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Ian

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Ian

Ian schreckte auf, als er fernes Schreien hörte, nicht sicher, ob er noch träumte – aber das Schreien verstummte nicht, je wacher er wurde. Es waren die fernen Stimmen von Menschen und Drachen, und sie kamen mitten aus dem Reservat.

Er schaltete das Licht ein und sah auf die Uhr – 3:45. Was zum…?

Eilig stieg er aus dem Bett und kleidete sich an. Er ahnte, dass der Aufruhr etwas mit Helen zu tun hatte, und erwartete das Schlimmste. Sowie er aus der Tür trat schrak er heftig zusammen, denn er wäre beinahe mit jemandem zusammengestoßen, den er als letztes erwartet hätte. »Oda!«

Der großgewachsene Japaner warf ihm nur einen kalten Blick zu, dann wanderten seine Augen über das Reservat. »Die anderen haben die Siedlung verlassen, alle«, sagte er mit ernster Stimme. Auch aus den Paddocks war nun durchdringendes Drachengeschrei zu hören.

»Was?«, fragte Ian atemlos. »Wie hast du so schnell…? Es ist mitten in der Nacht!«

»Ich hab sie gehen sehen«, sagte er nüchtern, »vor Stunden bereits. Und ich hätte wissen müssen, was sie vorhaben. Du musst mich ins Reservat bringen, jetzt!« Seine Stimme duldete keinerlei Widerspruch, und Ian kroch ein eisiger Schauer über den Rücken. Er verspürte plötzlich eine tiefe, unbeschreibliche Angst, die er nicht einordnen konnte. Es war keine Angst, die man vor einem Menschen hatte, der einem körperlich überlegen war, sondern die instinktive Urangst vor etwas Unabwendbaren, wie einer Naturkatastrophe. Aber sie sorgte zumindest dafür, dass er keine Fragen stellte, sondern handelte.

Beinahe noch mehr als der nächtliche Krawall beunruhigte ihn, dass Oda sich, sowie sie im Wagen saßen, von mehreren metallverstärkten, ledernen Riemen befreite, die er unter seiner Kleidung trug – das Geschirr, das er nie abnahm. »Oda, was geht hier vor?« Sie fuhren gerade an den Paddocks vorbei – Grace und Ryou rannten aufgeregt zwitschernd auf der Ebene herum. Dann sah Ian voller Entsetzen, wie Hickory sich verwandelte, quälend langsam, und taumelnd hinter ihnen herlief, zu schwach zum Fliegen. Unweigerlich nahm er den Fuß vom Gas, doch Oda packte ihn am Arm.

»Nicht anhalten, fahren!«

»Hickory ist schwerkrank, ich muss…!«

»FAHR!«, schrie Oda.

Ian gehorchte und trat das Gaspedal durch, aber nicht ohne einen besorgten Blick in den Rückspiegel zu werfen. Hickory flatterte entschieden und flog ein kurzes Stück, ehe er völlig erschöpft wieder landete.

Sie fuhren in Richtung des verwüsteten Kontrollpunkts; der Schwarm war nun deutlich zu hören, noch bevor er in Sicht kam. »Halt an. Ich muss aussteigen«, sagte Oda.

Ian sah, dass er alle Geschirrteile im Fußraum des Wagens verteilt hatte – es waren so viele, dass er um jeden Körperteil mehrere geschlungen haben musste. »Du willst dich verwandeln?«

»Ich muss«, sagte er. »Das habe ich viel zu lange nicht getan, aber heute habe ich erstmals wieder einen Grund.«

»Warum musste ich dich bis hier her fahren, wenn du die ganze Zeit vorhattest, dich zu verwandeln?«

Sein Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, und dieser Ausdruck war noch weitaus unheimlicher als seine übliche Ausdruckslosigkeit. »Die Siedlung ist zu klein für mich.« Damit stieg er aus und schlüpfte aus seiner Kleidung. Die Verwandlung vollzog sich geschmeidig ohne jede Verzögerung.