Katalonien - Aufstieg zu den Klippen!
Katalonien - Aufstieg zu den Klippen!
Hallo ihr Lieben!
Wir besteigen die Boote um in die Nähe der Klippen zu kommen.
Der Aufstieg ist mühsam, nass und kalt!
Was ein Rabe und ein leichter Windhauch damit zu tun haben,
solltet ihr selber herausfinden.
Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen und bleibt gesund!
Liebe Grüße
eure MrsHEKewnay
Zitat Kapitel 49 - Katalonien
Kapitel 49
~~~ Aufstieg zu den Klippen ~~~
Katalonien 1773 – Nacht
Die Boote wurden erst zu Wasser gelassen, nachdem Hargreaves zweimal bestätigt hatte, dass die Jackdaw sicher genug lag und Faulkner dasselbe von der Aquila gemeldet hatte. Niemand rannte und niemand schrie Befehle durcheinander. Gerade diese Ruhe machte mir deutlicher als alles andere, wie ernst die Männer die Lage nahmen.
„Ich komme mit.“
Edward stand hinter Haytham und mir, noch bevor das erste Boot vollständig über die Bordwand abgesenkt war. Sein Gesicht war bleich, seine Haltung stur. Zehn Jahre alt und in diesem Augenblick so sehr ein Kenway, dass ich ihn gleichzeitig umarmen und an einen Mast binden wollte.
„Nein“, sagte Haytham.
Edward hob das Kinn. „Sie sind meine Schwestern.“
Haythams Kiefer spannte sich. „Gerade deshalb bleibst du hier.“
„Aber ich kann helfen.“
„Das wirst du. Auf der Jackdaw.“
Edward sah zu mir, und ich hasste, dass ich dieselbe Antwort hatte.
Ich ging zu ihm und legte eine Hand an seine Wange. „Du hast uns hierhergebracht.“
„Ich habe nur gesehen, was da war.“
„Du hast durch eine Lüge hindurchgesehen. Das ist nicht dasselbe.“
Seine Augen glänzten. Wut, Angst und Erschöpfung lagen darin, alles viel zu groß für einen Jungen, der eigentlich längst schlafen sollte.
„Jetzt brauche ich dich hier“, sagte ich. „Nicht weil du nicht mutig genug bist. Sondern weil diese Schiffe unser Rückweg sind.“
Haytham trat zu uns und legte Edward die Hand auf die Schulter. „Mr Hargreaves führt das Schiff. Du bleibst bei ihm. Du beobachtest die Felsen und gibst weiter, was du erkennst. Keine Heldentaten. Keine Kanone, keine Pistole und kein Beiboot ohne seinen ausdrücklichen Befehl.“
Edward verzog den Mund. „Was gilt als Heldentat?“
„Wenn du fragen musst, ist es vermutlich eine.“
Trotz allem musste ich lachen. Nur ganz kurz.
Hargreaves trat heran. „Junger Master Kenway. Sie bleiben bei mir. Wenn Sie etwas sehen, sagen Sie es. Wenn ich Feuer befehle, helfen Sie bei den Signalen. Und wenn ich Ihnen sage, Sie gehen unter Deck, dann gehen Sie unter Deck.“
Edward atmete durch die Nase aus. „Aye, Sir. Ohne Diskussion.“
Haytham hob eine Braue. „Bemerkenswert. Er kann lernen.“
Edward nickte, hart und verletzt, aber er nickte.
Hinter ihm trat Mr Al Din Issa näher. Wie so oft hatte ich nicht bemerkt, wann genau er gekommen war. Er stellte sich nicht zwischen Edward und uns und versuchte auch nicht, ihm die Enttäuschung auszureden. Stattdessen blieb er einfach an seiner Seite.
„Junger Master Kenway“, sagte er ruhig. „Euer Vater hat Euch nicht hierbehalten, weil Ihr nichts tun könnt.“
Edward sah ihn finster an. „Es fühlt sich aber so an.“
„Das glaube ich Euch.“ Mr Al Din Issa ließ sich davon nicht beeindrucken. „Trotzdem werden dort oben genug Menschen sein, die ein Schwert führen können. Hier unten braucht Mr Hargreaves Augen, Verstand und jemanden, der weiß, worauf er achten muss.“
Edwards Blick wanderte zu den Klippen. „Und wenn etwas passiert?“
„Dann sorgt Ihr dafür, dass die Jackdaw bereit ist, wenn Eure Familie sie braucht.“
Edward schwieg.
