Boston - Von Vampiren und seltsamen Epidemien
Boston - Von Vampiren und seltsamen Epidemien
Hallo ihr Lieben!
Die Teeparty hat ein Ende gefunden und die Truppe macht sich
auf den Rückweg zur Herberge. Der Abend könnte so schön entspannt
sein, wäre da nicht eine Hiobsbotschaft, ein genervter Haytham und
zu allem Übel auch noch ein betrunkener Pöbler.
Alex weiß sich zu behaupten und greift zu einem unkonventionellen Mittel.
Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen und bleibt gesund! Steckt
euch bloß nicht bei dieser bösen Bostoner-Soldaten-Epidemie an,
ihr wisst nie, wer euch behandelt!
Ein lieber Gruß
MrsHEKenway
Zitat Kapitel 19 - Boston
Kapitel 19
~~~ Von Vampiren und Epidemien ~~~
Etwas enttäuscht ging ich neben meinem Mann her!
Mir ging nämlich plötzlich ein Gedanke durch den Kopf.
DAS war die Boston Teaparty? Das war es schon? Warum wurde bitte so ein Aufhebens darum gemacht?
Mein frustriertes Seufzen blieb nicht unbemerkt.
„Was, Alex?“ fragte Haytham leicht gereizt.
„Es … ich hatte irgendwie mehr … Action erwartet. Das war … naja, nur Geplänkel!“ erklärte ich mich.
Er drehte mich zu sich um und sah mich erstaunt an.
„Wie bitte? Hat dir das noch nicht gereicht? Was bitte muss noch passieren, damit du zufriedengestellt bist? Wir … DU hast doch von diesem Ereignis in höchsten Tönen gesprochen und jetzt das?“ kopfschüttelnd sah er zu mir herunter.
„Aber ich hatte gedacht, dass … ich weiß doch auch nicht. Es fühlt sich nicht nach einem Sieg an. Kannst du das nicht verstehen?“ in mir tobte wirklich ein kleiner Krieg von Unzufriedenheit und gleichzeitigem Wissen, dass es genau das Richtige war.
Bevor mein Mann aber noch etwas sagen konnte, rannte Connor auf uns zu!
„Wir haben ein neues Problem!“ rief er und stützte seine Hände auf seine Knie um wieder zu Atem zu kommen. „Der Gouverneur wurde gerade in Gefangenschaft genommen, mit der Begründung er hätte dem Widerstand geholfen! Sie wollen ihn morgen hängen!“
„Das ist natürlich nicht das, was wir wollten. Verdammt!“ rief Haytham und war schon in Gedanken bei William und Charles. Sie hatten einen gewissen Einfluss in den Armeen und wären jetzt mehr als hilfreich.
„Er ist hier? Ich dachte er wäre in New York gerade?“ grübelte ich laut nach und sah zu Connor.
„Da hast du dich wohl geirrt. Nicht alle Aufzeichnungen sind korrekt.“ murrte Haytham und ging mit seinem Sohn voran weiter.
Fuck ! Ging es mir durch den Kopf!
Man hielt Tryon derzeit in einem kleinen Verschlag in der Nähe der Garnison gefangen. Diese war gut bewacht, aber wir wussten, dass nicht alle Soldaten bester Gesundheit waren derzeit. Ob uns das nun helfen würde war fraglich.
„Ich gehe mit Connor dorthin und werde das klären. Du gehst bitte wieder zu unserer Unterkunft, Alex. Du siehst nicht gut aus.“ sprach Haytham in dieser unangenehmen Templerart mit mir.
„Oh natürlich, Master Kenway.“ fauchte ich, drehte mich um und ging einfach … irgendwohin.
Meine Hilfe war also gerade nicht von Nöten, weil die Herren der Schöpfung wieder alles unter Kontrolle hatten … aber gerade auf den Schiffen war sie willkommen!
„Wohin des Weges, Lady?“ lallte mich mit einem Male ein Mann von der Seite an, der gerade aus einer Taverne getaumelt war.
„Geht dich nichts an, du Arsch!“ pöbelte ich und ging einfach weiter.
Ich war auf Krawall gebürstet und er ließ nicht locker!
„Du brauchst nur etwas Entspannung, dann bist du auch nicht mehr so hysterisch! Glaub mir! Ich habe da ... Erfahrung drin!“ sprach er mit einem widerlichen Rülpser.
Ich überlegte ob ich mir diesen Spaß erlauben sollte und mich erneut in eine andere Gestalt verwandeln sollte oder ob ich ihn gleich hier abstechen sollte. Egal was ich tat, er würde es nicht überleben, grinste ich und begann mich auf eine weitere fiktive – nicht ganz muss ich gestehen – Gestalt zu konzentrieren. Eine Bruxa! Der Gedanke an Geralt von Riva, die Bücher um ihn als Witcher und die Spiele tauchten vor meinem inneren Auge auf und dieser Drang mich zu verwandeln war stärker als das Wissen, dass ich unfassbare Schmerzen haben würde.
