Boston / Virginia - Entscheidung über Leben und Tod!
Boston / Virginia - Entscheidung über Leben und Tod!
Hallo ihr Lieben!
Ich begrüße euch an diesem schönen sonnigen Samstag zu
einem neuen Kapitel aus dem Leben von Mistress Kenway.
Ein Ring mit vielen Möglichkeiten an ihrer Hand, wie Frigg
es sagen würde, wird ihr, als Norne der Zukunft, die Entscheidungen
über Leben und Tod vereinfachen. Aber nicht so, wie man vermuten würde.
Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen und bleibt gesund!
Ein lieber Gruß
MrsHEKenway
Zitat Kapitel 16 - Boston/Virginia
Kapitel 16
~~~ Entscheidung über Leben und Tod ~~~
Nach kurzer Zeit war mein Vater wieder ganz er selbst, hielt aber Helena weiterhin umschlossen mit seinen Armen.
„Was wird hier gespielt?“ hakte ich leicht gereizt nach, als ich sah wie meine Tochter völlig Geistesabwesend zu sein schien.
„Sie lernt gerade ihre Beschützer kennen, Solveig. Auch sie braucht im Notfall einen Beistand.“ begann Havi zu erklären und lächelte mich an.
„Ihre Beschützer? Sie … heißt das, Leni hat mehr als einen an ihrer Seite?“ ungläubig sah Edward den Allvater an.
„So ist es! Aber sie wird euch bald alles selber erzählen können…“ begann er, stockte dann kurz als er bemerkte wie seine Enkelin langsam wieder zum Leben erwachte. „Siehst du, Tochter? Deine Sorge war ganz unbegründet.“ Dieser unbekümmerte Ton in seiner Stimme ließ mich wütend werden, ER hatte keine Ahnung, wie eine Mutter fühlte.
Gerade als ich etwas erwidern wollte, atmete sie tief ein und aus und sah von einem zum anderen.
„Ich habe euch so viel zu erzählen!“ mit einer frech heraus gestreckten Zunge zu ihrem Großvater setzte sie etwas hinzu. „Dir nicht, Großvater! Du hast mich dort einfach ausgesetzt!“
„Du bist wieder hier, das ist das wichtigste!“ lachte er und nahm sie noch einmal in den Arm.
„Na los, sag schon! Wie war es deine Beschützer zu treffen?“ fragte Florence aufgeregt und zerrte ihre Schwester zum großen Tisch in der Mitte.
„Ich habe … zwei Engel an meiner Seite…“ ihr Blick wanderte in die Runde, so als suche sie etwas. „Aber sie können nicht hier nach Asgard kommen. Wenn wir wieder in Boston sind, dann … werde ich sie euch zeigen.“
„Wie heißen die Beiden?“ wollte ich wissen.
„Azrael und Ifrith!“ kam es stolz von meiner Tochter. „Einer ist ganz in Weiß und Gold gekleidet mit riesigen Flügeln die aussehen wie Sonnenstrahlen und der andere ist der schwarze König. Aber auch er hat Flügel, seine glühen wie Kohle die langsam erlischt. Azrael ist ein wunderschöner großer Greifvogel und Ifrith ist ein mächtiger schwarzer Wolf mit Hörner auf der Stirn.“ bei ihrer Erzählung glühten ihre Wangen vor Euphorie und verliehen ihr kindliche Gesichtszüge.
Engelchen und Teufelchen, ging es mir prompt durch den Kopf. Ob das aber so gut war, bezweifelte ich in diesem Moment noch. Helena wurde jedoch auch älter und würde lernen Gut von Böse unterscheiden zu können. Edward und Florence hatten es ja auch verstanden.
Odin hatte sie einfach in Bagdad bei einem Palast eines Sultans ausgesetzt.
„Vater, es sah dort aus wie in den Geschichten von Tante Jenny!“ sie schmückte alles mit wunderschönen Bildern aus und ich beneidete sie ein bisschen, dass sie so etwas erlebt hatte.
„Und wisst ihr, wer mir begegnet ist?“ sie machte eine dramatische Pause, lehnte sich etwas zurück und sah wissend in die Runde. „Nein? Ach… das könnt ihr ja auch nicht wissen.“ lachte sie.
„Ich glaube ich habe deinen Namensgeber dort gesehen, Vater.“ ihr Blick heftete sich förmlich auf meinen Templer.
