Boston/Virginia - Wir sind eingeschneit!
Boston/Virginia - Wir sind eingeschneit!
Hallo ihr Lieben,
der Schneesturm auf der Williams-Plantage ist im vollem Gange und schlägt
langsam allen aufs Gemüt. Bevor die Situation eskalieren kann, muss ein
bewusstloser Imhotep versorgt werden.
Damit aber nicht genug. Einmal alleine gelassen, veranstalten die Kinder ein
heilloses Chaos im Salon. Wer ist denn jetzt der Schuldige und welche Strafe
gibt es für die Verwüster?
Viel Spaß beim Lesen und ihr könnt das Ganze bald aus Sicht von Faith Cormac
in Götterdämmerung nachlesen. Zum Einlesen könnt ihr dort schon mal reinschauen.
Ein lieber Gruß
MrsHEKenway
Zitat Kapitel 8 - Boston/Virginia
Kapitel 8
~~~ Wir sind eingeschneit! ~~~
Haytham ging gemeinsam mit Edward und Florence hinunter in den Salon und ich machte mich auf den Weg zur Küche.
Da alle Angestellten gestern noch weggeschickt worden waren, mussten wir für unser leibliches Wohl selber sorgen. Nun gut, ich würde keine große Hilfe in der Küche sein. Kochen gehörte nicht zu meinen Stärken.
„Aber lass es nicht zur Gewohnheit werden, mi sol. Du gehörst nicht in die Küche.“ hörte ich meinen Templer murren, als wir in der eiskalten Eingangshalle standen.
„Ja, ich weiß. Geh jetzt und spiel mit den Kindern.“ grinste ich frech.
In der Küche stand Faith über ein Buch gebeugt am Tisch. Seit wann benötigte sie Rezepte? Ihre Gerichte schüttelte sie oft sprichwörtlich einfach aus dem Ärmel.
„Faith, brauchst du Hilfe?“ fragte ich leise nach.
Als hätte ich sie aus einem Traum geholt, sah sie mich an und lächelte dann.
„Ja mein preußisches Weib, deine Hilfe ist willkommen.“ sagte sie und legte das Buch auf den Tisch.
„Gut, was brauchen wir alles? Es ist eine Weile her, dass ich in der Küche stand und vermutlich wird das hier auch die einzige Ausnahme bleiben.“ erklären musste ich ihr diese Aussage nicht, sie wusste wie Haytham dazu stand.
Bevor wir uns gemeinsam an die Arbeit machten, gab es einen sanften Guten Morgen Kuss.
Aber ich merkte immer wieder, dass Faith nicht ganz bei der Sache war.
Und plötzlich brach sie in Tränen aus!
„Alles gut Faith, lass es raus. Ich weiß, die blöden Hormone.“ wie gut ich sie da verstehen konnte. Man hatte da wirklich viel zu nahe am Wasser gebaut, so kurz nach der Geburt. Ich nahm sie in den Arm, damit sie sich in aller Ruhe ausheulen konnte.
Langsam beruhigte sie sich wieder und wir platzierten die fertigen Speisen auf Platten und einem Tablett. Mir stieg der wohlige Duft von Kaffee schon in die Nase und gerade als ich nach meinem Becher greifen wollte, schwebte unser Frühstück aufgrund Faiths Kraft in der Luft. Im Salon angekommen, wurden wir schon erwartet.
Aber Lucius war ganz und gar nicht von diesem Servierservice angetan. Ein tadelnder Blick in ihre Richtung reichte aus.
„Essen ist fertig.“ sagte ich schnell, ehe hier die Situation noch eskalieren konnte. Eine der Platten schnappte ich mir und stellte sie auf den Tisch.
Gerade als sich die Gemüter etwas beruhigt hatten, begann Patrick zu jammern, weil er sich nicht etwas von dem Fleisch auf dem Teller nehmen durfte. Lucius Augenrollen war auf der einen Seite verständlich, aber irgendwie etwas fehl am Platze. Meine Schwester im Geiste blieb die Ruhe in Person dagegen.
„Faith, es ist ja schön, dass du gute Laune hast, aber wir haben andere Probleme. Erst die Heizung und gerade eben ist uns aufgefallen, dass die Wasserleitungen ebenfalls eingefroren ist. Draußen sind minus 40 Grad und wenn der Sturm noch lange andauert haben wir ein Problem, Tochter. Du siehst, mir ist gerade nicht nach guter Laune!“ brach es plötzlich aus Master Williams heraus!
Wütend stürmte er aus dem Salon und ließ die Tür hinter sich krachend ins Schloss fallen!
Völlig sprachlos sahen wir uns an.
Meine Schwester reichte mir ihren Sohn und ging ihrem Vater hinterher.
Ich saß für einen Moment überrumpelt auf meinem Stuhl und sah von einem Kind zum anderen.
Erst jetzt bemerkte ich, dass Haytham und Shay gar nicht hier waren.
Wo aber hatten sie sich versteckt?
Ich begann mit den Kindern zu frühstücken, was nicht so einfach war, weil sie alle verunsichert wegen des Streits waren.
