Sajian
Sajian
Sajian saß einfach nur da, wusste nicht, was er fühlte. Ob er überhaupt etwas fühlte. Die ganze Welt schien plötzlich nicht mehr zu existieren, zusammenzuschrumpfen auf das Innere ihres Wagens und zunehmend kleiner zu werden, bis es nur noch ihn selbst gab. Er fühlte sich wie betäubt, während tausend Fragen in seinem Kopf durcheinanderwirbelten. Dennoch kam nur eine einzige über seine Lippen: »Wie?«
»Ich kann dir auf der Fahrt zum Reservat alles erzählen, was ich weiß.«
»Fahren wir«, entschied Laetitia an seiner statt, und Lao startete den Wagen, um aus der Einrichtung zu fahren. Binnen weniger Minuten waren sie vom dichten, dunklen Wald umgeben.
Sajian schluckte, bemerkte, dass Laetitia ihm einen besorgten Blick zuwarf. Er hatte Probleme damit, aus der Vielzahl an Fragen die ausfindig zu machen, deren Antwort ihm am Wichtigsten war. Aber sie hatten Zeit, ging ihm auf. »Du hast du einen Vaterschaftstest gemacht? Etwa mit meinem Blut?« Er fand nicht, dass er Lao besonders ähnlich sah – vielleicht abgesehen von der Tatsache, dass sie beide asiatische Wurzeln hatten.
Laos Blick war auf die Straße gerichtet, als er antwortete: »Als ich dich zum ersten Mal in deiner Drachengestalt sah, hatte ich ein seltsames Bauchgefühl. Du hast mich an jemanden erinnert – Akiko, meine verstorbene Frau. Ihr seht euch tatsächlich sehr ähnlich, in beiden Gestalten.« Lao reichte ihm ein Foto über die Schulter nach hinten – es war abgegriffen und so klein, dass er es wohl in seinem Ausweisetui mit sich herumtrug. Zwei Drachen waren darauf zu sehen. Ähnlich war untertrieben: Der größere der beiden sah aus wie eine riesige Kopie von ihm, allerdings mit noch deutlich mehr Rosa in den sonst schneeweißen Schuppen. Seine Füße waren komplett schwarz. Er sah mit dem riesigen, weit verzweigten Geweih aus wie ein lebendig gewordener Kirschbaum. War das da wirklich seine leibliche Mutter? Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, und erst mit einiger Verspätung fiel sein Blick auf den kleineren Drachen daneben. Dieser war weißgolden gesprenkelt, mit dunkleren Ornamenten im Gesicht, an den Füßen und Flanken. Sein Geweih war klein und bestand nur aus jeweils zwei Spitzen. Der Schädel ähnelte mit der breiten Stirn und der kurzen Schnauze eher dem üblichen asiatischen Typus von Hiroki. »Wer ist der kleinere Drache?«
»Syanna, unsere Tochter. Sie ist ebenfalls tot«, sagte Lao mit belegter Stimme. »Niemand weiß genau, was damals passiert ist, aber ich kann nach meinen Recherchen so viel sagen: Deinem Adoptivvater gehörte eine Einrichtung namens Safe Parenthood for better people in West-Virginia. Zu Beginn war es nur eine Stelle, die gegen viel Geld Kinder aus Leihmutterschaften vermittelte, bei denen sich die zahlenden Eltern beide Elternteile aus einer Datenbank aussuchen konnten – sie enthielt zufälligerweise nur asiatische Kandidaten. Es ging in Wahrheit wohl darum, möglichst hochwertige Drachenhybriden zu erschaffen, die irgendwann getötet und ihre Einzelteile für ein Vielfaches des Vermittlungspreises verkauft werden konnten. Irgendwann versuchte er vermutlich ein neues Geschäftsmodell – er wollte der erste sein, der F1-Hybriden züchtet und vermittelt. Bis dahin war es ein reiner Glücksgriff, was man bekam. Das änderte sich mit dem Auftauchen meiner Frau in den Staaten. Sie war ein Kitsune-Long, ein seltener Phänotyp, den nicht einmal unsere Tochter erbte; ihr Aussehen wurde über Jahrtausende hinweg über strikte Blutlinienerhaltung kultiviert. Es gibt heute nur sehr wenige Drachen mit diesem Aussehen, sogar Akikos eigener Bruder war ein gewöhnlicher japanischer Long. Du dagegen hast ihre Schädelform geerbt und ihre unverkennbare Färbung, die ihr ihren Beinamen einbrachte: