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Die Töchter Des Batman — www.fanfiktion.de · All chapters

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Ein halbes Jahr war vergangen, seit Cassandra in Wayne Manor eingezogen war. Bruce hatte sie offiziell adoptiert, und so wurde sie zu Cassandra Wayne. Dank Barbaras unendlicher Geduld konnte sie inzwischen langsam sprechen. Anfangs waren es nur einzelne Wörter gewesen, dann kurze Sätze. Doch allen war klar, dass Cass noch einen weiten Weg vor sich hatte.

Cassandra hatte ein eigenes Zimmer in Wayne Manor bekommen, das sie nach ihren eigenen Wünschen eingerichtet hatte. Wenn offizielle Anlässe im Herrenhaus stattfanden, zog sie sich meistens dorthin zurück und blieb auf ihrem Zimmer, bis die Feierlichkeiten beendet waren – sie mochte große Menschenmengen einfach nicht. An Bruces und Tims „Nebenjob“ hatte sie bis jetzt noch keinerlei Interesse gezeigt. Stattdessen hielt Cass weiterhin engen Kontakt zu Dr. Leslie Thompkins. Sie setzte sich immer wieder auf ihre mattschwarze Kawasaki Ninja ZX-10R und fuhr in die Stadt, um sie in der Klinik zu besuchen.

Doch dann kam der Tag, der alles ändern sollte.

Es begann damit, dass Bruce als Schirmherr einen großen Wohltätigkeitsball veranstaltete, um Spenden für die Rettung des Regenwaldes zu sammeln. Cassandra war zu Hause geblieben. Sie wollte sich gerade einen der alten Ninja-Filme ansehen, als das laufende Programm plötzlich von einer Sondersendung mit der Reporterin Summer Gleeson unterbrochen wurde.

„Hier spricht Summer Gleeson live vor dem Gothamer Palmengarten, in dem es vor wenigen Minuten zu einer bewaffneten Geiselnahme gekommen ist“, berichtete die Journalistin sichtlich nervös in die Kamera. „Bei den Täterinnen handelt es sich um die berüchtigten Superschurkinnen Poison Ivy und Harley Quinn. Unter den Geiseln im Inneren befinden sich neben Bürgermeister Hill auch der Milliardär und Playboy Bruce Wayne. Commissioner Gordon ist bereits mit einem Großaufgebot vor Ort, um die Verhandlungen zu übernehmen. Was die Situation besonders brisant macht: Auch seine Tochter Barbara Gordon befindet sich unter den Geiseln im Gebäude. Wir melden uns wieder, sobald es Neuigkeiten gibt.“

Cassandra trat an das große Fenster des Wohnzimmers. Draußen, im verregneten Nachthimmel über den Dächern von Gotham, leuchtete das Batsignal auf. Sie schaute zurück zum Fernseher und ein einziger, messerscharfer Gedanke schoss ihr durch den Kopf: Er wird nicht kommen. Batman konnte der Stadt heute Nacht nicht helfen, weil er selbst gefangen war. Außer...

Cassandra zögerte keine Sekunde. Sie rannte los, stürzte in die Bibliothek und öffnete den Geheimgang hinab in die Bathöhle. Unten angekommen, sprintete sie sofort zur Steuerkonsole, die kontrollierte, welche Fahrzeuge auf die hydraulische Plattform hochgefahren wurden. Ihre Finger flogen über die Tasten – sie entschied sich für eines der Batcycles. Als die schwere Maschine zischend auf die Plattform gehoben wurde, griff sie sich einen Helm, schwang sich auf das Bike und raste in den Tunnel. Per Knopfdruck am Lenker öffnete sich das versteckte Tor, die felsige Zugbrücke klappte nach unten und das Batcycle schoss hinaus in die Nacht.

Ihr Ziel war ein altes, verlassenes Lagerhaus am Gothamer Hafen. Sie parkte das Bike im Verborgenen, schlich sich lautlos ins Innere des Gebäudes und öffnete eine lose Bodendiele im staubigen Holz.

Dort lag er: Ihr alter Assassinen-Anzug. Ein Gewand, das sie sich geschworen hatte, nie wieder anzuziehen.

Mit entschlossenen Bewegungen schlüpfte sie in die eng anliegende Kampfkluft. Die integrierten Handschuhe ließen ihre Finger frei; aus was für einem High-Tech-Material sie gefertigt waren, hatte Cass nie erfahren. Ihre Unterarme wurden von gepanzerten Armschienen beschützt, genau wie ihre Schultern und ihre Brust. Entlang der Rüstungsplatten verliefen die unverkennbaren, gold-gelben Linien.

Schließlich legte sie die komplett gesichtslose, stumme Haubenmaske an und zog die tiefe Kapuze über den Kopf. Als Letztes schnallte sie sich ihren alten Attentäter-Gürtel um, an dem sich Rauchbomben und unzählige Wurfsterne befanden. Sie griff nach ihrem Katana und befestigte die Scheide diagonal hinter ihrem Rücken.

