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Kapitel 4 – Blut und Zukunftsträume

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Kapitel 4 – Blut und Zukunftsträume

Vela · Mt. Colubo · Zwei Jahre später

Vela hatte beschlossen, ihrem Opa als Allererstes den Bären zu melden. Das Tier hatte ihre Brote gefressen, und Garp besaß bestimmt noch welche. Neben ihr stapfte Ace durch das nasse Unterholz und versuchte, eine Klette von seinem Ärmel zu zupfen. Er hatte schon vor einer Weile aufgehört, nach dem Weg zu fragen. Stattdessen behauptete er an jeder Biegung, dass er genau dort habe langgehen wollen, selbst wenn Vela ihn gerade erst davon abgehalten hatte, wieder bergab zu laufen. „Wenn du nicht so laut geschnarcht hättest, hätte er uns gar nicht gefunden“, sagte sie und duckte sich unter einem Ast hindurch. In den Zweigen über ihnen begann ein Vogel zu singen. Sie hätte ihm am liebsten zugerufen, er solle damit warten, bis sie wieder geschlafen hatte. Seit es hell geworden war, taten ihre Augen bei jedem Gähnen weh.

Ace ließ die Klette fallen. „Der hat das Brot gerochen.“ Er sah auf den leeren Beutel an ihrem Gürtel. „Du hättest es mit hochnehmen müssen.“

„Du hast gesagt, der Ast bricht, wenn ich noch was trage.“

„Der hat auch geknackt!“ Vela fand nicht, dass zwei Brote den Unterschied gemacht hätten. Allerdings hatte der Ast tatsächlich geknackt, und für eine Weile hatten sie beide sehr still daraufgesessen. Erst nachdem unten nichts mehr zu hören gewesen war, hatte Ace sie in eine breitere Astgabel gezogen. Dort war sie irgendwann eingeschlafen, mit seiner Schulter unter der Wange und einem Zweig im Rücken, den sie jetzt noch spürte. Sie hätte gern gewusst, wie viel bequemer Garp die Nacht verbracht hatte. Wahrscheinlich lag er noch immer bei Dadan und hatte bereits gefrühstückt.

Der Gedanke brachte sie schneller voran als Aces Behauptung, er werde als Erster zu Hause sein. Sie überholte ihn an einer dicken Wurzel und lief ein Stück voraus, bis der Pfad hinter einem Brombeergestrüpp aufhörte. Wo sie weitergewollt hatte, lag eine umgestürzte Buche quer über einer ausgewaschenen Senke. Zwischen den Wurzeln klebte frische Erde; tief unten plätscherte Wasser über Steine. Vela blieb gerade rechtzeitig stehen. Der Rest des Weges war mit dem Baum abgerutscht.

Ace kam neben ihr zum Stehen und betrachtete die andere Seite. „Da kommen wir drüber.“

Das glaubte Vela auch. Sie wollte nur nicht, dass er es vor ihr schaffte. Auf dem Stamm lag noch die dunkle, nasse Rinde, aber weiter oben gab es Aststummel zum Festhalten. Sie kletterte hinauf und rutschte auf dem Hosenboden bis zu der Stelle, an der der Stamm schmaler wurde. Ein abgebrochener Seitenast ragte quer über ihren Weg. Dahinter war das andere Ufer kaum noch zwei Schritte entfernt. Vela schwang sich unter dem Ast hindurch, sprang auf festen Boden und drehte sich triumphierend zu Ace um. „Ich bin schon da!“

Ihr Bruder hatte eine andere Lösung gewählt. Er stützte sich mit beiden Armen auf den störenden Ast und drückte, bis das morsche Holz mit einem lauten Knacken nachgab. Der Ast fiel in die Senke, spritzte Wasser auf und blieb quer zwischen den Steinen hängen. Ace setzte darüber hinweg und landete so dicht neben ihr, dass sie einen Schritt zur Seite machen musste. „Jetzt kommt man besser durch.“

Vela sah zu dem Ast hinunter. Für einen Moment hatte sie geglaubt, der ganze Baum würde brechen. Sie rieb sich die feuchten Hände an der Hose ab und behauptete, sie hätte trotzdem gewonnen. Ace erwiderte, es sei gar kein Wettrennen gewesen, was sie nur noch zufriedener machte. Auf der anderen Seite des Hangs fanden sie einen schmalen Wildwechsel. Er führte zwischen Farnen hindurch, die im Morgenlicht silbern glänzten, und endlich kamen die dicken Fichten in Sicht, hinter denen der alte Köhlerpfad liegen musste. Von dort aus würden sie nach Hause finden. Vela hatte diesen Weg schon oft mit Magura genommen, auch wenn die Bäume aus dieser Richtung alle falsch herum zu stehen schienen.

