Boston - Observation und Planung *Hrymrs Sicht*
Boston - Observation und Planung *Hrymrs Sicht*
Einen schönen Abend wünsche ich!
Ich bin meinem kleinen Ziel so nahe, dass ich es beinahe schon spüren kann!
Bald wird mein Plan aufgehen und Mistress Kenway wird ihrer einsamen Welt
mit ihrem großkotzigen Gatten weiterleben müssen!
Nur ein paar Schritte! Nur noch ein paar Minuten!
Schauen wir uns an, was meine Begleiterin Empusa so drauf hat.
Gute Unterhaltung bei diesem Schauspiel wünsche ich.
Eugene aka Hrymr
Zitat Kapitel 41 - Boston
Kapitel 41
~~~ Observation und Planung ~~~
Hrymrs Sicht
Boston – Dezember 1773, später Nachmittag
Eugene Avdeyev hasste es zu warten. Nicht jene gewöhnliche Ungeduld, die Menschen befiel, sobald die Welt sich weigerte, ihrem persönlichen Zeitplan zu gehorchen.
Dafür hatte er zu lange gelebt, zu viele Pläne gemacht und zu viele davon wieder verwerfen müssen. Was ihn jetzt störte, war etwas anderes: dieses lästige Gefühl, dass irgendwo Fäden gespannt waren, die er selbst nicht in der Hand hielt.
Alexandra Kenway wäre vermutlich schon längst auf und ab gelaufen, hätte geflucht, jemanden bedroht oder versucht, das Problem mit einer Mischung aus Sturheit und göttlicher Unterstützung zu lösen.
Bei dem Gedanken verzog Eugene den Mund. Die Frau hatte inzwischen eine geradezu unverschämte Begabung dafür entwickelt, Schwierigkeiten nicht nur zu überstehen, sondern sie am Schlafittchen zu packen, zu Boden zu zwingen und anschließend auch noch nach brauchbaren Antworten zu durchsuchen.
Beachtlich, musste er widerwillig zugeben. Und vor allem unerträglich.
Den kleinen Diebstahl der vergangenen Nacht hatten die Kenways bereits wieder bereinigt. Die falsche Ärztin war aufgeflogen, Lees geraubte Papiere waren zurückgeholt worden, und Haytham hatte inzwischen begriffen, dass Amber erneut ihre Finger im Spiel hatte.
Genau deshalb durfte Eugene ihnen dieses Mal keinen einzelnen Stein vor die Füße werfen. Er brauchte einen Weg, der aus mehreren kleinen Irrwegen bestand und erst dann als Ganzes erkennbar wurde, wenn es bereits zu spät war.
Gouverneur Tryon war dafür nie mehr als der Köder gewesen. Ein großer Name, ein wichtiges Amt, ein Mann, dessen Verschwinden und unerklärliches Auftauchen in Boston zwangsläufig Aufmerksamkeit erzeugen musste.
Eugene hatte seinen Körper und Geist nicht übernommen, weil es ihm besondere Freude bereitete, einen Gouverneur wie eine Marionette durch die Stadt zu führen – auch wenn er nicht leugnen konnte, dass dieser Teil durchaus unterhaltsam gewesen war. Entscheidend war allein, dass Haytham den Vorfall nicht ignorieren konnte.
Und Haytham war gegangen. Alexandra war ihm gefolgt. Connor und Edward waren ebenfalls in der Garnison gebunden. Das Chaos dort hielt inzwischen lange genug an, um die Herberge auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu dem zu machen, was Eugene von Anfang an gebraucht hatte: einen Ort, an dem die wichtigsten Personen fehlten.
Er stand im oberen Zimmer eines Hauses, dessen Besitzer durch eine großzügige Zahlung und erstaunlich wenig Neugier überzeugt worden war, ihn für einige Stunden unbehelligt zu lassen. Die Fensterläden waren nur einen Spalt geöffnet.
Dahinter lag Boston unter dem fahlen Licht eines späten Dezembernachmittags. Die Sonne war noch nicht ganz verschwunden, doch sie spendete längst keine Wärme mehr.
