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Kapitel 3 – Der Junge aus Gray Terminal

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Kapitel 3 – Der Junge aus Gray Terminal

Vela · Mt. Colubo

„Dein Schiff fährt falsch herum“, sagte Vela, während sie am Bachufer neben Ace herrannte. Sie musste über eine Wurzel springen, um mit ihrem Rindenschiffchen auf gleicher Höhe zu bleiben, und landete mit einem Fuß im Wasser. Das machte nichts. Ihr Schiff hatte ein Segel, einen besonders geraden Mast und einen Vorsprung, der mindestens bis zum großen Stein reichen würde. Aces Rindenstück drehte sich dagegen gemächlich im Kreis. Er hatte behauptet, es brauche keinen Mast, weil dann auch keiner umfallen könne. Jetzt sah es aus, als wüsste sein Schiff nicht einmal, wo vorne war.

„Das macht es mit Absicht.“ Ace überholte sie an einem Brombeerbusch und fegte mit seinem Stock einen Zweig aus der Strömung. „Es passt auf, dass du nicht schummelst.“ Vela wollte ihm gerade erklären, dass sein Schiff vor lauter Aufpassen gar nicht vorwärtskam, als ihre eigene Rinde gegen einen Stein stieß. Das Segel knickte um, der Mast tauchte ins Wasser, und Aces Boot trieb mit der nächsten Welle an ihr vorbei. Sein Freudengebrüll scheuchte einen Vogel aus dem Gebüsch. „Siehst du? Gewonnen!“

„Wir sind noch gar nicht da!“ Sie versuchte, den Mast mit einem Zweig aufzurichten, erreichte jedoch nur, dass ihr Schiff sich querstellte. Ace war schon weitergelaufen. Vela ließ den Zweig fallen und jagte hinter ihm her, während ihr Segelboot endlich freikam und mit bedenklicher Schlagseite die Verfolgung aufnahm. Seit Garps letztem Besuch hatten sie mehrmals versucht, einen Hindernislauf zu bauen, der genauso gut war wie seiner. Dabei waren ihnen die Stoffstreifen ausgegangen, dann Dadans Geduld und schließlich die Lust, immer dieselben Baumstämme zu überspringen. Heute würden sie zur Abwechslung herausfinden, wessen Schiff zuerst das Meer erreichte. Dass sie gar nicht wussten, ob dieser Bach zum Meer führte, hatte Ace nicht als Schwierigkeit gelten lassen.

An der gespaltenen Weide geriet sein Boot in einen Strudel. Vela blieb sofort stehen und stemmte die Hände in die Hüften. „Das wartet auf meins. Weil es Angst hat.“ Ace stieg auf einen flachen Stein, um seine Rinde wieder anzustoßen. Dabei entdeckte er zwischen den Wurzeln einen schmalen Durchlass, durch den das Wasser hinter einem dichten Vorhang aus Farnen verschwand. Dahinter ging es weiter bergab. Vela war noch nie dort gewesen; normalerweise bogen sie an der Weide ab und kamen auf einen ihrer Jagdpfade zurück. Ausgerechnet jetzt löste sich Aces Boot aus dem Strudel und glitt durch die Lücke. Als ihr eigenes hinterhertrieb, griff sie nach Aces Ärmel. „Die hauen ab!“

Hinter den Farnen war das Ufer steiler und der Boden so weich, dass sie sich stellenweise an Ästen festhalten mussten. Sie verloren ihre Schiffe zweimal aus den Augen und fanden sie beide Male weiter unten wieder. Als Ace vorschlug, aufzugeben, weil Velas Segel ohnehin kaputt sei, saß seine eigene Rinde gerade unter einer Wurzel fest. Vela wies darauf hin, und er beschloss, dass sie selbstverständlich weiterliefen. Erst als der Bach breiter wurde und zwischen zerbrochenen Dachziegeln hindurchrann, stieg ihr der Geruch von nassem Stoff und altem Essen in die Nase. Dazu kam etwas Verbranntes, das ihr beim Einatmen im Hals kratzte. Sie blieb stehen. Ace hatte ebenfalls aufgehört, nach seinem Boot zu suchen.

Hinter den letzten Bäumen erhoben sich Berge aus Dingen, die nicht aufeinandergehörten: Ein Bettgestell steckte in einem Haufen schwarzer Säcke, über verbeulten Fässern lag ein Stück Dach, und aus dem Fenster eines schiefen Häuschens ragte ein Ofenrohr, das fast länger war als das Haus. Dünner Rauch hing zwischen den Hügeln. Weiter hinten stand eine Mauer, so hoch, dass Vela den Kopf in den Nacken legen musste, um ihren oberen Rand zu sehen. Aus dieser Richtung rumpelte ein Wagen heran. Sie hörte Männer rufen und irgendwo einen Hammer, der immer wieder auf Metall schlug.