Sie sammelten eine Handvoll Beeren, die nur dazu führten, dass ihr Magen sich noch lauter beschwerte. Ace nahm die letzten beiden, zerdrückte eine zwischen den Fingern und wischte sich den Saft an der Hose ab. Die andere hielt er Vela hin. Sie nahm sie, bevor er es sich anders überlegen konnte, und bemerkte dabei die gelbliche Stelle über seinen Knöcheln. Vor ein paar Tagen war sie noch blau gewesen. Dadan hatte ihm abends die Hand ansehen wollen; Ace hatte behauptet, er sei gegen einen Baum gelaufen. „Tut das noch weh?“

Er steckte die Hand in die Tasche. „Nein.“ Vela erinnerte sich an das Abendessen danach. Er hatte kaum geredet und sogar aufgehört zu essen, obwohl noch etwas in seiner Schüssel gewesen war. Als sie ihm das letzte Stück Fleisch hatte wegnehmen wollen, hatte er es ihr einfach überlassen. Sie war damals davon ausgegangen, dass er krank wurde. Am nächsten Morgen hatte er wieder mit ihr gerauft, aber seitdem ließ er manchmal Steine liegen, die er sonst bestimmt nach irgendetwas geworfen hätte.

Sie kamen an einer Ameisenstraße vorbei, über die Vela einen langen Schritt machte. Ace trat mitten hinein, ohne hinzusehen. Normalerweise hätte er jetzt versucht, sie einzuholen. Sie lief ein Stück rückwärts, um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Wenn ich zuerst da bin, krieg ich das größere Frühstück.“

„Dann renn doch.“

Sie drehte sich wieder um. Einen Augenblick lang wollte sie es wirklich tun. Doch hinter ihr wurden seine Schritte nicht schneller, und der Weg vor ihr machte ohne ihn wenig Spaß. An einem flachen Felsen wartete sie, bis er aufgeholt hatte. Der Stein war von der Sonne bereits ein wenig warm geworden. Vela setzte sich darauf und zog ein Bein unter sich, obwohl sie eigentlich nicht noch länger von Dadans Küche entfernt bleiben wollte. „Was hast du denn?“

Ace blieb am Rand des Pfades stehen. „Nichts.“

Vela nahm eine kleine Schnecke vom Stein und setzte sie ins Gras. „Du bist so wie nach dem Dorf.“ Sie schob sich die Haare aus dem Gesicht; an einem Finger klebte noch Beerensaft. „Als du mit Dogura Salz geholt hast.“

„Bin ich nicht.“

Sie ließ die Beine vom Felsen baumeln. Hinter Ace stieg der Pfad zwischen zwei Wurzeln an. Wenn sie dort hinaufgingen, konnten sie bald vielleicht schon Dadans Haus hören. Vela erinnerte sich, wie erleichtert sie damals über dieses Geräusch gewesen war, als sie mit nur einem Schuh aus Gray Terminal zurückgekommen waren. Heute hatte sie beide Schuhe, und Ace war trotzdem schlechter gelaunt als damals. „Hat dich da einer gehauen?“

Er stieß mit der Schuhspitze einen Stein vom Weg. „Ich hab den gehauen.“

Das klang schon eher nach ihrem Bruder. Vela rückte ein Stück zur Seite, doch er setzte sich nicht neben sie. Sie wartete darauf, dass er weiterredete. Als er schwieg, fragte sie, ob der Mann ihm die Sachen hatte wegnehmen wollen. Ace schüttelte den Kopf. Der Stein war zwischen zwei Grashalmen liegen geblieben. Er trat noch einmal danach, erwischte ihn diesmal nicht und fluchte so, dass Dadan ihm dafür etwas gegen den Hinterkopf gegeben hätte.

„Die haben über Roger geredet“, sagte er schließlich.

Vela kannte den Namen. Der Piratenkönig war der Mann gewesen, den ihr Opa immer gejagt hatte. In Garps Geschichten gab es dabei jede Menge kaputte Schiffe, Schläge und Ärger, und manchmal lachte er an Stellen, an denen Dadan nur den Kopf schüttelte. Roger selbst konnte sie sich nicht besonders gut vorstellen. In ihrem Kopf sah er ein bisschen wie Garp aus, bloß mit einem viel größeren Schnurrbart. „Was denn?“

Ace strich mit dem Fuß über die zerdrückten Grashalme. „Dass er ein Dreckskerl war. Und dass wegen ihm jetzt überall Piraten sind.“ Seine Stimme bekam einen rauen Klang. „Einer hat gefragt, ob der wohl ein Kind hatte.“

„Hatte er eins?“ Ace antwortete nicht. Vela wollte gerade noch einmal fragen, als er sich endlich auf den Felsen setzte, allerdings mit so viel Abstand, dass zwischen ihnen ein ganzer Rucksack Platz gehabt hätte. Sie zog den leeren Brotbeutel auf ihren Schoß und wartete. Unter ihrem Hemd drückte der Vogelanhänger gegen die Haut. Sie schob ihn zurecht, während Ace sich über seine Knie beugte.

