LNCrawler

Kapitel 6 – Was die Zeit zurückließ

Ein Himmel Ohne Ketten — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel 6 – Was die Zeit zurückließ

Makino · Foosha · Partys Bar

Makino saß auf Shanks’ Schoß und hörte sich an, weshalb ein abgebrochenes Stuhlbein als gewöhnliche Abnutzung gelten musste. Yasopp hatte das Wort mit solcher Überzeugung gebraucht, dass sie beinahe lachen musste. Vor der Tür lehnte der fragliche Stuhl, dessen rechtes Hinterbein am Abend zuvor unter drei jubelnden Piraten nachgegeben hatte. Shanks hielt einen Arm um ihre Taille und schob ihr mit der freien Hand den Brotteller näher. „Vielleicht schreibst du ihn einfach mit auf meine Rechnung“, schlug er vor.

„Das habe ich schon.“ Makino nahm sich eine Scheibe. „Yasopp versucht gerade, mich davon zu überzeugen, dass ich euch für den übrigen Stuhl dankbar sein soll.“

„Drei Beine sind noch gut“, wandte der Schütze ein. „Und die Lehne.“

Benn saß am Ende des Tisches, mit der Zeitung neben dem Becher und einer Zigarette zwischen den Fingern. „Dann hast du ja genug Material, um das vierte zu ersetzen.“ Er blätterte um, während Lucky Roux mit vollem Mund etwas Zustimmendes von sich gab. Yasopp wollte wissen, seit wann ihr Frühstück mit einer Arbeitsverteilung verbunden sei, und Makino erklärte ihm, das sei eine Besonderheit des Hauses. Wer beim Hereinkommen seinen Stuhl zerlege, dürfe beim Hinausgehen einen ganzen mitbringen. Shanks lachte so laut, dass der Mann am Fenster von seinem Kaffee aufsah.

„Du könntest wenigstens auf meiner Seite sein“, beschwerte sich Yasopp.

„Ich sitze hier sehr gut.“ Shanks zog Makino ein wenig näher und bekam dafür ihren Ellbogen gegen die Seite. Er nahm ihr den Stoß nicht übel; als sie nach dem Honigtopf griff, hob er ihn ihr entgegen, bevor sie sich über den Tisch beugen musste. Die Krüge vom Vorabend standen längst sauber im Regal, frisches Brot lag aufgeschnitten neben der Butter, und durch die offenen Fenster kam die kühle Luft vom Hafen. Draußen verhandelten zwei Fischer über einen Korb, den offenbar keiner von ihnen zurückgeben wollte. Makino konnte ihren eigenen Namen hören und beschloss, sich erst darum zu kümmern, wenn einer der beiden tatsächlich hereinkam.

Sie war früh aufgestanden, um das Brot zu holen und den Herd anzufachen. Shanks hatte sich noch einmal auf dem Kissen ausgestreckt und gefragt, ob Übernachtungsgäste Anspruch auf ein Frühstück hätten. Sie hatte geantwortet, das hinge davon ab, ob der Gast anschließend die frischen Fässer vom Kai in ihren Keller trage. Er hatte ohne Verhandlung zugesagt und sie zu sich zurück ins Bett gezogen. Die Fässer standen inzwischen unten, und sie war mit dem Verlauf der Nacht wie mit dem Morgen ausgesprochen zufrieden. Lediglich der Knopf an seinem Hemd, der ihr beim Aufstehen unter das Bett gerollt war, lag vermutlich noch dort.

„Was kostet eigentlich ein neuer?“, fragte Yasopp.

„Ein Stuhl oder ein Knopf?“ Makino bemerkte ihren Versprecher erst, als Shanks hinter ihr zu lachen begann. Sie ließ sich nichts anmerken und deutete mit ihrer Brotscheibe zur Tür. „Der Stuhl kostet dich einen Besuch beim Tischler. Sag ihm, er soll mir die Rechnung schicken.“

„Ich hätte dir einen Knopf mitgebracht“, sagte Shanks dicht an ihrem Ohr.

„Du bringst mir nachher die leeren Fässer wieder hoch.“ Sie drehte sich gerade weit genug zu ihm, um ihm einen kurzen Kuss zu geben. Seine Hand blieb warm an ihrer Hüfte liegen, während sie sich wieder dem Tisch zuwandte. Yasopp hatte sich inzwischen von Benn erklären lassen, dass ein selbst gebauter Hocker nur dann als Ersatz zähle, wenn Makino ihn haben wolle. Er schien den Vorschlag trotzdem ernsthaft in Erwägung zu ziehen. An Bord gab es vermutlich genügend Holz; Makino beschloss, vor der Annahme jedes Ersatzmöbels selbst darauf Platz zu nehmen.