Sie war bereit. Ein letzter, mühsam geformter Gedanke ging ihr durch den Kopf, der zu ihrem neuen Schwur wurde:

„Nicht töten. Leben retten. Meine Familie retten.“

Draußen vor dem Palmengarten hallte die Stimme von Jim Gordon durch ein Megafon: „Hier spricht Commissioner Gordon! Das Gebäude ist umstellt! Ergeben Sie sich und lassen Sie die Geiseln frei!“

Drinnen war die Aktion perfekt verlaufen – das musste Bruce zähneknirschend zugeben. Poison Ivy und Harley Quinn hatten alles minutiös geplant. Erst hatte Ivy die Sicherheitskräfte, die für den Schutz der wohlhabenden Gäste verantwortlich waren, mit ihren Pheromonen unter ihre absolute Kontrolle gebracht. Dann trieben die willenlosen Wachen die feine Gesellschaft in Richtung der riesigen, exotischen Gewächse. Und nun saßen Bruce und alle anderen Gäste in den dicken, mutierten Ranken fest, die sich wie Schlangen um sie gewickelt hatten.

„Das können Sie mit mir nicht machen! Ich bin der Bürgermeister!“, rief Bürgermeister Hill mit rotem Kopf und versuchte vergeblich, sich aus den Fesseln zu winden.

Ivy stand in ihrem grünen Body und den kniehohen Stiefeln auf einer Empore. Sie sah aus wie die fleischgewordene Verkörperung der Verführung. Direkt neben ihr stand Harley Quinn in ihrem engen, rot-schwarzen Narrenkostüm. Bruce zermarterte sich das Gehirn, wie er hier herauskommen sollte, ohne seine Identität als Batman zu verraten. Doch ihm fiel kein Ausweg ein. Selbst Barbara, die ein paar Meter weiter in den Lianen feststeckte, sah im Moment keine Möglichkeit zur Flucht. Bruce wusste, dass ihm nur eines übrig blieb: Zeit schinden.

„Warum tun Sie das, Pamela?“, rief Bruce mit der verängstigten Stimme des Playboys nach oben. „Diese Wohltätigkeitsveranstaltung tut doch genau das, was Sie wollen! Wir sammeln Geld für den Schutz des Regenwaldes!“

Ivys schönes Gesicht verzog sich voller Verachtung, als sie auf ihn herabblickte.

„Und wie viele Arten verschwinden für immer, während Sie und Ihre Freunde hier Champagner schlürfen?“, fauchte Ivy wütend. „Sie und Ihresgleichen sind für die Zerstörung dieser Erde verantwortlich. Und das gehört bestraft!“

„Und außerdem wollten wir die Spendengelder klauen!“, rief Harley fröhlich dazwischen und schwang ihren riesigen Holzhammer.

Ivy warf ihrer Freundin und Partnerin einen finsteren, genervten Blick von der Seite zu. Sie atmete tief durch, bemühte sich um Fassung und fügte hinzu: „Ja... wir wollten die Spendengelder auch klauen.“

In diesem exakten Moment explodierte mit einem ohrenbetäubenden Klirren die gläserne Kuppel des Palmengartens. Eine tiefschwarze, gesichtslose Gestalt brach durch das Dach und landete in einer perfekten Hocke mitten vor ihnen auf dem Boden.

„Wer ist denn der Kerl im Schlafanzug?“, fragte Harley verwundert und legte den Kopf schief.

„Das ist kein Er, sondern eine Sie“, korrigierte Ivy, während sich ihre Augen wütend verengten. „Jungs! Macht sie fertig!“

„Für Ivy!“, riefen die hypnotisierten Sicherheitskräfte im Chor. Sie rissen ihre Pistolen hoch und zielten auf die Eindringling. Doch die schwarze Gestalt war schneller. Mit einer fließenden Bewegung schleuderte sie mehrere Wurfsterne durch den Raum, die den Wachen mit chirurgischer Präzision die Waffen aus den Händen schlugen.

Als sich die restlichen Leibwächter im Nahkampf auf ihre neue Gegnerin stürzten, schaltete diese sie mühelos und mit atemberaubender Geschwindigkeit aus. Jeder Schlag saß, jeder Hebel wirkte – innerhalb von Sekunden lagen die Angreifer bewusstlos am Boden, ohne schwer verletzt zu sein.

„Bruce... wer ist das?“, flusterte Barbara geschockt in ihren Fesseln.

„Das ist Cass“, flüsterte Bruce kaum hörbar zurück.

Als Barbara das begriff, wurde sie kreidebleich vor Sorge.