„Der andere hat gesagt, hoffentlich nicht. So ein Kind wäre genauso wie er.“ Er rieb über die Stelle an seiner Hand, nach der sie vorhin gefragt hatte. „Und wenn doch, hätte es besser gar nicht erst auf die Welt kommen sollen.“

Vela sah auf seine Knöchel. „Deswegen hast du den gehauen?“ Ace bestätigte es so heftig, dass sie die nächste Frage erst einmal für sich behielt. Sie kannte ihn mit geballten Fäusten und hochrotem Gesicht. Jetzt bewegte er bloß den Daumen über die gelbliche Haut, immer wieder über dieselbe Stelle. „Wusste der Mann denn, ob Roger ein Kind hatte?“

„Nein.“ Ace richtete sich so unvermittelt auf, dass sie zusammenzuckte. „Die wissen gar nichts!“

„Dann kann er doch auch nicht wissen, wie das Kind ist.“ Ace sah sie lange an. Vela zog die Füße näher an den Felsen. Sie hatte nicht gewollt, dass er sie auch so böse ansah. Vielleicht hatte sie etwas Falsches gesagt, aber sie wusste nicht, was. Sie hätte gern einen Erwachsenen gefragt, nur war keiner da, und wenn Ace deswegen noch wütender wurde, wollte sie es lieber selbst herausfinden.

„Gol D. Roger ist mein Vater“, sagte er.

Vela hörte auf, mit dem Beutel zu spielen. Sie sah auf seine schwarzen Haare, die schmutzige Wange und den kleinen Kratzer neben seinem Mund, den er sich in der Nacht geholt hatte. Das Bild von dem Mann mit dem Schnurrbart passte überhaupt nicht dazu. „Der Piratenkönig?“ Ace nickte. „Aber der ist doch tot“, sagte sie.

„Das weiß ich!“ Ace rutschte vom Felsen, als wollte er sofort weitergehen. Er blieb jedoch davor stehen, die Hände so tief in die Hosentaschen geschoben, dass der Stoff sich spannte. „Der war schon tot, als ich geboren wurde.“

Vela wusste nicht, was sie darauf sagen sollte. Sie hatte ihren Vater noch nie gesehen und auch kein Bild von ihm. Ace hatte bisher genauso wenig von seinem erzählt. Manchmal hatte sie gedacht, seine Eltern wären vielleicht irgendwo auf See, wie Garps Männer, die immer wieder mit ihm fortfuhren. Jetzt versuchte sie, sich Roger als Aces Vater vorzustellen. In Dadans Küche gab es nichts, das auf ihn hinwies. Nicht einmal seinen Namen hatten sie dort besonders oft gehört. „War der wirklich so stark wie Opa?“

Ace verzog das Gesicht. „Darum geht's doch gar nicht.“

„Worum denn?“

„Was die gesagt haben!“ Er zog eine Hand aus der Tasche und schlug damit gegen den Stein. „Dass sein Kind genauso wird. Weil das in seinem Blut ist.“ Bei dem letzten Satz wurde seine Stimme leiser. Er sah sie nicht mehr an, sondern die Stelle, an der seine Finger auf dem rauen Felsen lagen. „Du hast das auch schon gehört. Wie die über ihn reden.“

Vela hatte Leute über Roger schimpfen hören. Über Garp schimpften sie auch, vor allem Dadan, aber er lebte wenigstens noch und konnte zurückbrüllen. Sie wusste nicht, was Roger zu all dem gesagt hätte. Als sie sich vorstellte, wie diese Männer über Ace geredet hatten, obwohl sie ihn gar nicht kannten, wurde ihr heiß. Ihr Bruder konnte gemein sein, wenn er verlor, und gestern hatte er ihr die letzte trockene Stelle auf dem Ast erst nach langem Geschiebe überlassen. Aber dann war sie aufgewacht, weil er seinen Arm um sie gelegt hatte, damit sie nicht herunterrutschte. Der Mann aus dem Dorf war nicht dabei gewesen.

„Jetzt sag doch was“, fuhr Ace sie an.

Sie sah zu ihm auf. „Mir egal, du bist mein Bruder.“

Ace zog die Hand vom Stein. Eine Zeit lang hörte sie nur die Vögel und weiter unten das Wasser. Dann schob er den Unterkiefer vor. „Du hast mir gar nicht zugehört.“

„Hab ich wohl.“ Vela war nun ebenfalls ärgerlich. Er hatte sie aufgefordert, etwas zu sagen, und jetzt passte es ihm nicht. „Dein Vater war Roger.“

„Und die wollen nicht, dass es mich gibt!“

Seine Stimme war so laut, dass ein Vogel im nächsten Baum erschrocken davonflog. Vela presste ihren Brotbeutel gegen den Bauch. Sie hatte verstanden, was der Mann gesagt hatte, aber als Ace es jetzt aussprach, sah sie wieder die freie Stelle neben sich auf dem Ast. Ohne ihn hätte sie dort nicht schlafen wollen. Sie rutschte vom Felsen und stellte sich vor ihn, bis er sie endlich ansah. „Denkst du, ich geh jetzt weg?“

Ace strich sich mit dem Handrücken über die Nase. „Nein.“

„Warum fragst du mich dann?“ Sie stieß mit ihrer Schuhspitze gegen seine, nicht besonders fest. „Ich will dich doch hierhaben.“

Ace antwortete nicht. Er zog am Saum seines Hemdes, bis sich ein Faden löste. Sie trat näher und lehnte die Stirn gegen seine. Einen Augenblick blieb er steif stehen; dann legte sich seine Hand an ihren Hinterkopf und er drückte zurück. Vela stemmte die Füße gegen den Boden. Bei ihm wusste man nie, wann daraus doch noch ein Wettkampf wurde. „Du verstehst das nicht richtig“, murmelte er nach einer Weile.

