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Über das Wesen östlicher Drachen (Auszüge)

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Über das Wesen östlicher Drachen (Auszüge)

Long – im asiatischen Sprachraum übliche Bezeichnung für einen Drachenwandler. Das Wort darf ausschließlich für reinblütige Drachen verwendet werden.

Shé – im asiatischen Sprachraum geläufige Bezeichnung für einen Drachenwandler, der mindestens einen Nichtwandler im Stammbaum aufweist. Das Wort kann auch mit »Schlange« übersetzt werden. Anders als Long haben Shé kein gesellschaftliches Ansehen und werden in vielen asiatischen Ländern geächtet bis verfolgt.

[…] Über asiatische Drachen ist in der westlichen Welt nur sehr wenig bekannt, das wissenschaftlichen Standards entspricht. Mehrheitlich fußen Behauptungen über Fähigkeiten und Erscheinungsbild östlicher Drachen auf Hörensagen und vieles kann wohl ins Reich der Legenden verbannt werden. Als gesichert gilt, dass insbesondere in den Ländern China, Japan und Süd-Korea eine strikte gesellschaftliche Trennung zwischen Drachen und Menschen herrscht, die insbesondere das Heiraten und Zeugen von Kindern miteinander verbietet. Bei Verstößen drohen harte Sanktionen bis hin zur Todesstrafe. Herrschertitel und Ämter, die dem Herrscher direkt unterstehen, dürfen nur und ausnahmslos an reinblütige Drachen, im Fachjargon als »Long« bezeichnet, vergeben und vererbt werden. Angenommen wird, dass auch Konzerne ab einer gewissen Vielschichtigkeit in den Führungsebenen ausschließlich oder mehrheitlich von Long geleitet werden. Diese These wird dadurch untermauert, dass ab einem bestimmten Punkt in der Hierarchie eines Unternehmens keine Namen mehr genannt werden, sondern bildhafte Beschreibungen wie »Sonnenaufgang über Berg Fuji« als Bezeichnung für den CEO. Die westliche Welt geht davon aus, dass sich hinter den Begriffen Long verbergen. Es heißt, diese hätten ihre Drachengestalt vollständig unter Kontrolle und könnten willentlich von der einen in die andere Gestalt wechseln, ohne dass sich ihre kognitiven Fähigkeiten verändern. […]

[…] Die gesamte chinesische Kaiserfamilie besteht aus Long. Einzig der älteste Nachkomme besitzt ein Anrecht auf den Thron. Sämtliche chinesische Long, ob miteinander verwandt oder nicht, leben in der mehrere Quadratkilometer umfassenden Verbotenen Stadt, einem Stadtstaat mit eigener Rechtsprechung, sowie Exklaven desselben, deren Zutritt ausschließlich Long gestattet ist. Es handelt sich um einen der am Schwersten einsehbaren Orte des ganzen Planeten. Bis heute sind die Vorgänge in der Verbotenen Stadt ein großes Rätsel. […]

Aus: Drachen im Reich der aufgehenden Sonne, 2. Auflage

[…] Koreanische Drachen imponieren eher klein und gedrungen mit löwenartigen Köpfen, was im Fachjargon als kirin-artig bezeichnet wird, während sich das typische Bild des Long mit langgestrecktem, schlangenhaften Phänotyp vermehrt in China und Japan findet. Eine spezielle Unterform stellt der japanische Kitsune-Long dar, der lange Zeit als Fabelwesen galt. Er weist eine fuchshafte Schädelform bei gedrungenerem Körper mit kürzeren Beinen auf und wird auf eine einzige noch existente Linie zurückgeführt, deren familiäre Verzweigungen über die Jahrhunderte hinweg wohl verloren gingen. Allen Long wird nachgesagt, die Macht des Himmels zu beherrschen und über Wind, Regen und Blitz zu gebieten – etwas, das mehr als Metapher denn als Fakt zu verstehen sein dürfte. Allen gemein ist die Verbundenheit mit dem Element Wasser. Obwohl flugfähig, bevorzugen sie stets die schwimmende Fortbewegung. […]

Aus: Asiatische Drachen – Eine wissenschaftliche Einordnung, 1. Auflage

Es gibt drei Dinge auf dieser Welt, die alle Weisen fürchten: Ein Sturm auf See, eine Nacht ohne Mond und der Zorn eines Long.

