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Es war kurz nach Mitternacht. Ein schwer gepanzerter Geldtransporter der Gothamer Zentralbank fuhr einsam durch die nebligen, nassen Straßen des Industriebezirks. Die beiden Wachleute im Cockpit fühlten sich absolut sicher. Der Transporter war eine rollende Festung – bis sie eine stillgelegte Kreuzung unter den alten Hochbahngleisen erreichten.
Plötzlich zerschnitt das synchronisierte, kreischende Aufheulen von Hochleistungsmotoren die Stille.
Aus den dunklen Seitengassen schossen vier identische, mattschwarze Sportmotorräder. Die Fahrer trugen einheitliche, dunkelviolette Rennlederkombis und Integralhelme mit komplett verspiegelten Visieren – sie wirkten wie eine anonyme, perfekt koordinierte Spezialeinheit auf zwei Rädern.
Bevor der Fahrer des Geldtransporters reagieren konnte, scherte das vorderste Motorrad vor ihm ein. Am Heck der Maschine war ein klobiges, technisches Gerät montiert. Ein greller, neongrüner Blitz zuckte kurz auf – ein gezielter EMP-Impuls.
Auf einen Schlag erloschen die Scheinwerfer des Geldtransporters. Der Motor starb ab, die elektronischen Bremsen blockierten mit einem lauten Quietschen, und das schwere Fahrzeug schlitterte manövrierunfähig mitten auf der Kreuzung zum Stehen. Sogar das Funkgerät der Wachleute gab nur noch totes Rauschen von sich. Sie waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten.
Die vier Motorräder umzingelten den Transporter im Bruchteil einer Sekunde und stellten ihre Maschinen auf die Ständer. Jede Bewegung saß mit militärischer Präzision. Sie verschwendeten keine Zeit mit Schreien oder Drohungen.
Zwei der Männer sprangen mit einem lautlosen Hechtsprung auf das Dach des Transporters, während der dritte eine kompakte, hochmoderne Laserschneid-Apparatur aus seiner Satteltasche zog. Er feuerte das Gerät ab: Ein gleißend blauer Strahl fraß sich mit einem leisen, zischenden Geräusch in Sekundenschnelle durch die schweren Scharniere der Panzertüren. Funken sprühten auf den nassen Asphalt.
Mit einem dumpfen Klank flogen die Türen auf. Der vierte Mann, der die gesamte Operation stumm überwacht hatte, trat vor. Er war der Anführer. Er trug einen modifizierten Motorradanzug aus rotem Leder, darüber eine Mundmaske und eine Brille, deren Rahmen zu den Buchstaben C und M geformt war. Seine langen, blonden Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden. Auf seinem Helm prangte dasselbe Logo aus den Lettern M und C, und am Rand des Visiers stand sein Name: Cluemaster. Er deutete mit einer knappen Geste auf die schweren Geldsäcke.
Innerhalb von nur zwei Minuten luden die Männer die Beute in die verstärkten Satteltaschen ihrer Rennmaschinen um. Es wurde kein einziger Schuss abgefeuert. Es gab keine Verletzten. Es war der perfekte, saubere Raubzug einer absoluten Profi-Bande.
Bevor Cluemaster auf seine Maschine stieg, ging er langsam zum Cockpitfenster, hinter dem die beiden Wachleute ihn fassungslos anstarrten. Mit einer fast schon theatralischen Geste zog er eine kleine, edle Plastikkarte aus der Tasche und klebte sie mit einem Saugnapf von außen an die Windschutzscheibe. Auf der Karte war ein komplexes, geometrisches Rätsel abgedruckt. Es war seine Visitenkarte.
Mit einem lauten Aufheulen starteten die Triebwerke der vier Ducati-Maschinen. Sie legten sich tief in die Kurve, schossen im Zickzack-Kurs durch die engen Pfeiler der Hochbahn und verschwanden wie Geister im dichten Nebel von Gotham, noch bevor der erste Polizeiwagen auch nur in die Nähe des Tatorts kommen konnte.
Einige Stunden später war der Tatort voller Polizisten und Tatortermittler, die alles auf den Kopf stellten. Commissioner Jim Gordon duckte sich unter dem Absperrband hindurch und ging auf seinen besten Mann zu. Detektiv Harvey Bullock trug einen langen, abgetragenen Mantel und ein schlecht sitzendes Hemd, das voller Kaffee-, Fett- und Schokoladenflecken war, was seinen dicken Bauch nur noch mehr betonte.
„Abend, Commissioner“, sagte er, als er seinen Vorgesetzten sah.
„Was haben wir, Harvey?“, fragte dieser.
„Dasselbe Vorgehen wie immer, derselbe Scheiß seit zwei Wochen. Und immer noch keine Spur von diesen Freaks“, grollte Bullock frustriert.
Gordon konnte Harveys Frust nur zu gut nachfühlen. Der Bürgermeister und der Stadtrat machten ihm jetzt schon die Hölle heiß, diesen Fall endlich zu lösen.
„Und sie haben wieder ein Rätsel hinterlassen“, meldete sich Renee Montoya zu Wort. Sie hielt eine Plastiktüte mit einem Umschlag in der Hand. „Das haben wir im Cockpit des Transporters gefunden.“
Sie übergab das Beweismittel dem Commissioner. Gordon nahm den Umschlag entgegen, schaute sich kurz um und entdeckte im tiefen Schatten einer angrenzenden Seitengasse zwei vertraute, weiße Augenschlitze.
Jim räusperte sich. „Entschuldigt mich kurz, Jungs.“
Der Commissioner drehte sich um und ging tiefer in die dunkle Gasse hinein.
„Guten Abend, Jim“, schnitt eine tiefe, vertraute Stimme durch die kühle Nachtluft.
Gordon stand dem Dunklen Ritter gegenüber.
„Ich wünschte, Sie würden das lassen“, sagte Gordon mit einem matten Lächeln und schüttelte den Kopf.
„Was haben Sie herausgefunden?“, fragte die maskierte Gestalt.
„Dasselbe Vorgehen wie bei den letzten Malen. Alles bis auf die letzte Minute ausgeklügelt. Wieder hochmotorisierte Fahrzeuge. Und seit Neuestem hinterlassen unsere Täter Rätsel.“
„Rätsel?“, fragte Batman nachdenklich.
Gordon öffnete den Umschlag und las vor:
„Ich habe keinen Anfang, ich habe kein Ende. Ich teile den Kuchen, doch bleibe die Wende. Multiplizierst du mich mit jedem Genie der Stadt, bleibt das Ergebnis so leer wie dieses Blatt. Was bin ich – und wo schlage ich als Nächstes zu?“
„Glauben Sie, dass unser rätselliebender Freund zurück ist?“, fragte Gordon besorgt.
„Nein. Edward Nygma sitzt immer noch sicher in seiner Zelle in Arkham“, erwiderte Batman kühl. „Aber ich werde mich darum kümmern.“
„Und da ist noch etwas Merkwürdiges passiert, Jim“, fügte der Commissioner hinzu. „Wir erhielten kurz vor dem Zugriff eine anonyme E-Mail, die uns vor dem exakten Überfall gewarnt hat. Wir haben sie zuerst für einen Scherz gehalten und ignoriert... aber jetzt frage ich mich, ob wir diese Nachrichten ernst nehmen sollten.“
Gordon wandte sich kurz um, um zu seinen Männern zurückzukehren, als ihm noch etwas einfiel. „Halten Sie meine Männer auf jeden Fall auf dem Lau...“
Er drehte sich wieder um, doch der Dunkle Ritter war bereits spurlos im Nebel verschwunden.