Mr Al Din Issa legte ihm nur kurz die Hand an die Schulter. „Das ist keine kleine Aufgabe.“
Diesmal nickte Edward anders. Noch immer widerwillig, noch immer mit zu viel Angst um seine Schwestern im Gesicht. Aber nicht mehr so, als hätte man ihn einfach zurückgelassen.
Auf der Aquila wurde ebenfalls ein Boot ausgesetzt. Connor übergab das Steuer nun endgültig an Faulkner. Bevor er hinabstieg, sagte er etwas zu ihm, das der Wind verschluckte. Faulkner nickte einmal.
Wenige Minuten später lagen zwei kleine Boote zwischen den Schiffen. Connor ließ seines näher an die Jackdaw ziehen, bis wir uns verständigen konnten.
„Die Kerbe ist tief genug“, sagte er. „Aber die Wellen brechen darin schräg. Wir müssen versetzt hinein.“
Haytham sah auf das dunkle Wasser. „Und wenn sie uns an den Fels drücken?“
„Dann springen wir vorher.“
Haytham sah seinen Sohn an. Connor erwiderte den Blick vollkommen ernst.
„Beruhigend“, sagte Haytham.
„Ich kenne Felsen.“
„Das bezweifle ich nicht.“
Wir verteilten uns auf die Boote. Connor saß mit zwei seiner Männer im vorderen, Haytham und ich mit zwei Matrosen der Jackdaw im zweiten. Keine große Truppe. Jeder zusätzliche Mensch hätte mehr Lärm, mehr Gewicht und mehr Ziele bedeutet. Hargreaves und Faulkner hielten die Schiffe bereit.
Als die Ruder ins Wasser tauchten, wurde die Jackdaw hinter uns plötzlich sehr groß. Edward stand neben Hargreaves an der Reling. Mr Al Din Issa war nur einen Schritt hinter ihm.
Edward hob eine Hand. Ich hob meine ebenfalls.
Dann drehten wir uns zu den Felsen.
Das Meer schob uns in die Einbuchtung. Die Kerbe, die vom Deck aus kaum mehr als ein Schatten gewesen war, wurde mit jedem Ruderschlag bedrohlicher. Schwarzer Stein ragte links und rechts aus dem Wasser. Gischt spritzte hoch. An einigen Stellen waren die Felsen von Algen glänzend, an anderen so dunkel, dass ich keine Kante erkannte, bis wir beinahe dagegen stießen.
Connor führte das erste Boot hinein. Er ließ die Männer auf einer Seite stärker ziehen, dann wieder auf der anderen. Keine hektischen Bewegungen. Kleine Korrekturen im Rhythmus der Wellen.
Haytham beobachtete ihn. „Er macht das gut.“
„Sag es ihm später.“
„Ich erwäge es.“
„Großzügig.“
Haytham warf mir einen kurzen Blick zu. „Atme.“
„Ich atme.“
„Du würdest lügen, selbst wenn dein Herz laut genug schlägt, dass man es auf der Aquila hört.“
Connor sah über die Schulter. Ob er den Satz gehört hatte, wusste ich nicht.
„Sie wartet auf Euch“, sagte er nach einem Moment.
Ich wusste, dass er Florence meinte.
„Nicht nur als Mutter“, fügte Connor hinzu. „Als Zeichen.“
Ich verstand nicht sofort.
Er sah weiter nach vorn. „Kinder merken, wenn niemand kommt.“
Der Satz war leise. Viel zu leise für die Dinge, die darin lagen.
Haytham wurde neben mir still.
„Sie merken es“, sagte Connor. „Und sie vergessen es nicht.“
Das Meer füllte die Pause. Es machte sie nicht leichter.
Ich dachte an ein Dorf in Flammen, an eine Mutter, die Connor nicht hatte retten können, und daran, dass er jetzt freiwillig in eine schwarze Felsrinne ruderte, weil oben zwei Kinder warteten.
„Wenn Florence Euch sieht, wird sie wissen, dass sie weiter durchhalten muss.“
Mir stiegen Tränen in die Augen. „Sie sollte das nicht müssen.“
„Nein.“
Nur dieses Wort.
