Boston / Tartaros - Der Stärkere gewinnt *Hrymrs Sicht*
Boston / Tartaros - Der Stärkere gewinnt *Hrymrs Sicht*
Was sieht mein trübes Auge denn da?
Ein neugieriger Haufen Sterblicher, die wissen wollen,
ob es Mistress Kenway gut geht! Da muss ich euch schon wieder
enttäuschen. Ich habe keine Ahnung und es interessiert mich
auch nicht die Bohne.
Viel wichtiger ist mein Kampf gegen diesen Bengel #Momos!
Glaubt er doch, er kann mich herausfordern. Er wird schon noch
sehen, mit wem er sich angelegt hat.
Viel Spaß beim Lesen!
Hrymr aka Eugene
Zitat Kapitel 27 - Boston/Tartaros
Kapitel 27
~~~ Der Stärkere gewinnt ~~~
Der nächste Tag brach früh an, weil ein riesiger Aufstand vor ihrer Tür stattfand.
„Lasst mich zu meiner Mutter, es ist wichtig!“ rief ein aufgebrachter Herr, das musste also Momos sein.
Polternd krachte die Tür zur Kammer an die Wand. Auf der Schwelle stand ein gutaussehender junger Herr mit dunkelblauem Umhang und starrte auf das Bett. Sie alle drei hatten nicht an ein Laken gedacht um sich zuzudecken über Nacht, weswegen sie nackt wie sie waren umschlungen dort lagen.
Hastig drehte sich der ungebetene Gast um.
„Zieh dir was an, Mutter! Wir müssen reden!“ sprach er harsch und ging in den Vorraum mit dem großen Tisch.
„Immer das gleiche mit ihm. Ich sollte ihn verstoßen, damit er lernt wie er sich zu benehmen hat.“ maulte Nyx und zog sich ihren Umhang über. Sie trat hinaus und schloss die Tür hinter sich.
„Du meine Güte, dem Sohn sollte man wirklich mal Manieren beibringen.“ sagte Amber kopfschüttelnd, erhob sich aber auch etwas mürrisch. „Schade, ich hatte mich noch auf ein paar Spielereien in den frühen Morgenstunden gefreut.“ sie beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn sachte.
Ehe Eugene jedoch nach ihrer Hand greifen konnte, zog auch sie sich an.
Seufzend setzte er sich auf. Sein Blick ging suchend über den Boden. Wo waren sein Hemd und seine Hosen abgeblieben?
„Hier!“ kicherte die Walküre und warf ihm alles zu.
„Danke! Das nächste Mal sollten wir uns irgendwo ein verlassenes Plätzchen suchen, wo uns niemand stören kann.“ die Worte kamen mit einem langen Gähnen über seine Lippen.
„Denke ich auch.“ vorsichtig öffnete sie die Tür und lauschte ob man zu den beiden stoßen sollte oder noch warten sollte.
„Lass uns einfach zu ihnen gehen. Schließlich haben wir einiges zu besprechen und vielleicht kann uns Momos helfen. Wer weiß!“ damit schob er seine neue Gefährtin einfach hinaus.
„Du hast dich mit diesen anderen Gefährten verbündet ohne mich vorzuwarnen und jetzt steht hier eine halbe Armee vor unseren Toren und wartet auf ein Zeichen! Dieser nordische Riese wird sich auf der Stelle von hier verziehen, oder ich …“ schrie Momos seine Mutter an, die völlig unbeeindruckt schien.
„Was? Willst du ihn bekämpfen? Ist es das was du vorhast? Willst du beweisen, wer der Stärkere ist?“ jetzt war sie es die laut wurde.
„Warum nicht? Traust du mir keinen fairen Kampf zwischen zwei fast ebenbürtigen … Göttern zu?“ dieser Mann ließ sich einfach nicht beruhigen.
„Dann lass mal sehen, was du so drauf hast!“ rief Eugene und trat auf ihn zu.
„Pffff! Hier ganz bestimmt nicht! Vor den Toren!“ schwungvoll drehte sich Nyx Sohn um und verließ diese Räumlichkeit.
„Worauf wartest du?“ fauchte seine alte Gefährtin und deutete ihm hinterher zugehen.
Nun, er würde so eine Kampfansage ganz sicher nicht auf sich sitzen lassen!
Beim Hinausgehen begann er bereits sich in den Riesen zu verwandeln, der er war. Eugene im Inneren machte Platz und Hrymr trat hervor.
Draußen erwartete man ihn schon.
