Boston / Niflheim - Der Kampf um die Naglfar (*Hrymrs Sicht*)
Boston / Niflheim - Der Kampf um die Naglfar (*Hrymrs Sicht*)
Da bin ich schon wieder!
Das ich euch überhaupt noch ein paar Zeilen überlassen kann, grenzt an
ein Wunder! Mein Hass auf den Allvater frisst mich sprichwörtlich auf.
Aber lasst mich kurz erläutern, wie es dazu kam!
Er ist einfach ein Großmaul und glaubt er könne mir meine Naglfar nehmen!
Ich habe ihn eines besseren belehrt! Lest selber!
Derweil werde ich meine Wunden versorgen lassen!
Hrymr aka Eugen
Zitat Kapitel 32 - Boston / Niflheim
Kapitel 32
~~~ Der Kampf um die Naglfar ~~~
( * Hrymrs Sicht * )
Es war eine Falle, wie sie es schon geahnt hatten. Dennoch war es einen Versuch Wert gewesen!
Kaum dass sie die Barriere überwunden hatten, platzte sprichwörtlich ihre Deckung und Typhon verwandelte sich in Sekunden wieder in seine alte Form! Perplex und Schutzlos standen sie alle für den Bruchteil einer Sekunde an Deck des Schiffes.
„Schau an wen wir da haben!“ rief eine dunkle Stimme hinter den Wachen.
Eine Schneise bildete sich um Odin, Thor und Heimdallr hindurch zulassen.
„Was habt ihr mit meinem Schiff gemacht?“ Eugene überließ jetzt Hrymr den Vortritt. Der Riese baute sich vor dem Allvater und seinem Gefolge auf, die sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen ließen.
„Oh, eine kleine Modifikation für dich. Du brauchst ja nicht alle Kräfte zurück, oder doch? Fühlst du dich sonst nicht wohl? Bist du zu schwach um dich uns entgegenzustellen?“ dieser ekelhafte Sarkasmus in der Stimme des Donnergottes brachte ihn fast zum Kotzen.
Dass hier völlig andere Mächte am Werk waren, war ihm sofort aufgefallen.
Er spürte keine Genesung, kein Aufkeimen seiner alten Kraft oder seiner Energie. Es fühlte sich an als hätte man das Holz des Totenschiffs versiegelt!
„Ich werde dir zeigen, wer hier das Sagen hat, Odin! Du hast schon viel zu lange über alles geherrscht und dir alles und jeden Untertan gemacht! Deine Zeit ist vorbei!“ brüllte Hrymr und ließ seine Äxte in den Händen rotieren.
Der Kampf der jetzt folgte war riskant. Nicht wegen der möglichen Verluste unter seinen Mitstreitern, nein! Die Naglfar könnte wieder ernsthaft beschädigt werden, sollte Thor zum Beispiel seine volle Macht ausschöpfen.
Dennoch musste er sie beschützen und wieder an sich nehmen. Koste es was es wolle!
Typhon hatte sich wieder in eine Echse gewandelt, jedoch dieses mal nicht so groß, dafür um so giftiger. Aus seinem Maul zischelte eine gespaltene Zunge und seine spitzen Zähne versprühten eine grüne Flüssigkeit, welche eine ätzende Wirkung hatte. Zielgenau traf die Säure Schilde oder auch die Waffen der Wächter.
Amber hatte sich mit ihrer Walkürengestalt in den Kampf geworfen, wohingegen Empusa flackernd zwischen den Gegnern hindurch eilte und hier und da böse Wunden mit ihren langen Krallenhänden verursachte.
Geryon dagegen zögerte noch etwas seine Stiere auf die Meute loszulassen. Sie könnten zuviel zerstören! Aber er kämpfte mit vollem Einsatz gegen seine Angreifer, ließ sie seine scharfe Säbelklinge spüren. Sie riss tiefe Schnitte in die Bäuche der Männer und ließ ihre Eingeweide auf die Bohlen klatschen.
Nyx hingegen stand mit verschränkten Armen vor der Brust, wie es schien völlig unbeeindruckt, am Rand des Geschehens und besah sich die Kämpfer. Ab und an huschte ein fieses Grinsen über ihr Gesicht, aber ansonsten machte sie keine Anstalten im Getümmel mitzumischen.