Feuchter Nebel kroch zwischen den Häusern entlang, Karrenräder rumpelten über das kalte Pflaster, Pferdehufe schlugen gegen Stein, und aus den Schankstuben drangen Rufe, Gelächter und das dumpfe Klirren von Krügen. Über allem lagen Rauch, nasses Holz, Bier und die salzige Kälte des Hafens.
Die Herberge der Kenways leuchtete warm auf der anderen Straßenseite.
Und sie war bewacht.
Nicht auffällig. Keine Reihe von Männern mit Musketen vor der Tür, keine Assassinen, die sich demonstrativ auf den Dächern verteilten. Haytham war nicht dumm genug, jedem Vorübergehenden zu zeigen, dass in diesem Haus etwas Schützenswertes lag.
Seine Wachen standen dort, wo sie kaum auffielen: einer beim Stall, ein weiterer nahe der Seitengasse, ein dritter im Schankraum, dessen Krug scheinbar interessanter war als die Treppe und der Eingang.
Eugene hatte sie längst alle entdeckt.
Haytham Kenway besaß viele Eigenschaften, die Eugene verabscheute. Nachlässigkeit gehörte bedauerlicherweise nicht dazu.
„Du bist sicher, dass sie nicht oben ist?“, fragte Empusa hinter ihm.
Ihre Stimme war noch die eigene, rau und dunkel, mit diesem spöttischen Unterton, der selbst eine höfliche Frage wie eine kleine Drohung klingen ließ. Eugene wandte sich nicht zu ihr um. Sein Blick blieb auf der Herberge.
„Alexandra ist mit ihrem Gatten und einigen der anderen noch bei der Garnison. Tryons Verschwinden, sein Auftauchen in Boston und das Durcheinander unter den Soldaten werden sie länger beschäftigen, als ihnen lieb ist.“ Er verzog den Mund. „Menschen vergeuden erstaunlich viel Zeit damit, Ordnung in Dinge bringen zu wollen, die längst zerbrochen sind.“
Empusa trat neben ihn. Im fahlen Licht wirkte sie noch wie eine fremde Frau, doch ihre Konturen waren bereits unruhig. Ihr Gesicht flackerte, als läge eine dünne Schicht Wasser darüber.
Eugene kannte dieses unstete Wechselspiel inzwischen gut genug, um zu wissen, dass ihre Verwandlung bereits begonnen hatte.
„Und wenn sie doch früher zurückkehrt?“
Jetzt sah er sie an. „Dann wirst du schneller sein. Ganz einfach.“
Empusa lächelte. „Das bin ich gern.“
„Nicht gern. Vorsichtig.“
Das Lächeln blieb, wurde aber schmaler. Gut. Sie hatte verstanden, dass dies nicht der Augenblick für ihre üblichen Spielereien war.
Eugene hob die rechte Hand. Der fünfte Armreif lag kühl an seinem Handgelenk, dunkler als gewöhnliches Silber und doch heller als ein wirklicher Schatten. Seine Oberfläche schien das schwindende Tageslicht nicht zu spiegeln, sondern zu verschlucken.
Unter seiner Konzentration begann die Luft darüber zu zittern. Kein offenes Portal entstand, kein Tor durch Zeit oder Welt. Nur ein schmaler Riss, kaum breiter als ein Atemzug.
Darin spiegelte sich nicht das Zimmer, in dem sie standen.
Es zeigte den oberen Stock der Herberge.
Ein kleines Zimmer mit zwei Betten, einer Wiege und zwei Truhen. Auf einem Tisch lagen Nähzeug, eine Schale Wasser und ein sauber gefalteter Stapel Tücher. Vor einem der Betten standen ein Paar Kinderschuhe ordentlich nebeneinander.
Florence saß am Fenster. Ein Buch lag auf ihren Knien, doch sie las nicht.
Immer wieder wanderte ihr Blick zur Tür, dann zur Wiege und zurück zum Fenster, als könne sie ihre Mutter durch bloßes Warten dazu bringen, endlich wieder aufzutauchen.