Das Boot vor uns hob sich auf einer Welle. Connor sprang, noch bevor ich begriff, dass wir die Felswand erreicht hatten. Das Wasser reichte ihm bis über die Knie. Er landete zwischen zwei Steinen, rutschte einen halben Schritt und fing sich.
„Jetzt!“
Unsere Matrosen zogen die Ruder ein. Das Boot stieß gegen den Fels, nicht hart, aber genug, dass mir die Zähne aufeinanderschlugen.
Es gab keine Anlegestelle. Kein Brett, keinen Pfosten, keinen Steg. Nur eine Stelle, an der der Stein flacher ins Wasser fiel und ein Mensch mit etwas Glück aus einem Boot steigen konnte, ohne sofort von der nächsten Welle wieder hineingeworfen zu werden.
Connor reichte Haytham die Hand.
Für einen winzigen Moment sah mein Mann sie an. Ich sah den Stolz, die Gewohnheit, keine Hilfe anzunehmen, und den Schmerz in seinem Knie, den er seit Tagen in Haltung verwandelte.
Dann nahm er die Hand seines Sohnes. Nur so lange, wie es nötig war. Aber er nahm sie.
Als ich folgte, schlug mir die nächste Welle gegen die Beine. Mein linker Fuß fand Algen statt Stein und ich rutschte sofort weg.
Haytham fing mich am Arm auf. „Vorsicht.“
„Wirklich? Darauf wäre ich nicht gekommen.“
Für den Bruchteil einer Sekunde lag beinahe Erleichterung in seinem Blick. Solange ich noch sarkastisch sein konnte, war ich offenbar nicht vollständig unbrauchbar.
Connor ging voran. Er bewegte sich tief und leise, nutzte jede Kante, jede Mulde und jeden Schatten. Die Felsrinne war von unten kaum als möglicher Aufstieg zu erkennen. Wasser lief zwischen den Steinen zurück ins Meer, an einigen Stellen mussten wir die Hände benutzen, an anderen seitlich gehen.
Über uns brannten die Fackeln. Eugene ließ uns kommen.
Das war das Unangenehmste daran.
Ein Feind, der sofort angriff, wollte einen töten. Ein Feind, der wartete, wollte bestimmen, wann man Angst bekam, wann man müde wurde und an welchem Punkt man den ersten Fehler machte.
Connor blieb an einer Verzweigung stehen. Rechts führte eine etwas flachere Linie nach oben, aber dort fiel Fackelschein über die Kanten. Links war es steiler, nasser und so dunkel, dass ich die nächste Griffstelle nicht sehen konnte.
„Links“, sagte Connor.
Haytham betrachtete den Fels. „Das ist kein Weg.“
„Genau deshalb.“
Ich sah hinauf. „Nass, steil und bei Dunkelheit beinahe Selbstmord.“
Connor nickte. „Ja. Aber nur beinahe.“
Haytham sah ihn an. Dann mich.
„Bitte“, murmelte ich. „Sag mir nicht, dass das erblich ist.“
„Was?“
„Das Gefährlichste zu wählen, weil es vernünftig klingt.“
Haythams Mundwinkel zuckte. „Ich fürchte, dafür gibt es inzwischen zu viele Belege.“
Wir bogen nach links ab.
◆ ◆ ◆
Schon nach den ersten Metern wurde klar, dass Connors „nur beinahe Selbstmord“ keine Übertreibung gewesen war. Meine Finger fanden kaum Halt. Zweimal rutschte mir ein Stiefel weg, einmal schlug ich mit dem Knie gegen eine scharfe Kante. Der Schmerz fuhr so heiß durch mein Bein, dass mir für einen Augenblick schwarz vor Augen wurde.
Haytham war sofort hinter mir. „Alex.“
„Weiter.“
„Du blutest.“
„Dann weiß ich wenigstens, dass ich noch lebe.“
Sein Fluchen war leise und sehr kultiviert, was nichts daran änderte, dass es eindeutig Fluchen war.
Connor hielt über uns inne. „Links von dir ist ein besserer Griff.“
Haytham hob den Kopf. „Ich sehe ihn.“
„Dann benutz ihn.“
Ich biss mir auf die Innenseite der Wange. Nicht lachen. Auf gar keinen Fall lachen. Dafür war die Lage zu ernst und mein Knie zu schmerzhaft.
Haytham benutzte den Griff.
