Asgard
Asgard
Einige Monate zuvor, in Asgard – dem Reich der nordischen Götter.
„Nu lasst mich endlich rein!“, brüllte ein Mann in einem gewaltigen Korridor, dessen Wände von goldenen Säulen gesäumt waren und in dessen Luft schwerer Weihrauch hing.
„Lord Thor, wir haben es Euch bereits gesagt. Ihr besitzt keine Erlaubnis, den königlichen Thronsaal unseres Vaters Odin zu betreten“, antworteten zwei geflügelte Frauen in glänzenden Rüstungen.
Unter ihren Rüstungen trugen sie blaue Gewänder. Ihre Helme waren mit Schwanenfiguren und gebogenen Flügeln an beiden Seiten geschmückt.
Mit gekreuzten Speeren versperrten sie das gewaltige Tor aus Zedernholz und Gold.
Der schreiende Mann war Thor, der Gott des Donners.
Er war groß, hatte feuerrotes Haar und einen ordentlich gestutzten Bart. Seine Augen leuchteten smaragdgrün. Er trug eine grüne Tunika, Lederstiefel und einen schweren Umhang aus Bärenfell über den Schultern.
Walhall, Odins Palast, in dem Thor sich befand, war ein gewaltiger Bau in der göttlichen Welt Asgards.
Nach menschlichen Maßstäben hätte der Palast beinahe die Größe des gesamten europäischen Kontinents erreichen können.
Weiß und golden erhob er sich in einem Licht, das scheinbar aus ihm selbst hervorging. Unzählige Säulen und gewölbte Decken waren mit goldenen Schilden verkleidet, in denen sich die Umgebung spiegelte.
Der Palast besaß Tausende Türen und riesige Festhallen, in denen die Einherjer ohne Ende speisten und tranken.
Daneben gab es gewaltige Übungsplätze, auf denen Odins Walküren den ehrenvoll Verstorbenen das Kämpfen beibrachten.
Von außen wirkte Walhall wie ein Wald aus goldenen und silbernen Türmen.
Auf der Spitze des höchsten Turmes standen zwei Statuen – eine Ziege und ein Elch –, die über die göttliche Festung wachten.
Grünblaue Wolkenschleier zogen wie himmlischer Nebel zwischen den Turmspitzen hindurch.
Jenseits des Palastes erstreckte sich ein gewaltiger Garten mit riesigen Bäumen, der Glasir genannt wurde.
Dort lagen Brunnen und Seen zwischen den Wäldern, während Herden von Hirschen und Elchen frei durch das Land zogen.
Die Luft war frisch und erfüllt vom süßen Duft reifer Früchte.
Im Zentrum des Gartens erhob sich eine gewaltige Eiche namens Glasislundr.
Ihre goldenen Äste und Früchte strahlten so hell, dass sich der Himmel selbst darin zu spiegeln schien.
„Hört ma zu“, sagte Thor, dessen Geduld langsam erschöpft war. „Seit Monaten verlang ich ’ne Audienz, und meinen Vater hab ich immer noch nich gesehen. Merkt ihr nich, dass hier was gewaltig stinkt?“
Die Walküren vor dem Thronsaal richteten sich nur noch steifer auf.
„Niemand darf eintreten, Lord Thor. Nicht einmal Lady Frigg. Dies sind die unmittelbaren Befehle unseres Herrn und Meisters Odin“, erklärte eine von ihnen.
Thor wandte sich ab und stapfte fluchend den Korridor entlang.
Während er durch die großen Hallen Walhalls ging, begegnete er Freyr, dem nordischen Gott des Lichts und Herrscher von Álfheimr.
Dieser lehnte völlig entspannt in der Nähe einer Säule.
„Wat zum Teufel machst du denn hier, Freyr?“, knurrte Thor.
„Ist doch ein freies Reich, Thorsilein. Ich darf rumlaufen, wo ich will ♬“, antwortete Freyr mit einem strahlenden Lächeln.
Der Gott des Lichts war beinahe unbekleidet.
Lediglich ein lockeres weißes Gewand hing über einer seiner Schultern.
