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Boston Von Fehlschlägen und neuen Plänen *Hrymrs Sicht*

Die Fäden, Die Uns Halten! - Part Iii Der Schicksalhaften Zeitreisen — www.fanfiktion.de · All chapters

Boston Von Fehlschlägen und neuen Plänen *Hrymrs Sicht*

Willkommen ihr Sterblichen!

Hatte ich gedacht, dass endlich mal ein Plan auf Anhieb funktioniert,

so hatte ich den Tatendrang der Kenways sowie ihre anstrengende

Art alles untersuchen zu müssen bis ins kleinste Detail, außer Acht gelassen.

Aber verloren habe ich noch lange nicht! Ich habe noch ein Ass im Ärmel.

Ein kleines Ass das auf den Namen Helena hört!

Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen, ich hatte es.

Hrymr aka Eugene

Kapitel 39

~~~ Von Fehlschlägen und neuen Plänen ~~~

*Hrymrs Sicht*

Zitat Kapitel 39 - Boston

Die vermeintliche Heilerin führte ihren Patienten in ein kleines Zimmer im Anbau der Taverne um ihn genauer zu untersuchen.

Die Tür fiel leise hinter ihr ins Schloss und sie deutete auf eine kleine Pritsche an der hinteren Wand. Der Boden war festgestampfte Erde, darüber war Stroh gestreut. An allen vier Wänden hingen kleine Laternen die den Raum etwas erhellten.

Lees Blick glitt unruhig hin und her.

„Miss, seid ihr sicher, dass ihr … wisst … was zu tun ist?“

„Sir, natürlich verstehe ich mein Handwerk!“ lächelte sie. Ihre Finger begannen die Schnüre ihres Mieders zu öffnen.

Lees Augen wurden groß und seine Zunge leckte gierig über seine Lippen.

„Oh, diese Behandlung habt ihr für mich vorgesehen …“ er sprang auf und wollte sich seiner Beinkleider entledigen als er sich laut stöhnend den Kopf hielt und auf die Knie fiel. Seine Gesichtsfarbe schimmerte grünlich und auf seiner Haut begannen eitrige Pusteln zu sprießen. Hektisch zog er seinen Gehrock und seine Weste aus. Sein Hemd war bereits schmierig von einigen aufgeplatzten Blasen. Plötzlich beugte er sich vornüber und erbrach heftig.

„Ihhhh, …“ schrie die Dirne. „… was zum Teufel ist mit euch los! Das ist ja widerlich! Nein! Fasst mich nicht an!“ Charles Hand wollte nach ihr greifen, doch es war zu spät! Ihr Rocksaum war schon voller Mageninhalt.

„Sagt mir euren Namen, damit ich euch zur Rechenschaft ziehen kann für die Kosten! Das kriege ich doch nie wieder raus!“ jammerte sie und stürmte aus dem kleinen Schuppen!

Nyx sah der Dame noch nach und wartete, was dieser Lee noch so anstellen würde.

Wie durch einen Zauber erholte er sich mit einem Schlag und sah sich verwirrt um. Nachdem er sich aufgerappelt hatte, setzte er sich noch einmal kurz auf das kleine Bett um zu Atem zu kommen.

Ihm wurde jedoch keine Verschnaufpause gegönnt, im Gegenteil! Die Tür wurde fast schon aufgetreten und donnerte bei dem Schwung gegen die Wand. Drei Herren stürmten herein, von Eugene angeheuerte Männer hoffte sie, schlugen ihn fast bewusstlos nur um dann die Taschen seines Gehrocks zu leeren.

„Nein, das könnt ihr doch nicht … ich bin Major…“ ein Tritt in seinen Magen ließ Charles erneut vornüber kippen und verstummen.

„Schnauze! Wir haben was wir wollten! Jungs, wir sind weg!“ mit diesen Worten eilten die Diebe hinaus in die Nacht.

Am Boden liegend krümmte er sich und Nyx sah, wie er den Tränen nahe war.

„Bei Gott, womit habe ich das verdient. Ich werde es ihnen allen heimzahlen! Washington, King George … und diesem Schoßhund von Achilles. Soll mich Kenway doch dafür hassen!“ weiter sprach er nicht, stattdessen versuchte er erneut auf die Beine zu kommen. Nach einer Weile gelang es ihm und mit zittrigen Händen nahm er seine Weste und den Gehrock wieder auf. Die Knöpfe konnte er beim besten Willen nicht schließen, es war unmöglich!