Diese Bruxa sind ähnlich wie Vampire in weiblicher Gestalt, aber sie sehen etwas unheimlicher aus. Die Reihe ihrer Fangzähne gleicht schon fast die eines Haies und sie sind schnell, wendig und können sich unsichtbar machen. Da ich noch dieses Amulett bei mir hatte, spielte es mir passender Weise in die Hände. Dieser Gedanke beflügelte mich und ich fühlte diesen Wandel in mir. Er war aber nicht so unangenehm wie der zu Lara!
„Solveig! Du bist wie ein verzogenes Gör! Das ist kein Spaß!“ brüllte mir Odin ins Ohr.
„Lass mich! Niemand wird mich mehr so behandeln!“ rief ich wütend und als ich mit der Zunge über meine Zähne fuhr, waren sie spitz wie Nadeln.
Der Herr vor mir wich mit weit aufgerissenen Augen immer weiter zurück. Zurück in die Schatten der Häuser. Wie praktisch für mich!
„Lass mich dich kosten und ich verspreche, du wirst den Höhepunkt deines Lebens spüren!“ sprach ich lüstern und ging langsam auf ihn zu.
Als meine Hand seinen Arm berührte lächelte er mich selig an.
„Natürlich Herrin! Nehmt mich!“ hauchte er mit glasigen Augen und bog seinen Kopf in den Nacken.
Dieser Anblick der freien Kehle war das Stichwort und meine spitzen Zähne gruben sich in seine Haut und als ich das Blut warm in meinem Mund spürte war es als hätte man mir eine Droge injiziert! Es war berauschend und ich wollte mehr!
Im Schatten des Hinterhofes sog ich das Leben aus ihm heraus und ließ seinen toten Körper langsam zu Boden sinken.
Diese Genugtuung dauerte nur wenige Sekunden, bis mein Körper versuchte wieder in seine natürlich Gestalt zu wechseln und ich mich übergab. Blut verträgt ein menschlicher Magen nicht! Daran hätte ich denken müssen!
„Und wieder eine Lektion!“ stöhnte mein Vater und ich sah ihn Augenrollend vor mir.
„Ja, ich hab es verstanden! Aber … lasst mich experimentieren!“ ich hatte kaum ausgesprochen, als ich auch schon wieder diese Schmerzen in den Schulterblättern spürte.
„Mach… aber diese Schmerzen werden nicht weniger werden!“ pöbelte mein Vater mit einem Male und Frigg sah ebenfalls tadelnd zu mir herunter.
Als ich neben mich blickte, lag dort ein ziemlich ausgetrockneter Körper. Kein schöner Anblick und ich musste schleunigst dafür sorgen, dass er verschwand.
Seufzend half mir Odin widerwillig den Toten unter die Erde zu bringen. Frigg hatte eine Barriere geschaffen, die uns vor neugierigen Blicke schützte und so konnten wir ein Loch ausheben.
Wobei ausheben nach anstrengender Arbeit klang, mein Vater brauchte nur ein Fingerschnippen und das Grab war fertig.
Mit ein paar Abschiedsworten legten wir den Herren hinein und bedeckten ihn mit Erde. Mit einer leichten wischenden Bewegung ließ der Allvater alle Spuren am Boden verschwinden und drehte sich dann zu mir um.
„Mir reicht es für heute mit dir.“ maulte er, nahm seine Frau bei der Hand und verschwand einfach in einem feinen Nebel.
Für einen Moment stand ich einfach wie angewurzelt in diesem Hinterhof, bis mich diese Schmerzen wieder ins Hier und Jetzt holten.
Mich überkam plötzlich eine unendliche Traurigkeit die sich mit meiner Wut auf Haytham, meinem Vater und allem und jedem paarte. Dieses Gefühl war einfach zu viel für mich und ich hockte mich in eine Ecke und heulte. Ich ließ alles raus an Tränen was ging, ehe ich mich schniefend auf den Weg zu unserer Unterkunft machte.
Auf dem Weg hörte ich wie die Leute sich über ihren Triumph über die britische Krone freuten und feierten was das Zeug hält.
Vor der Tür unserer Herberge hielt ich kurz inne um meine Gedanken zu sammeln. Ich hoffte, dass ich nicht gleich wieder losheulen würde, sobald mir jemand eine Frage stellte.