„Ist das Gray Terminal?“, fragte sie. Ace kratzte mit seinem Stock zwischen zwei Ziegeln im Bach. „Glaub schon.“ Dadan hatte den Namen schon öfter gebraucht, meistens zusammen mit der Aufforderung, dort gefälligst wegzubleiben. Vela entdeckte ihr Segel an einem Gitter, unter dem das Wasser in die Müllberge floss. Die Rinde war verschwunden. Sie zog das nasse Blatt zwischen den Stäben hervor, betrachtete den abgebrochenen Stiel und warf es wieder weg. „Deins ist auch kaputt“, stellte sie vorsichtshalber fest. Ace schob seinen Stock durch das Gitter, kam damit aber nicht weit genug. Schließlich ließ er es bleiben. „Wir können bessere bauen. Hier liegt ja alles rum.“

Vela fand zuerst einen Löffel ohne Stiel und dann ein Rad. Das hätte sie gern mitgenommen, doch es steckte unter einem Schrank fest. Der schmale Pfad zwischen den Schrottbergen sah aus, als wären schon viele Menschen darübergegangen. Sie folgten ihm bis zu einem umgedrehten Boot, unter dessen aufgebocktem Rumpf jemand Wäsche aufgehängt hatte. Vor einem niedrigen Verschlag saß eine Frau und nähte eine Schuhsohle fest. Als Vela auf ein glänzendes Blech steigen wollte, hielt sie kurz mit der Arbeit inne. „Daneben, Kleine. Da drunter ist ein Loch.“ Vela zog den Fuß zurück. Durch einen Riss im Metall konnte sie nun tatsächlich dunkles Wasser sehen. „Woher weißt du das?“ Die Frau zog den Faden durch das Leder. „Weil gestern einer reingefallen ist.“

Ace zupfte an Velas Hemd, bevor sie fragen konnte, ob derjenige wieder herausgekommen war. Der Wagen von der Mauer rollte auf einen freien Platz zu. Kaum hatten die Männer begonnen, seine Ladung abzukippen, liefen mehrere Menschen heran. Ein kleiner Junge zog einen Sack aus dem Haufen; eine Frau mit einem Säugling auf dem Rücken hob etwas auf, das wie ein Brot aussah. Einer der Männer fluchte und scheuchte sie mit einer langen Stange vom Rad fort. Vela konnte nicht erkennen, weshalb er so wütend war. Er hatte die Sachen doch gerade erst weggeworfen. Zwischen den Säcken kullerten Äpfel über den Boden, von denen einige nur auf einer Seite braun waren. Zu Hause hätte Dadan die schlechte Stelle herausgeschnitten.

„Die könnte man noch essen“, sagte sie. Ace sah zu den Äpfeln hinüber, doch ein Mann in einer offenen braunen Weste versperrte ihnen den Weg. Er war nicht wegen der Kinder gekommen. Vor ihm stand ein dünner alter Mann mit einem Bündel Metallteile, das er so fest umklammerte, dass seine Knöchel weiß hervortraten. „Ich hab dir gestern schon was gegeben“, sagte der Alte. Der Mann in der Weste hielt ihm nur die Hand hin. Neben ihm lehnte ein Kahlkopf an einem Pfosten und kaute auf einem Halm. Schließlich legte der Alte zwei Münzen in die ausgestreckte Hand. Eine davon fiel zu Boden. Vela machte unwillkürlich einen Schritt vorwärts, aber Ace hielt sie am Hemd fest. „Lass.“

Der Mann hob die Münze selbst auf und stopfte beide in einen Beutel an seinem Gürtel. Als er sich wieder aufrichtete, sah Vela hinter ihm einen Hut über den Rand einer Kiste wandern. Er war schwarz und ziemlich hoch; über dem Hutband saß eine große Schutzbrille. Der blonde Junge darunter wirkte kaum größer als Ace. Er hielt eine kurze Eisenstange unter dem Arm und tat so, als suche er zwischen den Kisten nach etwas. Dann verschwand seine Hand neben der Weste. Vela sah gerade noch, wie seine Finger an der Schnur des Geldbeutels arbeiteten. Sie stieß Ace mit dem Ellenbogen an, doch der hatte den Jungen ebenfalls entdeckt.

Es ging so schnell, dass der Mann nichts bemerkte. Er war damit beschäftigt, dem Alten hinterherzurufen, während der Blonde den Beutel bereits in seiner Jacke verschwinden ließ. Im Vorbeigehen fing er Velas Blick auf und legte einen Finger an die Lippen. Sie presste ihre sofort zusammen. Der Junge schlüpfte zwischen einer Kiste und einem Gestell voller verbogener Pfannen hindurch, genau in den Durchgang, in dem sie und Ace standen. „Weg da“, flüsterte er. Ace machte sich kein bisschen schmaler. „Du kannst auch fragen.“ Der Junge versuchte, sich an ihm vorbeizuschieben. „Nicht jetzt.“ Vela wich zur Seite, stieß dabei jedoch gegen das Pfannengestell. Es schwankte, und Ace griff instinktiv nach einem der eisernen Griffe.

