Boston / Philadelphia - Wie sage ich meiner Tochter die Wahrheit?
Boston / Philadelphia - Wie sage ich meiner Tochter die Wahrheit?
Seid gegrüßt liebe Leserschaft!
Meine Gefährten und ich observieren heute meine Tochter und ihre
Familie um herauszufinden, was oder wer sich hinter dem Amulett versteckt.
Die Zwergenschmiede gibt noch keinen Aufschluss, noch sind wir nicht am
Ziel. Oder doch? Das schlechte Gewissen plagt mich weiter und
meine Gedanken sind wirr.
Viel Vergnügen beim Lesen dieser kurzen Zeilen!
Havi
Zitat Kapitel 2 - Boston/Philadelphia
Kapitel 2
~~~ Wie sage ich meiner Tochter die Wahrheit? ~~~
Es war nicht leicht, jetzt alles im Auge zu behalten.
„Was soll ich sagen, wärst du nicht so gierig gewesen, hättest du noch beide Augen, Havi!“ lachte Hel mit einer großen Portion Zynismus und zuckte zurück, als der Allvater seine Hand hob.
„Wage es nicht mich zu verspotten!“ diese donnernde Stimme ließ die Scheiben in seinem Arbeitszimmer klirren.
„Schon gut, ich werde mich jetzt mal umsehen, wie dieser Kotzbrocken an diesen Schmuck gekommen ist.“ sie löste sich in feinen Rauch auf und war verschwunden.
„Liebster! Wir alle sind auf den Beinen und werden Alex zur Seite stehen. Aber jetzt wäre ein idealer Zeitpunkt ihr etwas mehr über ihre Bestimmung und Zukunft zu erklären.“ drängte seine Gattin erneut. Sie hatte ja Recht.
„Also schön, Haytham wird sich mit Lee unterhalten. So werden wir wissen, woher ER es hat und dann sehen wir weiter.“ seufzte er und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
Es dauerte eine geschlagene Stunde bis Tyr bei ihm erschien.
„Wir wissen jetzt, dass eine alte Seherin Lee dieses Amulett verkauft hat. Aber … sie war nicht sie selbst.“ druckste er herum. Es war schwer die richtigen Worte zu finden, ohne Odins Wut heraufzubeschwören. „Ich habe dieses Geschäft aufgesucht und … Catriona, so heißt sie, agierte wie besessen. Jemand kontrolliert sie. Es muss …“ weiter kam er nicht.
„NYX! Sie ist dazu in der Lage. Sie hält sich in Boston auf.“ gemeinsam gingen die beiden Götter jetzt im Geiste durch Boston, grasten zum wiederholten Male alle Straßen und Winkel ab, bis sie vor einer weiteren Herberge landeten. Es war deutlich zu spüren, dass hier eine große dunkle Macht ihr Unwesen trieb.
Der Allvater tastete sich vorsichtig vor und sah wie sich die beiden Individuen Hrymr und Nyx gerade vergnügten.
„Oh bitte!“ er wandte sich ab. Das war genug für den Augenblick.
„Was machen wir jetzt? Wir wissen, dass … sie werden versuchen Alex in diesen Laden zu locken! Das müssen wir unterbinden. Ich weiß auch schon wie!“ rief Tyr und ging auf die Suche nach Hel. Sie musste ihm jetzt helfen.
Odin selber begleitete sie wieder im Geiste.
Das Ladengeschäft an sich war verlassen. Die Besitzerin lag gerade friedlich in ihrem Bett.
„Dort soll sie bleiben!“ wies der Allvater Loki an und dieser drang in den Geist der alten Dame.
„Oh … das ist ja … was für ein Chaos herrscht in ihrem Kopf. Diese Griechin hat ganze Arbeit geleistet! Das Gehirn ist nur noch Matsch!“ fluchte der Trickser wütend!
Somit hätten sie aber freie Hand und konnten alles für Alex und ihre Familie präparieren! Es würde nicht mehr lange dauern und sie würden hier auftauchen.
Eine Illusion des leeren Verkaufsraumes war schnell geschaffen mit den dazugehörigen Sicherheitsmaßnahmen, falls Hrymr sich hier ebenfalls noch einmal blicken lassen sollte. Davon konnte man natürlich auch ausgehen.
Unter anderem gab es sich selbst zumauernde Fenster und Türen um die Flucht zu unterbinden.
„Wie wäre es, wenn wir sie alle nach Svartálfaheimr schicken würden? Dort könnten wir deiner Tochter mehr über ihre Herkunft zeigen…“ Hel zögerte bei diesen Worten, sie wollte den Allvater nicht erzürnen, wenn sie zu sehr vorpreschte.
„Die Passage muss aber sicher sein! Und … meinen Enkelkindern darf nichts passieren!“ auch Odin grübelte über dieses Szenario nach.
„Das kann ich übernehmen. Sie werden für eine kleine Weile junge Erwachsene sein! So ist auch Alex beruhigter denke ich.“ lächelte Mutter Idun in die Runde.
Thor und Brünhild nickten zustimmend. Snotra sah sich jedoch etwas fragend um.
„Es geht um Helena, nicht wahr?“ hakte die Hüterin der goldenen Äpfel nach. „Die Cherubs werden sie gemeinsam mit uns beschützen.“ diese Zuversicht übertrug sich auch auf alle Anwesenden.
Die Passage in das Reich der Zwerge war schnell geöffnet und entsprechende Schutzbarrieren errichtet.
Der Allvater ging im Geiste noch einmal alles ab, ehe auch er sich in seiner wahren Gestalt dort manifestierte.