Roux schob die leere Platte an den Rand. „Ist noch was von dem Braten da?“

„Für heute Mittag.“

„Dann kann ich warten.“ Er griff nach dem Brot, worauf Shanks bemerkte, dass es schön sei, wie viel Selbstbeherrschung sie alle auf dieser Reise entwickelten. Makino schüttelte lachend den Kopf. Bei den ersten Besuchen hatte sie noch versucht, abzuschätzen, wie viele Portionen sie für die Mannschaft vorbereiten musste. Inzwischen kochte sie mehr und ließ sich von Roux rechtzeitig sagen, ob mehr auch genug sein würde. Dafür trugen die Männer ihre Einkäufe herein, rückten auf ein Wort die Tische zurecht und hatten sich angewöhnt, ihre Waffen dort abzulegen, wo kein Gast darübersteigen musste. Einmal hatte sie Benns Gewehr vom Durchgang nehmen wollen; seitdem lehnte es an seinem Stuhl, ohne dass sie ihn je wieder daran hätte erinnern müssen.

Die Eingangstür ging auf, und der Bäcker schob den Kopf herein. Er wollte wissen, ob sie für den Nachmittag noch einen Laib brauchte. Makino bestellte zwei und bat ihn, sie auf das Fensterbrett in der Küche zu legen, falls sie gerade im Keller war. Als er wieder ging, warf er einen Blick auf den kaputten Stuhl. Yasopp setzte bereits zu einer Erklärung an, doch Makino kam ihm zuvor. „Gewöhnliche Abnutzung“, sagte sie. Der Bäcker lachte und ließ die Tür hinter sich zufallen.

Shanks’ Lachen war noch immer dicht an ihrem Ohr. „Du lässt ihm wirklich nichts durchgehen.“

„Du hast doch angeboten, alles zu bezahlen.“

„Deshalb mag ich es ja, wenn er arbeiten muss.“ Sein Grinsen wurde breit und zog sich auf einer Seite etwas höher, während Yasopp ihm vorwarf, ein ausgesprochen schlechter Kapitän zu sein. Makino musste unwillkürlich an Vela denken. Noch gestern hatte sie dieses Grinsen vor sich gehabt, über einer geschwollenen Lippe und mit der festen Absicht, sich durch keine vernünftige Bitte den nächsten Einfall verderben zu lassen. „Morgen dann“, hatte sie gesagt. Dadan war nicht einmal aus der Küche gekommen, um ihr zu antworten; ihr Ruf hatte bis zum Waldrand gereicht.

Makino fragte sich, wie lange die beiden heute brauchen würden, um die Veranda zu schrubben. Vermutlich länger als nötig, weil Ace behaupten würde, auf seiner Seite seien mehr Dielen. Vela würde nachzählen wollen, und hinterher wären beide nass. Gestern hatte Makino den Nachmittag mit Dadans Flickwäsche verbracht, bis die Kinder zurückgekommen waren. Danach war sie mit zwei zerkratzten Händen, einem blauen Auge und einer blutenden Lippe beschäftigt gewesen, wobei die Hände immerhin nicht auch noch hatten verbunden werden müssen. Bei der Geschichte von den losen Brettern waren beide Kinder so sparsam mit Einzelheiten geblieben, dass sie lieber das Wasser gewechselt hatte.

Die Kette hatte sie darüber beinahe vergessen. Makino griff in ihre Rocktasche und fühlte das dünne Metall, das sich neben ihrem Taschentuch zusammengeschoben hatte. Sie hatte Vela versprochen, dafür zu sorgen, dass der Verschluss wieder hielt. Beim letzten Mal war nur ein Verbindungsring aufgegangen; damals hatte das Mädchen neben ihr auf der Bank gesessen und zugesehen, wie Makino ihn mit einer kleinen Zange wieder schloss. Gestern hatte Vela das Ende der Kette erst losgelassen, als Makino ihr versichert hatte, den Vogel beim nächsten Besuch zurückzubringen.

Sie zog das Schmuckstück hervor und entwirrte die Kette über ihrer Handfläche. Der kleine Vogel blieb auf ihrem Rock liegen, während sie den beschädigten Haken betrachtete. Das Metall war an der Biegung bereits eingerissen. Wenn sie versuchte, es zurückzudrücken, würde der Verschluss womöglich ganz abbrechen. Diesmal konnte sie selbst nichts ausrichten. Ihr fiel der Goldschmied ein, dessen Werkstatt in einer schmalen Gasse hinter dem Dorfplatz lag. Er war ein alter Freund; er hatte ihr schon manches ausgebessert, das sie längst verloren geglaubt hatte. Bei ihm würde sie nach dem Frühstück vorbeigehen. Falls jemand einen neuen Verschluss anbringen konnte, ohne den kleinen Vogel zu beschädigen, dann er. Vela sollte sich nicht noch einmal sorgen müssen, dass ihr kostbarstes Erinnerungsstück beim nächsten Klettern verloren ging.

Shanks hatte die Unterhaltung über Yasopps handwerkliche Fähigkeiten noch nicht ganz aufgegeben. Nun senkte er den Kopf zu ihrer Hand. „Was hast du denn da?“

„Einen Anhänger. Der Verschluss muss neu.“ Makino ließ die Kette durch die Finger gleiten, bis der Vogel wieder in ihrer Handfläche lag. Aus dunklem Metall waren der schmale Körper und die ausgebreiteten Flügel geformt, schlicht und sorgfältig gearbeitet. An den erhabenen Stellen war die Oberfläche vom Tragen glatt geworden. Sie strich die Kette beiseite, damit sie nicht darüberlag, und hielt ihm das Schmuckstück hin.