„Platz da, jetzt komm ich!“, schrie Harley Quinn und rannte mit erhobenem Holzhammer auf Cass zu. Doch noch bevor sie den Schlag ausführen konnte, blitzte die Klinge von Cass' Katana im fahlen Licht auf. Mit einer einzigen, blitzschnellen Bewegung schnitt sie den schweren Hammerkopf sauber ab. Harley wirbelte herum, stoppte abrupt und starrte fassungslos auf den leeren Holzstiel in ihrer Hand.

Bevor Harley überhaupt begreifen konnte, wie ihr geschah, traf Cass' Faust sie präzise am Kinn und schickte sie direkt ins Land der Träume.

„Harley!“, kreischte Ivy vor Wut. Sie hob die Arme und ließ eine Welle von dicken, peitschenden Ranken auf Cass los.

Doch Cass wirbelte wie ein Schatten durch das Grün. Ihr Katana schnitt sich durch die feindlichen Lianen wie durch weiche Butter. Als zwei riesige Hauptranken gleichzeitig auf sie zuschnellten, teilte sie ihr Katana mit einem geschickten Griff in zwei Hälften und zerlegte die Pflanzen im Flug in handliche Stücke.

Unaufhaltsam kämpfte sich Cass durch das Dickicht, bis sie direkt vor Poison Ivy stand. Mit einer fließenden Bewegung steckte sie ihre Waffen zurück auf den Rücken. Ivy geriet in Panik, zielte mit ihrer Handgelenksarmbrust auf Cass' Gesicht und drückte ab. Doch Cass hob einfach die Hand und fing den rasenden Giftpfeil mit bloßen Fingern mitten in der Luft ab. Bevor Ivy reagieren konnte, versetzte Cass ihr einen kraftvollen Tritt gegen die Brust, der die Schurkin elegant, aber endgültig außer Gefecht setzte.

In diesem Moment stürmten Commissioner Gordon und seine schwer bewaffnete Einsatztruppe durch die Haupttore des Palmengartens. Sie stoppten abrupt, als sie die verheerende Zerstörung und die maskierte Gestalt in der Mitte des Raumes sahen. Doch bevor ein Cop eine Waffe heben konnte, warf Cass eine Rauchbombe auf den Boden. Eine dichte, graue Wolke hüllte alles ein – und als der Wind den Rauch Sekunden später verwehte, war die Retterin spurlos verschwunden.

Einige Zeit später fuhr das Batcycle mit leisem Summen durch den geheimen Eingang der Bathöhle. Cass stellte die Maschine ab, nahm den Helm ab und und ihre Maske sah Bruce, der bereits wieder in seinem großen Sessel vor dem Computer saß und auf sie wartete. Sie ging langsam auf ihn zu, bis sie direkt vor ihm stand.

Das Gesicht des Dunklen Ritters war völlig unergründlich.

So viele Worte gingen Cassandra in diesem Moment durch den Kopf. So viele Dinge, die sie ihm sagen wollte. Sie wusste nun, dass ihre Fähigkeiten damals für das Schlechte missbraucht worden waren. Aber heute Nacht hatte sie begriffen, dass man diese Kraft auch für etwas Gutes nutzen konnte: Um Menschen zu beschützen und das Verbrechen zu bekämpfen.

So viele Worte. Cass schloss für eine Sekunde die Augen, atmete tief durch, konzentrierte ihre gesamte Willenskraft auf ihr Sprachzentrum und sagte schließlich klar und deutlich:

„Ich... möchte helfen.“

Als sie die Augen wieder öffnete, stand Bruce bereits direkt neben ihr. Seine Miene war weich geworden. Er reichte ihr keine Vorwürfe, sondern legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter.

„Ich habe dieses Leben nie für dich gewollt, Cassandra“, sagte Batman leise, aber mit tiefer Anerkennung in der Stimme. „Aber wenn das deine eigene Entscheidung ist... werde ich sie akzeptieren.“

Entscheidungen. Das war es, was Barbara ihr in den letzten Monaten beigebracht hatte. Sie war keine programmierte Waffe der Liga. Sie war ein Mensch, der eigene Entscheidungen treffen durfte. Und in diesem Moment fühlte sich alles einfach absolut richtig an.

„Mein Vertrauen ist heilig, Cassandra. Enttäusche es nicht“, fügte Bruce ernst hinzu, doch ein stolzes Funkeln lag in seinen Augen. „Aber du hast das Herz am rechten Fleck. Du wirst allerdings einen Codenamen brauchen, wenn du da draußen für uns kämpfst.“

Cassandra blickte zu ihm auf. Die Narben um ihr linkes Auge schimmerten im Licht der Monitore. Sie dachte an ihre Einsamkeit, an ihre Flucht und an das neue Zuhause, das sie hier gefunden hatte.

„Orphan“, sagte sie fest.

„Dann willkommen im Team... Orphan“, erwiderte Batman mit einem seltenen, warmen Lächeln.

Und zum allerersten Mal in ihrem Leben fühlte sich Cassandra Wayne als echter, unumstößlicher Teil einer Familie.