Aber nicht nur Momos stand dort, sondern in einem Halbkreis vor dem großen Gebäude sah er sie lauernd warten. Götter, Unholde, Dämonen und Wesen aus den schlimmsten Albträumen waren hier vertreten. Dieser Vorplatz lag auf einem Plateau, welches sich noch weiter ausstreckte und in einem Wald mündete. Was dahinter lag, vermochte er nicht zu sagen, geschweige denn wusste er wo genau er sich befand. Fragen könnte er auch noch später.
Sein Blick glitt zurück zu dem Bau hinter sich. Es war eine in einen Berg aus hellem Stein gehauene Unterkunft. Leicht zu übersehen für Wanderer oder Unwissende. Ein ideales Versteck für die eigentliche Unterwelt.
Die Luft hier im Freien war zu warm und feucht für seinen Geschmack. Nichts desto trotz hieß es jetzt einen Zweikampf auszufechten und diesem Bengel Manieren einzutrichtern!
Hrymr baute sich zu seiner vollen Größe auf, holte tief Luft und seine Äxte erschienen in seinen riesigen Händen. An seinem Gürtel hingen ein breites Schwert sowie einige Wurfmesser.
Die Augen Momos wurden immer größer, als er sich diesem Monstrum gegenübersah. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Er wurde locker um einen Meter überragt.
Breit grinsend ging er auf ihn zu.
„Na du Wicht! Willst du es lieber noch einmal überdenken, oder können wir jetzt endlich anfangen?“ auch Hrymrs Stimme hatte sich verändert. Sie klang laut, rau und tief!
„Mit dir werde ich schon noch fertig!“ rief sein Kontrahent und zog sein Schwert und den Dolch. Die Schneide schimmerte lila und es sah aus, als verändere sich immer wieder ihre Form. Von gerade bis hin zu gebogen wie ein Krummsäbel war alles dabei.
Wie die Flügel einer Windmühle ließ Nyx Sohn jetzt sein glühendes Schwert wirbeln und begann um ihn herum zu laufen. Lauernd und abwartend was sein Gegner wohl als erstes tun würde.
Hrymr hingegen holte tief Luft und wirbelte um seine eigene Achse mit ausgestreckten Armen an deren Enden seine Äxte die Luft geräuschvoll zerschnitten.
Momos war sich seiner Größe jetzt bewusst und nutzte sie zu seinem Vorteil. Er duckte sich unter ihm hinweg und tänzelte leicht gebeugt weiter.
Diese Taktik war dem Riesen aber schon von dieser dummen Pute Kenway bekannt und er änderte sein Verhalten. Er tat, als würde er wild und unkontrolliert um sich schlagen. Ließ es so aussehen, als würde er seinen Gegner gar nicht sehen können.
Dieser bemerkte die Finte nicht auf Anhieb und wog sich in Sicherheit für einen gezielten Angriff mit seinem Schwert auf die Schienbeine.
Gerade als er ausholte, seine Waffe eine andere gezackte Form angenommen hatte, hob Hrymr schnell die Arme und ließ seine Äxte links und rechts neben ihn auf den Boden donnern. Dabei beugte er sich etwas hinunter, hob den linken Arm an, winkelte ihn an und hieb mit dem Ellbogen nach dem immer noch gebeugten Momos.
Als hätte man ihn an Schnüren zur Seite gezogen, landete er rollend gut zwei Meter entfernt auf dem sandigen Untergrund.
Schmerz verzerrt stand er auf und seine Kampflust war entfacht.
Doch auch er musste erst noch seinen Meister finden wie es aussah.
Er war schnell und sein Schwert landete einige böse Treffer bei dem Riesen. Blut, welches so schwarz wie seine Gedanken war, lief über den linken Oberschenkel und versickerte im Sand.
„So nicht, mein Freund! So nicht!“ brüllte er und stampfte mit dem rechten Fuß auf. Die Erde bebte für einen Moment und Momos hatte Schwierigkeiten sein Gleichgewicht zu halten. Das nutzte er natürlich aus und schlug mit der breiten Seite der Axt auf seinen Gegner ein. Er traf den rechten Arm, welcher plötzlich das Schwert fallen ließ. Die Extremität hing wie ein leerer Hemdsärmel an seiner Schulter.
Entgeistert sah der Riese aber, wie sich alles wieder stabilisierte und Nyx Sohn genesen vor ihm stand!