Shanks · Foosha · Partys Bar

Shanks hatte noch Makinos Kuss auf den Lippen und Yasopps empörte Stimme im Ohr, als er den Vogel aus ihrer Hand nahm. Die Kette lief kühl über seine Finger. Er hatte gedacht, sie werde ihm einen verbogenen Haken zeigen, vielleicht mit der Bitte, ihn für sie zu richten. Stattdessen lag der kleine dunkle Körper quer auf seinem Zeigefinger, und er kannte die Form der Flügel so genau, dass er mit dem Daumen an ihrer Kante entlangfuhr, bevor ihm bewusst wurde, was er tat.

Das Metall war glatter geworden. Dort, wo er die Flügel ein wenig rauer in Erinnerung hatte, glitt seine Haut ohne Widerstand darüber. Der beschädigte Verschluss stieß an seinen Ringfinger. Cina. Am Tisch lachte jemand über eine Antwort, die er nicht gehört hatte. Er hielt den Vogel ins Licht. Die Form der ausgebreiteten Flügel hatte sich nicht verändert, und er wusste noch, wie sie damals in Cinas Hand gelegen hatten.

„Shanks?“ Makinos Hand lag auf seinem Unterarm. Erst jetzt merkte er, wie unbequem sie saß, seit er sich aufgerichtet hatte. „Lass mich kurz aufstehen.“ Er half ihr behutsam von seinem Schoß und erhob sich, den Vogel noch immer in der Hand. Sie blieb neben ihm stehen. „Was ist denn?“

Benn klappte die Zeitung zusammen. Einen Moment später stand er am anderen Ende des Tisches. Yasopp hatte aufgehört zu reden; Roux stellte seinen Teller ab und ließ das Brot liegen. Shanks sah noch einmal auf das Schmuckstück und wandte sich dann an Makino. „Woher hast du den?“

„Von Vela.“ Sie antwortete ohne Zögern, aber ihre Hand blieb ausgestreckt, als warte sie darauf, dass er ihr den Anhänger zurückgab.

„Wer ist Vela?“

Makino betrachtete ihn jetzt aufmerksamer. „Warum fragst du?“

Er hatte den Namen nie gehört. Er konnte zu einer Frau aus dem Dorf gehören, einer Freundin, einer Reisenden, die Makino etwas zum Ausbessern gebracht hatte. Bis eben hatte die Kette einfach in ihrer Tasche gelegen. Vielleicht musste er nur eine gewöhnliche Frage stellen und bekam eine ebenso gewöhnliche Antwort. „Woher hat sie den Vogel?“

„Von ihrer Mutter. Er war ein Geschenk von ihr.“ Makino zog den Stuhl heran, auf dem sein Hut lag, nahm ihn an der Krempe und legte ihn vor Shanks auf den Tisch. Sie setzte sich noch nicht. „Was ist damit?“

Shanks legte die Kette in seine Hand, damit sie nicht länger herunterhing. Eine Mutter hatte den Anhänger verschenkt. Er sah auf die abgeriebenen Flügel, die an einem Hals gelegen haben mussten, lange genug, um so auszusehen. Auf einmal wollte er den Namen dieser Frau hören. Vielleicht hatte Cina jemanden gefunden, dem sie das Schmuckstück weitergegeben hatte. Vielleicht lebte sie irgendwo und trug inzwischen andere Ketten, lachte über dieselben schlechten Witze und wusste längst nicht mehr, auf welchem Markt sie diesen Vogel bekommen hatte. „Makino, wer ist Vela?“

Makino trat nicht näher, doch sie streckte auch nicht die Hand nach der Kette aus. „Shanks, Vela hat mir den Anhänger anvertraut. Bevor ich dir mehr über sie erzähle, möchte ich verstehen, warum du ihn so ansiehst.“

Hinter Benn wurde ein Stuhl gerückt. Yasopp stand auf und nahm die leeren Teller vom Tisch; Roux schob ihm seine Platte dazu. Die beiden gingen zum Tresen, wo der Mann vom Fenster gerade seinen Kaffee bezahlen wollte. Shanks hörte das Klirren von Geschirr und draußen wieder die Fischer. Einer von ihnen hatte seinen Korb offenbar zurückbekommen. Makino wartete noch immer, die Hand am Stuhlrücken, und er öffnete die Finger, damit sie den Vogel sehen konnte. „Ich habe ihn gekauft“, sagte er. „Vor vielen Jahren. Für eine Frau, die mir sehr viel bedeutet hat.“

Makino ließ die Hand vom Stuhl sinken. „Du bist sicher?“

„Ja.“ Er strich mit dem Daumen über die dunklen Flügel. „Sie hieß Cina.“

Benn war näher gekommen, ohne sich zwischen sie zu stellen. „Cina?“

Shanks nickte. Der Name war ihm noch immer vertraut, obwohl er ihn lange nicht ausgesprochen hatte. Er konnte ihre Stimme hören, wie sie einem Händler vorwarf, ihr absichtlich die faulen Früchte nach hinten in den Beutel zu schieben. Sie hatte damals die ganze Tüte wieder ausgepackt und den Mann jede einzelne ansehen lassen. Shanks hatte daneben gestanden und versucht, nicht zu lachen. Er erinnerte sich sogar an die geflickte Markise über ihnen und an den Saft auf Cinas Finger, den sie erst zu spät bemerkt hatte.

