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Ian

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Ian

Er wartete angespannt darauf, dass Watanabe abnahm. »Guten Abend, hier ist Ian McCord. Wir hatten bereits das Vergnügen miteinander.«

»Was wollen Sie?« Er klang weniger barsch als viel mehr abwesend, als ob er gerade wichtigere Dinge als dieses Telefonat zu tun hätte.

»Sakura ist bei mir, sie hat mir erzählt, dass sie in Ihrer Obhut war. Es geht ihr gut, sie ist nur sehr erschöpft. Hier ist sie in Sicherheit.«

Sein Gesprächspartner zögerte. »Soll das eine Erpressung sein?«, fragte er gefährlich ruhig, aber Ian hatte nun zumindest seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

»Nein. Ich will lediglich alle zurück Nachhause bringen. Sakura vertraut Ihnen. Vielleicht würde ein wenig mehr Vertrauen zueinander uns alle weiterbringen.«

Das überzeugte ihn offensichtlich nicht. »Ich rate Ihnen, Sakura gut zu behandeln. Ich weiß, wo Ihr Reservat liegt. Umgekehrt gilt das nicht.«

»Das klingt jetzt sehr nach einer Drohung«, äußerte Ian genauso ruhig.

»Sie können in meinen Worten lesen, was immer Ihnen einen ruhigeren Schlaf beschert«, knurrte er.

Ian rieb sich übers Gesicht. »Hören Sie, es bringt doch niemandem etwas, wenn wir einander die schlimmsten Absichten unterstellen. Wir beide wollen unseren Drachen helfen und unsere jeweiligen Schützlinge bei uns wissen. Zudem sind Sie mir gegenüber im Vorteil, wie Sie selbst bereits erkannt haben. Gewähren Sie mir einen Vertrauensvorschuss und ich gewähre Ihnen einen, dann können wir einander helfen.«

»Ich werde jemanden zu Ihnen ins Reservat schicken, der Sakura abholt. Nur, wenn sie es wirklich ist und es ihr gut geht, sehen Sie Sajian und Laetitia wieder. Ansonsten bleiben beide bei mir und ich hole Sakura notfalls mit Gewalt.«

»Klingt gut genug.«

»Ein Platz im Wald, ich schicke Ihnen die Koordinaten kurz vor dem Treffen. Nur Sie und Sakura, niemand sonst.«

»Einverstanden.«

»Einen angenehmen Tag wünsche ich.«

Er legte vor Ian auf, der sich angespannt zurücklehnte. Dieser Watanabe war wirklich das personifizierte Misstrauen, aber die Aussicht, Sakura wiederzubekommen, ließ ihn wohl über seinen Schatten springen – das und die Aussagen von Laetitia und Sajian, die ihn als vertrauenswürdig einstuften. Aber konnte Ian ihm trauen? Was, wenn er Sakura mitnahm, ohne seine beiden Schützlinge zurückzugeben? Er schüttelte den Kopf. Sie mussten in dieser Situation zu ihrem jeweiligen Wort stehen. Und er hatte nichts, das für ihn von Interesse sein konnte. Wenn Esra Watanabe vertraute, dann würde er es auch tun.

Ian klappte seinen Laptop auf und suchte nach dem pharmazeutischen Unternehmen, das Sakura ihm genannt hatte. Tatsächlich stieß er auf einige Artikel und Beiträge in öffentlichen Foren und Zeitungen; die News berichteten von einem illegalen Drogenlabor, dass die Nationalgardisten auf Geheiß des Gouverneurs hin ausgehoben hatten. Ein anonymer Anrufer habe den Ausschlag gegeben. Die wenigen Bilder, die er fand, zeigten Frauen und Männer in den Uniformen der Garde mit Gerätschaften, die vermeintlich bewiesen, dass hier illegale Substanzen in großem Stil hergestellt wurden. Ian erkannte, dass einige Geräte zur Gewinnung von Blutprodukten dienten, wie die Plasmapheresemaschine, die er damals im Krankenhaus gehabt hatte. Ebenso sah man Liquorentnahmebesteck. Dem Laien wären diese Dinge wohl nicht auf den ersten Blick aufgefallen, aber er fand eindeutige Hinweise darauf, dass Drachen zur Arzneimittelherstellung dort gehalten wurden. In den Artikeln fiel jedoch kein Wort darüber. In Foren, die den Vorfall aufgriffen, ging allerdings die Post ab – User sprachen von Vertuschung, es sei eine Drachentötungsmaschinerie gewesen oder ein Zufluchtsort, der sich irgendwie finanzieren musste, was beides von der Moderation als Verschwörungstheorie abgetan wurde. Andere argumentierten abwechselnd, dass die Gerätschaften voll und ganz oder überhaupt nicht ins Bild passten, das die Behörden von dem illegalen Labor zeichneten. Von keinem der Verhafteten wurden Bilder gezeigt.

Ian suchte weiter, diesmal nach BioSynTechs. Es war gelistet als Hersteller pharmazeutischer Erzeugnisse. Mehr war nicht zu erfahren, es gab nicht einmal eine offizielle Seite. Das war verdächtig genug, aber womöglich der Geheimhaltung geschuldet, der solche Institutionen für gewöhnlich unterlagen. Er fand jedoch den Standort durch etwas Suchen heraus und ließ ihn auf einer Satellitenkarte anzeigen. Die Einrichtung war zu seinem Erstaunen nicht weit von ihnen entfernt. Für einen Moment gab er sich wilden Fantasien hin, Sajian und Laetitia dort eigenhändig herauszuholen, bevor die Vernunft wieder die Oberhand gewann.

Er stand auf und ging noch einmal ins Paddock, um nach Hickory zu sehen. Dieser lag in eine Decke gehüllt draußen, Grace und Ryou in ihrer Drachengestalt um ihn herumgerollt, Sakura lag in Menschengestalt, ebenfalls unter einer Decke, ganz in seiner Nähe. Er beschloss, sie nicht zu stören. Das Paddock schloss er nicht ab, auch nicht die Wohneinheit, wohl aber das Zauntor, das Zugang von Seiten der Siedlung bot, nur, um ganz sicher zu sein. Anschließend ging er selbst ins Bett, noch guter Hoffnung, dass sich alles zum Positiven wenden würde.