Der Fels wurde höher, der Wind stärker und der Raum zwischen den sicheren Stellen kleiner. Wir mussten immer wieder warten, bis eine Welle unten gebrochen war, weil das Wasser Sekunden später als Gischt bis zu uns hinaufschlug.
Dann kam ein Windstoß von hinten. Er hätte vom Meer kommen müssen. Tat er aber nicht.
Er schob uns nicht. Er hob mich gerade genug an, dass mein nächster Schritt nicht auf der nassen Kante wegrutschte. Er strich an Haythams Mantel vorbei, bevor der Stoff sich zwischen zwei Steinen verfangen konnte. Connor erreichte eine lose Platte einen Herzschlag früher, als sie unter seinem Gewicht abbrach.
Wir blieben alle drei stehen.
Über uns krächzte ein Rabe. Er saß auf einem Felsvorsprung, schwarz vor schwarzem Himmel. Ein Auge fing das Fackellicht auf.
„Nicht jetzt“, murmelte ich.
Der Rabe legte den Kopf schief.
„Ein ungewöhnlicher Ort für einen Vogel“, sagte Haytham.
„Frag ihn nach dem Wetter.“
„Ich glaube nicht, dass ich eine Antwort möchte.“
Connor sah vom Raben zu mir. „Kennt Ihr ihn?“
„Leider kenne ich inzwischen zu viele Raben.“
Der Vogel krächzte erneut, eindeutig beleidigt oder amüsiert. Bei meinem Vater war beides möglich.
Der Wind kam noch einmal. Diesmal traf er Haytham.
Sein rechtes Bein gab für einen Moment nach. Kaum sichtbar. Jeder andere hätte es vermutlich übersehen. Ich nicht. Der Wind legte sich um ihn, nicht stark genug, um ihn zu tragen, nur gerade genug, dass er den nächsten Griff erreichte, bevor sein Knie endgültig protestierte.
Für einen Herzschlag fühlte sich die Luft anders an.
Tyr.
Ich dachte den Namen nicht laut. Odin hatte gesagt, sie würden nicht an unserer Seite kämpfen. Das hier war kein Gott, der Haytham den Felsen hinauftrug. Es war ein Hauch Unterstützung. Eine Erinnerung daran, dass Schutz nicht immer bedeutete, jemandem die Aufgabe abzunehmen.
Haytham zog sich weiter. Seine Schultern spannten sich anders. Er hatte etwas gespürt. Natürlich sagte er nichts dazu.
Über uns bewegten sich Schatten. Eine tiefe Stimme drang herab. Die Worte konnte ich nicht verstehen, aber den Klang erkannte ich.
Eugene.
Connor wurde vollkommen still. Nicht wie Haytham, der Spannung in Kontrolle verwandelte. Bei Connor war es etwas Tieferes. Seine Hand lag an seiner Waffe, aber er zog sie nicht.
Eugene sprach nicht zu uns. Er sprach zu Florence.
Der Mutterknoten zog so heftig, dass ich die Stirn gegen den Fels legen musste.
„Was sagt er?“ fragte ich.
Connor lauschte. „Zu leise.“
„Vielleicht ist es besser so“, sagte Haytham.
Zwischen zwei Felskanten konnte ich zum ersten Mal mehr als nur Fackelschein sehen. Florence stand oberhalb von uns, noch immer mehrere Ebenen entfernt. Jetzt war sie nah genug, dass ich den Wind in ihrem Umhang sah. Neben ihr hielt Empusa Helena.
Alles in mir wollte ihren Namen rufen. Ich tat es nicht.
Florence hob trotzdem den Kopf. Vielleicht sah sie uns nicht. Von dort oben musste die Dunkelheit unterhalb der Fackeln nahezu geschlossen wirken. Aber der Faden zwischen uns antwortete.
Haytham hatte sie ebenfalls gesehen. Er wurde so still, dass ich mich beinahe vor ihm fürchtete. Nicht, weil er die Kontrolle verlor. Weil ich wusste, wie viel Kraft es ihn kostete, sie zu behalten.
Connor sah zwischen seinem Vater und den Mädchen hinauf. „Wenn wir zu früh angreifen, benutzen sie sie.“
Haythams Stimme war kalt. „Das weiß ich.“
„Ich kann seitlich höher kommen.“
„Noch nicht.“
Connor hielt seinen Blick. Dann nickte er.