Sein langes goldenes Haar glänzte wie Sonnenlicht, und seine bernsteinfarbenen Augen strahlten warm.
Sein ganzer Körper leuchtete tatsächlich.
Es war unmöglich, ihn nicht zu bemerken.
„Pah. Als würd mich das kümmern“, murmelte Thor und wollte an ihm vorbeigehen.
„Nu sag schon, Thorsilein. Warum ziehst du denn so ’ne Schnute? ♬“, fragte Freyr neckisch.
Thor blieb stehen.
„Diese verdammten Walküren lassen mich nich zu meinem Vater!“, fauchte er. „Seit Monaten versuch ich ihn zu sprechen. Jedes verdammte Mal kommt ’ne andere Ausrede. ‚Er ist fort.‘ ‚Er meditiert.‘ ‚Er darf nich gestört werden.‘“
Er zeigte wütend zurück zum Thronsaal.
„Das ergibt doch vorne und hinten keinen Sinn!“
Freyr neigte den Kopf.
„Geht’s um Loki, hm? ♬“
Thor sah ihn scharf an.
„Du weißt davon auch?“
„Na klar. Aber wie’s aussieht, versucht Loki bloß, unser Volk zurückzugewinnen. Sie sollen uns wieder verehren und diese Anhänger von Lels Religion vertreiben ♬.“
Freyr zuckte gleichgültig mit den Schultern.
Thor starrte ihn an.
„Nu verarsch mich nich.“
Seine Stimme wurde tiefer.
„Das ist Loki. Der macht immer irgendwat, das zuerst hilfreich aussieht, und wenn du dich versiehst, steckt dir sein Messer im Rücken.“
Thor ballte eine Faust.
„Und wie zum Henker ist der überhaupt aus seinem Gefängnis gekommen? Wir haben ihn hinter drei Dimensionswänden eingesperrt! Selbst ich könnt mit meinem Hammer nich mal eine davon zerkloppen!“
Freyr lächelte weiterhin gelassen.
„Thorsilein, ich glaube, im Augenblick sollten wir uns eher um diese Plagen aus Lel Sorgen machen ♬.“
Thor schnaubte.
„Das Letzte, wat ich gehört hab, ist, dass Vater ’nen Vertrag unterschrieben hat, der Lel erlaubt, in unsere nordischen Gebiete zu kommen.“
Er schlug mit einer Faust in seine Handfläche.
„Aber wie denn? Den Kerl hat seit Monaten keiner gesehen!“
„Ist das der Grund, weshalb du dauernd zu ihm willst? ♬“
„Natürlich ist das der Grund! Wat soll der Mist denn?“
Thors Stimme hallte durch die Halle.
„Diese Bastarde aus Lel haben unsere germanischen Stämme schon zum Christentum gebracht. Und nu wollen sie sich auch noch in unsere nordischen Länder einmischen!“
Blitze zuckten schwach um seine Finger.
„Mein Vater würd unser Volk niemals freiwillig an diesen elenden Glauben verschachern! Niemals!“
Freyr verschränkte locker die Hände hinter dem Rücken.
„Ich weiß. Ich verstehe es auch nicht so recht“, sagte er. „Aber Vater Odin wird schon seine Gründe haben.“
Sein Lächeln blieb sorglos.
„Das heißt ja noch lange nicht, dass wir Asgard an Lel verschenken. Wenn die sich wirklich einmischen, kriegen sie eben Krieg.“
Er klopfte Thor freundschaftlich gegen die Schulter.
„Mach dir keinen Kopf, Thorsilein. Wir sind stark genug, um diese Wilden draußen zu halten ♬.“
Thor verschränkte die Arme.
„Da ist noch was, worüber ich mit Vater reden muss.“
„Oh? Wat bringt meinen lieben Thorsilein denn so zum Grübeln? ♬“
Thor wurde ernst.
„Hast du gehört, wat die Menschen erzählen? Über Ragnarök?“
Freyr winkte ab.
„Unsinn. Geschichten, die sich Menschen erzählen, damit ihr kurzes Leben irgendeinen Sinn bekommt.“
Dann lachte er leise.
