Boston / Niflheim - Die (Rück-)Eroberung der Naglfar (Hrymrs Sicht)
Boston / Niflheim - Die (Rück-)Eroberung der Naglfar (Hrymrs Sicht)
Hallo ihr da draußen!
Ich kann mit Freude verkünden, dass die Naglfar bald wieder mir gehören wird.
Wir haben uns endlich an Bord schleichen können.
Leider werde ich nicht in den Genuss kommen, den dummen Gesichtsausdruck
meiner Erzfeindin zu sehen, wenn sie erfährt, dass ihr Plan nicht aufgegangen ist.
Viel Spaß beim Lesen dieses gelungenen Entermanövers!
Hrymr aka Eugene
Zitat Kapitel 31 - Boston/Niflheim
Kapitel 31
~~~ Die (Rück-)Eroberung der Naglfar
*Hrymrs Sicht*
Am Morgen des nächsten Tages begannen sie ihre Habseligkeiten zu packen um ihren Plan, die Naglfar wieder unter Kontrolle zu bekommen, in die Tat umzusetzen.
Amber würde sie auf das Schiff bringen.
„6 Leute sind ein leichtes, den Rest sehen wir dann.“ hatte sie beim Frühstück allen erklärt.
Um aber überhaupt in die Nähe kommen zu können, mussten sie sich eine Tarnung mit Hilfe des 5. Armreifes schaffen. Als Eugene seinen drei neuen Gefolgsleuten sagte, sie würden in die Welt der nordischen Götter reisen müssen, sah er, dass ihnen bei dem Gedanken nicht wirklich wohl war.
„Stellt euch nicht so an. Es ist sehr warm dort. Also ist es fast wie hier. Ihr werdet kaum einen Unterschied bemerken.“
Dass es jedoch dort aufgrund der vielen Feuer, Vulkane und Lavaflüsse gefährlich werden könnte, ließ er weg. Das würden sie ja dann früh genug sehen.
Selten kam es vor, dass er nervös wurde, aber auch Hrymr schien aufgeregt zu sein dieses prächtige Schiff wieder sehen zu können.
„Warum bist du eigentlich nie selber …“ setzte Eugene an, wurde aber harsch unterbrochen.
„Wie denn? Die Barriere dieser verfickten Götter hätte mich sofort enttarnt!“ rief der Riese und sah ihn genervt an.
„Schon gut, war ja nur eine Frage.“ gab er kleinlaut zurück. Ärger wäre jetzt das letzte was er gebrauchen konnte.
Zu sechst standen sie kurz darauf in der spät morgendlichen Sonne.
„Jetzt heißt es, alles oder nichts.“ seufzte Amber und hielt Nyx Hand.
„Ich bin schon so gespannt, wie es dort aussieht.“ freute sich Empusa. Eugene fiel auf, immer wenn sie einen Gemütsausbruch hatte, veränderte sich ihre Form. So ganz konnte sie es also nicht kontrollieren, ob sie durchsichtig sein wollte oder nicht. Hoffentlich würde das nicht noch ein Problem werden!
„Was machen wir eigentlich mit den Stieren?“ fragte Nyx den Wächter.
„Oh, mach dir keine Sorgen. Sie sind alle gut versorgt und begleiten uns. Ich brauche sie nur zu rufen, wenn wir sie brauchen.“ diese etwas kryptische Antwort, mit diesem verführerischen Blick gepaart, ließ dieses Mal die griechische Chaosgöttin ein laszives Seufzen ausstoßen.
„Das ist ja schön. Also … können wir dann?“ fragte Eugene etwas genervt, weil er keine Konkurrenz mochte wenn es um seine Frauen ging.
Alle nickten ihm zu und er nahm den Armreif in die Hände.
Seine ganze Konzentration ging in Richtung Muspelheim zu dem Ort wo er die Naglfar ungefähr vermutete. Zu nah durften sie nicht auftauchen, sonst wäre alles wieder umsonst gewesen. Sobald sie dort ankamen, musste er einen Spiegel erschaffen, der sie tarnte und dann war es an Amber sie auf das Schiff zu bringen.
Vor ihnen tauchte das Bild einer Lavalandschaft auf. In der Ferne sah man schwarze riesige Segel, die im warmen Wind der Vulkane flatterten. Erleichtert schritt Eugene auf die andere Seite und die anderen taten es ihm gleich.