Hrymr hingegen hatte alle Hände voll zu tun sich gegen Odin und seine beiden Helferlein zu verteidigen. Immer wieder änderte er seine Taktik oder sie taten es und hatten seine nächste Schritte im Nu verstanden. Es war frustrierend! Seine Wut auf den Allvater wuchs und wuchs, ließ ihn immer wilder kämpfen. Er wollte Odin leiden sehen für das, was er ihm angetan hatte. Der Befehl der Verbannung war nur ein kleiner Teil seiner ganzen Verfehlungen!
Thor ließ die Naglfar immer wieder gefährlich beben, wenn er mal wieder Mjölnir auf das Holz schmetterte! Ihn sollte er als erstes schwächen um weitere Schäden zu verhindern. Aber das war leichter gesagt als getan. Er musste Blitzen ausweichen, die im Sekundentakt auf ihn einprasselten.
Dazu kam noch Heimdallr der ihn mit seinem Speer in Schach hielt.
Hrymr konnte diesen aber irgendwann mit einem ausladendem Schlag seiner großen Axt halbieren. Genervt seufzend hob der andere Gott seine kaputte Waffe wieder hoch, sah ihn grinsend an und mit der anderen Hand das Gjallarhorn an seinen Mund! Ein Ohrenbetäubender Ton war zu vernehmen und die Welt um sie herum begann zu wanken.
Aus den Schatten traten weitere unheimliche Gestalten, die sich in den Kampf stürzten. Wenn er es nicht besser wüsste, dann würde er sagen, dass es die Toten der Ragnarök waren. Aber es waren auch Menschen darunter, einige in seltsamer Kleidung.
Und dann sah er, dass sie nicht alle gegen ihn und seine Leute angingen, sondern ein Teil Odin, Thor und Heimdallr angriffen.
Hinter sich vernahm er ein lautes böses Lachen und drehte sich um.
Amber stand in einem weißen wallenden Gewand, über welches sie eine schimmernden Rüstung trug, an der Reling und befehligte ihre eigene Truppe! Sie hatte die Soldaten gerufen wie sie es versprochen hatte.
Plötzlich wirbelte ein schwarzer Schleier um sie alle.
Hrymrs Blick hing an einem von Odins Wächtern, der jetzt ganz in diesem Strudel gefangen war. Seine Schmerzensschreie waren markerschütternd und als sich langsam dieser Wirbel lichtete, sah es aus, als hätte man den Mann gehäutet. Es war nicht nur einfacher Nebel es war feiner schwarzer Sand der die Haut vom Körper geschliffen hatte. Noch immer hörte man seine Schreie, aber sie wurden leiser und mit einem Mal kippte er vornüber und wieder legte sich der schwarze Sand über ihn. Dieses Knirschen was jetzt zu hören war, hinterließ sogar bei ihm eine Gänsehaut. Kurz darauf hob sich der Schleier erneut und von dem Toten waren nur noch ein paar weiße Knochen übrig.
„Na, gefällt dir meine Art zu kämpfen, Liebster?“ hörte er die sanfte Stimme von Nyx.
„Grausam aber effektiv, das muss ich dir lassen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Mach weiter und schon bald …“ weiter kam er leider nicht, weil er Odins eisernem Wanderstab ausweichen musste.
Die Spitze drohte seine linke Seite zu durchbohren, aber er schaffte es in allerletzter Sekunde auszuweichen.
Für einige Zeit waren es nur er und der Allvater.
Sie blendeten die anderen Kämpfenden aus und konzentrierten sich nur auf ihr Gegenüber.
Lauernd schritten sie im Kreis, schwangen ihre Waffen drohend herum, doch keiner der beiden machte Anstalten anzugreifen.
„Es wird langweilig, Großkotz!“ pöbelte Hrymr provozierend.
„Dann solltest du mich vielleicht endlich angreifen bevor ich zu Staub zerfalle!“ grinste Odin und näherte sich seinem Gegner etwas.
„Ich kann dich gerne einäschern!“ grölte der Riese und beschwor in Sekunden eine Feuerkugel in seiner rechten Hand. Er holte aus und warf das Geschoss direkt Odin vor die Füße!
Nichts passierte! Der Allvater zuckte nicht einmal mit der Wimper!
Er hatte nicht bedacht, dass der Göttervater eine gewisse Immunität gegen Feuer entwickelt hatte, als sie das letzte Mal im Kampf in Niflheim aneinander geraten waren. Er konnte zusehen, wie die Macht über das Feuer förmlich in Odin eindrang!