„Das sind dieselben Wesen, die jeden umbringen, der anders denkt als sie ♬.“
Freyr ging einige Schritte durch die Halle.
„Weißt du, ich hatte nie ein Problem damit, wenn Menschen andere Götter verehren oder ihre Welt erkunden.“
Er sah Thor von der Seite an.
„Aber ihr anderen musstet natürlich unbedingt zeigen, wie groß eure Muskeln sind. Also habt ihr sie losgeschickt, damit sie Lels Gebiete überfallen, Klöster niederbrennen, Kirchen zerstören und Tempel plündern ♬.“
Thor brummte unzufrieden.
„Vielleicht tut Loki uns tatsächlich einen Gefallen, wenn er sie wieder von der Außenwelt abschottet.“
Freyr hob einen Finger.
„Oder vielleicht auch nicht.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Wie dem auch sei. Im Moment lohnt es sich kaum, darüber graue Haare zu bekommen ♬.“
Thor stieß einen langen Seufzer aus.
„Vielleicht haste recht. Diese Überfälle auf Lels Gebiete haben uns sowieso nie wat Gutes gebracht.“
Dann runzelte er die Stirn.
„Aber erklär mir mal eins: Warum glauben die Menschen so fest an ’nen Gott, den’s nich mal gibt? Dat werd ich nie kapieren.“
„Keine Ahnung“, sagte Freyr.
Dann drehte er sich fröhlich um.
„Und jetzt entschuldigst du mich bitte. Ich besuche meine liebe Schwester in Fólkvangr ♬.“
Er winkte über die Schulter.
„Tschüssilein ♬.“
Thor starrte ihm fassungslos hinterher.
„Ernsthaft? Interessiert’s hier wirklich keine Sau, dass dieser Bastard wieder draußen rumläuft und alles ins Chaos stürzt?“
Er ballte die Fäuste.
„Nach dem, wat er mit Baldr gemacht hat? Nach all dem anderen Mist?“
Thor schüttelte den Kopf.
„Mein Vater würd niemals einfach rumsitzen und nix tun. Niemals.“
Die Ungeduld des Donnergottes brannte heißer als jeder Sturm.
Der gewaltige Planet, auf dem die nordischen Götter lebten, trug den Namen Yggdrasil.
Es war eine kolossale Welt, auf der ein Baum von unvorstellbarer Größe wuchs.
Der Planet selbst war gewaltig – wesentlich größer als die Sonne.
Auf den riesigen Ästen des Baumes lagen verschiedene Regionen, die als Reiche oder Welten bezeichnet wurden.
Sie waren durch Brücken miteinander verbunden, die Bifröst genannt wurden: strahlende Lichtbögen, die in allen Farben eines Regenbogens schimmerten.
All diese Brücken wurden von einem einzigen Gott bewacht:
Heimdall.
Die Reiche dieser kosmischen Welt waren:
Asgard – Das wichtigste Reich Yggdrasils lag ganz oben in der Krone des gewaltigen Baumes. Hier befand sich der prächtige Palast Walhall, von dem aus Odin herrschte. Die in diesem Reich geborenen Götter wurden Æsir genannt. Asgard war ein Land aus weitläufigen Gärten und Gebirgen, das ständig von einem feinen Nebel bedeckt wurde, wie man ihn auf Gipfeln oberhalb der Wolken sah.
Vanaheim – Rechts von Asgard lag dieses Königreich aus scheinbar endlosen Gärten voller Blumen und fruchttragender Bäume sowie gewaltigen heiligen Wäldern. Die dort lebenden Götter wurden Vanir genannt. Ihre Herrscherin war die Göttin Freyja, deren Palast den Namen Fólkvangr trug.
Álfheimr – Links von Asgard erstreckte sich ein gewaltiges Reich aus Wäldern und Klippen, zwischen denen reißende Flüsse strömten. Der Himmel von Álfheimr wurde niemals vollständig dunkel. Tag und Nacht tanzten Polarlichter über ihm. Hier lebten die Lichtelfen, die als Ruah, göttliche Soldaten, in Odins Armee dienten. Herrscher dieses Reiches war Freyr, der Gott des Lichts.