Vela verstand noch immer nicht, warum er ihr das erst jetzt erzählte und weshalb jemand über ein Kind redete, das er nie gesehen hatte. Am wenigsten verstand sie, warum Ace ihr nicht glauben wollte. „Ich hör dir doch zu“, sagte sie und blieb bei ihm stehen.

Als sie sich voneinander lösten, blieb Ace noch neben ihr stehen. Unten rauschte das Wasser, und irgendwo im Gebüsch knackte ein Zweig. „Erzähl's keinem.“

„Mach ich nicht.“ Vela nahm ihren Beutel wieder auf. In einer Falte hatte sich noch ein Stück Brotkruste versteckt. Sie pulte es heraus und hielt es ihm hin. Er schüttelte den Kopf. Sie wollte es selbst essen, entdeckte jedoch Sand in der Kruste und warf es ins Gebüsch. Sie schüttelte die letzten Krümel aus dem Beutel und band ihn wieder an ihren Gürtel.

Ace ging voraus, ohne sie zum Rennen herauszufordern. Vela blieb dicht bei ihm. Einmal musste er warten, während sie einen Stein aus dem Schuh schüttelte; er sagte nichts dazu und hielt ihr den Arm hin, damit sie auf einem Bein stehen konnte. Erst auf dem breiteren Pfad blieb er wieder stehen. Sie hörte über ihnen das leise Rauschen der Baumwipfel und in der Ferne ein Hacken, das aus Richtung von Dadans Haus kam. „Die haben gelacht, als die das gesagt haben“, sagte er.

Vela zog ihren Schuh wieder fest. Sie hatte keine Lust mehr, noch irgendetwas über diese Männer zu hören. Sie hätte lieber gewusst, wie sie aussahen und ob sie ihnen einmal begegnen würden. „Wenn ich dabei gewesen wär, hätt ich auch gehauen.“

Ace sah sie an. „Den hättest du gar nicht erwischt.“

„Dann eben gegen das Schienbein.“ Er schnaubte, und diesmal klang es beinahe wie sonst. Sie gingen weiter, bis der Wald heller wurde. Vela spürte bei jedem Schritt ihre müden Beine, aber der bekannte Weg führte jetzt nur noch um den langen Felsrücken herum. Dahinter lagen die Lichtung, Dadans Küche und ihr Schlafplatz. Sie überlegte, ob man gleichzeitig essen und im Bett liegen konnte. Ace würde ihr bestimmt sagen, dass sie dabei kleckerte, obwohl er selbst ständig über seiner Schüssel einschlief. Sie hob sich die Bemerkung für später auf. Auch ihr Treffen mit Sabo würde warten müssen. Wenn sie nachher noch genug Kraft hatten, kämen sie vielleicht wenigstens bis zur gespaltenen Weide.

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Garp · Mt. Colubo

Garp hatte noch keinen zweiten Reiscracker gegessen, als Dadan ihm die Schale wegnahm. Den ersten hatte sie ebenfalls beanstandet, allerdings zu spät, um ihn zurückzubekommen. Jetzt stellte sie sich mit der Schale unter dem Arm vor ihn und versperrte ihm die Sicht auf den östlichen Waldrand. Er versuchte, an ihr vorbeizusehen. Dadan rückte mit, sodass er schließlich zu ihr aufschauen musste. „Du glaubst wohl, du setzt dich hier gemütlich hin, nachdem du die beiden die ganze Nacht draußen gelassen hast.“

„Sie waren doch schon vorher draußen.“ Garp deutete mit dem Daumen über die Schulter. „Ich hab sie bloß ein Stück weitergetragen.“

Dadan sah ihn so an, dass Dogura vorsichtshalber die Axt ablegte. Er war dabei, neben dem Haus Holz zu hacken, hatte sich allerdings seit Beginn des Gesprächs auffällig viel Zeit mit demselben Scheit gelassen. „Ein Stück? Magura hat gesagt, du bist bis hinter die alte Schlucht gegangen!“

Garp stand auf, weil er über Dadans Kopf hinweg die Bäume besser sehen konnte. „Nicht durch die Schlucht. Dahinter. Du musst schon richtig zuhören.“ Er hatte den Hang gestern auf dem Hinweg selbst geprüft. Die Regenfälle der vergangenen Tage hatten einige Pfade ausgewaschen, doch oberhalb des Bachs gab es mehrere Wege zurück. Die Kinder hatten eine grobe Richtung bekommen, Vorräte für die Nacht und genug Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit. Vela hatte sofort wissen wollen, ob sie die ganze Strecke zurückrennen dürften. Ace hatte ihn gegen das Bein getreten, als Garp ihnen erklärt hatte, dass er sie selbstverständlich nicht wieder abholen werde. An mangelnder Kraft war dieser Versuch jedenfalls nicht gescheitert.