Ein Grummeln und Knurren drang ihnen in die Ohren.
„Oh, Garm meldet sich schon zu Wort.“ lachte Loki und ging mit Hel weiter in die Höhle hinein.
„Havi!“ rief eine Stimme ehrfürchtig neben ihm.
Es war der Schmiedemeister Zwerg, welcher hier seine Werkstatt hatte. Von hier hatte Hrymr auch den Schmuck mitgehen lassen.
„Schau an , Ráðsviðr! Lange nicht mehr gesehen! Wie geht es dir und der Schmiedekunst?“ diese Frage war nicht nur der Höflichkeit geschuldet, sondern zeugte von ehrlichem Interesse.
„Danke, ich kann nicht klagen. Ich habe mich an einige neue Projekte gewagt, nachdem … du weißt ja. Dieser Raub damals … die Schmach liegt immer noch schwer auf meinen Schultern.“ mit gesenktem Blick stand er vor dem Göttervater.
„Ich weiß, ich weiß.“ winkte er ab und sah sich hier etwas um. Hier und da waren gepanzerte Handschuhe in den Regalen zu finden, oder Schilde die leicht schimmerten. „Du hast bald eine Besucherin …“ wollte er dem Zwerg gerade erläutern, als dieser grinsend die Hand hob.
„Das habe ich schon von Hugin vorhin gehört. Sie wird hier wirklich erscheinen, ja? Es wird mir eine Ehre sein, deine Tochter hier begrüßen zu dürfen.“ er verbeugte sich mehrfach bei seinen Worten vor Havi.
„Ich bin beruhigt, dass du es schon mitgeteilt bekommen hast. Alexandra wird jedoch noch etwas befangen sein. Sie … ist noch nicht in alles eingeweiht.“
Der Schmied sah ihn mit großen Augen an.
„Meine Lippen bleiben versiegelt, bis du erlaubst, ihr alles zu erzählen. Wie gerne würde ich … aber nein. Das hat noch Zeit, nicht wahr?“ in den Augen Ráðsviðrs sah man diese Freude über den bevorstehenden Besuch.
„Genau so ist es.“ Odin klopfte ihm auf die Schulter und folgte dann den Stimmen aus dem nächsten Gewölbe, wo sich Garm aufhielt.
Dieser dreiköpfige Wächter vor den Toren Helheims war immer wieder ein beeindruckender Anblick. Würde seine Tochter Angst vor ihm haben oder sich einfach ihrer Aufgabe stellen.
„Sie weiß doch um die dreiköpfigen Hunde. Sie kennt die griechische Variante ja auch schon aus den Geschichtsstunden!“ erklärte Tyr. Er war es, der hin und wieder Bericht erstattete, wenn sein Schützling und die Tochter des Allvaters etwas neues lernten oder erfuhren.
Ein leises Flüstern in der alten Sprache riss Odin aus seinen Gedanken.
Hel strich dem Wächter sachte über den rechten Kopf.
„Du wirst bald Zeuge eines interessanten Spektakels wenn alles richtig läuft. Du lernst die Tochter unseres Allvaters kennen.“ lächelnd sah sie dabei in seine Richtung.
Sie würden jetzt noch den Plan für die Familie Kenway besprechen, wie man sie in alles oder fast alles einweihen konnte.
Alex wusste, dass sie die Wächterin über Zeit und Raum war. Ihr war klar, dass es eine gewisse Gefahr darstellte, wenn man hin und her sprang.
Was Odin ihr aber nie erzählt hat, wog schwer auf seinem Gewissen.
Die Geschichte oder das Schicksal ließ sich nicht ändern, das war es nicht.
Seine Tochter besaß aber eine einzigartige Fähigkeit, welche ihr ermöglichte sich in eine andere Gestalt zu verwandeln. Bisher war das nur ihm oder vielleicht noch Loki vorbehalten. Das Risiko, dass sie es völlig unbedarft nutzte war zu groß, weswegen sie alle noch davon abgesehen hatten, ihr diese Möglichkeit aufzuzeigen.
Dazu kam dieses Robuste in ihr und ihrem Körper. Sie war widerstandsfähiger als die Normalsterblichen, das war zwar schon bekannt, jedoch agierte seine Tochter immer noch sehr sehr vorsichtig.
„Wir sollten alsbald in Erscheinung treten, Havi! Sie spürt selber, dass etwas in ihr ruht, was sie nicht deuten kann. Wie lange willst du sie noch im Unklaren lassen?“
„Ich spüre, dass ich zu lange gewartet habe und ich denke, wir werden sie erst einmal hierdurch bringen mit Hrymr. Ich gehe auch stark davon aus, dass danach eine Verschnaufpause von Nöten sein wird. Wir werden Alex nach Asgard bringen mit ihrer Familie!“ sprach Odin leise, weil sein schlechtes Gewissen ihn gerade quälte.
Wie würde sie auf die Nachricht, dass sie das Blut einer der Schicksalsgöttinnen in sich hatte, reagieren? Außerdem musste man ihr schonend beibringen, dass sie ebenfalls eine der Walküren war, welche unter Freyas Befehl standen.
Ganz zu schweigen, wie man Alex die Möglichkeit der Gestaltwandlung erklären sollte. Würde sie Angst davor haben oder eher neugierig einen Versuch starten?
„Jetzt warte doch ab, bis hier alles in trockenen Tüchern ist, mein Liebster!“ Frigg war an seine Seite getreten und drückte sanft seinen Arm.
Lächelnd sah er seine Gattin an.
„Wir haben soweit alles vorbereitet, nehme ich an?“ hakte er noch einmal nach und sah sich hier um.