Kirschblüten im Kampf . Doch zurück zu den Geschäftspraktiken deines Adoptivvaters: Eines Tages verschwand Syanna auf dem Weg von der Schule Nachhause, sie war damals erst vierzehn, aber bereits ihrer Gestalt mächtig. Wir fuhren oft in entlegene Wälder und Berge, damit sie beide ihre andere Seite ungestört ausleben konnten und ich Gelegneheit hatte, sie zu studieren. Wenig später erhielt Akiko einen Brief. Man verlangte von ihr kein Geld, sondern ein Gespräch, da sie einen Drachen geheimgehalten habe, anstatt ihn den Behörden zu melden. Sie fuhr allein zum Ort der Klärung, wie es im Brief verlangt war, und kehrte nicht zurück. Keine Behörde, die ich eingeschaltet habe, wollte mir helfen oder von dem Fall wissen. Dieser Kerl war einfach unerreichbar. Einige Monate später, in denen ich verzweifelt kämpfte und sogar den Tracker ihres Fahrzeugs zurückverfolgte, ohne eine Spur zu finden, gab es einen Unfall in jener Einrichtung. Offiziell war es eine Explosion ungeklärter Ursache. Erst über Foren, in denen Verschwörungstheorien diskutiert wurden, Privtadetektive aus dem Milieu und eigene Nachforschungen stieß ich nach und nach auf die Wahrheit: Diese Einrichtung nutzte Akiko als Eizellspender, um F1-Hybriden zu erschaffen. Unsere Tochter war vermutlich zu dem Zeitpunkt, da wir ihr Verschwinden meldeten, bereits in ihre Einzelteile zerlegt und stand auf dem Schwarzmarkt zum Angebot. Ich vermutete, dass Akiko bei ihrem Fluchtversuch die Einrichtung in Schutt und Asche gelegt hat. Das würde zu einer Long wie ihr passen. Ich hoffe, sie hat allen ein grausames Ende bereitet – danach sah es erfreulicherweise aus. Allerdings muss sie, als sie dort ankam, schwanger gewesen sein und lange genug überlebt haben, um dich zu gebären. So bist du wohl in Castletons Fänge geraten. Das habe ich nicht gewusst, und sie vermutlich auch nicht. Eventuell hat nur das Schlimmeres verhindert – sie konnten ihr keine Eizellen entnehmen, solange sie schwanger war, um das Geldbündel in ihrem Bauch nicht zu gefährden. Vermutlich ist nur deshalb keine größere Gruppe F1-Hybriden für den Schwarzmarkt in ihrem Unternehmen entstanden.«
Laetitia schlug die Hände vor den Mund und begann augenblicklich zu weinen. Sajian dagegen gab keinen Ton von sich. Er starrte auf das Bild, das seine wahre Mutter und seine Schwester zeigte, von deren Existenz er niemals erfahren hätte, hätten nicht all diese unglaublichen Zufälle ihn hier her geführt. Wäre seine Klasse nicht vor scheinbar so langer Zeit in ein Spaßbad gefahren, das rein zufällig sein Trigger zur Verwandlung war, und wäre sein Adoptivvater nicht geschäftlich unterwegs gewesen zu diesem Zeitpunkt, sodass er in Ians Reservat gebracht wurde – er würde vermutlich längst das Schicksal seiner Schwester teilen.
Sajian krümmte die Finger vor Wut, dass das Bild in ihnen zitterte. Laetitia berührte ihn am Oberarm, und er straffte sich. »Ich bring das Schwein um«, zischte er. »Die miese Drecksau hat mich nur benutzt, und sie hat meine Mutter und Schwester umgebracht!« Er dachte nicht länger darüber nach, was er sagte, sondern sprach aus tiefster Seele – und es war ihm egal, was seine Seele für Rachegelüste hatte.
»Ich kann dich sehr gut verstehen«, sagte Lao ruhig. »Aber das ist schon mein Part. Ich habe nichts mehr zu verlieren.« Seine Stimme war tonlos, aber das verlieh ihr nur noch mehr Kraft und Dunkelheit. Er meinte ernst, was er sagte, daran hatte Sajian keinen Zweifel. »Du hast keine Vorstellung, was diese beiden Personen auf dem Bild mir bedeuten. Und was du mir bedeutest, nun, da ich dich gefunden habe.«
»Du hast mich, wir sollten die Familie sein, die wir ohne das alles gewesen wären!«, widersprach Sajian, und das klang nun wieder deutlich mehr nach ihm selbst.
