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Wenn Wege schmaler werden

Ein Leben Zwischen Den Zeilen – Sammlung Zur Wochen-Challenge — www.fanfiktion.de · All chapters

Wenn Wege schmaler werden

Hallo meine lieben Leser,

hier folgt nun auch schon mein dreizehnter  Beitrag zur Wochen-Challenge.

Mich hat eben schon die Muse geküsst und deshalb habe ich mich auch entschlossen, dass mein täglicher Hochladetag für dieses Projekt nun auch immer der Sonntag sein wird.^^

Der dreizehnte Prompt lautete wie folgt:

Kalenderwoche 13 von Damien Black

Dein Charakter macht einen längeren Urlaub und mietet sich dafür einen Wohnwagen (oder ein ähnliches Gefährt). Leider läuft nicht alles wie geplant und am Ende steht er mit einem ziemlich ramponierten Gefährt vor dem Vermieter. Wie dieser wohl reagiert und was überhaupt alles passiert ist? Das ist eure Entscheidung.

Vielen Dank Damien Black für dieses schöne Projekt!

Ich wünsche euch nun  viel Spaß beim Lesen! Ich hatte viel Freude beim Schreiben!

Viele Grüße

Hira

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Wenn Wege schmaler werden

Winfried Jakobus hatte sich diesen Urlaub lange, vielleicht zu lange, ausgemalt.

Schon Wochen vorher hatte er in seinem kleinen, ordentlich geführten Notizbuch Listen geschrieben. Dinge, die er einpacken wollte. Orte, die er sehen wollte. Gedanken, die er unterwegs ordnen wollte. Zwischen all den Stichpunkten tauchte immer wieder derselbe Satz auf, mal fett unterstrichen, mal mit einem kleinen Sternchen versehen: „Einfach mal raus.“

An diesem Morgen stand er nun tatsächlich vor dem gemieteten Wohnwagen. Er war größer, als Winni erwartet hatte. Ein leicht in die Jahre gekommenes Gefährt, cremefarben, mit einem leicht verblassten grünen Streifen an der Seite. Die Reifen wirkten stabil, die Fenster waren sauber geputzt und im Inneren roch es nach einer Mischung aus Holz, Reinigungsmittel und einem Hauch Abenteuer. Inspiriert zu seinem ersten Wohnwagen-Urlaub hatte ihm die VOX-Serie „Einmal Camping, immer Camping“, die derzeit noch im Fernsehen lief.

Winni strich sich über sein zurückgehendes braunes Haar, rückte sein lilafarbenes Hemd zurecht und betrachtete das Fahrzeug mit einem nachdenklichen, aber warmen Lächeln.

„Das wird gut“, murmelte er leise zu sich selbst. „Das wird… wirklich gut.“

Er hatte Hira am Abend zuvor noch geschrieben.

„Ich melde mich, sobald ich angekommen bin. Und keine Sorge, ich fahre vorsichtig.“

Hira hatte geantwortet: „Ich weiß, Winni. Du bist der vorsichtigste Mensch, den ich kenne. Viel Spaß!“

Er hatte darüber geschmunzelt. Vorsichtig. Ja. Vielleicht sogar zu vorsichtig.

Doch diesmal wollte er etwas anderes sein.

Die ersten Tage verliefen tatsächlich genau so, wie er es sich erträumt hatte.

Er fuhr durch sanfte Hügellandschaften, hielt an kleinen Seen, kochte sich morgens Kaffee auf dem kleinen Gaskocher und saß abends mit einem Buch vor dem Wohnwagen, während die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand. Seine blauen Augen wirkten in diesen Momenten besonders ruhig, fast ein wenig jünger.

Er schrieb Hira lange Nachrichten. Beschrieb ihr die Orte, die Stille, die Art, wie der Wind durch die Bäume strich.

„Du würdest es hier mögen“, schrieb er einmal. „Es ist… klar. Irgendwie ehrlich.“

Doch am vierten Tag begann alles, ganz langsam, aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Es fing harmlos an.

Ein schmaler Waldweg, den er eigentlich nicht hätte nehmen sollen. Das Navigationsgerät hatte gezögert, dann neu berechnet. Winni hatte kurz innegehalten, die Stirn gerunzelt.

„Das wird schon gehen“, sagte er sich.

Der Weg wurde enger. Äste streiften die Seiten des Wohnwagens. Ein leises Kratzen. Noch ein Kratzen.

Winni biss sich auf die Unterlippe.

„Das ist nur… oberflächlich“, murmelte er. „Ganz bestimmt nur oberflächlich.“

Dann kam die erste Kurve.

Zu eng.

Er lenkte vorsichtig, viel zu vorsichtig. Das Heck schwenkte leicht aus und streifte einen niedrigen, unscheinbaren Holzpfosten am Wegesrand.

Ein dumpfes Knacken.

Winni erstarrte.

Er stellte den Motor ab, stieg aus und ging langsam nach hinten. Jeder Schritt wirkte schwerer als der vorherige.

Die Ecke des Wohnwagens war eingedrückt. Nicht dramatisch, aber deutlich sichtbar.

Er legte vorsichtig seine Hand darauf, als könne er den Schaden dadurch rückgängig machen.

„Oh… nein.“

Er hätte an diesem Punkt umkehren können.

Das wäre vernünftig gewesen.