Wir kletterten weiter. Aus der engen Rinne wurde eine schmale Kante, kaum breit genug für zwei Füße nebeneinander. Links fiel der Fels steil zum Wasser ab. Rechts drückte sich die Wand so nah an uns, dass mein Mantel daran entlangschabte.
Connor ging vorn, Haytham folgte, ich zuletzt.
Über uns konnten sie uns jetzt sehen. Ein einzelner Stein hätte gereicht, ein Pfeil, ein Befehl oder nur ein falscher Schritt von mir.
Nichts kam.
Eugene wollte, dass wir hinaufkamen. Er wollte, dass ich jeden Schritt spürte, jede Sekunde, in der meine Töchter näher waren und trotzdem unerreichbar blieben. Er wollte, dass ich mich selbst zerlegte, bevor ich überhaupt vor ihm stand.
Ich atmete ein. Salz, Stein, Rauch. Dann noch einmal.
Unter der Angst lag ein Rhythmus. Kein göttliches Lied und kein fremdes Mantra. Nur mein eigener Atem, meine Hände, meine Füße. Andarta hatte mir vor langer Zeit beigebracht, mich an einen Gegner anzupassen, statt ihm das Feld zu überlassen. Vielleicht galt das auch für Felsen und Größenwahn.
Als wir die nächste Biegung erreichten, blieb Connor abrupt stehen und hob eine Hand.
Vor uns lag eine kleine Felsplatte, kaum mehr als eine natürliche Ausbuchtung. Dahinter erhob sich der Stein noch einmal steiler. Erst jetzt, aus dieser Nähe, erkannte ich darin etwas, das vorher aus keiner Perspektive sichtbar gewesen war.
Stufen.
Grob in den Fels gehauen, unregelmäßig und an den Kanten vom Wasser und Wetter rund geworden. Keine breite Treppe, die vom Meer her einlud. Eher ein alter, versteckter Zugang, der erst dort begann, wo ein Boot längst nicht mehr hinkam.
„Da ist also die freundliche Empfangstreppe“, murmelte ich.
Connor sah zu mir. „Freundlich?“
„Ich arbeite noch an meiner Definition.“
Die Stufen führten in mehreren Absätzen nach oben zu einem Torbereich in der Mauer. Dort standen nun deutlich sichtbar Eugene und seine Gefolgsleute.
Und die Mädchen.
Jetzt sah ich Florence wirklich. Ihr Gesicht war bleich. Die Haare hatten sich gelöst und klebten an ihrer Wange. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt und sie wirkte klein zwischen diesen Schatten. Sie war sieben Jahre alt, keine kleine Kriegerin und schon gar nicht irgendein Symbol für eine Walküre. Sie war m ein Kind.
Helena lag noch immer in Empusas Armen. Ihre Haube war verrutscht. Eine winzige Hand hatte sich aus der Decke geschoben.
Haythams Atem brach für einen Herzschlag. Connor sah zuerst Helena, dann Florence. In dem Moment wurde etwas in seinem Gesicht hart.
Eugene breitete die Arme aus, als begrüßte er Gäste. „Mistress Kenway. Ihr habt Euch wirklich Mühe gegeben.“
Haytham trat neben mich. Connor stellte sich auf seine andere Seite.
„Lass ihn reden“, sagte Haytham leise.
„Das ist dein Rat?“
„Vorerst.“
Connor sah nicht von Eugene weg. „Er will, dass du zuerst handelst.“
„Ich weiß.“ brachte ich Zähneknirschend hervor.
Florence bewegte sich einen Schritt. Sofort trat einer der Schatten näher an sie heran und sie blieb stehen.
Haythams Atem veränderte sich wieder. Connor hob kaum sichtbar eine Hand zwischen ihnen.
Noch nicht.
Auch Haytham blieb stehen.
Der Rabe krächzte hoch über uns. Ein Windstoß strich über die Felsplatte und trocknete für einen Herzschlag genau die Stelle vor meinem rechten Stiefel.
Keine göttliche Armee. Kein Donner. Nur genug, um sicher den nächsten Schritt zu setzen.
Ich tat es und hob den Kopf.
„Ich bin hier“, sagte ich.
Florence sah mich an.
Eugenes Lächeln wurde breiter. „Das sehe ich.“
Ich ließ den Blick zu Helena gleiten und wieder zurück.
„Dann lass meine Töchter los.“
Hinter ihm begann sich die Dunkelheit zu bewegen.