„Wirklich? Wie sah er aus? Wie alt war er und war er schon ein berühmter Assassine?“ jetzt war Haytham leicht aus dem Häuschen.
„Nun, er gehörte zu der Palastwache und war so in … meinem Alter gerade. Er sah wirklich gut aus.“ bei diesen Worte glitt ihr Blick in weite Ferne und ich musste leise kichern. Da hatte sich wohl jemand verguckt und glühte ein bisschen für diesen Mann.
„So so…“ grummelte mein Gatte. Er würde sich früher oder später daran gewöhnen müssen, dass seine Töchter nicht mehr nur ihn anhimmeln werden!
„Aber … ich unterbreche diese nette Familienidylle nur ungerne. Solveig, du hast noch eine Aufgabe.“ sprach mich Frigg an und zog mich von meinem Platz hoch. „Folge mir!“
Wir gingen hinaus auf den Vorplatz dieser Feste und setzten uns auf eine steinerne Bank an einem kleinen Bach.
„Deine Aufgabe als Norne werden wir jetzt ein wenig … vereinfachen.“ ihre hellblauen Augen sahen mich liebevoll an.
„Wie soll man die Entscheidung über Tod oder Leben vereinfachen? Entschuldige, aber …“
Mit einer wischenden Handbewegung hieß sie mich schweigen.
„Das meine ich nicht. Du wirst ja nicht hier bei deinen Schwestern permanent verweilen können. Deswegen werde ich den Ring, den dir Hel vermacht hat entsprechend modifizieren, sodass du aus deiner Welt heraus agieren kannst. Wann immer es von Nöten ist. Außerdem wirst du auch direkt vor Ort bald einige Tode bestimmen.“
Vor meinem geistigen Auge erschien das Bild von Johnathan Pitcairn in seiner britischen Uniform. Er saß auf einem Pferd und es schien als würde er eine Ansprache halten. Dann brach dieser Moment ab und ich sah wie er sich vor Schmerzen gekrümmt die Seite hielt. Seine Männer versuchten ihn in Sicherheit zu bringen gerade.
Plötzlich tauchte ein Datum in einem Schriftstück auf. 17. Juni 1775, Boston!
Schwer atmend hielt ich mich an Frigg fest.
„Übernächstes Jahr also? Wie weiß ich aber …“ die Göttin unterbrach mich lächelnd.
„Jedes mal wenn deine Arbeit als Norne ruft, wird sich der Ring verfärben und du wirst genügend Zeit bekommen um dir einen Überblick zu verschaffen um die richtige Entscheidung zu treffen.“ ihre Hand lag beruhigend auf meiner bei diesen Worten.
„Ich habe Angst.“ flüsterte ich und spürte dass meine Wangen nass wurden.
„Das glaube ich dir. Aber auch das wird vergehen, glaube mir.“ auch ihre Stimme klang leise mit einem Hauch von Traurigkeit darin.
Als es langsam zu dämmern begann, machten wir uns auf um zu den anderen zu stoßen.
In der großen Halle brannte erneut ein großes Feuer über dem sich dieses mal ein Spanferkel drehte.
„Wenn ich noch länger hierbleibe passen mir bald keine Kleider mehr.“ grinste ich und sah in entsetzte graue Augen.
„Mi sol, dann solltest du dich einfach etwas zügeln…“ begann Haytham mich zu belehren.
„Daheim esse ich nur noch wie ein Spatz, versprochen. Ist ja eh nicht mehr möglich wegen dieses Korsetts.“ maulte ich zurück.
„Etwas mehr auf den Rippen schadet einer Walküre nicht, Haytham! Sie müssen einiges aushalten!“ mahnte ihn jetzt Thor und Vör sah ihn ebenfalls mit hochgezogener Augenbraue an. Diese Belehrung passte ihm nicht so wirklich.
„Dann muss ich das wohl so hinnehmen.“ seufzte er theatralisch und klatschte mir auf den Po. „Wenn ich es recht bedenke… ja, es könnte für die Lektionen …“ begann er und ich sah in seinen Gedanken einige Dinge die er zu gerne einmal wieder mit mir machen würde.
Grinsend zog ich ihn zu mir und küsste ihn innig.
„Ich freu mich schon drauf.“ hauchte ich leise und kniff ebenfalls in seinen Allerwertesten.