An jenem Morgen hatte Benn ihm beim Frühstück an Deck eine sehr kurze Liste zugeschoben. Zwei Ballen Seil, ein neuer Wassereimer und keine weiteren Männer, denen er bei einem Krug versprochen hatte, sie mitzunehmen. Cina hatte über Shanks’ Schulter mitgelesen und Benn angeboten, wenigstens den Eimer im Auge zu behalten. Als sie über die Planke an Land gingen, hatte Benn ihnen nachgerufen, dass sie vor dem Ablegen beides brauchten. Nun standen sie mitten auf dem Markt, hatten weder Seil noch Eimer gekauft und stritten mit einem Obsthändler über sechs Früchte, von denen drei bei der kleinsten Berührung nachgaben.

„Die sind reif“, beharrte der Mann.

„Dann haben sie ja lange genug darauf gewartet, dass du sie isst.“ Cina legte die letzte zurück auf seinen Stand und behielt die Hand auf dem offenen Beutel. Ihr helles Haar hatte sich aus dem losen Band im Nacken gelöst. Eine Strähne klebte ihr an der Wange, an der sie beim Probieren Saft abbekommen hatte; als Shanks sie darauf aufmerksam machte, wischte sie mit dem falschen Handrücken darüber und verteilte ihn noch ein wenig weiter. Sie merkte, dass er grinste. „Du darfst gern helfen.“

„Ich halte deinen Beutel.“

„Das könnte der Tisch auch.“

Er nahm ihr die Tüte ab und suchte drei festere Früchte aus der Auslage. Der Händler beschwerte sich, diese seien teurer. Cina hielt ihm den schon bezahlten Betrag auf den Fingern vor, einschließlich dessen, was er für die Tüte verlangt hatte. Als sie weitergingen, hatten sie sechs gute Früchte und eine zweite Tüte, in der Shanks die Reste einer siebten trug. Der Mann hatte sie ihnen mit der Aufforderung überlassen, zu prüfen, ob an ihrer Reife etwas auszusetzen sei. Shanks aß das letzte Stück und wischte sich die Hand an seinem Hemd ab. Cina blieb stehen, zog ihr Taschentuch hervor und reichte es ihm mit einem Ausdruck, den er inzwischen als Beginn einer längeren Bemerkung kannte.

„Er hat verloren“, sagte er vorsichtshalber. „Lass ihn doch seine Frucht behalten.“

„Ich wollte dich fragen, ob du mir das Gesicht sauber machen kannst. Du hast beide Hände frei.“

Er zog sie zwischen einen Pfosten und aufgestapelte Körbe, wo sie keinem im Weg standen. Unter der Markise war es kühler. Cina hielt still, während er ihr den klebrigen Streifen von der Wange wischte, und beobachtete ihn mit diesen hellen, honiggoldenen Augen, die ihn gelegentlich vergessen ließen, was er eigentlich hatte sagen wollen. Ihre feinen, klaren Gesichtszüge hatten selbst jetzt etwas Vornehmes. Er kannte ihr Gesicht morgens mit zerdrücktem Haar und abends im Licht einer Kajütenlampe; auch jetzt, zwischen alten Körben und dem Geruch überreifer Früchte, hätte er es länger betrachten können, als sie ihm zugestehen würde. Ihr Mund verriet bereits, dass sie sich eine Bemerkung zurechtlegte.

„War es so schlimm?“, fragte sie.

„Sehr. Ich überlege, ob ich dich noch mitnehmen kann.“

„Gut, dass ich zu Fuß unterwegs bin.“ Sie nahm ihm das Tuch ab, prüfte die saubere Stelle mit den Fingern und küsste ihn. Er legte ihr die Hand in den Nacken, bis ein Mann mit zwei leeren Körben an ihnen vorbei zum Stand wollte und sie aufforderte, sich für solche Geschäfte einen eigenen Platz zu mieten. Cina lachte gegen Shanks’ Mund. Dann sammelte sie ihre Tüten ein und überließ ihm die schwerere, ohne zu fragen.

Weiter vorn hatten sich die Leute um eine Frau versammelt, die flache Teigstücke in heißem Öl ausbackte. Es roch nach Zwiebeln, Fisch und dem Rauch eines schlecht ziehenden Ofens. Aus einem Verschlag klapperte ein Webstuhl, während davor ein Junge mit einem viel zu großen Fächer die Fliegen von ausgelegtem Stoff vertrieb. Cina blieb bei den Stoffen stehen. Benn hatte am Morgen auf ein Loch im vorderen Segel gezeigt, das seiner Meinung nach vor der Weiterfahrt geflickt werden musste. Am nächsten Tag wollten sie vor der Küste prüfen, ob die Naht hielt, und noch am Abend wieder in denselben Hafen einlaufen. Erst danach sollte es zur nächsten Insel gehen. Shanks hatte den Schaden für halb so schlimm erklärt. Cina wollte nun wissen, ob ein Loch, durch das man den Himmel sehen konnte, noch unter halb so schlimm fiel.