„So nicht… aha! Dann wollen wir mal andere Geschütze auffahren, du Möchtegerngott!“ brüllte man ihm entgegen und so schnell konnte er nicht reagieren, als die Klinge des Dolches sich über seinen Bauch zog. Momos war ihm entgegen gesprungen und hatte diesen Schwung genutzt um mehr Kraft in diese Attacke zu legen. Das war ihm gelungen, auch wenn der Schnitt noch auszuhalten war.
Aber Blut floss dennoch.
„Es reicht!“ seine Wut und sein Hass auf alles und jeden kochte hoch und ließ ihn an Stärke gewinnen. Noch nicht die volle Leistung, das war ihm bewusst, aber er konnte sich wieder verteidigen!
Die Wurfmesser kamen ihm gerade recht und er erinnerte sich an seinen Angriff auf der Kenway-Plantage, wo er gehofft hatte, dass er siegreich sein würde.
Eine rote wabernde Wolke erschien um ihn herum und ließ ihn darin unsichtbar werden. Gleichzeitig manifestierte er die Messer und ließ sie auf seinen Gegner los.
Dieser konnte einigen nicht ausweichen und sie bohrten sich in seinen Oberkörper oder auch in den Oberschenkel.
Die, die er zurückschlagen konnten, prallten an dieser Wand um Hrymr herum ab.
Jetzt war es Momos, welcher eine ganz eigene perfide Taktik zu planen schien. Vor ihm erschien ein lila schimmerndes Schild hinter dem er sich duckte und seine Zeigefinger links und rechts an seine Schläfen drückte. Seine Augen begannen zu glühen und plötzlich spürte Hrymr ein unangenehmes schlechtes Gewissen, das immer stärker wurde. Er wollte sich mit einem Mal bei allen entschuldigen und … Es tat ihm sogar leid, was er der kleinen Helena antun wollte.
Ein leises sarkastisches Kichern ließ ihn in Richtung seines Kontrahenten blicken.
Dieses Grinsen in dessen Gesicht brachte ihn in Rage und er vergaß die Gedanken von gerade eben. Nein, er war ein Riese ohne Gewissen! Er war derjenige, der diesem Wicht den Garaus machen sollte!
So motiviert schüttelte er den Einfluss des Gottes ab und um sich gänzlich zu befreien stieß er ein lautes Gebrüll aus, das die Umstehenden fast zu Fall gebracht hätte.
„Komm her du widerliche Made!“ mit zwei Schritten, welche die Erde erzittern ließen, war er bei Momos, packte ihn einfach und hielt ihn bei den Oberarmen vor sich.
„Was willst du jetzt tun? Rufst du nach deiner Mutter?“ ätzte er ihn an um ihn wütend zu machen.
Doch Momos starrte ihn mit schmerzverzerrtem Gesicht an und japste nach Luft.
„Du bringst ihn ja noch um!“ rief die helle Stimme Nyx ihn an.
Hrymr aber war das egal, dieser Bengel hatte ihn herausgefordert und er würde seine Lektion bekommen!
Sein Griff verstärkte sich noch einmal und es knackte unangenehm laut. Er holte aus und warf diesen Gott weg wie eine faulige Frucht die ihn anekelte.
Ein dumpfes Geräusch des Aufpralls war zu hören, entsetztes nach Luft schnappen ging durch die Umstehenden.
Er sah, wie Nyx zu ihrem Sohn eilte, sich über ihn beugte und anflehte die Augen zu öffnen. War er doch zu weit gegangen?
Nein! Er hatte sich nur zur Wehr gesetzt.
„Das war … etwas zuviel des Guten.“ flüsterte Amber neben ihm und sah kopfschüttelnd zu ihm auf.
Sein Blick glitt zu der Traube die sich um den Verletzten gescharrt hatte. Sie alle hielten sich die Hände vor den Mund, sagten kein Wort sondern schüttelten wie Amber ebenfalls einfach den Kopf.
Eugene drang wieder an die Oberfläche, aber er zögerte zu Momos zu gehen.
Wie eine Furie erschien die Göttin der Nacht vor ihm und funkelte ihn wütend an.
„Wenn mein Sohn diese Nacht nicht überlebt, dann werde ich dich töten!“ fauchte sie und eilte zurück zu ihrem Kind.
Ein Mann mit seltsam anmutender Kleidung kam in seine Richtung, Momos auf dem Arm und verschwand im Inneren der steinernen Unterkunft. Die Menge löste sich langsam und wortlos auf. Niemand sprach mit ihm, niemand sah ihn an.
Was hatte er nur getan? Er wollte doch Verbündete und keine neuen Feinde haben.
Verdammt nochmal!
Was jetzt?