Die Pfanne blieb am Gestell hängen, doch Ace bekam seinen Ärmel nicht frei. Als er ihn losriss, schlug das ganze Gestell gegen die Kiste. Der Junge wich zurück, streifte dabei einen herausstehenden Nagel, und plötzlich klirrten Münzen zwischen ihren Füßen. Der Nagel hatte die Jackentasche samt dem Geldbeutel darin aufgerissen. Er presste die Hand gegen den Riss, doch zwei weitere Münzen rollten davon. „Mein Geld!“, brüllte es hinter ihnen. Der Mann in der Weste hatte sich umgedreht. Der Junge stopfte den zerrissenen Beutel tiefer in seine Jacke und wollte an Ace vorbei, doch der Kahlkopf kam bereits um die Kisten herum. „Die drei da! Pack sie!“

Ace riss Vela mit sich, als die erste Hand nach ihr griff. Ihre Schuhe rutschten auf den verstreuten Münzen weg, dann zerrte der Junge mit dem Hut eine schief angelehnte Tür beiseite und verschwand in einer Lücke dahinter. „Hier!“ Ace schob Vela vor sich durch den Spalt. Ein Splitter kratzte ihr über den Arm, und irgendwo hinter ihnen stürzten Pfannen zu Boden. Sie wollte sich beschweren, aber der Mann war so nah, dass sie seinen Atem hörte. Als sie auf der anderen Seite zwischen zwei Schrotthaufen herausstolperte, rannte der blonde Junge bereits nach rechts. Ace hielt noch immer ihre Hand. Diesmal hatte Vela nichts dagegen, dass er sie zog.

Der Weg machte so viele Biegungen, dass Vela bald nicht mehr wusste, wo der Wald lag. Sie sah nur Aces Rücken, den schwarzen Hut davor und die Stellen, auf die sie ihre Füße setzen konnte. Unter einer Wäscheleine mussten sie sich ducken; dahinter sprangen sie über eine Rinne, deren Wasser dick und grün zwischen den Steinen stand. Der Blonde schlüpfte hinter Bretterwände und durch offene Türrahmen, als gehörten die Häuser zu einem einzigen langen Zimmer. Einmal kam Vela so dicht an einem kleinen Herd vorbei, dass sie die Hitze an der Wange spürte. Eine Frau schimpfte ihnen nach. Weiter hinten brüllte der Mann in der Weste, und sein Gefährte antwortete von einer anderen Seite.

An einem umgekippten Karren blieb Ace mit dem Stock hängen. Er zerrte daran, während Vela weiterwollte, und stieß sich dabei die Schulter an einer rostigen Achse. „Lass ihn, Ace!“, rief sie. Der Stock knackte. Ace stolperte mit dem abgebrochenen Ende zurück und schleuderte es wütend gegen den Karren, bevor sie dem Blonden nachrannten. Am Ende einer Bretterwand wartete er auf sie. „Müsst ihr alles mitnehmen?“ Ace holte Luft, doch ein Schlag gegen das Blech hinter ihnen ließ Vela zusammenfahren. Eine große Hand schob sich über dessen oberen Rand. Sie packte ihren Bruder fester und lief los.

Hinter einer Reihe ausgedienter Öfen wurde der Weg breiter. Der Junge deutete auf einen schmalen Durchgang zwischen einem Verschlag und einem hohen Schrotthaufen. „Da geht's raus.“ Ace schob sich an ihm vorbei; Vela folgte so dicht, dass sie ihm auf die Ferse trat. Schon nach wenigen Schritten mussten sie stehen bleiben. Quer vor ihnen lag ein Berg aus frischen Säcken, zerbrochenen Kisten und einem schweren Tisch, dessen Beine in die Luft ragten. Zwischen dem Müll und der Wand blieb nicht einmal genug Platz für Velas Arm. Der Blonde drängte sich neben sie und starrte auf den Tisch. „Der war vorhin noch nicht da.“ Hinter ihnen klirrte Metall. Ace versuchte, an den Säcken hochzuklettern, aber unter seinem Gewicht rutschten sie gegeneinander, und etwas aus Glas zerbrach. Vela zog an seiner Hose. „Nicht da hoch!“

Als sie sich umdrehten, stand der Kahlkopf am Eingang des Durchgangs. Er war noch ein gutes Stück entfernt, aber jetzt ging er langsamer. Sein Halm hing schief zwischen den Lippen. „Na, wohin denn noch?“ Ace stellte sich vor Vela, die Fäuste geballt. Der Mann lachte und kam näher. Vela konnte hinter seinem Arm den helleren Weg sehen, auf dem sie hergekommen waren. Es ärgerte sie, wie leicht er ihn versperrte. Wenn sie und Ace jetzt an ihm vorbeiliefen, würde er einen von ihnen packen. Der Blonde stieß gegen ihre Schulter und zeigte auf ein Loch im Verschlag. „Rein da!“

Vela zwängte sich zuerst durch die fehlenden Bretter. Drinnen roch es nach feuchtem Holz und altem Fett. Unter der schrägen Decke standen Kisten, ein Tisch mit drei Beinen und ein Schrank ohne Türen. An der anderen Wand fiel Licht durch einen schmalen Ausgang. Der blonde Junge kam hinter Ace herein und warf sich gegen den wackligen Tisch, der mit einem hässlichen Scharren vor das Loch rutschte. Von draußen krachte eine Faust gegen das Holz. Vela wollte nur noch zum Licht. Sie sah die Lücke neben dem Schrank, sah dahinter freien Boden und setzte den Fuß auf ein Brett, das sauberer aussah als die anderen.

