Boston - Etwas warmes braucht der Mensch, äh Gott!
Boston - Etwas warmes braucht der Mensch, äh Gott!
Ich heiße euch Sterblichen nach langer Zeit mal wieder Willkommen!
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich der Kampf auf
meinem Schiff mehr erschöpft hat, als ich zunächst zugeben wollte.
Doch beklagen will ich mich nicht! Oder NOCH nicht!
Jetzt heißt es, dass meine Gefolgsleute und ich ein wenig auf Erkundung
gehen sollten. Pläne müssen ausgearbeitet werden und wir müssen herausfinden,
was die Kenways so im Schilde führen. Nichts gutes, wie mir schwant.
Und dann Odin, der mir mitgeteilt hat, dass meine allerliebste Erzfeindin zurück
aus Asgard sei! Er schien stolz auf sie zu sein! Man gab ihr neue Fähigkeiten!
Aber welche, verdammt nochmal.
Nun denn! Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen!
Hrymr aka Eugene
Zitat Kapitel 34 - Boston
Kapitel 34
~~~ Etwas warmes braucht der Mensch, äh Gott ~~~
Aber zuerst hieß es jetzt hier wegzukommen.
Müde und ausgelaugt stand er auf, streckte ausgiebig seine schmerzenden Arme und atmete die kühle Nachtluft ein.
„Soll ich es wagen den 5. Armreif zu nutzen?“ fragte er sich leise selber und sein Blick glitt zu dem Schmuckstück an seinem Handgelenk. Es bestand die Gefahr, dass der Allvater ihn orten konnte, sobald er eines dieser Portale öffnete.
„Ach was solls!“ dachte Hrymr trotzig, stellte sich den Tartaros und seine neuen Kumpane vor und vor ihm begann sich ein ovales Gebilde zu formen. Bevor er jedoch einen Fuß hindurch setzte, sah er sich noch einmal hier um. Sein Schiff war nicht mehr auszumachen. Die Stelle wo sie gesunken war brannte sich in sein Gedächtnis!
„Ich werde sie zurück holen! Darauf könnt ihr Gift nehmen!“ rief er laut und schritt durch den wabernden Wasserspiegel.
Kurz darauf blickte er in die erleichtert dreinblickenden Gesichter seiner Gefolgschaft.
„Du bist wieder zurück!“ rief die Walküre und warf sich ihm in die Arme.
Sie alle taten ihre Freude über seine Rückkehr lautstark kund.
Bis plötzlich Nyx ihn traurig ansah.
„Es tut mir leid, dass wir deine Naglfar nicht retten konnten.“ flüsterte sie leise mit gesenktem Kopf.
Diese Stille die mit einem Male eintrat war erdrückend, niemand traute sich auch nur einen Mucks zu machen.
„Ich werde sie bergen, wieder in Stand setzen, schneller und widerstandsfähiger machen als je zuvor!“ Hrymr sah sich lächelnd im Kreise seiner Vertrauten um.
„Und dabei bist du nicht alleine, mein Liebster!“ sagte Amber und reichte ihm einen Kelch gefüllt mit kühlem Met!
„Ich danke euch allen!“ prostete er ihnen zu. „Doch lasst mich erst etwas verschnaufen und ein wenig meiner Kraft zurück erlangen.“ seufzte er laut.
„Ruhe dich aus, Herr. Wir werden morgen in aller Frische wieder hier sein und besprechen, was dir vorschwebt.“ meinte Typhon mit einer leichten Verbeugung und die drei Neuen verabschiedeten sich für die Nacht.
Nyx und Amber sahen ihm fragend dabei zu, wie er sich seiner lädierten Kleidung entledigte und sich zum Bett begab.
„Sollen wir dir Gesellschaft leisten…“ begann die Göttin der Nacht, aber er ließ sie nicht aussprechen.
„Ich sagte nicht, dass meine Kraft völlig erloschen ist. Kommt schon! Ziert euch nicht.“ sprach er grinsend und die Damen kletterten zu ihm auf das große Nachtlager.
Nein, so erschöpft war er nicht, dass er sie nicht mehr befriedigen konnte. Im Gegenteil, die Frauen lagen später tief schlafend links und rechts in seinen Armen und wärmten seinen Körper!
Nach dem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen, welches ihn zusätzlich stärkte, begannen sie seinen Plan auszuarbeiten.
Alle am Tisch sitzenden hatten bereits ihre Habseligkeiten zusammengepackt, bereit aufzubrechen, wo auch immer sie landen würden.