»Du kennst mich jetzt wie lange? Für dich bin und bleibe ich ein Fremder. Wir hatten leider nie die Chance, Vater und Sohn zu sein, jetzt wird es auch nie mehr so werden, wie es hätte sein können. Du bist fast erwachsen und wirst ohne mich zurechtkommen.«
»Sicher wird es niemals so, wie es gewesen wäre, aber es kann doch trotzdem gut werden! Wir können eine so gute Familie sein, wie es eben möglich ist. Die einzige, die mir bleibt. Du bist die letzte Verbindung, die ich zu meiner Mutter und meiner Schwester habe!«
Er seufzte. »Kleiner…«
»Nenn mich nicht so!«, schnappte er. »Was ist denn dein Plan? Mich im Reservat abzuliefern, wo ich deiner Meinung nach in Sicherheit bin, während du ihn umbringst und dafür in den Knast wanderst? Oder in den Todestrakt? Das ertrage ich nicht!« Nun traten auch in seine Augen Tränen.
»Drachenärzte gibt es viel zu wenige in den Staaten, sie werden mich als Höchststrafe ins Exil in ein Reservat schicken, sodass ich das Schicksal meiner Patienten teile. Oder sie faken die Strafvollstreckung. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz unter Juristen, dass niemand mit Drachenspezialisierung auch nur seine Zulassung verliert.«
Sajian zögerte, aber sein Gesicht verfinsterte sich. »Ich bin ein Drache, auch Drachen landen nur in Reservaten. Wenn wir ihn töten, kann uns nichts passieren.«
»Ihr plant doch nicht gerade ernsthaft einen Mord?«, warf Laetitia dazwischen. »Auch, wenn ihr keine Strafe zu erwarten habt, ist es ein Unrecht, und es macht niemanden wieder lebendig!«
»Lebendig nicht«, stimmte Lao ihr zu. »Aber es geht nicht darum, Rache zu üben um der Rache willen. Es geht darum, es zu beenden. Nur, wenn man der Schlange den Kopf abschlägt, ist sie hinterher wirklich tot. Seine Machenschaften müssen beendet werden. Ich muss verhindern, dass noch mehr das Schicksal erleiden, das meine Frau und Tochter erlitten haben.« Er warf ihm einen Blick durch den Rückspiegel zu. »Du wirst in diesem Reservat bleiben, und ich verspreche dir, ich komme zurück. Aber ich muss tun, was ich tun muss, um diesen Wahnsinn zu beenden.«
Sie fuhren bis zum Morgen, ehe sie vor den Toren des Reservats ankamen. Sajian schreckte auf, merkte erst jetzt, dass er überhaupt geschlafen hatte, noch immer das Foto seiner toten Mutter und Schwester umklammernd. »Wir sind wirklich wieder hier«, stellte Laetitia verblüfft fest.
»Hast du an meinen Worten gezweifelt?«, fragte Lao und stieg aus, um die Klingel am Tor zu betätigen. Es ertönte kein Geräusch, aber im Zimmer des Vorstehers würde es zu hören sein. »Vermutlich werfen wir ihn aus dem Bett. Aber wir haben immerhin allen Grund dazu.«
Sajian und Laetitia stiegen ebenfalls aus. Er konnte es selbst nicht glauben, dass sie wieder zurück waren nach allem, was sie erlebt hatten. Noch weniger konnte er allerdings glauben, wer in diesem Moment über den Zaun sah. »Fera?«, fragte Laetitia ungläubig.
»Hey, ihr seid doch… diese beiden! Die verschwunden sind!«, sagte sie.
»Schön, dass uns wenigstens einer noch kennt, wenn auch nicht beim Namen«, erwiderte Sajian trocken. »Diese beiden heißen Laetitia und Sajian.«
»Mein Name ist Lao Xhiang, ich bin Drachenarzt und möchte mit dem Vorsteher sprechen. Es ist dringend.«
»Ich… hole ihn.« Fera verschwand, und wenig später tauchte an ihrer Stelle tatsächlich Ian über dem Tor auf. Er öffnete, dann trat er heraus und schloss beide fest in die Arme. »Ich dachte, ich sehe euch nie wieder…!«
»Ian«, brachte Sajian nur hervor, überwältigt von seiner emotionalen Nähe. Sogleich löste er sich jedoch wieder von ihnen, um Lao in Augenschein zu nehmen. Sein Gesicht verhärtete sich. »Ich nehme an, Sie wollen Sakura abholen, im Austausch für die beiden.« Er reichte ihm nicht die Hand.