Sobald sie den Boden dort berührten, ließ er erneut dieses Gebilde erscheinen und sie konnten in diesem Schutz ein wenig die Gegend erkunden. Sie konnten wie unter einem unsichtbar machenden Umhang mit dieser Kuppel über ihnen ungestört, so hofften sie alle, näher an ihr Ziel schleichen.
Es war eine zerklüftete Landschaft mit vielen verfallenen Gebäuden, die den Lavaströmen zum Opfer gefallen waren. Die Luft war geschwängert von schwefeligem Geruch und verbranntem Holz. Doch eine unangenehme Note von verbranntem Fleisch mischte sich darunter. So einige Bewohner hatten hier ihr Leben gelassen.
Die Truppe ging jetzt in Richtung der See auf der linken Seite dieses Gebietes. Langsam, Schritt für Schritt, ging es voran.
Die Sinne aller waren geschärft und verfolgten jede kleinste Regung in der näheren Umgebung, jede Schwingung die ungewöhnlich war.
Es war Empusa, die sich freiwillig bereit erklärte dieses „Schutzschild“ zu verlassen und als fast unsichtbar voran zu gehen.
„Niemand wird mich sehen können.“ versprach sie und war schon einige Meter vor ihnen. Man sah nur noch dieses Flickern wie bei einem Feuern.
Es war merkwürdig, dachte Eugene kurz darauf. Niemand war hier, kein Gott, keine Bewohner, nichts! Es konnte doch unmöglich sein, dass hier niemand überlebt hatte. Oder war es einfach nur ein verlassener Ort, wo man die Naglfar vor neugierigen Blicken ankern lassen konnte? Odin war ja nicht blöd!
Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen sie an der Küste an und sahen endlich das Objekt der Begierde aus der Nähe!
Das Schiff schaukelte auf den Wellen auf und ab, an Deck sah man einige Gestalten hin und her gehen. Vermutlich Wachen des Allvaters!
„Als ich das letzte Mal hier war, gab es diese Männer dort noch nicht.“ Amber hatte einen grübelnden Gesichtsausdruck als sie sprach. „Wissen die, dass …“ sie sprach nicht weiter und sah zu ihm.
„Woher sollten Odin oder sonst jemand wissen, dass wir kommen?“ fragte Typhon nach.
„Tu mir einen Gefallen, Empusa. Schleich dich an Bord und erkunde die Lage. Sie werden dich nicht erkennen, du bist keine von ihnen.“ warum er flüsterte, erschloss sich ihm nicht wirklich, aber es zeigte Wirkung. Das Schauergespenst machte sich erneut unsichtbar auf den Weg.
Jetzt hieß es erst einmal abwarten.
Wer weiß, was dort wirklich vor sich ging und was noch an Vorsichtsmaßnahmen zu erwarten war.
Plötzlich sahen sie eine flackernde Wand aus gelben grellen Licht an der Stelle, wo vermutlich Empusa gerade versucht hatte hindurch zu kommen. Alle Wachen auf dem Schiff waren sofort in Alarmbereitschaft und man sah, wie sich um sie noch mehr Wächter versammelten. Dieser Spiegel war eine hervorragende Tarnung, niemand nahm sie war. Aber was war mit Empusa? Eugene sah sie nicht, nahm kein flackern war. Nicht einmal konnte er sie im Geiste finden!
Die Gestalten an Deck kamen langsam von Bord. Ihre wachsamen Blicke gingen hin und her und ab und an befürchtete Eugene man hatte sie entdeckt.
Die Wachen kamen immer näher, aber der unsichtbare Trupp ging Schritt für Schritt zurück. Als sie sicher sein konnten, dass so schnell keine Enttarnung drohte, gingen sie nach rechts um so die Sucher zu umrunden.
Immer wieder blieben sie kurz stehen um sich zu vergewissern, dass nicht noch mehr Gefolgsleute Odins hier auftauchten. Wer weiß, vielleicht würde ja sogar seine Erzfeindin höchstpersönlich hier erscheinen um ihn erneut zur Strecke zu bringen. Dieser Gedanke ließ Eugene breit grinsen, weil er sich insgeheim auf ein Wiedersehen freute, nur um ihr dummes Gesicht zu sehen, dass er noch lebte.
So abgelenkt bemerkte er erst nicht, dass Amber ihn bereits dreimal auf eine Schwachstelle im Schild um die Naglfar hingewiesen hatte.
„Träumst du schon wieder von der Weltherrschaft, oder was? Ich rede mit dir!“ dabei haute sie ihm wütend mit der flachen Hand auf den Hinterkopf.