Es brach unter ihr weg. Ihr Bein verschwand bis zum Knie im Boden, und der Rand schrammte so scharf über ihr Schienbein, dass sie aufschrie. Ace war sofort bei ihr. „Zieh den Fuß raus!“ Vela zog, aber ihr Schuh klemmte unter dem schräg gekippten Brett fest. Als Ace sie unter den Armen packte, tat es noch mehr weh. „Nicht so! Nicht so!“ Sie hörte ihre eigene Stimme viel höher werden, als sie wollte. Hinter ihnen schob sich der Tisch über den Boden. Der Kahlkopf hatte einen Arm durch das Loch gesteckt und suchte nach etwas, an dem er ziehen konnte.

Der Blonde stand schon am Ausgang. Vela sah die helle Öffnung hinter ihm und dachte, dass er jetzt einfach hindurchlaufen würde. Stattdessen kam er zurück, schob Ace beiseite und stieß seine Eisenstange in den Spalt neben ihrem Schuh. „Halt das Brett hoch!“ Ace bekam beide Hände unter die gebrochene Kante. Der Junge stemmte sich gegen die Stange. Sie rutschte ab, schlug gegen Velas Bein und entlockte ihr einen weiteren Schrei. „Ich kann das nicht halten!“, keuchte Ace. „Nur noch ein Stück!“ Der Tisch schabte erneut. Vela wollte den Jungen anschreien, weil sein blödes Eisen wehtat, doch plötzlich gab ihr Schuh ein Stück nach. Sie riss den Fuß heraus, bevor das Brett wieder zurückschnappte. Der Schuh blieb unten.

Ace zog sie hoch und schleppte sie mehr, als dass sie lief, zu dem schmalen Ausgang. Der Blonde drängte hinterher. Gerade als Vela sich zwischen Schrank und Wand hindurchschob, packte etwas Aces Hemd. Sie hörte ihn aufkeuchen und fuhr herum. Durch eine Lücke neben dem verrutschten Tisch hatte der Mann ihn erwischt. Ace schlug nach seiner Hand, aber die Finger hielten fest. Der Junge mit dem Hut griff nach einer Schranktür, die lose gegen die Wand lehnte, und kippte sie vor die Öffnung. Vela half ihm schieben. Die Tür schlug gegen den ausgestreckten Arm; der Mann fluchte, Ace riss sich los, und der Stoff seines Hemdes blieb in der fremden Faust zurück.

Draußen fanden sie keinen Weg, sondern einen schmalen Hof. Zu einer Seite türmten sich Schrott und schwarze Säcke, zur anderen stand ein Zaun aus ungleichen Brettern. An seinem Ende war ein niedriges Tor, das der Blonde sofort mit der Schulter rammte. Es bewegte sich kaum. Vela stand auf einem nackten Fuß im kalten Dreck und presste die Lippen zusammen, während Ace ebenfalls gegen das Holz drückte. „Du hast gesagt, hier geht's raus!“ Der Junge tastete durch einen Spalt. „Der Riegel ist draußen!“ Ace warf sich noch einmal gegen das Tor. Es klapperte, hielt aber stand. Aus dem Verschlag drang das Krachen der umgestoßenen Möbel. Vela wollte nicht wieder hinein. Sie wollte überhaupt nirgendwo mehr hinein, wo keine Dadan war.

Unter dem Zaun fehlte ein kurzes Stück Brett. Durch die Öffnung sah sie Unkraut und die andere Seite eines Grabens. Sie kniete sich hin und schob einen Arm hindurch, dann den Kopf. „Ich pass da durch.“ Ace packte ihr Hemd. „Warte!“ Das benachbarte Brett gab nach, wenn er daran zog. Der Blonde trat neben Ace und schob seine Stange unter das lockere Brett. Gemeinsam hoben sie das Holz gerade weit genug, dass Vela die Schultern hindurchzwängen konnte. Das raue Holz schabte über ihren Rücken. Sie zog den Bauch ein, zappelte mit den Beinen und fiel auf der anderen Seite ins Gras. „Vela?“, rief Ace. Sie antwortete mit einem empörten „Ich bin durch!“, bevor sie wieder aufstand.

Der Riegel war ein dickes Querholz in zwei Haken. Vela bekam eine Hand darunter, aber das Ding bewegte sich nicht. Hinter dem Tor stieß Ace erneut dagegen. „Mach auf!“ Sie versuchte, das Querholz mit beiden Händen anzuheben, und ein Splitter bohrte sich in ihren Daumen. „Ich mach doch!“ Das Holz knirschte. Der Blonde rief irgendetwas über ihren Kopf hinweg, Ace brüllte zurück, und Vela verstand keinen von beiden. Bei jedem Stoß klemmte das Querholz fester in den Haken. „Hör auf zu drücken!“, schrie sie schließlich so laut, dass beide verstummten. Als der Druck nachließ, ließ sich ein Ende anheben. Der Riegel kippte aus dem Haken und fiel ihr auf den Fuß.