Chinesisches Sprichwort

Gekirin ni fureru – übersetzt aus dem Japanischen etwa »die umgekehrte Schuppe berühren«. Bezeichnet den Umstand, den massiven Zorn eines Vorgesetzten durch eine unbedachte Tat/Äußerung heraufzubeschwören und bezieht sich auf den uralten Glauben, dass jeder Long eine einzige gegenläufige Schuppe am Körper besitzt, die zu berühren ihn in Raserei verfallen lässt.

Aus: Japanisch verstehen für Anfänger, überarbeitete Auflage

[…] Eine Legende besagt, dass einst ein Long mit dem bildhaften Beinamen »Schwanenfedern an Perlenkette« einen solchen Zorn auf die Bewohner einer Hafenstadt hegte, dass er die Verbotene Stadt verließ, um sie aufzusuchen. Besagte Hafenstadt war am nächsten Morgen mitsamt ihrer fünfundfünfzigtausend Einwohner vom Antlitz der Erde getilgt. Binnen einer einzigen Nacht hatte der Long den Ort niedergemacht mit der Kraft des Meeres, des Himmels und der Erde, die er zu kontrollieren verstand. Eine Weisheit besagt, dass es einhundert Long benötigt, um ganz China zu vernichten, und dass alle existierenden Long den Untergang der Welt einläuten können. […]

Aus: Fernöstliche Sagen, 5. Auflage

[…] Das japanische Herrscherhaus existiert in seiner uns bekannten Form seit annähernd 3000 Jahren. Die direkte Ahnenlinie wurde bis heute nicht unterbrochen. Der Herrscher, Tennō genannt, ist der Legende nach ein direkter Nachfahre von Amaterasu, der ersten Long, die vom Himmel herabstieg und all seine Macht in sich vereinte, um sie an ihre Nachkommen weiterzugeben. Damit gilt der Tennō in Japan bis heute als heilig und gottgleich.

Außenstehenden ist, ähnlich wie in der chinesischen Verbotenen Stadt, der Einblick in die Angelegenheiten der Heiligen Familie verwehrt, die hinter den dicken Palastmauern des Kaiserlichen Palasts in Tokio residiert und diesen niemals verlässt. Das Hofamt umfasst mehr als eintausend Long.

Long werden von frühester Kindheit an einem harten körperlichen und psychischen Training unterzogen, um ihren Körper und Geist zu stählen und das Potential des Drachen voll auszuschöpfen. Jeder aus der Heiligen Familie trägt ein eigens für ihn oder sie geschmiedetes Katana, selbst während des Schlafes – es ist die Klaue in Menschengestalt und jedes einzelne ein unbezahlbares Unikat, das als Symbol verstanden wird, die Familie und das Land zu beschützen. […]

[…] Hartnäckigen Gerüchten zufolge soll sich die jüngste Tochter des derzeitigen Tennō vor Jahren fluchtartig mit ihrem menschlichen Ehemann ins Ausland abgesetzt haben. Das Herrscherhaus hat bislang weder zur einen noch zur anderen Behauptung Stellung bezogen. […]

[…] Bis heute ist ungeklärt, ob die japanische Monarchie Verbindungen zur chinesischen und südkoreanischen Monarchie hat und inwiefern eine Verwandtschaft der Long untereinander besteht. Experten glauben, dass sämtliche Long Süd-Koreas, Chinas und Japans miteinander verwandt sind. Alle Herrscherhäuser dementieren die Behauptung, eine wissenschaftliche Untersuchung der Ahnenlinien wird abgelehnt. Auch die Untersuchung der Ahnengräber wurde bislang nicht gestattet aus Respekt vor der Totenruhe und den Geistern der Vorgänger. […]

Aus: Das japanische Herrscherhaus – Die Exklusiv-Reportage bei Channel 1