„Kommt darauf an, wo man steht“, sagte Shanks. „Vom Kai aus sieht man es kaum.“

„Dann solltest du Benn vom Kai aus fragen.“ Sie ließ sich ein Stück festen Stoff zeigen und prüfte es zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Händlerin begann ihr die verschiedenen Farben anzupreisen; Cina fragte stattdessen nach dem Garn. „Ihr fahrt morgen trotzdem raus? Nur für den Tag?“

„Wenn Benn das Segel heute noch fertig bekommt. Abends sind wir wieder hier.“ Er sah sie an. „Du kommst nicht mit?“

„Morgen lässt mich der Schreiber in die alten Listen des Hafens sehen“, erklärte sie. „Ich habe gestern von einem Schiff gehört, das vor Jahren hier angelegt haben soll. Den Namen kenne ich, aber ich möchte wissen, ob es wirklich hier war.“

„Du suchst nach einem Schiff?“ Shanks stellte den Stoffballen zurück, den er gerade angehoben hatte. „Davon hast du mir gar nichts erzählt.“

„Weil ich bis gestern selbst nicht wusste, dass es hier gewesen sein könnte. Vielleicht habe ich mich auch verhört.“ Cina strich mit den Fingern über das Garn. Für einen Augenblick war ihr Lächeln verschwunden. „Aber ich möchte nachsehen, bevor wir weiterfahren.“

„Soll ich bleiben?“

Sie schüttelte den Kopf. „Wozu? Damit du den armen Schreiber so lange ausfragst, bis er zugibt, dass er seine eigenen Listen nicht versteht?“ Als Shanks protestieren wollte, hob sie eine Hand. „Ich komme allein zurecht. Und ihr seid noch vor dem Abendessen zurück.“

Damit hatte sie recht. Shanks hatte Cina mit dem Schwert kämpfen sehen; einen Weg durch eine Hafenstadt musste er ihr nicht freikämpfen. Außerdem war es kein Abschied. Eine Fahrt vor die Küste, ein Tag, dann würden sie wieder am selben Tisch sitzen und sie würde ihm erzählen, was sie herausgefunden hatte. Er legte den Stoffballen zurück.

„Und die Bucht auf der nächsten Insel?“, fragte er.

„Die will ich immer noch sehen. Mindestens zwei Tage lang. Bevor du mich wieder auf dein Schiff lockst.“

„Ich locke dich?“

„Du hast mir einen Sonnenuntergang versprochen. Bekommen habe ich Regen und deine nassen Stiefel.“ Sie legte den Stoff zurück und nahm eine kleine Rolle kräftigen Garns. „Die Aussicht war trotzdem ganz hübsch.“ Als er sie an sich ziehen wollte, hielt sie ihm die Einkäufe entgegen. „Seil und Eimer, Shanks. Du wirst doch wenigstens wissen, wo man die bekommt.“

Er wusste es ungefähr. Der Markt lag oberhalb des Hafens, und zwei Straßen weiter gab es einen Laden, vor dessen Tür Tauwerk an Haken hing. Sie kauften zwei Ballen, ließen sie für die Mannschaft zurücklegen und fanden beim nächsten Stand einen Eimer, der weder am Boden rostig war noch einen fehlenden Henkel besaß. Cina stellte ihn auf den Boden, ließ sich Wasser hineingießen und wartete, während der Verkäufer ihr versicherte, er sei dicht. Shanks nutzte die Pause, um bei der Frau mit der Pfanne etwas Warmes zu kaufen. Als er zurückkam, hatte Cina den Eimer ausgehandelt und sich inzwischen selbst einen Fladen besorgt.

„Du hast mir nichts mitgebracht“, stellte sie fest.

„Ich wollte teilen.“

„Ich auch.“ Sie brach ihr Stück auseinander und gab ihm die kleinere Hälfte. Dann liefen sie mit dem Eimer zwischen sich zum Hafen zurück. Es war inzwischen voller geworden, und Cina musste sich an ihn halten, als ein Mann mit einer Schubkarre an ihnen vorbei durch die enge Gasse wollte. Ihre Finger blieben anschließend in seinen. Er hätte sie gern gefragt, ob sie nicht auch noch die übernächste Insel sehen wollte. Stattdessen nahm er ihr den Eimer ab und ließ sich erzählen, weshalb sie dem Verkäufer nicht schon bei seiner ersten Versicherung geglaubt hatte. Auf der Innenseite hatte sich ein alter Wasserfleck befunden, der gut von einem undichten Boden stammen konnte. Sie war mit sich zufrieden, weil er ihr am Ende weniger berechnet hatte.

Den Schmuckstand hätte er beinahe übersehen. Zwischen einem Tisch mit gebrauchten Messern und einer Frau, die Körbe ausbesserte, stand nur eine schmale Holzplatte auf zwei Böcken. Auf gefaltetem Stoff lagen Armreifen, Ketten und ein paar kleine Anhänger. Der dunkle Vogel lag am vorderen Rand, die Flügel weit ausgebreitet, als hätte der Handwerker mitten in einer Bewegung aufgehört. Shanks blieb stehen. Cina ging noch ein Stück bis zu den Körben weiter, weil der Henkel ihrer Tasche an einer scharfen Stelle abgerieben war und sie die Frau fragen wollte, womit man ihn neu umwickeln konnte.