Die Familie Kenway war immer noch in Boston, berichtete Amber.
„Sie bereiten sich auf irgendetwas vor, genaueres weiß ich jedoch nicht. Es hat aber nichts mit dir zu tun. Die Bagage hat es wie es scheint auf die britische Armee abgesehen. Ich sah, wie sie einige für die Garnison bestimmte Fässer Ale und Whiskey mit seltsamen Pülverchen versetzt haben.“ erklärte die Walküre grübelnd.
„Man will, dass die Soldaten außer Gefecht gesetzt werden. Aber wozu dieser Aufwand?“ Hrymr rieb sich nachdenklich das Kinn. Hatte er irgendein Ereignis aus dem kolonialen Amerika vergessen? „Wir werden uns wieder in Boston einquartieren. Ihr auch!“ er deutete auf Empusa, Typhon und Geryon.
Platzmangel hätten sie nicht. Die Herberge in der er abgestiegen war, hatte noch weitere Zimmer. Nur die passende Kleidung stellte ein kleines Problem dar.
„Wenn wir dort sind, machen wir uns Gedanken darüber. Kann ja nicht so schwierig sein ein paar lumpige Hosen oder Kleider aufzutreiben.“ Nyx grinste schelmisch in die Runde. Vermutlich plante sie schon einen nächtlichen Raubzug durch Bostons Häuser um die Bewohner ihrer Kleidung zu erleichtern.
„Also, auf auf in dieses koloniale Kaff!“ grinste Amber. In ihren Augen sah er die Ungeduld endlich dem verhassten Haytham Kenway eins auswischen zu können.
Boston begrüßte sie mit klirrender Kälte aber strahlendem Sonnenschein, der sich durch die Fenster seines Zimmers stahl.
„Brrrrrr, das ist ja nicht auszuhalten hier!“ jammerte Empusa, schnappte sich eine Decke von Eugenes Bett und wickelte sich damit ein. „Ihr seid dran. Besorgt uns was warmes zum Anziehen.“ befahl sie rigoros.
„Nicht so schnell, wir werden noch warten bis es dunkel ist und dann sehen wir weiter.“ genervt machte er sich daran den Kamin zu entfachen. Sein Hauswirt hatte dafür gesorgt, dass etwas Holz links daneben aufgestapelt darauf wartete Wärme zu spenden.
Das vertraute Knistern der Scheite kurz darauf ließ ihn grinsen und seine Hände streckten sich automatisch der Wärmequelle entgegen.
„Setzt euch davor, dann wird euch warm.“ riet er ihnen. Kurz darauf saßen sie im Halbkreis vor dem kleinen Kamin.
Unterdessen schickte Eugene Amber los um eine passende und vor allem winterfeste Garderobe für seine neuen Gefolgsleute zu besorgen. Sie würde schon wissen, wem was passen könnte, dachte er bei sich.
Etwas skeptisch, weil sie sie kaufen sollte, sah sie ihn an.
„Dann sag mir jetzt bitte noch, wo du das Geld dafür hortest. ICH werde sicherlich nicht meine Reserven dafür nutzen.“ erklärte sie entschlossen.
„Keine Sorge!“ grinste Eugene und warf ihr eine gut gefüllte Geldbörse zu, die sie geschickt auffing. „Damit könntest du 20 Kleiderschänke befüllen!“ lachte er, während er sich dem wärmenden Feuer wieder zuwandte.
„Nun gut. Ich bin schon weg.“ murrte sie und war aus der Tür.
Was dachte dieser Mann eigentlich sie einfach so herum kommandieren zu können! Amber war es gewohnt, dass es umgekehrt war. Ihre Wut stellte sie jedoch fürs erste hintenan und machte sich auf, ein paar Schneider zu suchen. Es sollte hoffentlich nicht nur einen hier in Boston geben.
Unterdessen dachte Eugene über die hiesige Situation, die seltsamen Vorbereitungen der Kenways und seine Naglfar nach.
Es lag eine merkwürdige Spannung in der Luft, jedoch konnte er nicht deuten, was genau dahinter steckte. Waren es die Cormacs die ebenfalls hier verweilten mit ihren ganzen Göttern um sich herum?
Plötzlich spürte er ein unangenehmes Kribbeln im Nacken, so als beobachtete man ihn. Vorsichtig sah er sich um, aber niemand war in der Nähe.
Sie ist zurück aus Asgard und kennt ihre Bestimmung! Dröhnte Odins Stimme in seinem Kopf. Ab jetzt wirst du es nicht mehr so leicht mit ihr haben! Verhöhnte ihn der Allvater lachend.