Eugene beobachtete sie einen Moment länger.
Viel zu aufmerksam für ihr Alter. Viel zu klug. In ihrem Gesicht lag bereits etwas von jener Härte, die ihre Mutter sich über Jahre hatte aneignen müssen, nur noch ungeschliffen und ohne die bittere Gewissheit, dass selbst Liebe nicht vor allem schützen konnte.
Helena lag wach in der Wiege. Still, klein und auf den ersten Blick beinahe vollkommen wehrlos. Eine ihrer winzigen Hände ruhte an einem Anhänger auf ihrer Brust, als hätte sie ihn im Schlaf gesucht. Das Schmuckstück war Eugene fremd. An Helena hatte er es bislang noch nicht gesehen.
Trotzdem blieb sein Blick daran hängen.
Dieses Kind war klein genug, dass man sie in zwei Armen tragen konnte, und doch sammelte sich in ihr etwas, das weit über ihre Größe hinausging.
Blut aus einer Zukunft, die in diesem Jahrhundert nicht hätte existieren dürfen. Eine Linie, auf die Odin Anspruch erhob. Eine Schwelle, die nicht vollständig zu Asgard gehörte und sich dennoch allen alten Regeln zu entziehen schien.
Eugene spürte weder Mitleid noch Zärtlichkeit. Für solche Gefühle war in ihm schon lange kein Platz mehr. Was ihn festhielt, war die Bedeutung des Kindes.
Ihr alle glaubt, sie sei verborgen, dachte er.
Vielleicht war sie das sogar noch. Vor Odin, vor den Nornen oder vor allem, was sich für mächtig genug hielt, über solche Dinge zu wachen.
Aber nicht vor ihm.
„Sie ist so winzig“, murmelte Empusa, die inzwischen ebenfalls in den Riss blickte. „Fast zu klein für so viel Aufhebens.“
Eugene ließ Helena nicht aus den Augen. „Gerade deshalb. Sie ahnen noch nicht, wie wichtig dieses Kind eigentlich ist.“
„Du willst also wirklich die Jüngere.“ In Empusas Stimme lag leichte Skepsis.
„Ich will beide“, erwiderte er trocken.
Sie hob eine Braue. „Florence ist aber doch gar nicht das Ziel.“
„Nein. Sie ist meine Versicherung.“
Empusa lachte leise, beinahe anerkennend. „Wie kalt von dir.“
„Vor allem notwendig.“
Im Zimmer bewegte sich Sybill an der Wiege und strich Helena mit einer Fingerspitze über die kleine Hand. Sophia saß nahe der Tür auf einem Stuhl, müde, aber aufrecht.
Beide Frauen wirkten erschöpft. Keine von ihnen war jedoch unachtsam.
Eugene ärgerte das mehr, als er zugeben wollte. Alles wäre leichter gewesen, wenn Alexandra Kenway ihre Kinder Dummköpfen anvertraut hätte. Das tat sie jedoch nicht. Sie hatte es nie getan.
„Sie werden dich prüfen“, sagte er und ließ den schmalen Riss noch bestehen. „Nicht offen und vermutlich auch nicht unhöflich. Aber sie werden wissen wollen, ob du wirklich die Frau bist, die du vorgibst zu sein.“
Empusa betrachtete gelangweilt ihre Nägel. „Dann gebe ich ihnen, was sie sehen wollen.“
Eugene wandte sich vollständig zu ihr. „Nein. Das reicht nicht.“ Seine Stimme wurde leiser. „Du gibst ihnen, was sie fühlen wollen.“
Zum ersten Mal schwieg sie wirklich.
◆ ◆ ◆
Eugene ließ den Riss bestehen, während Empusas Gestalt sich vor seinen Augen veränderte. Die Wangen wurden schmaler, die Augen heller, das Haar nahm einen dunkleren Blondton an und wuchs über ihre Schultern hinaus, bis es lang über ihren Rücken fiel.
Zentimeter um Zentimeter verschwand die fremde Frau und Alexandra Kenway trat an ihre Stelle.
