Boston - Von betrügerischen Ärzten und einer unsterblichen Witwe
Boston - Von betrügerischen Ärzten und einer unsterblichen Witwe
Hallo ihr Lieben!
Weiter geht es in Boston mit einer betrügerischen Dame, welche sich
als Ärztin ausgibt und Charles Lee ihr ins Netz geht. Alex und Faith
können das nicht einfach so stehen lassen und greifen mit ihren
Fähigkeiten ein.
Leider gibt es noch mehr schlechte Nachrichten. Neben der Gefangennahme
Tryons ist plötzlich eine unliebsame Witwe wieder aufgetaucht!
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!
Ein lieber Gruß
MrsHEKenway
Zitat Kapitel 20 - Boston
Kapitel 20
~~~ Die Witwe mit den 9 Leben ~~~
Man musste es dieser Frau lassen, so ganz auf den Kopf gefallen, war sie nicht.
Leider merkte man aber schnell, dass sie mit Halbwissen um sich warf. Sie wusste wie man einige Krankheiten nannte, aber kannte keine Medikamente zum Beispiel.
„Master Lee, ihr seht seit Tagen nicht gut aus. Vielleicht … solltet ihr euch einmal einer Untersuchung unterziehen und uns dann Bericht erstatten?“ mir fiel es unendlich schwer ein Lachen zu unterdrücken.
„Vielleicht habt ihr Recht.“ und mal wieder dieser abfällige Blick in meine Richtung. „Miss, wo befindet sich denn eure Praxis?“
Jetzt stieg ihr eine heftige Röte in die Wangen, weil man sie im Nu ganz schnell als Hure entlarven könnte.
„Ich … ich bin erst vor kurzem hier angekommen und hatte noch keine Gelegenheit mir eine passende Bleibe zu suchen. Vorerst müsst ihr mit einem kleinen Zimmer hier im Hinterhaus Vorlieb nehmen, Sir.“ lächelte sie ihn an.
„Geht voran, ich folge euch.“ Charles erhob sich, verabschiedete sich und ging der vermeintlichen Ärztin hinterher.
Faith und ich begannen Lee ebenfalls zu folgen, natürlich nur in Gedanken und beschlossen, ihm ein paar böse Gebrechen angedeihen zu lassen, die die Ärztin sicherlich kurieren könnte. Als erstes probierten wir es mit einer heftigen Übelkeitsattacke gefolgt von unerklärlichem Hautausschlag mit eitrigen Pusteln am ganzen Körper. Dazu gaben wir ihm noch ein wenig Gedächtnisschwund, damit er nicht einmal sagen konnte wie er heißt.
Ich hätte noch Stunden so weitermachen können, aber Miss Möchtegern-Doktorin bekam Panik und rannte einfach weg.
Och schade… lachte ich und sah, wie Faith Charles ein wenig genesen ließ und ich gab ihm eine andere Erinnerung. In dieser war er von einem Dieb k.o. geschlagen worden.
„Sollten wir ihr nicht vielleicht sagen, dass sie ihre Untersuchungen abbrechen kann, weil …“ begann Connor, wurde aber von Shay unterbrochen.
„Nein, sie soll ruhig ihren Spaß mit ihm haben oder er mit ihr. Wie auch immer.“ grinste er und sah meinen Templer mit einem breiten Grinsen an.
Gerade als dieser etwas sagen wollte, flog die hintere Tür zum Schankraum wieder auf und die Dame mit dem jetzt nicht mehr so feinen sauberen Kleid hielt wütend auf unseren Tisch zu.
„Ihr schuldet mir frische Laken und eine Putzfrau und und … ich werde Tagelang mein Zimmer nicht mehr nutzen können. Wo bleiben denn dann bitte meine Einnahmen?“ brüllte sie jetzt nicht mehr so damenhaft.
Ich spürte Haythams Blick auf mir ruhen.