Wenn man genauer darüber nachdachte, dann war dieser ganze Kampf hier auf der Naglfar zum Scheitern verurteilt, weil sie alle Fähigkeiten und Kampfkünste beherrschten um ganze Armeen niedermähen zu können.
Nein! Kampflos wird er die Naglfar nicht an diesen alten Sack gehen lassen! Hrymrs Kraft erwachte wieder etwas und er stürmte ohne weitere Worte auf Odin zu.
Der hatte mit dieser Attacke wahrlich nicht gerechnet und schaffte es nicht sich zu wappnen geschweige denn konnte er die riesige Axt blocken die auf ihn niederging. Die Schneide bohrte sich in seine rechte Schulter und dieses unangenehme Geräusch von knackenden Knochen drang an Hrymrs Ohren.
Grinsend zog er mit Schwung seine Waffe aus der Wunde, wirbelte sofort rechtsherum um noch einmal zuzuschlagen. Gerade als er den Allvater wieder im Augenwinkel sah, spürte er einen stechenden Schmerz in seiner Körpermitte. Der Wanderstab steckte bis zur Hälfte in seinen Eingeweiden und verursachte ein unerträgliches Brennen in seinem Bauch! Tatsächlich glühte sein Innerstes mit einem Mal und er fühlte, wie etwas drohte zu explodieren.
Entsetzt versuchte er den Stab zu entfernen, aber Odin stieß ihn laut Lachend noch tiefer in ihn.
„Du wirst bereuen heute hierher gekommen zu sein.“ sprach der Gott drohend, drehte seine Waffe in der Wunde des Riesen und zog sie mit Wucht wieder hinaus. Die Spitze mit ihren Widerhaken riss weitere Haut und Innereien auf, sodass Hrymr laut aufschrie bevor er in sich zusammen sackte.
Die Welt um ihn wurde schwarz. Bevor er jedoch ganz das Bewusstsein verlor, holte ihn eine laute Frauenstimme aus diesem Moment.
„Steh auf!“ rief sie, zerrte ihn an einem Arm hoch und sah ihm in die glasigen Augen. „Du kannst nicht aufgeben!“
Es war Empusa die sich seiner angenommen hatte und ihm etwas Heilung hatte zukommen lassen.
Er sah zu seiner Körpermitte, die Wunde war noch da, aber sie blutete so gut wie gar nicht mehr! Trotzdem brannte sie wie das größte Feuer Niflheims!
Etwas wackelig auf den Beinen, sah er sich nach seinem verhassten Kontrahenten um. Dieser war in einen Kampf mit Geryon verwickelt und scherte sich nicht um ihn.
Das war seine Chance!
Seine mächtige Axt in der Hand, schritt er zu den beiden hinüber, holte aus und ließ sie in Odins rechtem Oberschenkel eindringen.
Der Allvater drehte sich wutentbrannt und mit Schmerz verzerrtem Gesicht zu ihm um. Aus seinem Mund drang ein unheilvolles Grollen und in seinen Augen flammte ein Kampfgeist auf, den er allem Anschein nach aufgespart hatte für den Notfall.
Hrymr deutete ihm mit beiden Händen ihn anzugreifen.
Statt des Stabes formte sich in der Hand des Allvaters ebenfalls eine riesige Axt, die wie loderndes Feuer aussah. Er schwang sie um sich herum, griff ihn aber nicht an. Grinsend ging er stattdessen um ihn herum.
Und dann sah Hrymr, was sein Gegner vorhatte!
Er verteilte mit diesem Wirbeln der Axt kleine Feuergeschosse, die auf das Holz seines Schiffes trafen und sich dort hineinfraßen! Man konnte dieses Knistern aus allen Richtungen hören und der Geruch von brennendem Holz drang in seine Nase! Nein, das war nicht wahr!
„Es ist zu spät!“ lachte Heimdallr der hinter Odin aufgetaucht war und auch er hatte seine Waffe genutzt um jede Menge Feuerschaden zu machen! „Dein Schiff wird hier und jetzt untergehen!“
Hrymr sah zu seinen Gefährten, aber auch sie standen hilflos den vielen Flammen und Brandherden gegenüber. Kein Wasser, kein Zauber half sie aufzuhalten!
„Was hast du getan?“ schrie er den Allvater an und stürmte in totaler Verzweiflung auf Odin zu, umklammerte dessen Hals mit beiden Händen und drückte zu! „Wie kannst du es wagen…“