Fast.
Eugene musterte sie kritisch. „Die Schultern weniger gerade.“
Empusa seufzte, ließ die Haltung jedoch etwas sinken.
„Der Blick ist noch falsch. Alexandra sieht selten einfach nur irgendwohin. Sie denkt ständig an drei Dinge gleichzeitig und tut so, als wäre es nur eines.“
Empusa verdrehte die Augen. „Das ist wirklich schrecklich.“
„Ja. Und ausgesprochen nervig. Aber nützlich.“
Sie versuchte Alex’ Lächeln. Eugene verzog sofort das Gesicht. Es war zu süß, zu wissend, beinahe selbstgefällig.
So lächelte Alexandra vielleicht, wenn sie glaubte, jemandem gerade einen besonders gelungenen Seitenhieb verpasst zu haben. Nicht bei ihren Kindern.
„Nein.“
Das Lächeln verschwand.
Eugene trat näher und betrachtete ihr Gesicht.
„Wenn sie zu ihren Kindern kommt, dann nicht wie eine Königin und schon gar nicht wie jemand, der eine Rolle spielt. Sie kommt müde herein. Wahrscheinlich schneller, als sie selbst zugeben würde, weil sie sich Sorgen macht. Sie sieht zuerst nach Helena, weil die Kleine sich leichter erschreckt. Danach nach Florence, weil Florence so tut, als müsse man sich um sie nicht sorgen.“
Empusa hörte jetzt aufmerksam zu.
„Und wenn Alexandra bei ihnen lächelt, dann liegt immer etwas darin, als wolle sie diesen Augenblick festhalten, bevor ihr irgendjemand das Glück und ihre Kinder gleich mit entreißt.“
Für einen Moment wurde es still.
Dann veränderte Empusa nur diesen einen Zug in ihrem Gesicht.
Eugene hasste, wie überzeugend es plötzlich war.
Alexandra Kenway stand vor ihm.
Empusa hob den rechten Arm und sah auf ihr nacktes Handgelenk. „Und was ist mit dem Reif?“
Sein Blick folgte ihrem. Genau dort lag der gefährlichste Fehler ihrer Verwandlung. Nicht groß genug, um jedem Menschen aufzufallen, aber auffällig genug für diejenigen, die Alexandra täglich sahen.
„Verdeck dein Handgelenk. Versuch nicht, ihn nachzubilden.“
„Warum nicht?“
„Weil ein falscher Reif schlimmer wäre als gar keiner. Alexandra trägt dieses Ding wie einen Teil ihres Körpers. Niemand sieht bewusst hin, weil alle daran gewöhnt sind. Aber wenn etwas daran nicht stimmt, werden sie es bemerken – oder zumindest spüren, dass etwas falsch ist.“
Empusa zog den Ärmel tiefer. „Besser?“
„Besser.“
„Und wenn das ältere Mädchen etwas fragt?“
Eugene sah wieder in den schmalen Riss. Helena bewegte sich in der Wiege. Ihr Anhänger fing das letzte blasse Nachmittagslicht auf und warf einen hellen Reflex an die Wand.
Für einen Augenblick sah Eugene darin nicht nur Metall.
Helle Schwingen zeichneten sich ab, groß und fast weiß-golden, daneben eine dunkle, massige Form. Seine Augen verengten sich.
Der prächtige Vogel und der riesige schwarze Wolf vom vergangenen Abend schoben sich mit einem Mal wieder in seine Erinnerung. Er hatte beide während der Tea Party kämpfen sehen, hatte versucht, ihre Verbindung zu ergründen und war an einer unsichtbaren Grenze abgeprallt. Damals hatte er nicht herausfinden können, zu wem sie gehörten.
Sein Blick wanderte vom Anhänger zu Helena zurück.
Also zu dir.