„Sie sind sechs und sieben, du alter Idiot!“ Dadan stellte die Schale mit so viel Schwung auf das Geländer, dass ein Cracker heraussprang. „Und du pennst hier!“

„Nicht die ganze Zeit.“ Das stimmte. Er war vor Tagesanbruch noch einmal bis zum oberen Pfad gegangen. Von dort hatte er weder Rufe gehört noch etwas gesehen, das ihn veranlasst hätte, die Übung abzubrechen. Seitdem wartete er. Die Sonne stand noch niedrig genug, dass ein guter Teil der Lichtung im Schatten lag. Wenn die beiden bis zum Mittag nicht zurück waren, würde er ihnen entgegengehen. Dadan hätte ihn wahrscheinlich gleich am Kragen mitgenommen, wenn er ihr diese Frist genannt hätte. „Die müssen lernen, allein zurechtzukommen“, erklärte er. „Du kannst ihnen nicht immer alles hinterhertragen.“

„Ich trage ihnen ihr verdammtes Essen hinterher, weil sie es sonst vergessen!“ Sie stieß ihm den Finger gegen die Brust. „Und dir anscheinend gleich noch ein paar Gehirnzellen!“

Garp lachte so laut, dass Dogura bei seinem nächsten Hieb danebenschlug. „Bwahahaha! Na, dann sollen sie lieber rechtzeitig zurück sein!“ Er nahm die Schale wieder an sich, bevor Dadan sich daran erinnerte, dass sie sie hatte wegstellen wollen. Mit der freien Hand zog er seinen Mantel vom Geländer. Es war nicht nötig, ihn schon anzuziehen. Aber hier zu sitzen wurde ihm allmählich doch zu langweilig.

Noch bevor er ihn übergeworfen hatte, bewegte sich am Rand der Lichtung ein Farn. Ace kam zuerst zwischen den Bäumen hervor. Er hielt einen Ast beiseite, bis Vela ebenfalls hindurchgeschlüpft war, und ließ ihn dann hinter sich zurückschnellen. Die beiden sahen aus, als hätten sie sich im Waldboden gewälzt. In Velas Haar hing etwas, das einmal ein Blatt gewesen sein mochte. Ace hatte Schmutz bis hinter die Ohren, und sein Gesicht verhieß Garp keine freundliche Begrüßung. „Na endlich!“, rief Garp. „Seid ihr unterwegs eingeschlafen?“

Vela entdeckte ihn und rannte los. „Opa!“ Als sie vor ihm stand, musste sie erst einmal Luft holen. Garp warf den Mantel zurück aufs Geländer und hob sie mit einem Arm hoch, während Ace sich an ihm vorbeidrängte und nach der Reiscrackerschale griff. Er erwischte einen, bevor Garp sie höher halten konnte. „Du hast uns zu weit weggebracht“, beschwerte sich Vela. Ihre Arme lagen um seinen Hals, und Garp spürte, wie kalt ihre Finger noch waren.

„Dann müsst ihr eben schneller zurückkommen.“ Er setzte sie wieder neben Ace ab. „Habt ihr wenigstens den Weg gefunden?“

„Nein“, sagte Ace und biss wütend in den Cracker. „Wir wohnen jetzt da.“ Er zeigte in den Wald.

Garp brach in Gelächter aus. Dadan schob sich zwischen ihn und die Kinder, packte Ace an der Schulter und drehte ihn zum Licht. Sie prüfte einen Kratzer an seiner Schläfe, wischte mit dem Daumen über Velas Wange und fragte, ob ihnen etwas wehtat. Beide verlangten gleichzeitig nach Essen. Als Vela von dem Bären anfing, schoss Dadans Kopf herum. „Ein Bär?“

„Der hat unsere Brote gefressen.“ Vela hielt ihren leeren Beutel hoch. „Alle beide. Ace hatte seins mit reingetan.“

„Wir hatten den Beutel unten aufgehängt“, erklärte Ace. „Der Bär hat ihn einfach runtergerissen.“

Garp ließ sich erzählen, wie sie auf den Baum gekommen waren. Ace beschrieb den Bären mit weit ausgebreiteten Armen; Vela behauptete, sein Kopf sei noch größer gewesen. Darüber gerieten sie kurz aneinander, bis Dadan ihnen befahl, sich die Einzelheiten für drinnen aufzuheben. Garp betrachtete die schmutzigen Gesichter und die aufgeschürften Hände. Er zog Ace einen Dorn aus dem Ärmel und klopfte ihm auf die Schulter, bevor der Junge ausweichen konnte. „Gut gemacht. Alle beide.“ Ace hielt inne, während Vela sofort zu strahlen begann. Garp grinste ihnen zu. Sie hatten sich eine Stelle gesucht, an die der Bär nicht herankam, und waren zusammen zurückgekommen. Damit konnte er für die erste Nacht in diesem Teil des Waldes zufrieden sein. „An dem Beutel arbeiten wir noch.“

