicht sogar tausende von toten Soldaten lagen dort.
„Bei Odin, das ist …“ noch nie hatte ich so etwas gesehen, zumindest nicht so im realen. Die Filme in denen gekämpft wurde beschönigten solche Szenen musste ich feststellen.
Langsam schritt ich über die Leichen hinweg und betrachtete sie, versuchte herauszufinden, welche Schlacht stattgefunden oder welches Land hier gekämpft hatte.
Ein Mann trug einen spitzen Helm und eine, ich vermutete es zumindest, dunkelgrüne Uniform. Neben ihm lag einer mit einem Barett, welches irgendwann einmal rot-weiß-kariert gewesen sein muss.
Etwas weiter fiel mein Blick auf die blaue Uniform eines Soldaten neben dem eine blau-graue Mütze lag. Beim genaueren Betrachten sah ich, dass er sie noch in der Hand hielt.
Vorsichtig ging ich weiter, aber ich wusste tatsächlich nicht, wo wir uns gerade befanden.
Brünhild ging neben Florence her und auch meine Tochter sah sich fragend um.
„Achte auf die Waffen, Solveig! Du wirst sie erkennen.“ sagte Vör leise und deutete auf ein Gewehr am Boden. Wirklich gut kannte ich mich damit nicht aus, aber es stammte definitiv nicht aus dem 18. Jahrhundert. Dieses hier war moderner und ich machte einige Patronen im nassen Matsch aus. Diese Waffe gehörte einem Mann, der sie noch festhielt und um seinen Hals hatte er eine Kordel mit einem ovalen Blechstück.
Neugierig kniete ich mich hin um es mir genauer anzusehen. Mit dem Finger wischte ich den Dreck etwas beiseite. Hans-Dieter Drechsler. Darunter waren noch einige Abkürzungen, vermutlich militärisches Zeug.
Also waren wir … die Pickelhaube!
„Wir sind auf einem Schlachtfeld des 1. Weltkriegs?“ rief ich ungläubig und mein Blick wanderte weiter über diese matschige Ebene.
Stolz nickend kam Vör auf mich zu.
„Du hast gut aufgepasst in der Schule, Solveig. Wir sind nur ein kleines Stück entfernt von dem Ort, wo der Weihnachtsfrieden geschlossen wurde.“
Ich erinnerte mich daran, dass die britischen und deutschen Soldaten am Heilig Abend die Waffen ruhen ließen um gemeinsam diesen Abend zu begehen.
Ein Film den ich gesehen hatte kam mir in den Sinn und auch ein Lied hörte ich in meinem Kopf, welches von diesem Ereignis berichtete.
Gerade als ich mich noch weiter umschauen wollte, sahen wir alle, wie sich etwas entfernt ein Licht aus einem Toten erhob. Es sah faszinierend aus und ich konnte den Blick nicht abwenden.
Nach und nach sahen wir, wie es auch bei den anderen begann.
„Sollten wir nicht eingreifen?“ fragte ich Frigg, welche mit gekreuzten Armen auf dem Rücken dastand und sich nicht rührte.
„Nein, dies sind nicht unsere Seelen die geführt werden sollen. Schau…“ sie deutete auf den Himmel, wo die Wolken sich auftaten und diese schwebenden Lichter hindurch ließen.
„Kann ich erkennen, WELCHER Gott da gerade am Werk ist?“ war meine nächste Frage.
„Das kann man nur sehr selten und hier ist es eh recht eindeutig. Denkst du nicht?“ ihre hochgezogene Augenbraue ließ mich stutzen.
„Nein, denke ich nicht. Hier gibt es doch bestimmt auch verschiedene Religionen.“ setzte ich an, erntete aber ein energisches Kopfschütteln.
„In diesem Falle herrscht hier überwiegend der christliche Glaube. Schau dort rechts neben dir…“ ihr Finger zeigte auf einen Soldaten.
Es sah aus, als würde man die Hitze eines Feuers flackern sehen. Nach und nach erhob sich dieser Schimmer und begann umher zu schweben.
„Es ist Zeit, Solveig! Hilf dieser Seele!“ mahnte mich Brünhild und legte ihre Hand auf meine Schulter.
Doch wie sollte ich das jetzt machen?
Hilfesuchend sah ich die Frauen um mich herum an.
„Geh darauf zu, strecke deine Hand aus und bitte sie dir zu folgen.“ so einfach sollte das sein?
Nun gut, mutig schritt ich drauf zu und tat wie man mir gesagt hatte.
„Folge mir!“ flüsterte ich etwas verunsichert, aber dieser wabernde Schimmer kam auf mich zu und als er mich berührte fühlte es sich nicht unangenehm an. Im Gegenteil, es war wirklich, als würde jemand meine Hand nehmen!
Neben mir stand Florence mit einer weiteren Seele und lächelte mich an.
„Und jetzt lass sie uns heimbringen, Mama!“ meine Tochter ging auf eine helle Nebelwand zu, die ich noch gar nicht bemerkt hatte und schritt hindurch.
Ich tat es ihr gleich und stand plötzlich umgeben von vielen fremden Personen, die alle in meine Richtung starrten. Mit einem Male rannte eine Frau auf mich zu, oder besser auf den Mann an meiner Seite!
Erschrocken sprang ich einen Schritt zurück. Gerade war es noch so ein Flackern und jetzt stand dort ein … Mensch. Er hatte seine Uniform an, die in tadellosem Zustand war. Nichts deutete mehr auf einen Kampf und seinen Tot hin.