Vela hätte beinahe angefangen zu weinen. Stattdessen zerrte sie wütend am Tor, das nun endlich aufschwang. Die beiden Jungen stürzten heraus und hätten sie fast umgerannt. „Den wieder davor!“, rief der Blonde. Im Verschlag erschien die braune Weste. Ace zog das Tor zu, während der Junge das eine Ende des Querholzes anhob und Vela das andere packte. Sie bekamen es erst im zweiten Versuch in die Haken. Dann schlug von innen etwas so heftig dagegen, dass der ganze Zaun erzitterte. Vela ließ los und wich bis in den Graben zurück. Der Mann rüttelte am Tor, fluchte und trat dagegen. Der obere Rand schwankte, doch der Riegel hielt.

„Komm!“ Ace griff nach ihrer Hand. Der Blonde war bereits ein Stück den Graben entlanggelaufen und wartete zwischen hohem Unkraut. Vela stolperte ihm nach. Jeder zweite Schritt tat weh, und ihre Brust brannte so sehr, dass sie kaum noch Luft bekam. Sie folgten dem Graben bis zu einer dunklen Röhre unter einem Weg. Der Junge nahm seinen Hut ab und kroch hinein. Vela blieb davor stehen. Es roch nach Schlamm, und sie konnte das andere Ende nicht sehen. Ace kniete sich neben sie. „Ich bin hinter dir.“ Von irgendwo jenseits des Zaunes kam ein neuer Ruf. Vela ging auf alle viere und kroch los.

In der Röhre war es kühl. Ihre Handflächen glitten über nasse Steine, und mehrmals stieß sie mit dem Rücken gegen die niedrige Decke. Das leise Platschen vor ihr hielt sie in Bewegung. Als der Tunnel um eine Biegung führte, erschien endlich ein heller Fleck. Sie kroch so hastig darauf zu, dass sie dem Blonden beinahe in die Beine rannte. Er zog sie am Arm die Böschung hinauf. Ace folgte mit aufgeschürften Knien und einer langen Schlammspur über der Nase. Niemand sagte etwas, bis sie zwischen den ersten Bäumen standen und hinter ihnen nur noch das Wasser im Graben zu hören war.

Der Junge führte sie noch ein Stück bergauf, bis zu einer Wurzel, die wie ein krummer Arm aus dem Hang ragte. Dahinter lag eine trockene Mulde. Vela setzte sich hinein, zog die Beine an und ärgerte sich darüber, dass ihr Kinn zitterte. Ace ließ sich neben sie fallen. Sein Hemd hing am Rücken offen, und an seinem Hals zog sich ein roter Streifen entlang. Vela berührte ihn vorsichtig. „Hat er dir wehgetan?“ Ace schob ihre Hand weg. „Nicht schlimm.“ Er betrachtete ihr Bein. „Und du?“ Sie wollte dasselbe antworten, aber als er über den Rand der Schramme strich, zuckte sie zurück. „Das brennt.“

„Da ist bloß Haut ab.“ Der Blonde hockte am Rand der Mulde und leerte seinen Beutel in den Hut. Zwei kleine Münzen fielen heraus. Er schüttelte weiter, klopfte gegen den Stoff und schob schließlich einen Finger durch den Riss. „Na toll.“ Er steckte die Münzen in eine heile Tasche. Ace zeigte darauf. „War vorher mehr drin.“ Der Junge hielt ihm den zerfetzten Beutel hin. „Bis du dich mitten in den Weg gestellt hast.“ Vela nahm die Hand von ihrem Schienbein. „Du hast uns fast umgerannt!“ „Weil ihr da standet!“ Ace rutschte nach vorn. „Du hättest außen rumgehen können.“ Der Blonde deutete mit der Eisenstange den Hang hinunter. „Da stand der andere!“ Vela musste zugeben, dass das stimmte. Sie mochte es trotzdem nicht, wie er Ace ansah.

„Du hast uns auch in die Ecke geschickt“, sagte sie. Der Junge nahm seinen Hut wieder an sich. „Vorhin lag da noch nichts.“ „Jetzt aber schon.“ „Hab ich gesehen.“ Ace verzog den Mund, als wolle er dazu etwas sagen, doch dann musste er husten. Vela klopfte ihm auf den Rücken, worauf er nach ihrer Hand schlug. „Ich erstick nicht!“ Ein leises Prusten kam vom Rand der Mulde. Der Blonde hatte den Kopf gesenkt, aber unter der Hutkrempe konnte sie seinen Mund sehen. Vela musste ebenfalls lachen. Das Lachen kitzelte im Hals, wurde zu einem Husten und hörte erst auf, als Ace ihr genauso kräftig auf den Rücken klopfte.