Aber etwas in ihm – vielleicht der Wunsch, nicht sofort aufzugeben, vielleicht der Gedanke, dass es „jetzt auch egal“ sei – ließ ihn weiterfahren.

Und genau das war der Moment, in dem der Urlaub begann, sich gegen ihn zu wenden.

Der Waldweg wurde matschig. Die Reifen verloren kurz den Halt. Der Wohnwagen rutschte leicht zur Seite, blieb aber stehen.

Winni atmete tief durch.

„Ganz ruhig. Du schaffst das.“

Er schaffte es. Irgendwie.

Doch am nächsten Tag passierte das nächste Missgeschick: Beim Rückwärtsfahren auf einem kleinen Campingplatz übersah er einen niedrigen Stein. Das Fahrzeug setzte auf. Ein hässliches Schleifgeräusch. Wieder ein Schaden, diesmal unten, unsichtbarer, aber spürbar.

Winni begann schlechter zu schlafen.

Er lag nachts wach in dem schmalen Bett, hörte jedes Knacken des Wohnwagens, jeden Windstoß und dachte an den Vermieter. An das Gespräch. An die Erklärung.

Er schrieb Hira weniger.

Nicht, weil er es nicht wollte, sondern weil er nicht wusste, wie er es erklären sollte.

Am siebten Tag kam der Regen.

Stundenlang. Unaufhörlich.

Ein kleines, zunächst harmloses Tropfen begann an der Decke. Genau über der kleinen Sitzbank. Winni starrte darauf, als könne er es mit bloßem Blick stoppen.

Tropf.

Tropf.

Tropf.

Er stellte eine Tasse darunter.

„Das ist nur vorübergehend“, sagte er sich. „Ganz bestimmt nur… vorübergehend.“

Doch es wurde schlimmer.

Am Ende stand nicht nur eine Tasse dort, sondern zwei, dann drei.

Und Winfried Jakobus saß in seinem lilafarbenen Hemd, das inzwischen leicht zerknittert war, auf der schmalen Bank, die Hände ineinander verschränkt und sah seinem gescheiterten Traum beim Tropfen zu.

Als er schließlich zurückfuhr, war der Wohnwagen… nicht mehr derselbe.

Kratzer an den Seiten. Eine eingedrückte Ecke. Leichte Schäden am Unterboden. Und das undichte Dach.

Winni hatte die ganze Fahrt über kaum gesprochen. Nur einmal, ganz leise: „Ich hätte vorsichtiger sein müssen.“

Der Hof des Vermieters lag still in der Nachmittagssonne.

Winni parkte den Wohnwagen vorsichtig auf dem vorgesehenen Platz. Seine Hände zitterten leicht, als er den Motor ausschaltete.

Er blieb einen Moment sitzen.

Dann noch einen.

Dann stieg er aus.

Der Vermieter, ein stämmiger Mann mit verschränkten Armen, kam bereits auf ihn zu. Sein Blick wanderte über das Fahrzeug.

Er sagte zunächst nichts.

Und genau dieses Schweigen war schlimmer als jede mögliche Reaktion.

Winni räusperte sich.

„Es… es ist nicht ganz so gelaufen wie geplant“, begann er vorsichtig.

Der Vermieter trat näher, strich mit der Hand über die verkratzte Seite, beugte sich leicht zur eingedrückten Ecke hinunter.

Ein leises, langgezogenes Ausatmen.

„Nicht ganz so gelaufen?“, wiederholte er trocken.

Winni öffnete den Mund, schloss ihn wieder, suchte nach Worten.

Und genau in diesem Moment hörte man Schritte hinter ihm.

„Winni!“

Er drehte sich um.

Hira.

Sie stand am Eingang des Hofes, ihre langen schwarzen Haare leicht vom Wind bewegt, den Blick fest auf ihn gerichtet. Ohne zu zögern, ging sie auf ihn zu.

Winni blinzelte überrascht. „Hira? Was machst du denn hier?“

„Du hast kaum noch geschrieben“, sagte sie ruhig. „Also dachte ich, ich schaue nach dir.“

Sie stellte sich neben ihn, warf einen kurzen Blick auf den Wohnwagen und hob leicht die Augenbrauen.

„…Ah.“

Ein kurzer Moment der Stille.

Dann sah sie den Vermieter an.

„Es sieht schlimmer aus, als es ist“, sagte sie ruhig, fast sachlich. „Und ich bin sicher, wir finden eine Lösung.“

Winni sah sie an. In seinen Augen lag eine Mischung aus Erleichterung, Scham und Dankbarkeit.

Der Vermieter musterte die beiden.

Dann, nach einem langen Moment, seufzte er.

„Kommt erstmal rein“, sagte er schließlich. „Dann schauen wir uns das in Ruhe an.“

Winni ließ die Schultern sinken.

Ganz langsam.

Und während sie gemeinsam in Richtung Büro gingen, war da plötzlich wieder etwas, das er fast verloren geglaubt hatte.

Nicht der perfekte Urlaub.

Aber etwas anderes.

Etwas Echtes.

Hira stupste ihn leicht mit dem Ellbogen an.

„Abenteuerurlaub, hm?“

Winni schnaubte leise, ein müdes, aber ehrliches Lächeln auf den Lippen.

„Nächstes Mal“, sagte er, „nehme ich ein Fahrrad.“