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Ian

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Ian

Ian argwöhnte Kenas plötzlichen Gesinnungswandel nicht weniger als Laetitia, auch wenn er es nicht so offen zeigte wie sie. Er kehrte zurück in sein Büro, um noch ein paar Recherchen zu betreiben. Der Empfang seines LTE-Geräts war heute eher mäßig, aber er war froh, überhaupt welchen zu haben, was zweifellos dem naheliegenden Nationalpark mit den Touristenunterkünften zu verdanken war.

Hatte Jared Kena zu ihnen geschickt? Durchaus wahrscheinlich – aber ebenso wahrscheinlich schien es ihm, dass sie wirklich interessiert an den Drachen sein könnte und anders über sie dachte als die übrigen Siedler. Kena hatte sich nicht von der aggressiven Stimmung gegen die Neuankömmlinge anstecken lassen und nachdenklich gewirkt, als er sie beobachtete. Sie hielt sich oft abseits der restlichen Nichtwandler. Ian glaubte ihr sofort, dass sie unter den anderen kein hohes Ansehen hatte. Vielleicht waren ihre Motive tatsächlich aufrichtig, und selbst, wenn sie sie ausspionierte – sollte sie Jared berichten, wie ungefährlich die beiden Drachen in den Paddocks waren. Er würde sie vor engerem Kontakt durchsuchen, um sicherzugehen, dass sie keine Waffe dabei hatte. Auch, wenn er ihnen den Ausgang verwehrte und sie versorgte, hatten sie sich immerhin Speere geschnitzt. Aber wenn er nicht bereit war, den Harmlosesten unter ihnen Vertrauen entgegenzubringen, würden die Ressentiments nie aufhören. Er musste als Vorsteher den ersten Schritt machen und die Verantwortung tragen, wenn dieser schief ging. Tatsächlich hoffte er darauf, dass Kena ihn auf dem Laufenden hielt über die Dinge, die in der Siedlung außerhalb seiner Wahrnehmung vor sich gingen. Und, was noch wichtiger war, über die Ängste und Sorgen der anderen. Weder Drachen noch Menschen sind bösartig – sie alle haben Angst und Vorbehalte voreinander. Ich bin derjenige, der die Brücke bauen muss.

Er erhielt eine halbe Stunde später eine Mail von Henry, in der sie sich darauf einigten, dass er den Teil des Smoky-Nationalparks absuchen würde, der die meisten Sichtungen meldete. Er empfahl Ian, dasselbe auf seiner Seite zu tun, und dabei nach einem gemeinsamen Plan vorzugehen – die Sichtungen ereigneten sich zumeist in einem ganz bestimmten Gebiet, das noch immer unerfreulich groß war, aber zumindest eingegrenzt und sich über beide Parks erstreckte. Henry bot an, ihm gegebenenfalls einen seiner Drachen zur Unterstützung zu schicken, doch Ian zögerte. Ryou konnte fliegen, gewissermaßen, und er begierig darauf es mit ihm zu versuchen. Der Junge würde bestimmt einen Motivationsschub bekommen und sein Gehirn mit etwas Glück gleich noch stärker synchronisieren, wenn man ihm diese wichtige Aufgabe zuteilte. Ian konnte derweil mit den anderen am Boden nach Hinweisen suchen.

Er lehnte sich zufrieden zurück. Das klang wie ein Plan, der noch dazu das Potential hatte, ihn mit seinen Drachen weiter zusammenwachsen zu lassen. Er schloss die Augen, stellte sich vor, wie sie es gemeinsam schafften, dieses Reservat zu verändern. Dann wären es schon zwei Orte auf dieser Welt, an denen Drachen sicher waren und mit Menschen zusammenlebten. Wie schön würde es sein, so ein Bollwerk der Drachenrechtsbewegung zu verwirklichen?