Die nordischen Götter gegen Esus
Die nordischen Götter gegen Esus
Asgard, Yggdrasil
Das Bild war verheerend.
Asgard – einst ein wunderschönes Reich aus goldenen Gebäuden, gewaltigen Wäldern, Seen und Straßen, deren Pflastersteine wie Kristall glänzten – stand in Flammen.
Seine Bauwerke lagen in Trümmern.
Hoch über dem Zentrum des großen Reiches schwebte Esus majestätisch in der Luft und befehligte Riesen, die das Land systematisch verwüsteten.
Diese Wesen wurden Weidenmänner genannt.
Ihre Körper bestanden aus gewaltigen menschenförmigen Geflechten, in die Hunderte Leichen eingewoben worden waren.
Die Opfer, die man in ihrem Inneren dargebracht hatte, verliehen ihnen Leben.
Um diese Abscheulichkeiten zu erschaffen, hatten Esus und seine Malakim Hunderte Bewohner Asgards massakriert – Walküren, Einherjer und selbst Menschen, denen gestattet worden war, in Walhall zu leben.
Thor, Freyja, Freyr und Tyr erschienen über die Bifröst-Brücke auf dem Schlachtfeld.
Heimdall hatte sie offengelassen, sodass die vier aus jener alternativen Dimension fliehen konnten, in der Esus noch wenige Augenblicke zuvor auf seinem Thron gesessen hatte.
Die vier keltischen Champions hatten sie ohne größere Schwierigkeiten besiegt.
Doch sie waren nicht schnell genug gewesen, um Asgard noch rechtzeitig zu retten.
Heimdall kniete auf einem Knie.
Sein Schwert steckte vor ihm im Boden.
Esus hatte ihn mit erschreckender Leichtigkeit besiegt und kämpfte nun gleichzeitig gegen Modi und Magni, Thors Söhne.
Auch andere Æsir lagen bereits am Boden.
Frigg, Vidar und Forseti waren bewusstlos, nachdem sie versucht hatten, gegen den mächtigen keltischen Anunnaki zu kämpfen.
Heimdall blickte auf.
Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung.
„Thor und die andern … ihr habt’s also geschafft.“
Freude und Zorn waren einfach nicht seine Art.
Seit der Aktivierung seines Totemas sah Heimdall vollkommen anders aus.
Sein Helm glänzte weiß und blau, und an beiden Seiten ragten zwei Widderhörner hervor.
Er trug eine weiße Wikingerüstung, die mit blauen und goldenen Linien verziert war.
Zusammen mit seiner beinahe weißen Haut und seinem nahezu farblosen Haar hatte ihm dieses Aussehen in Asgard den Beinamen der Geist eingebracht.
Auf seiner Brust leuchtete ein Stein mit der Rune ᛞ.
Thor sah über das zerstörte Reich.
„Wat für ’ne verdammte Katastrophe Lel über unser Zuhause gebracht hat.“
Freyr deutete auf den Kampf in der Ferne.
„Sind das da nich deine kleinen Jungs, die grad gegen Esus kämpfen, Thorsilein? ♬“
Thor sah kurz hinüber.
„Joa, schätz schon.“
Er zuckte mit den Schultern.
„Aber ich glaub nich, dass die den packen. Die sind schwach und von ihrer Mutter viel zu sehr verhätschelt worden.“
Freyja fuhr ihn an:
„Wie grausam kannste eigentlich sein, Thor – miau?“
Tyr schnaubte.
„Ich glaub nich, dass deine Familienangelegenheiten irgendwas angehen, Freyja.“
Die nordische Göttin verdrehte die Augen und wandte sich demonstrativ von ihm ab.
Thor nickte.
„Tyr hat recht. Vielleicht macht der Kampf aus den beiden wenigstens mal richtige Männer.“
Er sah wieder zu seinen Söhnen.
„Wär ja auch mal wat.“
Tyr grinste.
„Eigentlich ist das sogar ’ne gute Nachricht.“
Er zog sein Schwert leicht aus der Scheide.