Dadan schob die Kinder vor sich her in die Küche. „An dem Beutel arbeitet heute keiner mehr. Jetzt wird gegessen.“ Sie riss Garp die Schale aus der Hand und drückte sie Dogura in die Arme. „Und beim nächsten Mal bringst du einen ganzen Sack Brot mit. Du fütterst ja inzwischen sogar die Bären im Wald!“

„Bwahahaha! Die würden sich bedanken!“ Die beiden schafften erstaunliche Mengen zum Frühstück. Garp saß am anderen Ende des Tisches und musste sich anhören, dass die Nacht kalt, der Ast unbequem und seine Wegbeschreibung viel zu kurz gewesen sei. Sie waren sich bei jedem dieser Punkte einig. Bei der Frage, wer den Baum zuerst erreicht hatte, gingen ihre Berichte auseinander. Garp ließ sie streiten, während er ihre Schrammen musterte und Dadan das Wasser nachschenkte. Nichts davon hinderte Ace daran, Vela mit dem Fuß von der Bank schieben zu wollen, als sie nach dem Brot neben seinem Teller griff. Sie hielt sich an ihm fest und gab das Brot erst wieder her, als Dadan es für beide durchbrach.

Bis gegen Mittag hatten sie sich gewaschen, etwas geschlafen und erneut erklärt, dass sie Hunger hätten. Jetzt saßen sie auf den sonnenwarmen Dielen der Veranda, jeder mit einem Stück Brot. Garp hatte sich daneben auf einen niedrigen Schemel gesetzt, der unter seinem Gewicht verdächtig knackte. Dadan hatte ihm einen anderen angeboten, nachdem er den ersten hatte reparieren müssen. Diesen hier würde er lieber nicht zu sehr beanspruchen. Vor ihm versuchte Ace mit dem Fuß einen Kiesel vom Rand der Stufe zu schnippen, ohne dabei sein Essen ablegen zu müssen. „Wenn ihr das weiter so macht, werden aus euch noch ordentliche Marinesoldaten“, stellte Garp zufrieden fest.

Ace verfehlte den Kiesel. „Ich werde Pirat.“

Garp wandte sich langsam zu ihm. Er hatte diesen Unsinn nun wahrlich oft genug gehört. „Du wirst was?“

„Pirat.“ Ace biss von seinem Brot ab und sah ihn dabei ungerührt an. „Mit einem eigenen Schiff.“

„Dafür trainiere ich dich doch nicht!“ Der Schemel ächzte, als Garp sich vorbeugte. „Bei der Marine bekommst du auch ein Schiff! Ein vernünftiges! Mit einer Besatzung, die weiß, was sie tut!“

Ace betrachtete ihn mit einer Skepsis, die für einen Siebenjährigen reichlich unverschämt war. „Deine laufen immer durcheinander, wenn du kommst.“

Vela verschluckte sich fast an ihrem Brot. Garp schlug sich mit der Hand aufs Knie. „Weil die sich beeilen! So gehört sich das!“

„Ich will aber, dass mein Schiff mir gehört.“ Ace hatte seinen Kiesel inzwischen mit der Ferse vom Brett geschoben. Er verfolgte ihn kurz mit den Augen und hob dann das Kinn. „Und ich fahre dahin, wo ich hinwill.“

Garp fragte sich, weshalb er sich überhaupt noch die Mühe machte, vernünftige Argumente anzuführen. Bei der Marine gab es Verpflegung, eine ordentliche Ausbildung und vor allem jemanden, der diesem Bengel beibrachte, wie man Befehle befolgte. Er zählte ihm das alles auf. Ace hörte zu, als sähe er nach einer passenden Lücke in einem Zaun.

„Wenn die dir sagen, du sollst irgendwohin fahren, fährst du da immer hin?“

Aus der offenen Küchentür kam ein verdächtiges Geräusch. Garp beschloss, es zu überhören. „Wir reden über dich!“

Ace grinste jetzt. „Ich werde trotzdem Pirat.“

Garp hob die Faust, und der Junge duckte sich bereits lachend hinter Vela, die ihn empört wegschob. Der Schemel gab ein zweites, deutliches Knacken von sich. Garp verlagerte sein Gewicht, bevor Dadan auch noch damit anfangen konnte. „Aus dir wird schon noch was Anständiges!“, knurrte er. Dann sah er zu seiner Enkelin. „Und du? Hast du auch nur solchen Blödsinn im Kopf?“

Vela hatte ihre Füße auf die unterste Stufe gestellt und strich sich Brotkrümel von der Hose. „Ich werde Vizeadmirälin.“

Garp hielt die noch immer erhobene Hand einen Augenblick in der Luft. „Du wirst Vizeadmirälin?“

„Ja. So wie du.“ Sie sah zu ihm hoch, die honiggoldenen Augen voller Erwartung. „Dann hab ich auch ein Schiff und kann die Leute beschützen. Und Kanonen hab ich auch.“

Garp lachte so unvermittelt los, dass Ace sich die Ohren zuhielt. „Bwahahahaha! Hast du das gehört, Ace? Vizeadmirälin! Endlich mal eine vernünftige Antwort!“ Er packte Vela unter den Armen und setzte sie auf sein Knie. Sie lachte mit, musste aber ihr Brot vor seinem Ärmel in Sicherheit bringen. „Das wird was! Aus dir mache ich eine Marineoffizierin, die sich gewaschen hat!“