Im Inneren roch es nach frischem Ale, gebratenem Fleisch, Parfum und einigen Körperausdünstungen. Mittlerweile sollte ich mich daran eigentlich gewöhnt haben, aber heute war mir diese Mischung in der Nase zu viel.
Es half aber ja nichts, ich konnte mich nicht einfach so nach oben stehlen und so tun, als wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen.
Mit gestrafften Schultern ging ich zu dem großen Tisch am Ende des Raumes, wo sie alle schon saßen und sich ihren Whiskey schmecken ließen. Mein Mann sah mit hochgezogener Augenbraue in meine Richtung und musterte mich von oben bis unten.
„Wo warst du, verdammt nochmal? Ich habe dich überall gesucht, aber nicht einmal gedanklich konnte ich dich finden! WAS hast du getan?“ plötzlich änderte sich sein Gesichtsausdruck und er kräuselte angewidert die Nase.
„Ich habe mich gegen einen besoffenen Idioten verteidigt!“ lächelte ich arrogant und setzte mich einfach.
„Du riechst nach … Verwesung.“ bemerkte Imhotep und auch er sah mich skeptisch an.
„Also schön, ich … habe noch einmal meine Gestalt geändert und nicht ganz darüber nachgedacht, was das für Auswirkungen auf meinen richtigen Körper haben könnte. Es war eine Bruxa, ein vampirähnliches Wesen aus der Feder eines Herren Sapkowskis . Als ich sie war, spürte ich keine Schmerzen und fühlte mich leicht. Mein Kopf war befreit für ein paar Minuten…“ ich nahm einen Schluck aus Haytham Glas und der Whiskey brannte in meinem Hals.
„Vampire die das Blut aussaugen also? Aber … wie kannst du dann jetzt so wieder hier sitzen?“ fragte Connor mit großen Augen.
„DAS wüsste ich auch gerne, aber es war, wenn ich so darüber nachdenke, nicht wirklich meine beste Idee.“ lächelte ich und trank auch noch den Rest aus.
„Mistress Kenway, eure Tochter hat Hunger.“ hörte ich Sybill neben mir und entschuldigte mich bei den anderen.
Vor unseren Räumlichkeiten hielt mich das Kindermädchen plötzlich auf.
„Das war keine kluge Entscheidung mit diesem … Wesen! Du hättest dir sonst was einfangen können und du hättest gesehen werden können!“ ihre Stimme klang genauso tadelnd wie Odins vorhin.
„Ja, das habe ich ja jetzt verstanden. Ich brauche einfach meinen Schlaf und dann geht es mir morgen sicherlich wieder besser.“ mit diesen Worten schob ich sie beiseite und ging zu Helena.
Sie lag in ihrem Bettchen und lächelte zu mir hoch, als ich mich hinunter beugte.
„Hallo min lille solstråle. Hast du gut geschlafen?“ flüsterte ich und strich ihr über das Köpfchen. „Mama wäscht sich nur schnell etwas und dann bekommst endlich deine Milch.“
Nach einer Katzenwäsche und einer sauberen Garderobe, stillte ich sie und lehnte mich dabei an die Kopflehne unseres Bettes. Diese Momente waren immer wieder so friedlich und langsam spürte ich die Müdigkeit in meinen Knochen. Die Schmerzen waren allmählich abgeklungen, stellte ich erfreut fest.
Als Helena satt wieder ins Land der Träume versunken war, ging ich noch einmal hinunter in den Schankraum. Auch wenn mir nicht unbedingt nach höflicher Konversation gerade war, aber ich wollte schon wissen, wie es jetzt mit dem Gouverneur weitergehen sollte.
Von weitem sah ich eine Frau an unserem Tisch stehen mit feuerroten Haaren, feiner Kleidung und einer kleinen Tasche die wie ein Arztköfferchen aussah.
Als ich näher kam, hörte ich sie über eine gefährliche Epidemie faseln, die unter den Soldaten ausgebrochen war.
„Wir müssen sicherstellen, dass sich diese Krankheit nicht weiter ausbreitet unter der … Bevölkerung.“ dabei wanderte ihr Blick ausschließlich über die Herren am Tisch.
Faith und ich sahen uns grinsend an.
Heilerin, so so!
„Es wäre also ratsam, Gentlemen, euch untersuchen zu lassen, damit wir ausschließen können, dass ihr … euch angesteckt habt.“ in ihrer Stimme klang ein lasziver Ton mit. Mein Blick glitt zu ihrem Handgelenk wo ein gelbes Band prangte.
Einige der Damen aus dem horizontalen Gewerbe trugen so etwas als Kennzeichen.
Schau sie dir an, wie sie versucht hier Kundschaft abzugreifen. Mal sehen, was sie als Heilerin so drauf hat. Sprach ich Faith im Geiste an.