Eine Weile saßen sie da und lauschten. Aus Gray Terminal drangen noch immer Stimmen herauf, doch niemand rief nach ihnen. Durch die Zweige fiel Sonnenlicht auf Velas nackten Fuß. Ihr großer Zeh war ganz schwarz vom Schlamm. Sie wischte ihn an einem Blatt ab und gab es auf, als das Blatt in Stücke riss. „Wie heißt du eigentlich?“ Der Junge sah von seinem Beutel auf. „Sabo.“ Sie probierte den Namen leise aus. Ace nahm einen dünnen Zweig vom Boden und schabte damit Dreck von seinem Knie. „Ich bin Ace.“ „Hab ich gehört. Du schreist ja dauernd.“ Vela stieß ein erfreutes Kichern aus. „Und ich bin Vela.“ Sabo tippte sich mit einem Finger ans Ohr. „Dich hab ich auch gehört.“

Das Tuch mit ihrem Essen war noch da, wo Dadan es ihr morgens in den Hosenbund gestopft hatte. Als Vela es hervorzog, klebte das flache Brot so fest am Stoff, dass eine Ecke daran hängen blieb. Der Käse war ebenfalls flach geworden. Ace hielt ihr die Hand hin, und sie teilte das Brot erst in zwei Stücke, dann eines davon noch einmal. Sabo beobachtete sie. „Ich hab selber was.“ Vela sah auf seine Taschen. „Wo?“ „Woanders.“ Ace nahm sich den Käse und brach ihn durch. „Dann iss es halt woanders.“ Vela hielt Sabo das Brot hin, bis er es schließlich nahm. Beim ersten Bissen blieb er mit den Zähnen an einem Faden hängen. Er zog ihn aus dem Mund und betrachtete ihn misstrauisch. „Ist das immer so?“

„Nein“, sagte Vela. „Manchmal ist Fleisch drin.“ Ace lachte mit vollem Mund. Sabo hielt das Brot ein Stück von sich weg, als müsse er sich nun auch noch davor in Acht nehmen. Dann entdeckte er Velas Grinsen und warf ihr den Faden zu. Er blieb in ihren Haaren hängen. Sie versuchte vergeblich, ihn wegzupusten, und zupfte ihn unter dem Gelächter der Jungen schließlich heraus. „Dafür kriegst du keinen Käse.“ Sabo brach die Kruste seines Brotes ab und schob sie sich in den Mund. „Der sieht sowieso aus wie ein Fuß.“ Ace sah auf das Stück in seiner Hand. „Schmeckt aber nicht so.“ „Woher weißt du das?“, fragte Sabo. Vela lachte so heftig, dass ihr ein Brotkrümel aus dem Mund flog.

Während Vela die Krümel von ihrem Tuch sammelte, wollte Ace wissen, ob Sabo genauso alt war wie er. Sabo war fünf. Vela teilte ihm mit, dass sie vier war, und fügte gleich hinzu: „Aber ich hab das Tor aufgemacht.“ „Ich hab gar nichts gesagt“, erwiderte er. „Du wolltest.“ Sabo grinste, und dabei sah sie die Lücke zwischen seinen Zähnen. Sie hätte gern gewusst, ob ihm jemand einen ausgeschlagen hatte, aber Ace deutete bereits auf die Tasche mit dem Geld. „Was willst du damit?“ Sabo legte eine Hand darauf. „Ein Schiff kaufen.“ Vela dachte an die riesigen Schiffe, von denen Garp erzählt hatte, und dann an die beiden kleinen Geldstücke. „Ein ganzes?“ „Ich spar noch.“

Ace hatte aufgehört, an seinem Knie herumzukratzen. „Ein Piratenschiff?“ Sabo nickte. „Mit einem richtigen Segel. Dann kann ich hier wegfahren.“ „Ich will auch eins“, sagte Ace sofort. „Ein großes.“ „Meins wird größer.“ „Du hast noch gar keins.“ „Du auch nicht.“ Vela rutschte näher, damit sie beide gut sehen konnte. „Opa hat schon eins. Mit Kanonen.“ Sabo kaute noch auf dem letzten Rest Kruste. „Dein Opa ist Pirat?“ „Marine.“ Das Wort kam ihr stolz über die Lippen, aber Sabo schluckte seinen Bissen hinunter und betrachtete sie plötzlich viel genauer. „Dann sagst du ihm das mit dem Geld?“

Vela verstand nicht, weshalb er glaubte, dass sie ihn verpetzen würde. „Dann erfährt er doch, wo wir waren.“ Ace riss ein Grasbüschel aus der Erde. „Und sie darf selber nicht hierher.“ „Du auch nicht“, erinnerte sie ihn. Sabo sah von einem zum anderen. „Ihr dürft nicht hierher?“ Ace warf das Gras nach ihm. „Jetzt sind wir ja schon wieder weg.“ Sabo wich lachend aus. Vela zeigte auf seinen Hut. „Und du hast mich rausgeholt.“ Für einen Augenblick zupfte er nur am Rand des gerissenen Beutels. Dann steckte er ihn in die Jacke. „Du hast auch ganz schön festgesteckt.“ „Das Brett war blöd“, sagte sie. Ace nickte mit einer Entschiedenheit, die keine weiteren Fragen zuließ.