„Gewaschen hat sie sich schon“, bemerkte Ace. „Dadan hat sie nicht eher rausgelassen.“

Garp überging das. Er betrachtete den roten Schopf vor sich und musste noch breiter grinsen. Ausgerechnet Shanks' Tochter wollte zur Marine! Der Rotkopf hätte vermutlich ein ausgesprochen dummes Gesicht gemacht, wenn er das hätte hören können. Garp würde es ihm nicht erzählen, aber den Gedanken durfte er sich wohl gönnen. Der Sohn des Piratenkönigs saß neben ihm und verteidigte stur sein künftiges Piratenschiff, während dieses kleine rothaarige Ding seinen Rang haben wollte. „Warum denn nicht gleich Admirälin?“, fragte er.

Vela drehte sich auf seinem Knie zu ihm um. „Du bist doch auch Vizeadmiral.“

Ace lachte in sein Brot. Garp erwog kurz, ihm doch noch einen Klaps zu geben, ließ es aber bleiben. Seine Enkelin hatte recht, auch wenn sie nicht wissen konnte, weshalb er die Beförderungen abgelehnt hatte. Für ein Leben unter den unmittelbaren Befehlen der Himmelsdrachen würde er seinen Rang ganz sicher nicht aufgeben. Dass Vela einfach dasselbe werden wollte wie er, gefiel ihm erheblich besser als jede Aussicht auf ein anderes Schulterstück. „Und du meinst, du wirst genauso stark wie ich?“

„Stärker.“ Sie sagte es ohne Zögern und reckte das Kinn. „Dann kann ich dich auch mal in den Wald tragen.“

Garp schlug sich lachend auf den freien Oberschenkel. Ace fand diese Vorstellung offenbar ebenfalls ausgezeichnet. Er begann sofort zu erklären, an welchem Hang sie Garp absetzen könnten, und Vela ergänzte, dass er seinen Reiscrackerbeutel selbst hoch in den Baum hängen müsse. Als sie sich schließlich darüber stritten, ob ein Bär Garp überhaupt fressen wollte, hob er die Hand. „Erst mal lernt ihr, schneller wieder nach Hause zu kommen!“ Er setzte Vela wieder ab und strich dabei ein übersehenes Stück Rinde aus ihren Haaren. „Und du fängst dann mit deinem Schiff die Piraten.“

„Ace nicht“, sagte sie sofort.

Der Junge verschränkte die Arme. „Mich kriegt sie sowieso nicht.“

Vela stieß ihn mit der Schulter an. „Kriegen könnte ich dich schon.“ Dann wandte sie sich wieder an Garp. „Aber den sperr ich nicht ein.“

Er sah von einem zum anderen. Nun hatten beide die Arme verschränkt. Garp kannte diesen Ausdruck inzwischen gründlich genug, um zu wissen, dass er mit einer weiteren Erklärung über die Vorzüge der Marine im Augenblick nicht weit kommen würde. Also nahm er sich lieber vor, die Sache ein anderes Mal wieder aufzunehmen. Immerhin hatte sie den wichtigsten Teil bereits verstanden. „Na, wenigstens eine mit Verstand“, brummte er zufrieden.

„Die mit dem Verstand hat meinen Waschzuber den Bach hinuntergefahren“, sagte Dadan hinter ihm.

Garp drehte sich um. In der Tür stand sie mit einem Korb Wäsche auf der Hüfte. Auf dem Geländer neben ihr landete ein noch immer feuchtes Laken. Vela zog die Füße ein wenig näher an die Stufe; Ace entdeckte offenbar einen weiteren interessanten Kiesel. „Deinen Waschzuber?“

„Meinen großen Waschzuber. Mit dem neuen Spannring.“ Dadan stellte den Korb ab. „Letzte Woche gehe ich nach der Wäsche sehen, und der Zuber ist weg. Die Wäsche ist weg. Der Besen ist weg. Und die beiden natürlich auch!“ Sie zeigte auf die Kinder, die sich nun so eng aneinandergedrängt hatten, als werde sie dadurch nur eines von ihnen sehen können.

„Wir brauchten einen Mast“, erklärte Vela.

Garp musste sich ein Lachen verkneifen. Es gelang ihm nicht besonders gut. „Und das Laken war das Segel?“

„Nicht nur irgendein Laken!“, fuhr Dadan auf. „Das frisch gewaschene aus meinem Bett!“ Sie nahm den Stoff vom Geländer und hielt ihn hoch. Quer darüber zog sich eine graubraune Spur. „Da haben sie ein Loch reingerissen, um es an den Besen zu binden. Als ich sie endlich gefunden habe, saß Ace mitten in meinen Handtüchern und Vela hat mit dem Wäscheschläger gerudert!“

„Gesteuert“, verbesserte das Mädchen vorsichtig. „Gerudert haben wir beide.“

Garp lachte nun offen. „Bwahahaha! Wie weit seid ihr denn gekommen?“

Ace hob sofort den Kopf. „Bis zu dem großen Felsen. Hinter der Biegung.“

„Mit dem Zuber? Das ist doch gar nicht schlecht!“

Dadan schlug mit dem Laken nach seinem Arm. „Es geht nicht darum, wie weit die beiden gekommen sind!“

Vela sah zu Ace, der bereits breit grinste. „Hat aber funktioniert“, sagte er.

