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Fußball à la carte

Ein Leben Zwischen Den Zeilen – Sammlung Zur Wochen-Challenge — www.fanfiktion.de · All chapters

Fußball à la carte

Hallo meine lieben Leser,

hier folgt mein 26. Beitrag zur Wochen-Challenge.

Der 26. Prompt lautete wie folgt:

Kalenderwoche 26 von - Leela -

Die Aussage „Ich mag Fußball“ bekommt eine ganz andere Bedeutung, als dein Charakter mit Freunden/Verwandten/Geschäftspartnern/wem auch immer im Restaurant sitzt und  jemand Fußball bestellt (das können auch alle zusammen oder dein Charakter selbst sein). Wie wird dieser zubereitet (gebraten, gekocht, frittiert…) und welche Beilagen gibt es dazu?

Vielen Dank Damien Black für dieses schöne Projekt!

Ich wünsche euch nun  viel Spaß beim Lesen! Ich hatte viel Freude beim Schreiben!

Viele Grüße

Hira

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Fußball à la carte

Das kleine Restaurant lag in einer ruhigen Seitenstraße. Durch die großen Fenster fiel das warme Licht der Abendsonne auf die liebevoll gedeckten Tische. Der Duft von frischen Kräutern, gebratenem Gemüse und warmem Brot erfüllte den Raum.

Hira schob sich eine lange schwarze Haarsträhne hinter das Ohr, als sie zusammen mit Winfried Jakobus das Restaurant betrat. Für Hira war er längst nicht mehr nur ihr ehemaliger Deutschlehrer. Während ihrer Schulzeit hatte Winni sie stets freundlich unterstützt, ihr Mut gemacht und sich Zeit genommen, wenn sie Fragen hatte. Nach ihrem Schulabschluss war daraus über die Jahre eine tiefe, vertrauensvolle Freundschaft geworden.

Winni trug – wie so oft – ein lilafarbenes Hemd, eine braune Hose und ein freundliches Lächeln. Seine blauen Augen blickten aufmerksam durch den Gastraum, während er mit einer Hand kurz über sein zurückgehendes braunes Haar strich.

„Hier gefällt es mir“, sagte er.

„Mir auch“, antwortete Hira lächelnd.

Sie nahmen an einem Fensterplatz Platz. Kurz darauf brachte ihnen eine Kellnerin die Speisekarten.

Winni begann sie aufmerksam zu lesen. „Interessante Auswahl“, murmelte er.

Hira blätterte ebenfalls durch die Karte – und blieb plötzlich erstaunt an etwas hängen.

„Winni… schau mal.“

Er blickte aufmerksam zu Hira. „Was denn?“

„Hier steht tatsächlich: Fußball des Hauses.“

Winni musste lachen. „Das ist ja eine ungewöhnliche Spezialität.“

„Jetzt bin ich neugierig.“

Die Kellnerin kam zurück an den Tisch. „Haben Sie sich schon entschieden?“

Hira nickte. „Ja. Ich nehme den Fußball.“

Die Kellnerin lächelte, als wäre das eine ganz normale Bestellung.

„Sehr gern. Möchten Sie ihn klassisch oder nach Art des Küchenchefs?“

Hira schaute fragend zu Winni. „Was würdest du nehmen?“

„Wenn man schon etwas so Außergewöhnliches bestellt, dann doch nach Art des Hauses.“

„Einverstanden“, sagte Hira.

„Dann einen Fußball nach Art des Küchenchefs.“

„Sehr gern“, antwortete die Kellnerin und notierte die Bestellung.

Winni entschied sich für ein mediterranes Gemüsegericht.

Nachdem die Kellnerin gegangen war, musste Hira schmunzeln.

„Ich frage mich wirklich, wie ein Fußball zubereitet wird.“

„Vielleicht erfahren wir es gleich.“

Etwa zwanzig Minuten später öffnete sich die Küchentür.

Zwei Köche trugen gemeinsam eine große silberne Platte.

Darauf lag tatsächlich ein runder „Fußball“ – allerdings handelte es sich um eine kunstvoll geformte Speise, die wie ein klassischer schwarz-weißer Lederfußball aussah.