Gekrümmt ging er aus dem Schuppen. Für einen kurzen Moment schien er darüber nachzudenken, ob es nicht doch besser wäre woanders ein Lager für die Nacht zu suchen.

Er musste aber Bericht über diesen Diebstahl erstatten! Zerknirscht gestand er sich ein, dass ihm keine Wahl blieb. Diese Papiere für die Hinrichtung hatte ihm Master Kenway nur anvertraut, weil er, Charles, Kontakte in der Armee hatte. Noch!

Nyx folgte diesem traurigen Abbild eines Mannes zurück zur Taverne. Sie wollte noch hautnah seine Niederlage und Schmach erleben!

Warum nur überschätzten sich Männer immer wieder und waren von vornherein so siegessicher obwohl sie eigentlich völlige Versager waren? In seinem Geist sah die Chaosgöttin aber auch noch etwas anderes. Niemand wird so geboren. Auch dieser Mensch ist erst durch Fehlschläge, Niederlagen oder unangenehmen Erfahrungen zu dem geworden, was er heute ist. Trotzdem hatte sie kein Mitleid mit ihm.

Zurück in diesem mit stickiger Luft gefülltem Etablissement nahm sie in normaler Gestalt wieder Platz am Tisch Eugenes. Sie begann ihren Bericht, wurde aber von ihm unterbrochen.

„Fantastisch! Das ist ja nicht so gelaufen, wie geplant.“ dabei deutete ihr Geliebter auf das Spektakel in der Nähe des Eingangs. Die Dirne blamierte sich bis auf den Tod, weil man sie herumschubste und verhöhnte. Leider zeigte sich jetzt, dass ihre Chefin sie in viel zu hohen Tönen gelobt hatte. Nein, intelligent ist etwas anderes.

Das Rothaarige Weibsbild war kurz darauf endlich verschwunden, gerade als Charles Lee durch die Hintertür eintrat.

Nyx gab einen hastigen Kurzbericht ab um sie alle auf den neuesten Stand zu bringen.

„Das kann doch nicht wahr sein. Dann hat mit Sicherheit Alex mit ihrer Freundin…!“ fluchte Eugene und ließ seine Faust auf den Tisch donnern! Einige Gäste in der Nähe sahen von ihren Alekrügen auf.

„Entschuldigt! Mein Bankier hat mir gerade schlechte Nachrichten überbracht.“ erklärte er sich genervt.

„Hey.“ stupste ihn Typhon an, als sich alle am anderen Tisch erhoben.

„Sie wollen dem auf den Grund gehen. Das Schreiben ist von großer Bedeutung. Aber sie haben noch nicht verstanden, dass das ein ….“ Empusa grinste bei ihren Worten, aber auch sie wurde kurzerhand unterbrochen.

„Natürlich nicht. Das soll auch noch eine Weile so bleiben.“

Der Russe deutete ihnen der Gruppe zu folgen. Wer weiß, was noch so unerwartetes und vor allem ungeplantes passierte. Also war sein Bauchgefühl doch nicht so ganz falsch gewesen in den letzten Tagen.

Im Schutze der Dunkelheit schlichen sie hinterher. Zuerst untersuchte man das Zimmer der Hure nur um dann den Spuren der Diebe zu folgen. Diese hatten sich in einem noch recht unbewohnten Teil Bostons einen kleinen Unterschlupf gesucht um ihre Beute zu teilen oder verstecken zu können.

Einige Meter vor dem Banditenlager standen sechs weitere Herren. Sie wärmten sich an einem kleinen Feuer und taten auffällig unschuldig. Ihre Waffen verrieten sie, genau wie ihre umher wandernden Blicke.

Das Versteck war schnell gefunden und es dauerte nur Sekunden bis ein Kampf ausbrach. Erstaunt sahen sie dem Gemenge zu.

Weder Alex noch die anderen der Gruppe nutzten irgendeine Form von Magie oder ähnlichem. Entweder waren sie vorsichtig geworden, oder wollten ihre Kräfte schonen.

Nach nur wenigen Minuten war der Spaß schon wieder vorbei, und die Bagage um Kenway nahm die Papiere und einiges an gestohlenen Sachen an sich.

