Das Handtuch und das Handbuch: Eine lehrreiche Verwechslung
Das Handtuch und das Handbuch: Eine lehrreiche Verwechslung
Hallo meine lieben Leser,
hier folgt mein 22. Beitrag zur Wochen-Challenge.
Der 22. Prompt lautete wie folgt:
Kalenderwoche 22 von - Leela -
Ein Handtuch ist etwas anderes als ein Handbuch! Den Unterschied muß auch dein Charakter feststellen…
Vielen Dank Damien Black für dieses schöne Projekt!
Ich wünsche euch nun viel Spaß beim Lesen! Ich hatte viel Freude beim Schreiben!
Viele Grüße
Hira
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Das Handtuch und das Handbuch: Eine lehrreiche Verwechslung
Im beschaulichen saarländischen Städtchen Dillingen lebte ein Deutschlehrer namens Winfried Jakobus. Er war weithin bekannt für seine freundliche Art, seinen trockenen Humor und seine große Liebe zur deutschen Sprache. Seine Schülerinnen und Schüler mochten ihn, weil er selbst die schwierigsten Grammatikregeln mit Geduld und einem Lächeln erklärte.
An einem sonnigen Montagmorgen betrat Winfried wie gewohnt das Klassenzimmer der BFS-II. Die Jugendlichen saßen bereits auf ihren Plätzen, manche aufmerksam, manche noch halb verschlafen.
„Guten Morgen zusammen!“, begrüßte Winfried die Klasse.
„Guten Morgen, Herr Jakobus!“, schallte es zurück.
„Heute beschäftigen wir uns mit zusammengesetzten Substantiven. Die deutsche Sprache liebt solche Wörter. Manchmal entstehen dadurch lustige Missverständnisse.“
Kaum hatte er dies gesagt, meldete sich Tim in der ersten Reihe.
„Herr Jakobus, mein Vater hat gestern gesagt, ich soll ihm das Handbuch für den neuen Rasenmäher bringen. Da habe ich ihm ein Handtuch gegeben. Er fand das überhaupt nicht lustig.“
Die Klasse lachte.
Winfried schmunzelte.
„Das ist ein wunderbares Beispiel! Ein Handtuch ist nämlich etwas völlig anderes als ein Handbuch.“
„Aber die Wörter klingen fast gleich!“, protestierte Tim.
„Fast“, antwortete Winfried. „Doch genau deshalb müssen wir auf die Bedeutung achten.“
Er schrieb beide Wörter an die Tafel:
Handtuch
Handbuch
„Wer kann mir sagen, was ein Handtuch ist?“
Sofort gingen mehrere Hände hoch.
„Damit trocknet man sich die Hände ab!“, rief Lisa.
„Oder das Gesicht!“
„Oder die Haare!“
„Richtig“, sagte Winfried.
Dann zeigte er auf das andere Wort.
„Und was ist ein Handbuch?“
Nun wurde es still.
Schließlich meldete sich Marie.
„Ist das nicht so eine Anleitung für Geräte?“
„Ganz genau.“
Winfried nickte zufrieden.
„Ein Handbuch enthält Informationen, Erklärungen und Anweisungen. Ein Handtuch dagegen dient zum Abtrocknen. Wer die beiden verwechselt, bekommt entweder trockene Hände oder einen kaputten Rasenmäher.“
Wieder lachte die Klasse.
In der Pause dachte Winfried nicht weiter darüber nach. Doch am Nachmittag sollte ihn genau dieses Thema erneut einholen.
Nach dem Unterricht fuhr er zum örtlichen Hallenbad. Er schwamm regelmäßig einige Bahnen, um fit zu bleiben.
An der Kasse traf er seinen alten Bekannten Karl.
„Winfried!“, rief Karl. „Gut, dass ich dich treffe. Ich habe ein Problem.“
„Was denn?“
„Ich habe mir einen neuen Computer gekauft. Die Verkäuferin sagte, das Handbuch liege im Karton. Aber ich finde nur ein Handtuch!“
Winfried runzelte die Stirn.
„Ein Handtuch? Im Computerkarton?“
„Ja!“
„Das kann doch gar nicht sein.“
Karl öffnete seinen Rucksack und zog tatsächlich ein zusammengefaltetes Stück Stoff hervor.
Winfried betrachtete es.
Es war ein kleines Werbehandtuch mit dem Logo des Computergeschäfts.
„Karl“, sagte er schließlich und musste lachen, „das ist ein Werbegeschenk. Das Handbuch liegt bestimmt noch irgendwo im Karton.“
„Ach so!“, sagte Karl erleichtert. „Dann habe ich mich wohl geirrt.“
„Oder du hast zu schnell gelesen.“
„Das kommt vor.“
Als Winfried später nach Hause kam, erzählte er seiner Frau von dem Vorfall.
„Heute scheint der Tag der Handtücher und Handbücher zu sein.“
Seine Frau lachte.
„Dann solltest du morgen im Unterricht darüber sprechen.“
„Das werde ich.“
Am nächsten Morgen begann Winfried die Stunde mit einer kleinen Geschichte über Karl und den Computer.
Die Schülerinnen und Schüler amüsierten sich prächtig.
„Sehen Sie“, erklärte Winfried, „unsere Sprache ist voller Wörter, die ähnlich klingen, aber völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Ein einziger Buchstabe kann einen großen Unterschied machen.“
Er hielt ein blaues Handtuch hoch.
„Was ist das?“
„Ein Handtuch!“
Dann hielt er die Bedienungsanleitung eines Druckers hoch.
„Und das?“
„Ein Handbuch!“
„Sehr gut.“
Er lächelte zufrieden.
„Der Unterschied ist also leicht festzustellen: Ein Handtuch kann euch beim Abtrocknen helfen. Ein Handbuch kann euch erklären, wie etwas funktioniert. Wer versucht, sich mit einem Handbuch die Hände abzutrocknen, wird enttäuscht sein. Wer dagegen mit einem Handtuch einen Computer bedienen möchte, wird ebenfalls keinen Erfolg haben.“
Die Klasse lachte noch einmal.
Am Ende der Stunde schrieb Winfried einen Satz an die Tafel: „Ein Handtuch trocknet die Hände, ein Handbuch erweitert den Verstand.“
„Diesen Satz dürfen Sie sich merken“, sagte er.
Und so verließen die Schülerinnen und Schüler das Klassenzimmer nicht nur mit neuem Wissen über die deutsche Sprache, sondern auch mit einer Erkenntnis, die sie so schnell nicht vergessen würden:
Ein Handtuch ist etwas ganz anderes als ein Handbuch – und selbst ein freundlicher Deutschlehrer aus dem Saarland namens Winfried Jakobus kann darüber noch Überraschungen erleben.