Sabo zeichnete mit seiner Stange einen Schiffsrumpf in die Erde und fügte einen Mast hinzu. „Mein Schiff hat hier vorne einen Kopf.“ Ace nahm seinen Zweig und malte Zähne dazu. „So einen?“ „Das sollte ein Löwe werden.“ Vela beugte sich über die Zeichnung. Die Zähne saßen fast am Kiel. „Dann beißt er sich selber.“ Ace brach in Gelächter aus und zeichnete einen noch größeren Zahn unter den Schiffsbauch. Sabo schob Aces Zweig mit der Stange beiseite. „Dann mach du doch!“ Innerhalb weniger Augenblicke stritten sie darüber, ob ein Schiff mit einem Hai vorn dran schneller war als eines mit einem Löwen. Vela malte an beide Seiten Kreise. Sabo hielt inne. „Was ist das?“ „Meine Kanonen. Ich schieß euch ab.“

Ace stupste ihr mit dem Finger gegen die Stirn. „Dann fahr ich hinter dich.“ Sie malte am Heck einen weiteren Kreis. „Da ist auch eine.“ Sabo setzte dem Mast ein zweites Segel auf. „Wir fahren einfach schneller weg.“ „Dann hab ich noch eins!“ Vela zog den Mast noch ein Stück höher und malte ein gewaltiges Segel daran. Ace erklärte, jetzt passe ihr Schiff nicht mehr unter Brücken, worauf sie beschloss, dass sie keine Brücken brauche. Sabo behauptete, sein Schiff könne durch jede Welle fahren. Als Ace wissen wollte, ob auch durch eine, die so hoch wie die Bäume war, streckte Sabo den Arm in die Höhe. „Durch eine noch größere!“

Vela betrachtete die zerkratzte Erde. Sie hätte das Schiff gern ins Wasser gesetzt, nur um zu sehen, was von all dem übrig blieb, wenn die beiden Jungen fertig waren. „Unsere sind vorhin kaputtgegangen“, sagte sie. Sabo ließ die Stange sinken. „Ihr hattet Schiffe?“ Ace hielt ihr warnend die Spitze seines Zweigs vor die Nase. „Nur kleine.“ „Seins hatte keinen Mast“, erklärte Vela. „Hat trotzdem gewonnen.“ „Hat es nicht! Es ist verschwunden!“ Sabo warf den Kopf zurück und lachte. „Ihr habt eure Schiffe verloren?“ Vela überlegte, ob sie ihm erzählen sollte, dass sie noch mehr im Bach versteckt hatten. Aber dann müsste sie welche bauen, bevor er nachsehen konnte. „Das Wasser hat sie mitgenommen“, sagte sie stattdessen. „Und deins wär auch kaputtgegangen.“

Sabo behauptete, er könne ein viel besseres bauen. Er kenne sogar einen Platz, an dem richtige Bretter lägen. Ace wollte wissen, weshalb er dann noch keines gebaut habe, und bekam zur Antwort, dass Ace sich ja gern selbst welche suchen könne. Vela unterbrach sie, bevor die Frage geklärt war. „Wo schläfst du?“ Sabo wies mit der Stange zurück nach Gray Terminal. „Da unten.“ Sie sah zwischen den Bäumen hindurch, konnte aber kein bestimmtes Haus erkennen. „Alleine?“ „Ja.“ Ace lehnte sich gegen die Wurzel. „Wir wohnen bei Dadan.“ Sabo war plötzlich wieder aufmerksam. „Bei der Bergräuberin?“ Vela nickte. „Mit Dogura und Magura. Und Dadan macht Essen.“ Sie betrachtete den letzten Krümel auf ihrem Tuch und wickelte es zusammen. Langsam bekam sie wieder Hunger.

Sabo fragte nicht weiter. Er stand auf und erklärte, dass sie von hier aus am Hang entlanggehen müssten, wenn sie zurück auf den Berg wollten. Vela zog ihren verbliebenen Schuh aus, weil sie mit einem nackten und einem angezogenen Fuß immer schief auftrat. Ace nahm ihn ihr ab und stopfte ihn hinter seinen Gürtel. „Wir wissen schon, wo's langgeht“, sagte er und stapfte los. Sabo deutete ihm nach. „Da kommt ihr wieder unten raus.“ Ace bog ab, als hätte er von Anfang an genau das vorgehabt. Vela folgte ihm, blieb jedoch nach ein paar Schritten stehen. „Wenn wir wieder Schiffe bauen, kannst du mitmachen.“

Sabo kratzte mit dem Ende seiner Stange durch den überfüllten Schiffsbauch in der Erde. „Aber nicht hier. Die Kerle suchen vielleicht noch.“ Ace deutete zwischen die Bäume. „Am Bach ist eine Weide. Die ist in der Mitte gespalten.“ „Kenn ich.“ „Da können wir die fahren lassen.“ Sabo sah zu Vela. „Ohne Kanonen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Mit.“ Ace schob sich zwischen sie. „Nach dem Frühstück. Dann seht ihr, wie ein richtiges Schiff aussieht.“ Sabo grinste so breit, dass seine Zahnlücke wieder zum Vorschein kam. „Bring einen Mast mit.“ Vela musste sich beeilen, um Ace einzuholen, der plötzlich sehr schnell gehen konnte.