„Ich bin langsam eingerostet vom ewigen Rumhocken, ohne mal gegen jemanden Starken kämpfen zu dürfen.“
Freyr schüttelte den Kopf.
„Du bist auch ganz schön herzlos, Tyrsy. Klar, ’nen guten Kampf mag ich auch – aber nich, wenn ich dafür mein eigenes Volk so zugerichtet sehen muss ♬.“
Freyja stemmte die Hände in die Hüften.
„Ob das jetzt purr-fekt oder katz-astrophal ausgeht, ist mir inzwischen schnurrzpiepe – miau.“
Sie hob ihre Waffe.
„Wir schlagen Esus und bringen seinen Kopf nach Lel. Dann sehen die mal, wie miau-chtig die Götter von Yggdrasil wirklich sind.“
Tyr starrte sie entnervt an.
„Im Ernst, Freyja. Niemand versteht dich, wenn du so redest.“
Er zeigte auf sie.
„Du bist keine Katze, und das weißt du verdammt genau!“
Freyr legte beleidigt den Kopf schief.
„Red nich so mit meiner süßen kleinen Schwester, Tyrsy ♬.“
Tyr knurrte.
„Dann halt mich doch auf, du Freak.“
Thor rieb sich über die Stirn.
Bei meinem Vater … die beiden Geschwister sind völlig bekloppt.
Er hob eine Hand.
„Nu reicht’s. Klappe halten. Da drüben steht Esus.“
Auch die vier nordischen Götter sahen inzwischen völlig anders aus.
Jeder trug die durch seinen Totema hervorgerufene Gestalt.
Thor hielt den legendären Hammer Mjolnir in der rechten Hand.
Auf seinem Kopf saß ein goldener Helm mit Flügeln.
Seine goldene Rüstung knisterte vor statischer Energie, während ein gewaltiger Bärenfellumhang über seinen Rücken fiel.
Sein Gürtel Megingjord glänzte weiß wie ein Diamant. Auf der Schnalle war das Bild einer Ziege zu sehen.
Goldene Stiefel und der Handschuh Jarngreipr vervollständigten seine Gestalt.
Auf seiner Brust leuchtete die Rune þ.
Freyr trug einen Helm in Form des Kopfes eines riesigen goldenen Ebers.
Seine Rüstung ließ ihn noch größer erscheinen.
Sie war gewaltig und aufwendig gearbeitet, und hinter seinem Nacken ragten zwei lange Hauer hervor.
Ein Felllendenschurz und Stiefel, deren Spitzen wie Schweinehufe geformt waren, vervollständigten seine Erscheinung.
In seiner Hand hielt er ein seltsam geformtes Schwert, dessen Klinge an das Horn einer Antilope erinnerte.
Auf seiner Brust leuchtete die Rune ᚠ.
Freyja wirkte wie eine prachtvolle Walküre.
Sie trug ein weiß-goldenes Diadem, auf dessen Oberseite zwei goldene Flügel und in dessen Mitte ein Flammensymbol saßen.
Ihr Haar war beinahe weiß geworden.
Zwischen den Strähnen ragten zwei Katzenohren hervor.
Ein goldener Brustpanzer mit weißen Verzierungen bedeckte ihren Oberkörper.
Dazu trug sie einen kurzen blauen Rock, einen blauen Umhang und lange hochhackige Stiefel.
In beiden Händen hielt sie einen gewaltigen goldenen Speer mit zwei zusätzlichen Spitzen, sodass die Waffe beinahe wie ein Dreizack aussah.
Auf ihrer Brust glühte ebenfalls die Rune ᚠ.
Tyr trug ein Kettenhemd, so rot wie der Himmel über einer brennenden Stadt.
Sein Helm bedeckte seine Augen vollständig. Lange Kettengeflechte schützten seinen Hals, während kleine Hörner aus der Oberseite ragten.
Über den Schultern lag ein roter Umhang nach römischer Art.