„Euer Großvater beruhigt sich sicher bald wieder.“ versuchte ich sie zu beruhigen.
„So hat Opa noch nie mit Mama geschrien.“ hörte ich Cadan leise sagen.
„Manchmal hat man einfach einen schlechten Tag und kann seine Gefühle nicht richtig kontrollieren.“ sagte ich um das ganze zu erklären.
„Das ist als ob ich meine Kräfte nicht unterdrücken kann.“ sprach Edward mit vollem Mund.
„Genauso ist es. Jetzt esst in Ruhe auf und dann gehe ich nach den anderen suchen.“ ich sah zu Lady Melanie, welche gerade eingetreten war.
Mit einer nickenden Kopfbewegung deutete sie mir, dass ich ruhig gehen könne.
In der Eingangshalle sah ich die ganze Truppe plötzlich aus Richtung des Kellers kommen.
Imhotep schwebte vor Faith her und wie es aussah, war er bewusstlos.
Du meine Güte! Was war denn jetzt plötzlich geschehen.
„Meine kleine Schwester hat Kräfte eingesetzt, die … nicht nur gutes bewirken, wie du ja sehen kannst. Die Rohre der Heizung sind zwar wieder gängig, aber irgendetwas ist dabei mit Imhotep geschehen. Lass uns mit nach oben gehen und sehen, ob wir etwas tun können.“ Haytham schob mich dabei die Treppe hinter den anderen hoch.
Vor dem Zimmer des Isu blieben wir jedoch stehen, es fühlte sich nicht richtig an, einfach unaufgefordert hineinzugehen.
Plötzlich stürmte Faith an uns vorbei die Treppe hinunter. Aber auf meine Frage, was passiert sei, bekam ich keine Antwort.
„Haytham, ist … er tot?“ mir steckte dabei ein Kloß im Hals!
„Nein, schau. Er hat die Augen auf und …“ zu mehr kam mein Templer nicht.
Der vermeintlich bewusstlose Isu erhob sich etwas schwankend und ging ebenfalls wortlos an uns vorbei.
Fragend sah ich zu Lucius und Shay, aber auch sie schwiegen.
Fantastisch, warum auch eine Erklärung für diesen Vorfall bekommen.
Wütend ging ich wieder hinunter in den Salon und setzte mich zu Lady Melanie und Maggie.
„Mama, bist du jetzt auch wütend? Du bist ganz rot im Gesicht.“ fragte mein Sohn vorsichtig nach.
„Ein bisschen, ja.“ seufzte ich und sah zu den beiden Frauen am Tisch.
„Ihr wisst doch, dass es Dinge …“ begann Lady Melanie, ich ließ sie aber nicht ausreden.
„Ja ja… ich weiß. Wir dürfen alles essen, aber nicht alles wissen! Ich habe das schon verstanden.“ fauchte ich, weil ich mit einem Male meine eigenen Gefühle nicht mehr zügeln konnte. Lag es an diesem Schneesturm, welcher so auf das Gemüt schlug?
„Dann ist es ja gut.“ Faiths Großmutter sah mich dabei säuerlich an und verließ den Salon mit Maggie. Anna musste gewickelt werden nahm ich an.
Ich selber ging auf die Suche nach meinem Mann um mich bei ihm auszuheulen.
Er stand an einem der Fenster beim Eingang und starrte hinaus!
„Alex, du hast gerade mal wieder ein Benehmen gezeigt, was … mir fehlen die Worte.“ hörte ich ihn tadelnd sagen. Dieser Mann hatte verdammt gute Ohren, fast schon wie sein Vater.
„Es tut mir leid, aber es nervt mich nun mal wahnsinnig, wenn wir angeschwiegen werden. So als wären wir kleine Kinder.“ seufzte ich und lehnte meinen Kopf an seinen Rücken.
„Entschuldige dich nachher bei Lady Melanie! Das ist das mindeste was du tun solltest. Wir sind schließlich hier zu Gast…“ gerade als er noch weiter ausholen wollte, brach im Salon riesiges Geschrei und Gepolter aus.
Die Kinder! Sie waren ohne Aufsicht dort alleine geblieben! Verdammte Axt!
Schnell eilten wir zur Tür, als wir auch schon das größte Chaos im Raum vorfanden.
Der Boden war übersät mit Federn, das Essen lag ebenfalls dort verstreut herum und die Kinder standen völlig außer Atem mitten im Salon!
Die Blicke gingen von einem zum anderen und erst jetzt bemerkte ich, dass auch Faith, Shay, Lucius und Imhotep wieder hier waren.
Bevor Haytham oder ich die Wüstlinge befragen konnten, übernahm Faiths Vater das Wort.
„Warum?“ mehr fragte er die Rasselbande nicht.
J uly hob den Kopf und sah ihm fest in die Augen.
„Das war Paddy!“
Wie bitte? Er alleine war das ganz bestimmt nicht, aber Edward schwieg mit gesenktem Kopf, genauso wie Florence mit zitternden Lippen neben ihrem Bruder stand.