Was habt ihr jetzt schon wieder getan? Fauchte er mich an, fing sich aber sofort wieder und reichte der Frau ein bisschen Geld für ihre „Unkosten“.
„Danke Sir.“ ihre Augen fixierten erst Faith dann mich. „Wenn ihr das nächste Mal eure Männer alleine lasst, werde ich sie schon noch kriegen!“ sprach sie drohend, leider klang es eher wie ein verzweifelter Versuch sich keine Blöße geben zu müssen.
„Oh, da bin ich zuversichtlich, dass ihr das vorhabt. Viel Spaß bei dem Versuch und jetzt … verzieh dich, ehe ich mich vergesse!“ ich schob sie dabei von uns weg, weil ihre Kleidung etwas widerlich roch und ich mich nicht schon wieder übergeben wollte.
Wütend sah sie noch einmal in die Runde, drehte sich mit Schwung um und schlug dabei mit ihrem Köfferchen einem Gast seinen Alekrug aus der Hand.
„Typisch Weiber! Gönnen einem nicht einmal ein Siegesale nach getaner Arbeit!“ schrie er und schubste sie ebenfalls von sich.
„Verzeiht …“ stotterte sie, raffte ihre Röcke und versuchte jetzt mit aller Vorsicht heile aus dem Schankraum zu kommen.
Doch zu ihrem Pech wurde die Tür aufgestoßen, drei Soldaten der Kontinentalarmee stolperten hinein und rissen sie damit von den Füssen! Wie ein Käfer auf dem Rücken lag sie am Boden und versuchte wieder hochzukommen. Doch die Männer machten keine Anstalten ihr zu helfen, im Gegenteil. Sie standen zu ihren Füßen und sahen sich ihre nicht vorhandene Unterwäsche an.
Ich konnte mich leider vor Lachen nicht mehr halten und hielt meine Hände vor die Augen, weil ich schon fast heulte. Was ein fantastischer Abschluss für einen doch recht bescheidenen Abend!
Irgendwann hatte dann aber doch jemand Mitleid mit der Hure und beendete das Spektakel, leider.
Kaum war die Frau weg, taumelte Charles auf unseren Tisch zu.
„Ich wurde ausgeraubt!“ rief er und hielt sich ein Tuch an den Hinterkopf.
Fragend sah ich zu Faith, welche nur mit dem Kopf schüttelte. Diese Platzwunde hatten WIR nicht zu verantworten!
Er hatte dazu auch noch ein Veilchen und eine kaputte Lippe.
„Charles, ihr seid einer Hure aufgesessen. Wahrscheinlich waren das ihre Handlanger, die sich euer Hab und Gut holen wollten, weil ihr nicht bezahlt habt.“ merkte Haytham an, konnte aber selber ein fieses Grinsen nicht unterdrücken.
„Es waren auch wichtige Papiere in meiner Brieftasche …“ stammelte er mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen!
Ernsthaft? Er nahm sowas immer mit?
„Seid ihr noch ganz bei Trost? Waren das die Befehle für Gouverneur Tryons Hinrichtung morgen etwa? Ich hatte euch doch gesagt, verwahrt sie sicher, wir werden sie brauchen!“ mein Mann wurde immer lauter.
„Sir, ich … wollte sie ja noch auf mein Zimmer bringen. Aber … ich wurde … abgelenkt….“ stammelte er und verzog vor Schmerzen das Gesicht.
„Geht und ruht euch aus. Wir sprechen morgen früh weiter!“ befahl Haytham wütend und Lee verschwand ohne weitere Worte.
Fragend sah ich jetzt in die Runde, denn von diesem Thema hatten wir noch nicht gesprochen.