In seiner Hand hielt er ein Schwert, von dessen Klinge etwas herabtropfte, das wie flüssiges Blut aussah.
An seinem Gürtel leuchtete die Rune ᛏ.
In diesem Augenblick schlug Esus Modi und Magni mit einer Handkante nieder.
Beide wurden bewusstlos zu Boden geschleudert.
Thor reagierte nicht einmal wütend auf die Niederlage seiner Söhne.
Stattdessen grinste er begeistert.
„Nu sind wir dran, Moosbirne!“, brüllte der Donnergott Esus entgegen.
Der keltische Anunnaki drehte sich um.
Dann lächelte er.
„Meine lieben Freunde.“
Er breitete die Arme aus.
„Ich hatte nich erwartet, dass ihr so zeitig zu meinem kleinen Fest anlässlich der Vernichtung Asgards erscheint.“
Sein Lächeln wurde boshaft.
„Kaum zu glauben, dass all dies hätte vermieden werden können, wenn ihr mir einfach artig die Füße geküsst hättet.“
Tyr musterte ihn.
„Der Bastard trägt nicht mal seinen Totema.“
Thor hob Mjolnir.
„Wat is los, Esus? Willste deinen Totema nich anlegen?“
Esus lächelte gelassen.
„Für Abschaum wie euch brauch ich den nun wirklich nich.“
Thor schnaubte.
„Dann können wir nich gegen dich kämpfen.“
Esus hob eine Augenbraue.
Thor fügte hinzu:
„Wär unfair.“
Die anderen drei Götter nickten ernst.
Esus starrte sie einige Sekunden lang an.
Dann begann er zu lachen.
„Bemerkenswert.“
Er schüttelte amüsiert den Kopf.
„Selbst nachdem ihr meine völlige Überlegenheit gesehen habt, seid ihr noch immer überzeugt, ich müsste meinen Totema benutzen.“
Er öffnete die Arme.
„Wie entzückend.“
Sein Lächeln wurde herausfordernd.
„Dann zwingt mich doch dazu.“
Tyr zog sein Schwert.
„Es wird ein ehrloser Kampf.“
Seine Stimme war voller Abscheu.
„Aber wenn dieser Feigling nicht aufhört, unsere Heimat zu zerstören, werde ich diese Schande auf mich nehmen müssen, um mein Land zu verteidigen.“
Freyja sah ihn an.
„Willste zuerst gegen ihn kämpfen, Tyr?“
„Natürlich.“
Sein Ton ließ keinen Zweifel daran, dass er die Frage für überflüssig hielt.
Esus lachte.
„Unglaublich.“
Er deutete auf Tyr.
„Und natürlich willst du auch noch allein gegen mich antreten.“
Seine Stimme triefte vor Spott.
„Die nordische Dummheit überrascht mich wirklich jedes Mal aufs Neue.“
Tyr brüllte:
„Ein Feigling, der nichts von der Ehre eines Kriegers versteht, hat kein Recht, darüber zu reden!“
Er stürmte los.
Sein blutrotes Schwert raste auf Esus zu.
Das selbstgefällige Lächeln des Anunnaki verschwand augenblicklich.
Tyr hatte ihm mühelos den rechten Arm abgetrennt.
Der nordische Kriegsgott landete elegant auf dem Boden und steckte sein furchterregendes Schwert wieder in die Scheide.
„Ob Anunnaki, Katteres oder Igigi …“
Er sah Esus kalt an.
„Vor uns Æsir ist das bedeutungslos.“
Tyr deutete auf ihn.
„Jetzt leg deinen Totema an.“
Sein Blick verhärtete sich.
„Sonst zwingst du mich, dich ohne Ehre zu töten.“
Esus’ abgetrennter Arm verband sich wieder mit seinem Körper.
Der keltische Gott biss wütend die Zähne zusammen.
Dann beruhigte er sich.
Ein Lächeln erschien erneut.
„Nu gut.“
Er griff in sein Gewand.