Midgard – Unterhalb der drei oberen Reiche befand sich ein gewaltiges Tor, durch das die Götter zur Erde hinabsteigen konnten. Dieses Portal war aus dem Schädel des Riesen Ymir errichtet worden. Um das Tor standen vier Zwergenstatuen, die jeweils in eine der vier Himmelsrichtungen blickten. Der Weg dorthin war mit gewaltigen Steinsäulen gesäumt, in die Runen eingemeißelt waren. Im Inneren des Schädels lag ein magischer Kreis, der als Ankerpunkt diente, an dem Bifröst den göttlichen Planeten mit der Menschenwelt verband. Dort lebten außerdem die Gottheiten Sól und Máni, welche Sonne und Mond führten.
Jotunheimr – Links von Midgard erhob sich eine riesige Landschaft aus Bergen, Tälern und gefrorenen Seen. Dies war das Reich der Jötnar, der Riesen. Seine Hauptstadt Utgard wurde von Mimir regiert, einem ehemaligen Æsir, dessen abgeschlagener Kopf noch immer mit großer Weisheit herrschte. Im Zentrum des Reiches befand sich Yggdrasils größter Schatz: der Brunnen der Weisheit. Nur wenige Wesen hatten jemals von seinem Wasser getrunken. Odin selbst musste neun Tage lang an Yggdrasil hängen, um sich dieses Recht zu verdienen. Eine solche Prüfung erforderte ungeheure Mengen an Ichor, um sie zu überleben.
Nidavellir – Rechts von Midgard erstreckte sich ein weiteres Gebirgsreich, dichter und dunkler als Jotunheimr. Seine Bewohner, die Zwerge, lebten in Höhlen tief im Inneren der Berge. Dort förderten sie scheinbar endlose Erzadern und schmiedeten Waffen von göttlicher Qualität.
Svartalfheim – Unterhalb des großen Baumes, auf der unteren linken Seite, lag dieses von Nebel und Dunkelheit verhüllte Reich. Hier lebten die Dunkelelfen, die überall in ihrem noch primitiven Land gewaltige Steinmonolithen errichtet hatten. Wie ihre lichtgeborenen Verwandten dienten auch sie als Ruah in Odins Armeen, doch ihre Loyalität war weitaus unbeständiger.
Muspelheim – Rechts von Svartalfheim brannte unter den Wurzeln Yggdrasils ein Reich aus Feuer und Magma. Dort lebten die Feuerriesen unter dem Befehl des mächtigen Jötunn Surtr, einem von Lokis Generälen.
Niflheim – An den tiefsten Wurzeln Yggdrasils lag ein gewaltiges Tor aus gefrorenem Eis. Davor wand sich der monströse Drache Nidhögg, der Wächter der Unterwelt. Die gesamte Region lag unter dichtem Nebel und Eis, und ihre Meere waren äußerst gefährlich zu befahren. Hinter dem Tor befand sich Hel, ein düsteres Königreich unter der Herrschaft von Lokis gleichnamiger Tochter. Dort erlitten Mörder und Verbrecher ewige Strafen. In Wahrheit existierte Hel innerhalb einer Dimension namens Sheol, einem Ort, an dem sich die Unterwelten unzähliger Pantheons miteinander verbanden.
Diese komplizierte Welt war die Heimat des nordischen Pantheons.
Doch aufgrund der wachsenden Krise in den göttlichen skandinavischen Reichen war die Bifröst-Brücke, welche Midgard mit Dänemark verband, versiegelt worden.
Nur Heimdall besaß die Befugnis, sie zu öffnen oder zu schließen.
Thor stand auf einer der glänzenden Terrassen Asgards und grübelte.
„Sollt ich selber zur Erde runter?“, murmelte er.
Er lief unruhig über den Marmorboden.
„Würd heißen, dass ich Vaters Befehle breche. Aber wenigstens könnt ich dafür sorgen, dass Loki eingefangen wird.“
Er knirschte mit den Zähnen.