„Junge Dame, ich habe dir nicht beigebracht zu lügen. Als wenn dein kleiner Bruder so was hier Zustande bringen kann . Er kann nicht mal richtig sprechen und auch so traue ich ihm das noch nicht zu.“ diese Enttäuschung in Lucius´ Stimme war kaum zu überhören.
„Aber es war Paddy, Opa. Er ist auf den Tisch gekl e ttert und ich wollte ihn runter nehmen, aber er hat gebockt und sich gewehrt, dabei ist das Brot und die Butter auf den Boden gefallen. Ich kann ja nichts dafür, da s s ihr Erwachsenen solang e vor dem Frühstück rumtrödelt.“ sagte sie trotzig.
„Gut, das erklärt das Essen auf de m Boden, aber d as zerstör t e Kissen, die umgestü r zten Stühle und das ganze restlich e Chaos junge Dame, wie erklärt ihr mir das?“
July hob ihren Kopf noch ein Stück weiter, blickte nach links, dann nach rechts zu ihren Geschwistern, ihrem Cousin und ihrer Cousine.
„Ganz einfach Master Williams, wir haben brav gespielt, mit den Bausteinen dort hinten in der Ecke, wie ihr euch gerne überzeugen könnt, als plötzlich Morrigan aufgetaucht ist. Dort hinten liegt sie am Feuer. Florence und Edward haben sich erschrocken, dass sie gegen das kleine Tischchen mit der Vase gesprungen sind. Leider ist dieses edle Kunstwerk dabei zu Bruch gegangen. Sah eh nicht so toll aus, viel zu komisch.“
Ich konnte mir bei diesen Worten ein leises Glucksen nicht verkneifen. Haytham hingegen war noch immer entsetzt über das Verhalten seiner Kinder.
„Und was ist dann passiert?“ hakte Lucius weiter nach.
„Durch den Aufprall der Vase hat sich Paddy erschrocken und er ist zu Morrigan gerannt. Leider ist er dabei auf ihren Schwanz getreten. Unsere wundervolle Wölfin war tapfer, hat nicht mal geheult, aber leider hat sie das große Kissen vor Schmerz zerbissen. So gelangten die Federn in den ganzen Raum. Danach wollten wir schnell aufräumen, aber Paddy wollte auf Morrigan reiten und na ja. Es war nur eine kleine Runde. Cadan und ich waren leider nicht so schnell wie wir dachten, Master Williams und so ist das restliche Zimmer verwüstet worden. Es tut mir unendlich leid, ich stehe für meinen kleinen unwissenden Bruder ein und werde jede Strafe akzeptieren, die ihr mit auferlegt.“ immer noch stand sie mit hocherhobenem Kopf vor ihrem Großvater und sah ihm in die Augen.
„So war das also, aber wenn ich eurer Geschichte glauben schenken soll, wo ist die werte Morrigan jetzt?“ suchend sah sich Lucius hier um.
„Sie ist…..die hat sich aus den Staub gemacht!“ schrie July wütend.
„Dort bei Papa!“ knurrte sie und deutete auf eine Maus, die auf Shays Schulter saß.
„Ist das wahr?“ wollte er von der Göttin wissen. Kurz leuchteten die Augen des Tieres golden, dann sprang sie von seiner Schulter und war wieder ein Wolf. Sie ging zu July, setzte sich neben sie und schleckte Paddy einmal quer über sein Gesicht. Es war wie die Verbindung von Walka und Edward, ging es mir lächelnd durch den Kopf.
„Ihr fünf werdet jetzt mit mir aufräumen und dann Essen wir endlich. Ist diese Strafe für dich in Ordnung, Haytham?“ fragte Faiths Vater.
Mein Templer sah zu unseren Kindern, dann wieder zu Lucius und nickte stumm. Unsere beiden würden nicht so glimpflich davon kommen. Aber hier und jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt und Ort.
Nachdem der restliche Tag friedlicher verlief, beschlossen wir, diese Nacht alle gemeinsam im Salon zu verbringen. So sparte man Feuerholz und wir konnten uns gegenseitig Wärme spenden. Minus 40 Grad war jetzt auch keine Temperatur, die man mal eben so abhakt. Der Frost kroch einem in die Knochen, auch wenn man sich dick eingepackt hatte.
Die Kinder waren begeistert von dieser Idee und halfen tatkräftig mit, ihre Nachtlager aufzuschlagen.
Cadan und Edward wollten sich einen Schlafplatz teilen, so konnten sie auch etwas mehr Ruhe finden.
Alle anderen Kinder verteilten sich entsprechend auf die Erwachsenen.
Das Abendessen bestand aus einer unglaublich leckeren Kartoffelsuppe die Faith – nicht wortwörtlich natürlich – gezaubert hatte.
Satt und zufrieden kuschelten wir uns alle in die Decken.
Florence lag zwischen mir und Haytham.
Sein Blick wanderte noch einmal zu Edward, welcher sich leise flüsternd mit Cadan unterhielt.
„Sei nicht mehr sauer, mi amor. Niemand ist zu schaden gekommen und du hast July gehört, die Vase war wohl nicht so hübsch.“ kicherte ich leise.
Er atmete tief aus, legte seinen Arm um unsere Tochter und mich und wünschte leise eine gute Nacht.