„Wenn ihr denn unbedingt sterben wollt, will ich euch diesen Wunsch gewiss nich verwehren.“
Esus zog ein Medaillon hervor.
Darauf war ein Mann dargestellt, der auf einem Thron saß.
Im nächsten Augenblick wurde der Gott von Licht verschlungen.
Sämtliche Weidenriesen drehten sich zu ihrem Herrn um.
Auch die Malakim mit Hirschköpfen, die noch immer kämpften, hielten inne.
Alle knieten nieder.
Gewaltige Mistelbäume brachen aus dem Boden Asgards hervor.
Ihre Stämme und Äste wanden sich in vollkommener Synchronität um den majestätischen Gott.
Der Himmel öffnete sich.
Lichtstrahlen ergossen sich über den mächtigen Anunnaki.
Esus veränderte sich äußerlich kaum.
Auf seinem Kopf erschien lediglich eine Krone in Form der Sonne.
Aufwendige Ohrringe schmückten seine Ohren.
Goldene Armschienen und Beinschienen erschienen an seinem Körper.
Von seinem Kopf strahlten Lichtstrahlen wie von einem brennenden Stern.
In seiner rechten Hand hielt er eine Axt.
In die Schneide war ein roter Edelstein eingelassen.
Der Griff bestand aus ineinander verschlungenen Mistelzweigen.
Tyr nickte zufrieden.
„Schon besser.“
Dann griff er erneut an.
Esus schnippte lediglich mit einem Finger.
Mistelblätter schossen wie Geschosse durch die Luft.
Sie durchbohrten Tyr brutal.
Der nordische Kriegsgott brach zusammen.
„Ich bin ein Gott des Erdelements“, erklärte Esus ruhig.
Er hob die Hand.
„Pflanzen. Bäume. Die Natur selbst.“
Seine grünen Augen leuchteten.
„Und gerade jetzt beugt sich dieses gesamte Land meinen Fingern.“
Er schnippte erneut.
Vor Freyr schossen Äste aus dem Boden.
Sie verbanden sich zu einem Speer.
Die Waffe durchbohrte den Lichtgott.
Mit einer waagerechten Bewegung ließ Esus anschließend Mistelblätter um Freyja kreisen.
Giftiges Gas trat aus ihnen aus.
Freyja begann zu würgen.
Wenige Augenblicke später verlor sie das Bewusstsein.
Dann bewegte Esus einen Finger nach unten.
Über Thor materialisierte sich eine gewaltige Holzsäule.
Sie raste auf ihn herab.
Thor fing sie mit beiden Armen auf.
Seine Beine sanken unter der enormen Last in den Boden.
„Is … dat schon … alles, wat du hast … du dreckiger Anunnaki?“, presste Thor zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Die Säule drückte weiter auf ihn hinab.
„Bäume kontrollieren … soll das die große Macht vom keltischen Anunnaki sein?“
Thor grinste trotz der Belastung.
„Mein Vater hätt dir in paar Sekunden den Kopf abgeschlagen.“
Esus antwortete nicht.
Er zog lediglich einen Finger seitlich durch die Luft.
Neben Thor entstanden scharfe Klingen aus Mistelholz.
Sie schlugen erbarmungslos auf seinen Körper ein.
Blut spritzte über den Boden.
Thor hielt die gewaltige Säule dennoch weiter oben.
„Da brauchste schon mehr, um uns umzulegen!“
Er begann wahnsinnig zu lachen.
Dann entfesselte Odins Sohn noch mehr Macht.
Blitze explodierten rund um seinen Körper.
Innerhalb weniger Augenblicke verwandelte sich der gesamte Himmel in einen tobenden Sturm.
„Wir Æsir gehen immer über unsere Grenzen!“, brüllte Thor.
Plötzlich hielt er die gewaltige Säule nur noch mit einer Hand.
Mit der rechten packte er Mjolnir.
„Nu reicht’s!“
Er schlug zu.
Die gesamte Holzsäule explodierte in einem Sturm aus Blitzen und Splittern.