Die Frau umarmte ihn und rief immer wieder, dass sie ihn so vermisst hätte. Mittlerweile waren zwei kleine Mädchen ebenfalls neben ihm und klammerten sich weinend an seine Beine.
„Vater, wir haben so auf dich gewartet.“ schniefte die eine.
„Ich habe euch auch alle vermisst…“ die Stimme des Mannes brach, als er seine Familie in die Arme nahm.
Ich hörte noch ein leises „Danke“ und diese Szenerie verblasste langsam. Zurück auf dem Schlachtfeld umgaben uns jetzt einige dieser Seelen, welche nach Hilfe suchend auf uns zukamen.
Les Friction - Come back to me (Taschentücher bereithalten)
Eine Frage stellte ich mir jedoch bei jedem einzelnen immer wieder. Wenn hier doch eigentlich der nordische Glauben gar nicht so vertreten war, warum waren dann aber so viele auf unsere Hilfe angewiesen? Wo war IHR Gott?
Die Antwort erhielt ich, als ich auch Namen hörte, wenn wir sie übergeben hatten. Es waren dänische, norwegische und sogar schwedische Männer, die ihr Leben im Krieg gelassen hatten, auch wenn sie die preußischen Uniformen trugen.
„Dein Urgroßvater hat ebenfalls hier gekämpft.“ gab mir Vör zu bedenken.
„Ist er …“ ängstlich wanderte mein Blick erneut über die vielen Toten!
Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter, welche mich sanft nach links drehte und dann nach vorne schob.
Zitternd sah ich hinunter und dort lag ein Mann mit schmerzverzerrten Gesichtszügen. Seine Augen waren aufgerissen, über seiner Brust lag sein Schwert, neben ihm eine Pistole. Seine Pickelhaube war ihm vom Kopf gerutscht und ich machte zwei Löcher darin aus.
Ich kniete mich nieder um seine Marke zu suchen, aber meine Finger fühlten sich wie tiefgefroren an und wollten mir nicht gehorchen.
„Mama, warte…“ meine Tochter half mir und fischte das Blechstück unter dem Kragen hervor.
Johan-August Frederickson und wieder standen diese militärischen Kürzel darunter!
Plötzlich sah ich dieses Hitzeflackern von ihm aufsteigen und ich wich ängstlich zurück. Unsanft landete ich auf meinem Allerwertesten und starrte seine Seele an, dann wieder auf den Körper.
Wie ferngesteuert stand ich dennoch auf, trat auf dieses Schimmern zu und streckte meine Hand aus. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als wir alle gemeinsam meinen Urgroßvater begleiteten.
Was hatte ich erwartet hinter diesem Nebelschleier? Schwer zu sagen, aber eine Ahnung hatte ich schon. Die bereits verstorbenen Familienmitglieder würden ihn in Empfang nehmen! Wer würde in diesem Falle hier sein? Meine Mutter? Meine Großmutter? Ich hatte schlichtweg Angst und schloss einfach meine Augen.
„Oh Johan! Da bist du ja!“ rief eine helle Frauenstimme.
Ein Ellbogen stupste mich an und ich hörte sich jemanden räuspern.
Vorsichtig öffnete ich meine Augen.
Da standen sie alle!
Mama, Oma, Papa … Sogar meine Großtante sah mich lächelnd an.
„Ich danke dir!“ flüsterte, wie ich jetzt annahm, meine Urgroßmutter. Ich hatte irgendwann einmal ein Bild von ihr gesehen, aber … das war eine gefühlte Ewigkeit her.
Sie war so groß wie ich, graue lange Haare die geflochten um ihren Kopf lagen und ihre grünen Augen waren liebevoll auf mich gerichtet.
Stumm nickte ich, doch bevor ich etwas erwidern konnte, verschwamm wieder diese Szenerie!
Heulend ließ ich mich in den Matsch des Schlachtfeldes auf die Knie nieder.
„Sie erkennen dich nicht, Solveig, auch deine Mutter nicht!“ Frigg hob mein Kinn und ich sah in ihren Augen ein Blitzen. „Sieh dich an.“ riet sie mir und half mir aufzustehen.
Florence ließ vor mir einen Spiegel erscheinen und als mein Blick darauf fiel, sah ich eine völlig andere Frau darin.
Meine Kleider waren wallende weiße Gewänder, mein Schuhwerk waren Wadenwickel aus weißem Leinen und lederne Füßlinge. Auf meinem Kopf hatte ich einen goldenen Helm und auf meinem Rücken prangte ein Schild, Köcher und Bogen!
Ich fuhr mit meinen Händen über mein Gesicht, weil ich es nicht glauben konnte.
Meine Tochter trat neben mich und auch sie sah ganz anders aus!
Als ich mich jedoch zu ihr umdrehte, stand sie mir ganz normal gegenüber.
„Dieser Spiegel zeigt dich in der Gestalt der Walküre, Solveig. So bewahren wir eine gewisse Distanz, auch wenn es die eigene Familie ist. Ich weiß, es klingt absurd und du bist verwirrt. Bald wirst du dich daran gewöhnt haben. Du darfst diese Nähe nicht zulassen oder diese Trauer dich übermannen lassen. Unsere Liebsten sind in guten Händen, oder nicht?“ beruhigend strich mir Frigg über den Rücken.
Langsam versiegten meine Tränen und ich atmete tief durch.
„Habe ich denn eine andere Wahl? Ich denke nicht!“
Sie hatte Recht und als mir bewusst wurde, dass ich nie alleine bin und sie alle über mich wachten, wurde mein Herz wieder leichter und wir konnten unser Tun hier bei den Verstorbenen, die noch nach Hilfe suchten, fortsetzen.