„Dogura musste euch von dem Felsen holen!“ Dadan stemmte eine Hand in die Hüfte. „Der Zuber steckte darunter fest. Voll Wasser und mit meiner ganzen Wäsche drin! Magura und ich haben das Ding den halben Nachmittag den Hang hochgeschleppt!“

„Bis dahin ist er gefahren“, beharrte Vela. „Wir wollten bloß nicht umkippen.“

Garp stellte sich die beiden auf dem Felsen vor, daneben Dadans Zuber mit einem Besen als Mast. Ihm tat vom Lachen allmählich der Bauch weh. „Dann habt ihr wenigstens rechtzeitig das Schiff verlassen!“

„Garp.“ Dadan hatte aufgehört zu schreien. Das gefiel ihm weniger. Sie deutete mit dem Laken auf Vela. „Das ist deine Vernünftige. Die hat mich gestern gefragt, ob ich ihr den Zuber noch mal gebe, wenn sie vorher die Wäsche rausnimmt.“

Vela zog an der eigenen Hose. „Dann wird sie wenigstens nicht wieder dreckig.“

Ace brach so heftig in Gelächter aus, dass er sich an der Stufe festhalten musste. Garp wischte sich über die Augen. Dadan stand vor ihnen, das Laken in der Hand, und wartete auf eine Antwort. Er betrachtete seine Enkelin, die das offenbar immer noch für einen brauchbaren Vorschlag hielt. „Na ja … meistens!“

Dadan warf ihm das Laken ins Gesicht. Garp zog es herunter und hörte die Kinder nun beide lachen. „Das ist noch feucht“, stellte er fest.

„Dann häng es auf!“ Sie drückte ihm den Korb gegen den Bauch. „Und danach reparierst du mir den Pfosten. Der wackelt schon seit Wochen.“

Garp hätte einiges dazu zu sagen gehabt, wer in diesem Haus eigentlich für die Pfosten verantwortlich war. Doch Ace nahm bereits das andere Ende des Lakens und versuchte es über die Leine zu werfen. Er bekam den nassen Stoff nicht hoch genug, und das Laken fiel ihm auf den Kopf. Vela half ihm lachend darunter hervor. Schließlich nahm Garp beiden das Laken ab und hängte es so mühelos auf, dass Vela sofort wissen wollte, wie lange es dauern werde, bis sie das ebenfalls konnte. „Mit vernünftigem Training geht alles“, erklärte er zufrieden.

Ace setzte sich wieder auf die Stufe. „Heute aber nicht mehr im Wald.“

„Heute üben wir erst mal, wer am schnellsten einen Pfosten—“

„Nein!“, riefen beide gleichzeitig.

Garp brach in schallendes Gelächter aus. Die Kinder blieben auf der Veranda, während er den Pfosten wieder in seinen Sockel drückte und Dadan ihm erklärte, wie fest sie sich das vorstellte. Als er wenig später den leeren Korb zurückbrachte, war Ace gegen den Türrahmen gesunken. Vela lag an seiner Seite, den Kopf auf seiner Schulter und die Beine quer über die Stufe. Ihre Hand hatte sich in seinem Hemd verfangen. Garp hielt inne, bevor er mit dem Korb gegen das Geländer stieß.

Dadan kam mit einer Decke aus dem Haus. „Und wehe, du weckst sie.“

Er wartete, bis sie den Stoff über die beiden gelegt hatte. Ace regte sich, schob den Arm um seine Schwester und schlief weiter. Garp griff nach der Reiscrackerschale auf dem Fensterbrett und setzte sich so vorsichtig auf seinen Schemel, dass diesmal nichts knackte. „Siehst du“, murmelte er. „Jetzt sind sie ruhig.“

Dadan betrachtete ihn. „Dann versuch du's auch mal.“

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Nachwort

Dieses Mal wurde es zwischen all dem üblichen Chaos auch ein wenig ernster. <3

Ace hat Vela ein Geheimnis anvertraut, das ihn schon lange beschäftigt. Mir lag besonders am Herzen, diesen Moment zwischen den Geschwistern einzufangen. Und während Ace von seinem eigenen Piratenschiff träumt, hat Vela offenbar ganz andere Pläne. Sehr zu Garps Freude!

Aber keine Sorge, für Chaos ist schon gesorgt!

Denn im nächsten Kapitel ist es endlich so weit: Luffy kommt dazu! <3

Ich hoffe, euch hat das Kapitel gefallen! Über eure Gedanken und ein kleines Review würde ich mich wirklich riesig freuen. Besonders interessiert mich, wie euch die Beziehung zwischen Ace und Vela und ihre unterschiedlichen Zukunftsträume bisher gefallen.

Bis zum nächsten Kapitel!

Eure LastMemory <3