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Sajian und Laetitia

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Sajian und Laetitia

Sajian war voller Tatendrang, als sie endlich im Wagen saßen und das Reservat für die neuerliche Suche verließen. Sie mussten diesen Drachen einfach finden, bevor die vermeintlichen Drachentöter es taten. Bestimmt waren sie dafür verantwortlich. Erst jetzt, da die Bäume an ihnen vorbeizogen und sie sich kontinuierlich ihren Weg bahnten, fiel ihm etwas auf.

»Wenn Drachentöter hinter diesen komischen Objekten stecken, warum verwenden sie nur ein Narkosemittel und nichts Tödliches?«, fragte er Ian.

»Ich kann genau wie Henry nur spekulieren, solange wir nichts Genaues wissen. Vielleicht wollen sie keine anderen Menschen durch die Freisetzung gefährden, immerhin wird die Gegend von Wanderern besucht und deren Tode würden unliebsame Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht wollen sie auch kein Risiko eingehen, dass der tote Drache ungenutzt verrottet, bevor sie da sind. Oder es steckt jemand dahinter, der Drachen lebend fangen will, für welche Zwecke auch immer.«

»Organhandel«, schloss Laetitia bitter und blickte angewidert nach draußen. »Menschen können so abstoßend sein.«

Sie hielten an einer anderen Stelle als beim letzten Mal und stiegen aus, gingen noch einmal die Instruktionen der Reihe nach durch. »Denkt dran, nichts anfassen, das euch merkwürdig vorkommt. Achtet darauf, wo ihr hintretet. Bleibt zu zweit und ruft sofort durch, wenn ihr etwas Ungewöhnliches bemerkt, egal was es ist. Achtet auf Spuren, die der Drache in seinen beiden Gestalten hinterlassen haben könnte, wie leere Konservendosen, Kleidung und Fußabdrücke.« Ian schulterte seine Tasche. »Dann los. Auf einen neuen Versuch. Wir treffen uns in einer Stunde wieder hier.«

Laetitia und Sajian gingen in die entgegengesetzte Richtung zu Ian und Kena. Er nahm seine Drachengestalt an, sobald sie außer Sichtweite waren; Ian hatte es ihm nicht ausdrücklich untersagt. Sajian glaubte, dass er auf diese Weise einen besseren Fokus hatte, konnte tatsächlich schärfer und weiter sehen und bemerkte Dinge, die ihm ansonsten entgangen wären. Immer wieder hob er den Kopf und blickte sich wachsam um, derweil sie schweigend in Rufreichweite voneinander suchten.

»Vielleicht sollten wir uns wirklich irgendwo verstecken und etwas von dem präparierten Futter in Sichtweite deponieren. Diese Wälder scheinen kein Ende zu nehmen. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie wir ihn jemals finden sollen. Die Nadel im Heuhaufen ist ein Scheißdreck dagegen«, äußerte Laetitia mutlos.

Sajian brummte nur zustimmend, dann ging er in die Hocke, breitete die Flügel aus und flatterte unsicher auf der Stelle, bis er schließlich abhob. Laetitia beschattete ihre Augen mit der Hand und folgte seinem wackeligen Flug über die Baumkronen, wo er einen Moment lang kreiste. Sajian fühlte sich ausgesprochen unwohl in der Luft, aber er konnte so immerhin einen viel deutlich größeren Bereich sichten als am Boden. Schon nach wenigen Minuten erregte ein Schimmern wie von Reptilienschuppen zwischen den Zweigen seine Aufmerksamkeit. Er fauchte, dann schoss er voraus, segelte in einiger Entfernung zu Boden und kam holprig auf, wobei er mit dem Brustbein durch den Waldboden pflügte.

Er rappelte sich eilig wieder auf und rannte los, fand das glänzende Etwas, das ihn am Himmel so irritiert hatte, in einer kleinen Senke: Eine Art blauviolette, irisierende Oberfläche, die halb in der Erde vergraben war. Es erinnerte ihn an einen Edelstein, oder einen dieser Flummis mit eingeschlossenem Glitzer.

»Kooomm hiiier heeer!«, rief er und wartete, bis Laetitia zu ihm aufgeschlossen hatte. Sie war völlig außer Atem, als sie bei ihm ankam; Sajian hatte gar nicht bemerkt, wie weit sie sich von ihrem Ausgangspunkt entfernt hatten. Luftlinien musste er noch einschätzen lernen. »Waaas… iiiist daas?« Er hielt wohlweislich einen großzügigen Abstand.

Laetitia besah sich die Erdkuhle und das Ding argwöhnisch. »Ich habe keine Ahnung… sieht nicht aus wie einer dieser Behälter auf den Fotos. Eher wie ein… Ei?« Sie pustete vorsichtig Laub und Dreck weg, und Sajian schlug mit den Flügeln, um ihr zu helfen. Es war tatsächlich ein Ei, aber so groß, dass es unmöglich von einem gewöhnlichen Vogel gelegt worden sein konnte. Er hatte noch nie Straußeneier gesehen, aber so stellte er sich eins vor.

»Leeeegen Draaachen Eieeer?«, fragte Sajian verblüfft.

»Das ist bestimmt von einem Tier, das hier lebt. Es gibt große Vögel, die auch blau- und grünschalige Eier legen, auch wenn ich gerade nicht weiß, ob es sie hier gibt. Lassen wir es in Ruhe, die Mutter kommt bestimmt bald zurück.«

Sajian rückte nach dieser Erklärung vorsichtig näher, zog dann aber ruckartig den Kopf zurück, als er ein Piepsen wahrnahm, das Laetitia nicht zu hören schien. Im selben Moment, als es ein Knacken aus dem Ei gab, kippte er auf die Seite, während ihn Dunkelheit umfasste.

Laetitia begriff nicht sofort, was passiert war, doch dann, mit der Verspätung wertvoller Sekundenbruchteile, erkannte sie Sajians Zustand. Er war betäubt worden, so wie Ryou zuvor. Etwa von diesem Ei? War es doch ein weiterer Behälter, nur besser getarnt, um keinen Argwohn zu erregen? Aber sie hatten ihn doch gar nicht berührt! Panik umfing sie, und sie wich eilig von dem Objekt zurück. Ihre Gedanken flogen zwischen dem gleich wichtigen Drang, Sajian zu helfen, und dem, Ian zu kontaktieren, hin und her, bevor Sajian die Oberhand gewann. »Sajian! Sajian, wach auf!«

Sie schüttelte ihn an Flügel und Vorderbein, doch er reagierte nicht darauf. Seine Augen waren halb geöffnet und er atmete, sein Herz raste, wie sie nach zögerlichem Horchen an seiner Brust feststellte. Sie versuchte, ihn von dem Ei wegzuziehen, doch natürlich war er viel zu schwer dafür. »Sajian, wach auf, wir müssen hier weg! Sofort! Es ist gefährlich!« Sie schlug ihn, doch auch das half nicht, und so kramte sie in ihrer Tasche nach dem Walkie-Talkie, um Ian Bescheid zu geben. Sie fuhr zusammen, als sie plötzlich einen stechenden Schmerz fühlte und sich nach der Ursache umsah – etwas Langes, Dünnes steckte in ihrem Oberschenkel, wie ein Pfeil, und sie schaffte es nicht einmal mehr, es herauszuziehen, bevor auch sie in Schwärze versank, das Walkie-Talkie ungenutzt in der Hand haltend.