Thor richtete sich auf.
Dann zeigte er mit seinem mächtigen Hammer auf Esus.
„Nu bist du dran!“
Er schleuderte Mjolnir wie eine rotierende Scheibe.
Esus bewegte einen Finger.
Unzählige Mistelzweige schossen in die Höhe und bildeten einen Schild.
Mjolnir zerfetzte sie, ohne auch nur langsamer zu werden.
Der Hammer traf den Anunnaki.
Eine gewaltige elektrische Explosion erhellte mehrere Sekunden lang den gesamten Himmel.
Mjolnir raste zurück.
Thor fing ihn mit einer Hand.
Esus taumelte.
Blut lief aus seinem Mund.
Sein Gesicht war vor Zorn verzerrt.
Nun hob er seine Axt.
Die gewaltigen Mistelbäume veränderten sich.
Groteske Köpfe wuchsen aus ihren Stämmen.
Ihre Mäuler öffneten sich.
Kugeln aus Sonnenenergie schossen daraus in den Himmel.
Immer mehr von ihnen verbanden sich miteinander.
Über dem improvisierten Wald entstand eine gewaltige Kugel, die wie eine zweite Sonne leuchtete.
Esus sprach:
„Boillsgeachd na grèine (Sonnenlicht).“
Die gigantische Kugel schoss mit unmöglicher Geschwindigkeit auf Thor zu.
Der Donnergott konnte nicht mehr ausweichen.
Eine kolossale Explosion verschlang ihn.
Als der Rauch sich verzog, lag Thor bewusstlos am Boden.
Freyr richtete sich wieder auf.
Seine Ichorreserven hatten seine Wunden bereits geheilt.
Er klopfte etwas Staub von seiner Rüstung.
„Bin ich nu wieder dran? ♬“
Der nordische Lichtgott begann wie eine Sonne zu leuchten.
„Gullinbursti framganga (Gullinburstis Ansturm)!“
Freyr schoss wie ein Komet nach vorn.
Der Angriff war so schnell, dass Esus keinerlei Möglichkeit hatte, ihn zu blockieren.
Das Geräusch brechender Rippen und einer berstenden Wirbelsäule hallte über das Schlachtfeld.
Freyr rammte sein antillenhornförmiges Schwert tief in Esus’ Körper.
Der Anunnaki brüllte vor Wut.
Unzählige Mistelzweige erschienen und peitschten auf Freyr ein.
Der Lichtgott wurde durch die Luft geschleudert.
Er krachte in einen Berg.
Der gesamte Berg wurde ausgelöscht.
Freyja erhob sich wieder.
Zuvor hatte sie sich selbst die Kehle aufgerissen, um zu verhindern, dass das Giftgas weiter in ihre Lungen gelangte.
Nun war die Wunde durch ihr Ichor verheilt.
Sie sah in Richtung ihres Bruders.
„Dieser Bruder von miau ist echt ’ne Peinlichkatze.“
Freyja sprang los.
Sie bewegte sich mit katzenhafter Geschwindigkeit.
Esus ließ Mistelspeere aus dem Boden schießen.
Freyja wich ihnen spielerisch aus.
„’Ne Katze verliert niemals ihre Schnurr.“
Esus begann sichtbar nervös zu werden.
Freyja näherte sich immer weiter.
Dann rammte sie ihm ihren Speer mitten in die Brust.
Esus schwang seine Axt nach ihr.
Freyja riss ihre Waffe aus seinem Körper und wich dem Hieb elegant aus.
Tyr, der sich bereits wieder erholte, rief:
„Beeil dich und stirb endlich, Freyja! Ich will noch mal dran!“
Thor richtete sich ebenfalls langsam wieder auf.
„Danach bin ich dran!“
Esus starrte sie fassungslos an.
Diese Götter waren verwundet.
Eigentlich waren sie ihm deutlich unterlegen.
Und trotzdem hatten sie offensichtlich Spaß an diesem Kampf.
Noch schlimmer:
Sie schienen zu gewinnen.