„Wir können die Hinrichtung verhindern, indem wir diese Unterlagen fälschen und einen fiktiven anderen Namen einsetzen. Niemand wusste wirklich wie der Gouverneur aussieht. Das ist unser Glück. Einer der kranken Soldaten plauderte aus dem Nähkästchen, als ihm klar wurde, dass wir ihm erst erlauben würden seine Notdurft zu verrichten, wenn er den Mund aufgemacht hat. Wir haben also jetzt einen Toten, dessen Namen wir dort einsetzen könnten. Doch das hat sich wohl erledigt.“ müde rieb mein Templer sich übers Gesicht.
„Lasst uns nachsehen, ob wir irgendwelche Spuren ausmachen können.“ rief Connor und eilte schon nach draußen. Wie konnte er immer noch so fit sein? Wir waren alle hundemüde mittlerweile und mit Schrecken stellte ich fest, dass unsere Kinder auch bald aufstehen würden.
„Also schön.“ seufzte ich und folgte Connor, Haytham und den anderen nach draußen. William war jedoch schon vor einer Stunde gegangen, weil er bald zurück nach Hause musste. Es gab noch einiges zu regeln im Bezug auf die Finanzierung für den Landkauf.
Kaum dass die Tür zum Zimmerchen der Dirne offen war, blieb mir die Luft weg. Bei Odin, hier stank es wirklich erbärmlich und daran war definitiv nicht nur Charles schuld. Man sah ein oder zwei Ratten herum huschen und einiges fauliges Essen auf einem der Regale.
Man bräuchte hier einen Kammerjäger und ein Ausräucherungskommando. Eine Renovierung könnte auch nicht schaden mit vorheriger Grundreinigung versteht sich.
Es dauerte nicht lange, da formten sich die Spuren von drei Personen mit großen Füßen, die in Richtung Westen, weg von der Herberge führten. Der Teil von Boston war gerade erst im Aufbau und die Bewohner dort oft verarmt, weil sie die Kosten nicht richtig geplant hatten.
Wir gingen einfach weiter, bis wir zu einen kleinen Schuppen erreichten der links neben einem Backsteinhaus angebaut war. Dort sah man, dass vor kurzem jemand das Schloss am Tor geöffnet hatte.
Wir lauschten und vernahmen Stimmen aus dem Inneren, die sich über die schlechte Ausbeute des Abends beschwerten.
„Ich habe ihr gesagt, dass diese Masche mit sich als Ärztin ausgeben nicht klappen würde. Die Leute sind doch nicht dumm, obwohl … einige schon, wie dieser komische Herr eben gerade.“ kicherte einer und die anderen stimmten mit ein.
Ohne auf uns zu warten, riss mein Mann das Tor auf und trat ein.
„Gentlemen, ich glaube, ihr habt etwas, was uns gehört!“ mit auf dem Rücken verschränkten Armen stand er vor ihnen und ich sah, wie er eine der versteckten Klingen bereits aktiviert hatte.
„Nein, das glaube ich kaum. Es sei denn, ihr seid dieser Tryon. Was ich mir nicht vorstellen kann, ihr seht nicht wie ein hohes Tier aus.“ langsam erhob sich der Mann bei seinen Worten und führte seine Hand zu einem Schwert an seiner rechten Hüfte.
„Das würde ich an eurer Stelle lieber sein lassen.“ mahnte Shay leise, hatte aber selber schon die Hand am Schwert.
Faith und ich hatten im Vorfeld schon die Dolche gezückt und hielten sie hinter unserem Rücken. Für Magie war hier meiner Meinung nach kein Platz und es wäre auch unnötig. Ein guter altmodischer Kampf tut es auch.
„Glaubt ihr etwa, ihr wäret in der Überzahl und könntet uns einfach so hopps nehmen? Schaut mal über eure Schultern.“ der Finger des Redners deutete in die Nacht hinter uns, wo sich 6 weitere Schläger versammelt hatten.
„Putzig!“ lachte ich und griff einfach den erst besten Dieb vor mir an. Worum noch lange um den heißen Brei reden?
Im Nu herrschte für einen kurzen Moment Chaos, welches sich zu einem kleinen Kampf entwickelte. Die Herren waren auf der Straße aufgewachsen und wussten sich gut zu verteidigen, aber nicht gut genug für uns!