Auf dem Rückweg kamen sie nur langsam voran. Die Erde zwischen den Bäumen war weich, aber es gab viel zu viele kleine Steine, auf die Vela barfuß treten konnte. Als sie zum dritten Mal stehen blieb, ging Ace vor ihr in die Hocke. „Steig auf.“ Sie legte die Arme um seinen Hals, zog dabei jedoch so fest, dass er sofort schimpfte. Es dauerte einige Versuche, bis er sie richtig auf dem Rücken hatte. Dann trug er sie über den steinigen Abschnitt des Pfades, während sie die Beine anzog, um ihm nicht ständig gegen die Knie zu stoßen. Weit kamen sie nicht. An der nächsten Wurzel ließ er sie keuchend herunter. „Du wirst immer schwerer.“ Vela zog sein verrutschtes Hemd wieder über die Schulter. „Du bist bloß zu viel gerannt.“ Ace behauptete, er könne sie noch bis nach Hause tragen, wenn er wollte. Sie fragte nicht, warum er es dann nicht tat.

Dadan wartete auf der Veranda. Vela erkannte schon von Weitem den Löffel in ihrer Hand und überlegte, ob sie nicht doch an der letzten Weggabelung hätten abbiegen sollen. Aber aus der Küche roch es nach gebratenen Zwiebeln, und ihr Bein tat weh. Sie ging neben Ace auf die Lichtung hinaus. Dadan kam ihnen entgegen. „Wo wart ihr so lange?“ Ace antwortete, dass sie am Bach gewesen seien. Dadans Blick wanderte über sein zerrissenes Hemd zu Velas bloßen Füßen. „Und hat der Bach euch überfallen?“ Vela betrachtete ihre Füße und hoffte für einen Moment, der verlorene Schuh könne doch noch irgendwo an ihr hängen. „Wir haben Boote gebaut.“

Dadan schickte Dogura nach Wasser und hockte sich so unvermittelt vor Vela, dass diese zurückweichen wollte. Eine Hand schloss sich um ihre Wade. „Stillhalten.“ Dadan betrachtete die Schramme, prüfte ihren Knöchel und sah dann zu Ace. „Und du?“ Er bedeckte seine aufgeschürften Knie mit den Händen, doch Dadan schob sie beiseite. Hinter ihm tauchte Magura auf. „Was war das denn?“, fragte er und deutete auf den Riss in Aces Hemd. Ace wurde rot. „Ein Mann hat daran gezogen.“ Dadan hielt inne. Vela hörte aus der Küche das Klappern einer Schüssel. Dann fragte Dadan sehr viel leiser: „Welcher Mann?“

Mit der Geschichte von dem Baum, die Vela sich unterwegs zurechtgelegt hatte, kamen sie nun nicht mehr weit. Sie erzählten durcheinander und stritten kurz darüber, wer das Tor zugemacht hatte. Als sie fertig waren, stand Dadan auf und brüllte nach Magura, obwohl der direkt neben ihr wartete. Er sollte sofort jemanden die Pfade kontrollieren lassen. Danach scheuchte sie beide in die Küche, nahm Ace den einzelnen Schuh ab und setzte sie auf die Bank. Sie schimpfte weiter, während sie Velas Bein säuberte. Vela biss die Zähne zusammen, als das Wasser in der Schramme brannte. Die Küche war warm, und als Dadan nach dem sauberen Tuch griff, hielt Vela sie am Rockzipfel fest.

Sie mussten sich anhören, was Dadan von Gray Terminal hielt, von fremden Männern und von Kindern, die glaubten, überall hinlaufen zu können. Ace widersprach erst wieder, als Dadan ihnen befahl, am nächsten Morgen im Haus zu bleiben und die Vorratskisten auszuräumen. „Aber nach dem Frühstück-“ Vela trat ihm mit dem gesunden Fuß gegen die Wade. Dadan stellte einen Teller so bestimmt auf den Tisch, dass beide zusammenzuckten. „Nach dem Frühstück räumt ihr auf!“ Ace nahm sich ein Stück Fleisch und kaute darauf herum. Vela beugte sich zu ihm. „Dann kommen wir eben später“, flüsterte sie. „Sabo wartet bestimmt.“

„Wenn dieser Sabo wieder ein Wildschwein ist“, sagte Dadan hinter ihnen, „kann es beim Aufräumen helfen.“

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Nachwort

Und da ist er endlich: Sabo!

Eigentlich wollten Ace und Vela ja nur herausfinden, wessen selbstgebautes Schiff schneller ist. Dass daraus gleich ein unfreiwilliger Ausflug nach Gray Terminal mit einer ziemlich turbulenten Verfolgungsjagd wird, war wohl nicht ganz geplant. :D

Aber immerhin haben die beiden dabei jemanden kennengelernt, der mindestens genauso große Träume hat wie sie selbst.

Eine kleine Bitte habe ich noch an euch:

Ich würde mich wirklich riesig über ein paar Reviews freuen! Gerade weil mir diese Geschichte so sehr am Herzen liegt, interessiert mich, wie sie bei euch ankommt. Was gefällt euch bisher? Wie findet ihr die Dynamik zwischen den Kindern? Gibt es etwas, das ihr euch für die kommenden Kapitel wünscht?

Auch ein paar kurze Worte bedeuten mir viel und motivieren mich ungemein, Velas Geschichte weiter mit euch zu teilen. <3

Bis zum nächsten Kapitel!

Eure LastMemory