Die weißen Felder bestanden aus einer feinen Kartoffelmasse, die schwarzen aus einer dünnen Schicht gerösteter Pilzpaste. Die Oberfläche war goldbraun gebraten und glänzte leicht mit Kräuterbutter.

Der Küchenchef trat selbst an den Tisch. „Unser Fußball wird zunächst mit einer herzhaften Füllung aus Gemüse, Kräutern und Pilzen versehen. Anschließend wird er langsam im Ofen gegart und zum Schluss kurz in einer Pfanne mit Butter angebraten. Dadurch erhält die Außenseite ihre goldene Kruste, während das Innere besonders saftig bleibt.“

Hira staunte. „Das sieht unglaublich aus.“

„Vielen Dank“, sagte der Koch stolz.

Mit einem großen Messer schnitt er den Fußball auf.

Im Inneren kamen mehrere Schichten zum Vorschein:

würzige Pilze, gebratene Zwiebeln, Karotten, Spinat,

cremiges Kartoffelpüree, geschmolzener Käse sowie

frische Kräuter.

Dazu wurden zahlreiche Beilagen serviert: knusprige Rosmarinkartoffeln, gegrillter Spargel, glasierte Möhren,

Brokkoli, ein frischer Salat mit Tomaten und Gurken, hausgemachte Kräuterbutter, eine cremige Pfeffersoße sowie frisch gebackenes Bauernbrot.

Winni betrachtete das Kunstwerk.

„Das ist wohl einer der wenigen Fußbälle, die man tatsächlich essen kann.“

Hira lachte. „Und hoffentlich schmeckt er besser, als gegen ihn zu treten.“

Beide mussten lachen.

Winnis Gemüsegericht kam nun auch und es roch schonmal phantastisch.

Beide wünschten sich einen guten Appetit und begannen zu essen.

Hira schnitt vorsichtig ein Stück ihres Fußballs ab.

Die Kruste war angenehm knusprig, während die Füllung weich und aromatisch war. Die Pilze harmonierten hervorragend mit den Kräutern und dem Kartoffelpüree. Zusammen mit der Pfeffersoße entstand ein kräftiger, würziger Geschmack.

„Das ist überraschend lecker“, sagte sie begeistert.

Winni probierte ebenfalls ein kleines Stück, das Hira ihm anbot. „Jetzt verstehe ich, warum dieses Gericht eine Spezialität des Hauses ist.“

„Ich hätte nie gedacht, dass ein Fußball so gut schmecken könnte.“

„Im Restaurant ist eben manchmal alles möglich.“

Während des Essens unterhielten sie sich über Bücher, Reisen und Erinnerungen aus der Schulzeit. Winni hörte aufmerksam zu, stellte wie immer nachdenkliche Fragen und freute sich darüber, wie selbstständig und selbstbewusst Hira inzwischen geworden war. Gleichzeitig spürte Hira, dass er sich noch immer ehrlich um sie sorgte und ihr nur das Beste wünschte.

Als der Fußball schließlich vollständig aufgegessen war, blieb nur noch die große Servierplatte zurück.

Winni war ebenfalls fertig mit seinem Gericht.

Die Kellnerin kam vorbei. „Hat es Ihnen geschmeckt?“

Hira nickte begeistert. „Sehr sogar. Das war wohl der ungewöhnlichste Fußball, den ich je erlebt habe.“

Winni lächelte. „Und wahrscheinlich auch der einzige, den man mit Messer und Gabel statt mit Fußballschuhen behandelt.“

Die Kellnerin lachte herzlich.

„Das hören wir öfter.“

Winni ließ verlauten, dass auch ihm sein Gemüsegericht sehr geschmeckt hat.

Gemeinsam verließen Hira und Winni später gut gelaunt das Restaurant. Noch lange unterhielten sie sich über den außergewöhnlichen Abend – und jedes Mal, wenn später jemand sagte: „Ich mag Fußball“, mussten beide schmunzeln und an dieses ganz besondere Gericht denken.