Irgendwann war nur noch einer am Leben, welchen mein Mann jetzt ausgequetschte.
„Wo lagert ihr eure Beute? Wer ist euer Anführer?“ forderte er ihn zum Reden mit dem Schwert am Hals auf.
„Es gibt keinen Boss, wir … sind uns alle nur zufällig vor einiger Zeit begegnet. Tipps wo man reiche Säcke findet, bekommen wir halt von den Huren und einigen Soldaten. Die wollen sich oft einfach an ihren Vorgesetzten rächen.“ schwer schluckend sah er zu meinem Mann auf. „Das … ist alles! Ich schwöre!“ seine Stimme begann vor Angst zu zittern, als ihm plötzlich bewusst wurde, dass auch er jetzt das Zeitliche segnen würde.
Haytham legte beide Hände um den Schwertgriff und stieß die Schneide in den Hals des Mannes. Langsam drehte er die Waffe, nur um sie kurz darauf wieder heraus zuziehen.
„Dahinten sind einige Holzbretter im Boden locker. Dort horten sie ihre Schätze.“ mein Mann drehte sich ohne weitere Worte um und ging hinaus.
Ich ging ihm hinterher und sah, wie er erschöpft an der Wand der Scheune lehnte.
„Ist alles in Ordnung, mi amor?“ fragte ich leise nach.
„Natürlich ist es das. War ja nicht der erste Tote heute, nicht wahr?“ seine Laune war irgendwie immer noch im Keller.
„Nein, war er nicht. Was ist denn los?“ hakte ich jetzt etwas energischer nach.
„Du lässt nicht locker, oder?“ seufzte er tief und stieß sich von der Wand ab. „Vorhin, als du uns vor den Scharfschützen auf den Dächern gewarnt hast und wir sie uns vornehmen wollten, sah ich drei Männer, die ich noch aus meiner Lehrzeit bei Reginald kannte. Wir hatten gemeinsam trainiert und … wir freundeten uns an. Leider haben sie uns dann verlassen, weil die Eltern sie lieber im Dienste seiner Majestät sehen wollten. Ich hingegen blieb bei Reginald. Wir verloren uns aus den Augen und ich hörte nie wieder von ihnen. Bis zum heutigen Abend.“ er sah hinauf in den Nachthimmel, ehe er weiter erzählte.
„Als sie mich sahen, zögerten sie nicht ihre Waffen gegen mich einzusetzen. Man hatte ihnen von dem bösen Templergroßmeister berichtet, welcher gegen die Krone in den Krieg ziehen würde, ohne Skrupel und schlechtem Gewissen.“ seine Faust schlug plötzlich gegen die Holzwand und ließ sie erzittern.
„Von wem sollten sie bitte so etwas gehört haben?“ mir fiel beim besten Willen gerade niemand ein.
„Denke nochmal nach.“ maulte er mich an und sah mich fragend an. „Wer will mich am liebsten vernichten und im Dreck kriechen sehen?“ er hatte mich an den Schultern gepackt und drückte mich jetzt an die Scheune.
„Mrs Donovan, oder wie sie auch immer jetzt heißt?“ antwortete ich obwohl es mehr eine Frage war. Sie war uns beiden ein Dorn im Auge.
„Ganz genau diese Dame und sie hat mittlerweile wieder Fuß gefasst und sich den nächsten Reichen geangelt. Keinen geringeren als Eugene Avdeyev!“
Bei seinen Worten blieb mir fast das Herz stehen! Er lebte hier? In diesem Jahrhundert? Wir hatten … also … Hrymr war aber doch … in meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken.
Vor allem, wie bitte ist diese Frau wieder aus Irland, so mittellos wie sie damals gewesen sein muss, zurück gekommen? Sie war wie ein Stehaufmännchen, verdammte Axt!