Zurück aus Asgard? Wie?
Wie ein Blitz durchzuckte ihn die Erkenntnis, dass in den letzten Stunden einige Tage oder gar Monate in den anderen Welten vergangen sein mussten. Odin hatte gegen ihn gekämpft auf der Naglfar und hatte seine Tochter nach Asgard geführt!
Sein Kopf fühlte sich mit einem Male schwer und völlig benebelt an. Stöhnend stützte er ihn auf seine Hände.
„Alles in Ordnung mit dir, Herr?“ fragte Empusa ängstlich nach als sie sein blasses Gesicht bemerkte.
„Nein, nichts ist mehr in Ordnung! Wir brauchen … mehr als nur eine Ablenkung!“ fauchte er sie an.
„Ich frage nie wieder, Herr. Entschuldigt.“ maulte sie und drehte sich zur Wärmequelle um.
Wenig später erschien die Walküre in der Tür gefolgt von einigen jungen Burschen, die zwei Truhen und einige kleinere Bündel hineintrugen.
„Wie du siehst, war ich erfolgreich einkaufen.“ flötete sie fröhlich, verstummte aber prompt, als sie die betretenen Gesichter der hier Anwesenden sah. „Habe ich etwas verpasst? Ist jemand gestorben?“
Eugene stand auf und funkelte sie grimmig an.
„Warum hast du nicht bemerkt, dass Alexandra in Asgard war? Du musst doch etwas gespürt haben!“
„Sie… wie in aller Welt sollte ich das bemerken. Wie du dich erinnern kannst, waren wir alle mit DIR beschäftigt um dir gegen Odin und seinem Pack zu helfen!“ verteidigte sie sich lautstark.
„Ach vergiss es. Alles muss ich selber machen wie es scheint.“ maulte der vermeintliche Russe, warf sich einen Umhang über und verschwand einfach.
Geryon hatte sich erhoben und wollte ihm schon nacheilen, als Amber ihn aufhielt und ihn an seine unangemessene Kleidung erinnerte.
Also hieß es, dass sie sich zu aller Erst neu einkleiden würden und dann ihren wütenden Anführer suchen mussten.
Eugene selber stand unentschlossen vor seiner Unterkunft an diesem kalten Dezembermorgen und grübelte über alles und jeden nach. Hatte er wirklich seinen Schneid verloren? War er nicht mehr so schnell Dinge zu analysieren und Fehler oder Schwachstellen zu erkennen? Was war hier los?
Zwei fein gekleidete Herren gingen an ihm vorbei und unterhielten sich über die Wucherpreise des Tees. Sie beschwerten sich über die von King George verlangten absurden Abgaben.
„Wenn das so weitergeht, dann müssen wir bald diesen widerlichen Kaffee trinken.“ dabei spuckte der eine Gentleman aus.
Tee! Boston! Natürlich! Wie konnte er dieses geschichtliche Ereignis nur vergessen? Die Boston-Tea-Party! Heute Abend würde es beginnen!
Sein lauter Ausruf der Erkenntnis, ließ die beiden Herren fragend in seine Richtung blicken.
„Verzeiht, Gentlemen. Aber mir ist gerade eingefallen, was für ein Glück ich doch manchmal habe.“ lachte er und rannte wieder hinauf in sein Zimmer.
Dort angekommen sah er sich suchend nach der Walküre um.
„Sie ist in ihrem eigenen Zimmer, Herr. Sie wollte noch etwas erledigen, bevor wir uns auf das Ablenkungsmanöver konzentrieren.“ Typhon war gerade dabei, sich einen Gehrock überzuziehen. Diese Kleidung wirkte an ihm irgendwie unpassend, dachte der Russe bei sich.
Nach einer Weile erschien Amber wieder bei ihnen. Auch sie hatte sich umgezogen und hatte sich etwas frisch gemacht.
Voller Erwartung sah sie in die Runde.
„Dann können wir ja jetzt anfangen.“ ebenso war Eugene guter Dinge, weil er sein Wissen mit seinen Leuten endlich teilen konnte. Die Teeparty würde sie alle erst einmal ablenken, damit er noch ein paar Vorbereitungen bezüglich der Entführung Helenas treffen konnte.
„Ladys and Gentlemen! Am heutigen Abend findet ein wichtiges Ereignis hier in Boston statt, welches in die Geschichtsbücher eingehen wird.“ begann er zu erzählen, als stünde er auf der Bühne eines Theaters!