Empusa folgte seiner Aufmerksamkeit. „Da ist etwas bei ihr.“
„Ich weiß.“
„Etwas, das mich nicht mag.“
Eugene schnaubte leise. „Mich ebenso wenig.“
„Soll ich es zerstören?“
Jetzt lächelte er und machte mit der freien Hand eine einladende Bewegung. „Wenn du kannst – bitte.“
Empusas Augen glommen kurz auf. „Du zweifelst an mir?“
„Nicht an dir. Ich rechne mit Widerstand.“
Mehr konnte er im Moment nicht erkennen. Das Amulett selbst war ihm neu, und noch wusste er nicht, was genau es mit den beiden Erscheinungen verband. Aber die Zuordnung genügte fürs Erste. Helena war nicht so ungeschützt, wie ihre Größe vermuten ließ.
Das machte sie nicht weniger erreichbar. Nur interessanter.
Eugene ließ den Riss schließlich verblassen. Das Kinderzimmer verschwand, und zurück blieben der enge Raum, die Kerze und die feuchte Kälte der nahenden Dämmerung.
„Du gehst hinein“, sagte er. „Nicht durch ein Fenster wie ein Dieb, sondern durch die Tür wie eine Mutter. Wie ihre Mutter.“
Empusa neigte den Kopf. „Und dann?“
„Du sagst ihnen, dass es in der Garnison schlimmer steht als erwartet und dass Haytham und Alexandra beschlossen haben, die Kinder vorerst an einen sichereren Ort bringen zu lassen. Du führst sie zur Hintertreppe und von dort weiter. Ohne Aufsehen.“
„Und die Frauen?“
„Eine von ihnen wird mitkommen wollen.“ Eugene hatte lange genug beobachtet, um davon überzeugt zu sein.
„Welche?“
„Sophia.“
„Warum gerade sie?“
„Weil Sybill zuerst an Decken, Kleidung und Ordnung denken wird. Sophia denkt zuerst an Gefahr.“
Empusa lachte leise. „Du hast sie wirklich studiert.“
„Ich beobachte. Das ist der Unterschied zwischen einem Plan und einem Wunsch.“
„Selbstverständlich.“
Dieses eine Wort kam bereits vollständig mit Alexandras Stimme über ihre Lippen. Eugene spürte ein unangenehmes Kribbeln im Nacken. Die Ähnlichkeit war nicht nur gut. Sie war verstörend.
Er trat zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Im Flur wartete Typhon im Schatten.
„Wie sieht es in der Gasse aus?“
„Leer genug“, antwortete er knapp.
Eugene seufzte. „Leer genug ist nicht leer.“
„Für Menschen schon.“
Typhons Grinsen konnte er beinahe hören. Eugene ließ die Bemerkung gelten. Für ihr Vorhaben genügte es tatsächlich.
Er schloss die Tür wieder und wandte sich Empusa zu. Sie stand noch immer mit Alexandras Gesicht vor ihm und sah ihn inzwischen mit genau jenem leicht trotzigen Ausdruck an, den die echte Frau bekam, sobald jemand glaubte, ihr Vorschriften machen zu dürfen.
Fast zu gut.
„Kein Blut“, sagte Eugene. „Kein unnötiger Lärm. Kein Stolz, der dich zu irgendwelchen Spielereien verleitet, und vor allem keine vorschnellen Entscheidungen.“
Empusa verschränkte die Arme. „Du nimmst mir jeden Spaß.“
„Ich gebe dir endlich eine Aufgabe.“
Sein Blick genügte, und sie richtete sich etwas auf.
„Und was mache ich, wenn die Kleine schreit?“
Eugene zögerte kurz. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil er den Ablauf noch einmal bis zu diesem Punkt durchging.
Ein schreiendes Kind konnte Wachen aufmerksam machen. Ein vollkommen stilles Kind konnte jedoch ebenso verdächtig wirken.
„Dann lass sie schreien.“
Empusa sah ihn fragend an.
„Ein Kind, das schreit, ist glaubwürdig. Ein Kind, das plötzlich viel zu still ist, macht Frauen misstrauisch.“
„Du bist grausam.“
Eugene ging an ihr vorbei und öffnete die Tür. „Nein. Ich bin aufmerksam.“