„Oh bitte, müsst ihr das immer vor aller Augen machen…“ meckerte Edward und verzog angewidert das Gesicht.
„Glaube mir, mein Sohn. Mit der richtigen Frau wirst du dich auch nicht immer beherrschen können.“ die Laune meines Gatten war in Sekunden gestiegen.
Wir hatten uns gerade alle für die Nachtruhe zurück gezogen, als ein Leuchten von meinem Ring ausging und immer heller wurde.
„Oh nein… nicht so schnell.“ ängstlich sah ich zu meinem Templer. „Was mach ich denn jetzt?“ zitternd sah ich in dieses Licht und es war, als ziehe mich ein Strudel hinein.
Vor mir tauchte eine Szene eines Duells auf. Beide Duellanten hatten bereits ihre Positionen eingenommen und waren bereit zu schießen. Es war etwas neblig und jetzt konnte ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Dieses Klischee wird wohl ewig bestehen bleiben.
Der Herr mit dem hocherhobenen Tuch sah von einem zum anderen, aber seine Worte konnte ich nicht verstehen. Das war auch nicht nötig.
Der weiße Stoff fiel wie in Zeitlupe zur Erde und dann stoppte das Bild.
Mein Blick glitt erst nach links zu dem doch recht jungen Mann, der verängstigt seinen Kontrahenten ansah. Seine Kleidung war die eines einfachen Kaufmanns würde ich sagen.
Der andere Herr war stattlich und überragte ihn mit einem Kopf. Seine Garderobe war fein und ziemlich imposant. Der Kragen seines Gehrocks war mit Fell besetzt, seine Handschuhe aus feinem Leder, so auch seine Stiefel. Ich sah in seinem Gesicht diesen abschätzigen angewiderten Blick, den ich auch schon bei Charles Lee einige Male gesehen habe. Er musterte den anderen wie eine eklige Küchenschabe.
„Triff deine Entscheidung, Solveig.“ hörte ich Friggs Stimme leise in meinem Kopf.
Bevor ich jedoch etwas machen konnte sah ich aus dem Augenwinkel zwei Frauen in der Nähe stehen. Eine trug ein Baby auf dem Arm und die andere hatte zwei Kinder, etwa 6 und 10, an der Hand.
Anhand der Kleidung war schnell ausgemacht, wer zu wem gehörte und in meinem Kopf stolperten alle Gedanken übereinander.
Ich würde, egal wie ich mich entscheide, einer Familie den Vater nehmen. Sollte ich mich vom angewiderten Blick beeinflussen lassen?
Ich atmete tief durch und ließ dieses Bild auf mich wirken.
Bei genauerem Hinsehen fiel mir bei den Frauen auf, dass sie beide zu dem jungen Herren sahen mit Tränen in den Augen.
Eine andere Szenerie ploppte in meinem Kopf auf.
Eine Scheune, eine völlig andere Dame in den Armen des Kaufmanns und beide vergnügten sich miteinander wie es aussah. Im Tor stand der gutbetuchte Mann und hielt eine Mistgabel in der Hand.
Jetzt hieß es eins und eins zusammen zählen. Hier ging es um Fremdgehen! Er war der Schwiegersohn des reichen Herren und die Frau mit dem Baby war die Tochter! Er hatte ihre Ehre beschmutzt!
In diesem Jahrhundert war das ein nicht zu verachtendes Delikt und wurde des öfteren, auch wenn sie nicht wirklich erlaubt waren, mit einem Duell ausgefochten.
Nein, ich würde keinen Vater sterben lassen, der nur seine Kinder beschützen will.
Damit war meine Entscheidung gefallen!
Ich sah wie aus beiden Pistolen Rauch aufstieg und mit einem Fingerzeig meinerseits brach der junge Kaufmann in sich zusammen. Auf seiner Stirn ein klaffendes Loch.
Der reiche Herr hingegen hielt sich nur den linken Oberarm, welcher einen Streifschuss abgekommen hatte.
Die Frauen eilten zu ihm und lächelten ihn erleichtert an. Ihre Worte hörte ich nicht, aber ich hoffte, ich hatte hier das richtige getan.
„Das hast du. Der erste Eindruck kann leider täuschen, aber das weißt du ja.“ hörte ich wieder Frigg in meinem Kopf. „Und jetzt… schlaf, Solveig!“ es war als würde ich einen Kuss auf der Wange spüren und mit einem Schlag fielen mir die Augen zu.