„Nein, nicht so ganz … Also, wo ist eine Lücke?“ im Nu war er wieder der Alte.
„Am Bug, direkt vor uns eigentlich. Siehst du? Da wo das eine Seil an dem Pfeiler im Wasser angebunden ist. Sieht so aus, als hätte die Kraft nicht mehr für jeden Zentimeter gereicht.“ kicherte sie leise und deutete mit ihrem Finger auf die Stelle.
Tatsächlich!
Bei genauem Betrachten sahen sie alle jetzt dieses Flirren von Empusa dort hindurch und auf sie zukommen. Also hatte sie die Wachen nur abgelenkt mit einem unbeholfenen Versuch durch die Barriere zu stoßen um dann an der richtigen Stelle in Ruhe hindurch schlüpfen zu können.
„Sie sind wirklich auf der Hut vor euch, Eugene. Der Allvater selber hat sie alle in Alarmbereitschaft gesetzt, weil ihr mir nichts dir nichts verschwunden seid aus der Höhle. Sie wissen, dass ihr noch lebt und das Dank der Hilfe von Nyx. Aber es wird nicht so leicht euch an Bord zu bringen. Das Schiff selber hat so etwas wie Detektoren in den Bohlen die ungebetene Gäste, wie ein Wächter es nannte, zu entlarven.“ in ihrer Stimme lag deutliche Frustration.
Also würde sogar die Walküre keine Chance haben, weil man auch sie erkennen könnte. Alex hatte sie ja bereits kennengelernt und wusste vermutlich oder ganz bestimmt, wer Amber in Wirklichkeit war. Ärgerlich! Sie waren ihnen doch ein paar Schritte voraus!
„Also müssten wir über das Holz schweben, oder wie soll ich mir das vorstellen?“ fragte Geryon voller Ironie nach.
„Ja, so sollte es funktionieren.“ Empusa hatte seinen Unterton nicht verstanden allem Anschein nach.
„Könntest du diesen Armreif nicht auch für solche Unterfangen nutzen können. Ich stelle mir gerade vor, wie unter uns auch so ein Spiegel erscheint, auf dem wir uns dann bewegen können.“ Ambers Augen strahlten bei ihrer Idee und ganz Unrecht hatte sie nicht.
„Das könnte funktionieren, aber … ich habe noch nie eine solche Illusion geschaffen. Was ist, wenn ihr hindurch gleitet wie durch ein Zeitreiseportal?“ in Gedanken ging er gerade so ein Szenario durch und seine Euphorie, endlich wieder Kapitän sein zu können, schwand dahin.
„Oder ich trage euch alle auf meinem Rücken unter dieser Kuppel hinauf aufs Schiff.“ Typhons Haut überzog sich mit glänzenden grünen und gelben Schuppen und begann sich in seine Drachenform zu verwandeln.
Während sie ihm alle gebannt dabei zusahen, fing Eugene eilig an ihr eigenes Tarnschild zu vergrößern, damit genügend Platz für diese fliegende Echse vorhanden war.
„Eine wahrlich beeindruckende Wandlung!“ Amber war hin und weg und konnte ihre Augen nicht von diesem majestätischen Tier abwenden.
Die Echse nickte stumm und mit ihrem Kopf deutete sie den Mitstreitern aufzusteigen.
Eugene kletterte als letzter auf den Rücken und begann eine Kugel aus ihrer Kuppel zu formen.
„Der Schlitz weitet sich, wenn man in die Nähe kommt.“ erklärte Empusa ihnen.
Plötzlich hielt sie aber inne, so als würde ihr etwas einfallen. Nicht nur ihr kam ein ganz anderer Gedanke.
War das vielleicht so gewollt, dass sie sich in Sicherheit wogen und unvorsichtig wurden?
Eugene sah sich nach den Wachen, die von Bord gegangen waren um. Sie waren verschwunden!
„Und wenn es so ist, dann müssen wir uns eben kämpfend einen Weg auf die Naglfar bahnen. Ich will endlich wieder mein eigener Herr sein!“ brüllte Eugene und reckte dabei seinen Arm in heroischer Pose nach oben.
Langsam ließ er ihn wieder sinken und deutete nach vorne auf sein Schiff.
„Auf gehts!“ rief Amber freudig und stieß einen Kampfschrei aus!
Ihr taten es die anderen gleich und dann tauchten sie schon durch die Lücke in Odins Schutzschild!