Er nahm den Vogel auf. Das Metall war kühl und an den Kanten noch ein wenig rau. Es gefiel ihm, wie die Flügel geformt waren, ohne dass jemand jede einzelne Feder hatte nachbilden müssen. Der Mann hinter dem Stand nannte einen Preis. Shanks kaufte die Kette dazu und schob ihm die Münzen hin, bevor Cina sich umdrehen konnte. Sie kam mit einem schmalen Lederstreifen zurück und wollte wissen, ob er sich ein Messer ausgesucht hatte.

„Nein.“ Er nahm ihre freie Hand und drückte ihr den Vogel hinein. „Für dich.“

Cina sah auf ihre Handfläche. Die Kette war darübergerutscht und hing zwischen ihren Fingern herab. „Hast du den gerade gekauft?“

„Ich wollte ihn dir nicht stehlen.“ Er lächelte sie an und nahm ihr den Lederstreifen ab, damit sie das Geschenk ansehen konnte. „Obwohl das vermutlich billiger gewesen wäre.“

Sie antwortete nicht sofort. Mit dem Daumen strich sie über einen der Flügel, drehte den kleinen Körper und legte ihn wieder flach auf ihre Hand. Neben ihnen zählte der Verkäufer die Münzen nach. Eine Kundin drängte sich an Shanks vorbei und fragte nach einem Armreif, worauf er Cina an den Rand des Standes zog. Sie schloss die Finger um den Vogel und sah zu ihm auf. „Du musst mir nichts schenken, damit ich weiter mit euch fahre.“

„Ich weiß.“ Er streckte ihr den Eimer entgegen. „Wenn es hilft, kannst du den auch tragen.“

Ihr Lachen kam so unvermittelt, dass die Frau mit den Körben den Kopf hob. Cina nahm den Eimer tatsächlich und drückte ihm dafür die Kette in die Hand. „Hilfst du mir?“ Sie drehte ihm den Rücken zu und hob ihr helles Haar an. Er brauchte zwei Versuche mit dem kleinen Verschluss, weil sie nicht aufhörte, über den Eimer zu lachen. Als die Kette endlich hielt, legte sie das Haar zurück und berührte den Vogel unterhalb ihrer Kehle. Shanks fand, dass er dort gut aussah. Er sagte es ihr, und sie zog ihn am offenen Kragen zu sich herunter, um ihn zu küssen.

Diesmal beschwerte sich niemand. Cina blieb noch einen Augenblick dicht bei ihm, den Eimer gegen sein Bein gedrückt, und strich mit den Fingern die Falte glatt, die sie in sein Hemd gezogen hatte. „Danke“, sagte sie. Dann nahm sie seine Hand und zog ihn die Gasse hinunter. Am Hafen würde Benn nach den Seilen fragen, und Shanks hatte noch immer nicht vor, für deren Transport selbst zurückzulaufen. Für den Weg bis zum Kai ließ er sich Zeit. Cina erzählte ihm von der Bucht, die sie auf der nächsten Insel sehen wollte, und er versprach, bis dahin wenigstens eine Karte aufzutreiben, die Benn nicht als beleidigend ungenau bezeichnete. Cina behauptete, Benn werde trotzdem etwas auszusetzen haben. Shanks widersprach ihr diesmal nicht.

„Wo ist sie jetzt?“ Makinos Frage erreichte ihn über das Klirren eines Kruges hinweg. Vor ihm stand noch immer derselbe Tisch mit dem Frühstück darauf. An der Tür machte Yasopp einem Mann Platz, der mit einer Rechnung hereinkam. Makino nahm das Papier entgegen und legte es vorerst neben Benns Zeitung. Shanks sah auf den Vogel in seiner Hand. Er hatte eine Weile nichts gesagt, und Makino hatte ihn gelassen.

„Das weiß ich nicht.“ Er zog den Stuhl zurück, den sie für sich herangerückt hatte. „Ich hatte gehofft, du könntest mir das sagen.“

Sie setzte sich. „Ich kenne keine Frau namens Cina. Hat sie dir den Anhänger irgendwann zurückgegeben?“

„Nein. Sie hat ihn getragen, als ich sie zuletzt gesehen habe.“ Shanks nahm seinen eigenen Platz wieder ein. Die Kette legte sich zwischen seinen Fingern in Schlingen, die er nicht bemerkte, bis sie sich um einen Knöchel strafften. Er löste sie und breitete sie auf der Handfläche aus. Cina hatte den Vogel oft unter der Kleidung getragen; wenn sie lachte und sich zu ihm herunterbeugte, war er am Ausschnitt ihres Hemdes hervorgeglitten. Einmal hatte sich die Kette in seinen Haaren verfangen, und sie hatte ihn festhalten müssen, weil er zurückwich, bevor sie den Knoten lösen konnte. Er hatte ihr gesagt, sie müsse sich entscheiden, ob sie ihn oder den Vogel behalten wolle. Sie hatte geantwortet, der Vogel brauche weniger Platz.