Esus hatte genug.
„Latha na grèine (Sonniger Tag)!“
Eine kolossale Schockwelle aus Sonnenenergie brach aus den Mistelbäumen hervor.
Freyja und die anderen wurden weit über Asgard hinweg geschleudert.
Die Explosion zerstörte beinahe das gesamte Reich.
Selbst Esus’ eigene Weidenmänner, die noch immer gegen die überlebenden Walküren kämpften, wurden ausgelöscht.
Es war die mächtigste Technik des Anunnaki.
Esus begann zu lachen.
„Es ist vorbei.“
Dann verstummte er.
Aus den Trümmern erklang Thors Stimme.
„Verdammter Mist … nu müssen wir ganz Asgard wieder aufbauen.“
Er hustete.
„Ich hasse körperliche Arbeit.“
Freyjas Stimme antwortete:
„Asgard ist nich mal mein Zuhause. Ich wohn doch in Vanaheim.“
Tyr meldete sich ebenfalls.
„Ich habe nur einen Arm.“
Kurze Pause.
„Ich bin medizinisch befreit.“
Aus dem Staub traten die vier nordischen Götter hervor.
Sie konnten kaum noch stehen.
Ihre Ichorreserven waren beinahe vollständig erschöpft.
Und trotzdem grinsten sie, als hätten sie gerade den schönsten Tag ihres Lebens.
Tyr hob sein Schwert.
„Dann gehört der letzte Schlag wohl mir.“
Thor fuhr ihn an:
„Von wegen! Der gehört mir!“
Freyja seufzte.
„Schade … wahrscheinlich komm ich gar nich mehr dran, miau.“
Freyr lächelte.
„Aber du hast dich ganz wunderbar geschlagen, kleine Schwester ♬.“
Tyr richtete sein Schwert auf Esus.
Dann schlug er durch die Luft.
Eine blutrote Sichel raste quer über das Schlachtfeld.
Sie schnitt durch Esus’ Körper.
Der Kriegsgott erklärte:
„Je mehr Blut auf einem Schlachtfeld vergossen wird, desto stärker wird mein Schwert Tyrfing.“
Esus sah entsetzt auf seine Wunde.
Sein Ichor regenerierte sie nicht mehr.
„Ihr verdammten Parasiten!“
Er hob seine Axt.
„Ich bring euch alle um!“
Er entfesselte seine stärkste Technik erneut.
„Latha na grèine (Sonniger Tag)!“
Die vier Götter stemmten sich gegen die kommende Welle.
Vergeblich.
Sie wurden erneut davongeschleudert.
Asgard lag vollständig in Ruinen.
Esus blickte hektisch umher.
Er suchte nach Überlebenden.
Dann erschien Thor plötzlich direkt vor ihm.
Der Donnergott war furchtbar zugerichtet.
Sein linker Arm fehlte.
Blut lief aus unzähligen Wunden.
Doch er grinste.
In seiner rechten Hand hielt er Mjolnir fest umklammert.
„Hab dir doch gesagt …“
Thor hob den Hammer.
„So ’n Schwächling wie du schlägt uns niemals.“
Esus riss die Hände hoch.
Mistelzweige begannen vor ihm zu einem Schild zusammenzuwachsen.
Thor brüllte:
„Bregda upp Thunraz (Donnerschlag)!“
Ein gewaltiger Blitz raste vom Himmel herab.
Im selben Moment schlug Thor mit Mjolnir zu.
Beide Kräfte trafen Esus gleichzeitig.
Eine blendende Explosion erhellte ganz Asgard.
Als das Licht verschwand, lag Esus bewusstlos in einem gewaltigen Krater im Zentrum des Reiches.
Thor hatte den letzten Schlag geführt.
Damit hatte er verhindert, dass Lel Asgard wie eine Marionette beherrschen konnte.
Dann kippte der Donnergott einfach nach vorn.
Er schlug mit dem Gesicht zuerst auf den Boden.
Und verlor das Bewusstsein.