Alex und Haytham entfernten sich plötzlich etwas von den anderen. Nicht weit genug, um wirklich ungestört zu sein, aber weit genug, damit sie glaubten, niemand könne sie belauschen. Empusa verzog amüsiert den Mund. Menschen unterschätzten Schatten. Immer wieder. Sie waren überzeugt, Dunkelheit sei nur die Abwesenheit von Licht, dabei war sie in Wahrheit ein wunderbarer Ort zum Zuhören.

Sie glitt lautlos näher an die Scheune heran, blieb aber hinter einigen gestapelten Brettern stehen. Von dort aus konnte sie die beiden gut erkennen.

Kenway lehnte erschöpft an der Holzwand, wirkte aber nicht geschwächt. Nein, dieser Mann war nicht ungefährlicher, wenn er müde war. Das war ihnen allen bereits klar. Eher im Gegenteil. In ihm lag eine gereizte Spannung, als müsse nur jemand den falschen Namen aussprechen und er würde ihm ohne Zögern die Kehle aufschlitzen.

Alexandra trat zu ihm.

Empusa konnte ihre Worte nicht vollständig verstehen, aber der Ton genügte. Sorge. Ungeduld. Nähe. Es war eine Mischung aus Gefühlen, die wirklich nur Menschen haben konnten. Eugene wäre angewidert davon.

Haytham antwortete zunächst schroff. Dann begann er zu erzählen.

Empusa neigte den Kopf.

Drei Männer also. Alte Bekannte aus seiner Jugend. Männer, die mit ihm gelernt, trainiert und gelacht hatten, bevor sie den Weg der Krone gewählt hatten. Und nun hatten sie ohne Zögern ihre Waffen gegen ihn erhoben, weil ihnen jemand das Bild eines verräterischen, gewissenlosen Templergroßmeisters in den Kopf gesetzt hatte.

Wie leicht Menschen doch zu führen waren.

Ein Gerücht hier.

Ein verletzter Stolz dort.

Ein wenig Angst vor Verrat.

Und schon griffen Freunde nach Pistolen.

Als Kenways Faust plötzlich gegen die Scheunenwand krachte, zuckte selbst Empusa zusammen. Das Holz ächzte unter dem Schlag. Alexandra aber wich nicht zurück. Diese Frau hatte offenbar kein gesundes Verhältnis zu Gefahr.

Dann fiel ein Name.

Mrs Donovan.

Empusa wusste von wem die Sprache war. Amber Donovan war, neben Nyx, Eugenes Geliebte oder vielleicht sogar angetraute Frau. Man wurde aus ihm nie schlau. War es Liebe zwischen ihnen? Eine Zweckbeziehung um schneller an ein Ziel zu gelangen? Die beiden verband auf jeden Fall etwas ganz eigenes. Etwas was niemand wirklich zuordnen konnte.

Haytham sprach weiter und diesmal wurde Empusas Lächeln breiter.

Eugene Avdeyev.

Da war es.

Der Name traf Alexandra wie ein Messer zwischen die Rippen. Für einen Moment stand sie vollkommen still. Nur ihr Gesicht verriet sie. Sie stand da wie jemand, der plötzlich begriff, dass der Feind nicht vor der Tür stand, sondern längst im Haus gewesen war.

Empusa sog diesen Augenblick begierig in sich auf.

Furcht.

Verwirrung.

Unglauben.

Alexandra versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Das musste man ihr lassen. Ihre Gedanken mochten sich überschlagen, ihr Herz mochte rasen, aber ihr Gesicht blieb beinahe beherrscht. Beinahe. Nur ihre Schultern verrieten sie. Ein winziges Erstarren, kaum sichtbar, doch Empusa sah es.

Und Haytham sah es vermutlich ebenfalls.

Diese beiden waren unerträglich aufmerksam miteinander.

Empusa zog sich langsam zurück, bevor einer von ihnen doch noch den Schatten bemerkte, der nicht ganz zum Holzstapel passte. Dieses kleine Gespräch war wertvoller gewesen als der ganze klägliche Zwischenfall mit Lee.

Eugene würde es hören wollen.

Nicht nur, dass Mrs Donovans Name gefallen war. Nicht nur, dass Haytham ihre Fäden erkannte.

Sondern vor allem, dass Alexandra bei Eugenes Namen erschrocken war.

Sie wusste also genug, um Angst zu haben. Noch wusste sie aber nicht, was für Pläne im Hintergrund geschmiedet wurden.

Empusa lächelte, während sie in die Dunkelheit zurück glitt.

Das war ein sehr angenehmer Zustand.