„Ihr habt euch getrennt?“, fragte Makino.

„Sie war fort, als wir zurückkamen.“ Shanks legte die Hand mit dem Anhänger auf den Tisch. „Wir waren nur einen Tag draußen, um das Segel auszuprobieren. Cina wollte im Hafen bleiben und alte Schiffslisten ansehen. Am Abend wollten wir uns wieder treffen. Aber sie war nicht da.“

Er war zuerst zu dem Zimmer gegangen, das sie gemietet hatten. Die Wirtin hatte behauptet, Cina sei abgereist, und auf seine Frage nach einer Nachricht den Kopf geschüttelt. Das allein hatte Shanks nicht genügt. Sie hatte die Nacht zuvor noch bei ihm verbracht, beim Frühstück über den nächsten Reiseabschnitt gesprochen und ihn mit einem beinahe beiläufigen Kuss verabschiedet. Deshalb war er zum alten Kontor gegangen, hatte mit dem Schreiber gesprochen und sich die Listen zeigen lassen, in denen Cina etwas hatte nachlesen wollen. Der Mann erinnerte sich an eine hellhaarige Frau, konnte aber nicht sagen, wohin sie danach gegangen war. Shanks hatte anschließend den Markt, die Gasthäuser und die Anlegestellen abgesucht. Er hatte sich die Boote nennen lassen, die während ihrer Abwesenheit ausgelaufen waren, und den Hafenmeister so oft nach neuen Einträgen gefragt, dass der Mann schließlich von selbst die Liste aufschlug, sobald Shanks erschien. Benn, Roux und die anderen waren ebenfalls unterwegs gewesen. Nichts davon hatte ihnen eine Spur gegeben, der sie über den Hafen hinaus hätten folgen können.

Benn setzte sich an die schmale Seite des Tisches. „Wir sind später noch einmal hingefahren“, sagte er. „Es gab auch da keine Nachricht.“

Shanks konnte sich an den zweiten Besuch erinnern, an die neue Farbe an der Zimmertür und die Verlegenheit der Wirtin, die ihm nichts anderes sagen konnte als beim ersten Mal. Noch einmal hatten sie beim Kontor und bei den Schiffen nachgefragt. Cina hatte ihm nicht versprochen, für immer an Bord zu bleiben. Wenn sie eines Tages woanders hätte hingehen wollen, hätte er sie nicht festgehalten. Aber sie hatte für diesen Abend mit ihm gerechnet. Sie war eine hervorragende Schwertkämpferin; er hatte oft genug gesehen, wie wenig eine bewaffnete Überzahl sie beeindruckte. Der Gedanke an einen gewöhnlichen Überfall hatte deshalb nie recht gepasst. Wenn jemand sie gegen ihren Willen mitgenommen hatte, musste mehr dahintergesteckt haben. Nur hatte niemand einen Kampf gesehen, einen Schrei gehört oder irgendetwas gefunden, das ihnen diese Vermutung bestätigt hätte. Sie hatte ihm gesagt, er solle etwas vom guten Tee für sie übrig lassen. Bei ihrer Rückkehr hatte die Dose ungeöffnet in seiner Kajüte gestanden.

Er hatte sich irgendwann angewöhnt, ihren Namen erst nach den anderen Fragen zu nennen, wenn sie einen Hafen anliefen, den Cina hätte erreichen können. Später hatte er auch das seltener getan. Es waren Menschen zu seiner Mannschaft gekommen, die sie nie kennengelernt hatten. Er hatte Häfen wieder verlassen, in denen sie nichts hätte anfangen können, und andere gefunden, von denen er ihr gern erzählt hätte. Wenn ihm eine helle Stimme aus einer Menge entgegengekommen war oder er bei einem Händler diese kleinen, viel zu süßen Früchte gesehen hatte, war sie ihm wieder eingefallen. Manchmal hatte er sich gefragt, ob sie sich noch genauso überreden ließ, etwas zu kosten, von dem sie vorher behauptete, es werde ihr nicht schmecken. Darauf hatte es ebenso wenig eine Antwort gegeben wie auf die anderen Fragen.

Makino schob den Brotteller beiseite und legte ihr Taschentuch auf die freie Stelle. „Wie lange ist das her?“, fragte sie.

„Fast neun Jahre.“ Shanks wartete, doch sie fragte nicht weiter. Ihr Blick blieb an dem Vogel hängen, und als sie wieder zu ihm aufsah, lag ihre Hand still neben dem Tuch. „Wie lange hat Vela ihn schon?“

„Solange ich sie kenne. Früher war ihr die Kette zu lang. Ich habe sie einmal kürzer gemacht, damit sie nicht überall hängen blieb.“ Makino berührte den verbogenen Verschluss am Rand seiner Handfläche, ließ den Vogel aber bei ihm. „Gestern hat sie mich kaum gehen lassen, ohne sich noch einmal zu vergewissern, dass ich ihn wieder mitbringe.“