„Und wenn ich dabei diesen Bastarden aus Lel gegenübersteh … dann soll’s eben so sein.“
Thor blieb stehen.
„Aber dieser Köter Heimdall lässt mich ohne Vaters Erlaubnis niemals durch.“
Er kratzte sich nachdenklich am Bart.
„Wie zum Donner soll ich den austricksen? Bei seinen verdammten Ohren hat der wahrscheinlich schon gehört, wie ich überhaupt darüber nachdenk.“
Thor ballte die Fäuste.
„Nee. Ich muss Vater finden. Scheißegal wie.“
Entschlossen stapfte er zurück zum Thronsaal.
Zu seiner Überraschung waren die Walküren, die den Eingang bewacht hatten, verschwunden.
An ihrer Stelle stand eine große, blasse Gestalt vor den goldenen Türen.
Heimdall selbst.
Beide Hände ruhten auf dem Griff eines Schwertes, dessen Spitze fest auf dem Boden stand.
„Ja, Thor“, sagte der Gott.
Seine Stimme hallte ruhig durch den Korridor.
„Ich hab gehört, wat du vorhast. Drum hab ich die Walküren fortgeschickt und mich selbst zwischen dich und Vaters Gemach gestellt.“
Heimdalls Haut war weiß wie Schnee.
Sein Haar war silbrig braun und beinahe farblos.
Lediglich seine violetten Augen und seine goldenen Zähne durchbrachen die gespenstische Blässe seines Körpers.
Auf seinem Kopf trug er einen goldenen Helm, der mit der Figur eines Hahns geschmückt war.
Sein langer blauer Mantel besaß an den Rändern rote und schwarze Federn und bewegte sich wie dunkle Seide.
„Wenn du deine Hand gegen die Walküren erhebst, beleidigst du unseren Vater, Thor“, sagte Heimdall ohne jede erkennbare Emotion.
Thor funkelte ihn an.
„Dann sag mir mal mit diesen tollen Ohren von dir: Ist mein Vater hinter dieser verdammten Tür oder nich?“
„Weiß ich nich“, antwortete Heimdall ruhig. „Hinter dem Tor liegen mehrere Dimensionswände. Selbst meine Ohren kommen da nich durch.“
Thor zeigte auf die Tür.
„Und dat findest du nich verdächtig?“
Heimdall dachte kurz nach.
„Vielleicht.“
Er zuckte kaum merklich mit den Schultern.
„Aber meine Aufgabe ist, diese Halle zu beschützen.“
Seine goldenen Zähne blitzten.
„Wenn du durch diese Tür willst, musst du erst über meine Leiche.“
Heimdall sah Thor direkt an.
„Willste dich wirklich gegen unseren Vater stellen, nur wegen so ’nem Lumpen, der sich auf der Erde wichtigmachen will?“
Thor ging in Kampfstellung.
Schwache Blitze knisterten um seinen Körper.
Heimdall bewegte sich nicht.
„Ful-kompna vǫrn.“
Sein Körper begann zu leuchten.
„Du weißt doch, Thor, wat meine Technik kann“, sagte der blasse Gott. „Ful-kompna vǫrn – die Vollkommene Verteidigung.“
Seine Haut nahm langsam einen metallischen Glanz an.
„Ich seh jeden Angriff kommen und halt ihn auf, bevor er mich trifft.“
Sein Körper wirkte nun wie lebendiges Platin.
„Du machst keinen einzigen Schritt nach vorn, ohne dass mein Gegenschlag dich zerlegt.“
Heimdall hob leicht das Kinn.
„Wennste sterben willst, versuch’s.“
Thor blieb stehen.
Sein Zorn brodelte sichtbar unter der Oberfläche.
Schließlich atmete er schwer aus.
„Ist spät geworden. Ich geh zu meiner Frau und meinen Kindern.“
Das Leuchten um Heimdall erlosch.
„Kluger Entschluss.“
Thor drehte sich um und ging davon.
Doch in seinem Kopf hatte sich inzwischen eine Gewissheit festgesetzt.
Nein … irgendwas – oder irgendwer – ist hinter dieser Tür.
Und es ist nicht mein Vater.