„Ihre Mutter lebt hier?“

„Nein. Vela kennt sie nicht.“

Er sah Makino an. Von der Straße drang das Rattern eines Karrens herein. Neben dem Tresen lachte Roux über etwas, das der Mann mit der Rechnung gesagt hatte, und brach mitten darin ab, als er zu ihnen herübersah. Shanks hätte gern gewusst, ob das Mädchen auf die Rückkehr seiner Mutter wartete. Vielleicht gab es Briefe oder jemanden, der diese Frau kannte und ihm wenigstens ihren Namen nennen konnte. „Weißt du, was mit ihrer Mutter passiert ist?“

„Nein.“ Makino nahm die Hand von der Kette. „Und ich werde Vela nichts erzählen, das ich nicht weiß.“

„Das sollst du auch nicht.“ Shanks merkte, wie schnell er geantwortet hatte. Er ließ die Hand mit dem Vogel offen auf dem Tisch ruhen. „Ich will ihn ihr nicht wegnehmen. Er gehört ihr.“

Makino sah auf die Kette in seiner Hand. „Sie ist ein Kind, Shanks. Sie weiß nicht, wer ihre Eltern sind. Ich will nicht, dass jemand ihr etwas erzählt, nur weil uns dieser Anhänger plötzlich an etwas erinnert.“

„Das will ich auch nicht.“ Seine Antwort kam schneller, als er beabsichtigt hatte. Er öffnete die Hand ein Stück, sodass Makino den Vogel wieder sehen konnte. „Ich werde ihr nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Und ich nehme ihr den Anhänger nicht weg. Er gehört ihr.“

Makino nickte, nahm den leeren Becher vom Tisch und stellte ihn zwischen die anderen. Den kalten Kaffee schob sie Shanks wieder in Reichweite, ohne ihn zum Trinken aufzufordern. „Ich verstehe, dass du wissen willst, wie das Stück zu ihr gekommen ist“, sagte sie. „Aber ich kenne die Geschichte davor nicht. Ich kann dir nur sagen, was ich selbst von Vela weiß.“

Shanks nickte. Er wollte sie nach den Menschen fragen, bei denen das Mädchen lebte, danach, ob einer von ihnen Cina gesehen hatte oder wusste, wo sie geblieben war. Makino hatte ihm aber gerade deutlich gemacht, dass sie nicht leichtfertig über Vela sprechen würde. Und noch gab es eine Frage, die er stellen konnte, ohne sie nach einem Ort oder einem Menschen zu fragen, den sie schützen wollte. „Wie heißt sie?“, fragte er. „Vollständig.“

Makino zögerte. Sie sah noch einmal auf den Anhänger in seiner Hand, ehe sie antwortete. „Vela Vale.“

Seine Finger hielten am Henkel der Kaffeetasse inne. Vale war der Name, mit dem Cina sich ihm vorgestellt hatte und unter dem er später vergeblich nach ihr gefragt hatte. Shanks sah Makino an. „Wie alt ist sie?“

„Sie ist acht Jahre alt.“ Shanks hörte Benn langsam und tief ausatmen. Der Vogel lag noch immer in seiner Hand. Cina hatte ihn bei ihrem letzten Abschied getragen; Shanks erinnerte sich daran, wie sie sich am Morgen vor der Abfahrt zu ihm gebeugt hatte. Was sie danach erlebt hatte, wen sie getroffen hatte oder ob sie überhaupt noch lebte, wusste er nicht. Er stellte die Tasse ab und sah Benn an.

„Sie war am Morgen vor unserer Ausfahrt noch bei mir“, sagte Shanks. Er sah den Anhänger an und hörte, wie Benn seinen Stuhl heranzog. „Das war Ende des Frühlings“, sagte sein Freund. „Der Tag mit dem geflickten Segel.“ Shanks nickte. Er erinnerte sich an Cina am Kai, die seinen Abschiedsgruß mit einem viel zu ernsten Salut beantwortet hatte. „Dann rechnen wir von diesem Abend an.“

__________________

Nachwort

Tja, manchmal reicht ein kleiner Vogelanhänger, um die Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken. <3

Mit diesem Kapitel nimmt unsere Geschichte nun langsam richtig Fahrt auf! Shanks begegnet einem Stück seiner Vergangenheit, von dem er vermutlich nie erwartet hätte, es ausgerechnet in Foosha wiederzufinden.

Besonders wichtig war mir, euch diesmal auch einen Einblick in seine gemeinsame Zeit mit Cina zu geben. Schließlich steckt hinter diesem kleinen Anhänger so viel mehr als nur ein hübsches Schmuckstück.

Und während Shanks und Benn nun anfangen zu rechnen, dürfen wir gespannt sein, wohin ihre Überlegungen führen werden. ;)

Jetzt bin ich allerdings besonders neugierig auf eure Meinung!

Wie hat euch dieses Kapitel gefallen? Was haltet ihr von Shanks' Reaktion und den Einblicken in seine Vergangenheit mit Cina?

Ich würde mich wirklich riesig über eure Reviews freuen! Gerade jetzt, wo die verschiedenen Handlungsstränge langsam zusammenfinden, interessiert mich sehr, wie ihr die Geschichte erlebt. Auch ein paar kurze Worte machen mir unglaublich viel Freude! <3

Bis zum nächsten Kapitel!

Eure LastMemory <3