»Lao Xhiang der Name, ich hoffe, Sie können unsere Sakura noch ein wenig länger hier behalten, sofern es keine Umstände macht. Aktuell ist die Situation bei uns zu unsicher, um sie zurückzuholen. Das ist auch der Grund, dass ich in eigener Sache komme. Watanabe hat mich nicht geschickt. Nicht ausdrücklich, zumindest.«
Er zögerte. »Lao Xhiang? Sie sind der Drachenarzt, der diese Lehrvideos gemacht hat. Kommen Sie herein.«
»Mein Ruf eilt mir voraus, wie ich sehe.«
Ian führte sie nach drinnen und schloss das Tor. Sajian war verblüfft, alle Jugendlichen der Siedlung und Hickory in seiner Menschengestalt versammelt auf dem Platz zwischen den Häusern vorzufinden. »Ihr seid wirklich zurück!«, fuhr Kena erleichtert auf. »Ich hatte so sehr gehofft, dass euch nichts passiert ist! Wo wart ihr?«
»Lange Geschichte«, erwiderte Sajian. So sehr es ihn auch verblüffte, beide Lager so nah beieinander zu sehen, vorerst waren Lao und Ian wichtiger.
Sie folgten ihm in sein Büro, vorbei am Behandlungsraum, in dem eine Frau auf der einzigen Liege lag, Grace neben ihr auf einer Matratze am Boden, ebenfalls in ihrer Menschengestalt. Jetzt wurde es wirklich völlig abstrus. Wann hatten Drachen und Menschen so einen Waffenstillstand beschlossen?
Er ließ sie auf Stühlen und zweckentfremdeten Sitzgelegenheiten Platz nehmen. »Sie sind also der berühmte Ian McCord. Esra hat viel von Ihnen erzählt«, begann Lao das Gespräch.
»Sie ist die einzige Person von Ihrer Vereinigung, der ich vertraue.« Ian taxierte ihn mit deutlichem Argwohn. »Was meinten Sie damit, dass die Situation bei Ihnen aktuell zu unsicher ist?«
Lao rollte die gesamte Geschichte noch einmal von vorn auf – dass sie eine pharmazeutische Einrichtung samt Scheinfirmen betrieben, die verschleiern sollten, dass sie Drachen zur Gewinnung des organischen Materials beherbergten, welches sie zur Eigenfinanzierung verarbeiteten und vertrieben. Dass die Drachen in ihrer Obhut zum Teil unmittelbar vor der Zerlegung gerettet worden waren, dass Castleton aus irgendeinem Grund Sajian bei Ihnen vermutete und ihnen ein Ultimatum gestellt hatte, die Behörden einzuschalten, wenn sie ihn nicht auslieferten, und ihre Theorie für dieses Vorgehen. Mit keinem Wort aber erwähnte er ihr verwandtschaftliches Verhältnis zueinander.
»Sie sehen, das hier ist aktuell der denkbar sicherste Ort für Sajian. Vermutlich hat Castleton deshalb so ein Gesicht gezogen, als er hier aufgetaucht ist, um ihn einzufordern. Er spekuliert auf Ihre Unwissenheit.«
»Das heißt, wenn er wiederkommt und Sajian holen will, schalte ich die Polizei ein und lasse ihn entfernen, wie ich es von meinem privaten Grundstück tun würde?«, fragte Ian verblüfft.
»Oder Sie schießen auf ihn, wie es manch einer täte, dessen Privatgrundstück unbefugt betreten wird. Das wäre amerikanisch, nicht wahr?« Laos Augen waren eiskalt.
»Ich dulde keine Schusswaffen in meinem Reservat«, erklärte Ian entschieden.
»Zumindest Sie sollten eine haben. Ich überlasse die Verteidigung Ihres Reservats natürlich ganz Ihnen selbst, aber für den Fall, dass Sie mir zustimmen, habe ich Waffen im Kofferraum mitgebracht.«
Ian straffte sich. »Sie halten das für nötig?«
»Sie wissen, wozu Menschen fähig sind, wenn es um Geld geht, nicht wahr? Sie müssen auf alles gefasst sein, und so ist es Watanabe. Er hat die Einrichtung mit Verteidigungsanlagen ausgestattet.«
»Eine eigenmächtige Razzia zu versuchen kann nicht legal sein«, hielt Ian dagegen.
»Wer will bei einem so mächtigen, einflussreichen Mann entscheiden, was legal ist und was nicht? Es zählt das Recht des Stärkeren. Wir können entweder die Stärkeren sein oder die Toten. Wir haben guten Grund zur Annahme, dass Castleton der Drahtzieher hinter sehr vielem ist, das die Tötungsmaschinerie von Drachen am Laufen hält. Unserer Einrichtung kann er physisch und rechtlich gefährlich werden, Ihrer nur physisch, und dagegen können Sie sich wehren. Sie haben von vornherein die besseren Karten.«
»Aber er will nur mich«, sagte Sajian und fühlte sich elend dabei. »Wenn ich mich zu erkennen gebe, dann lässt er die anderen Drachen vielleicht in Ruhe.«
»Wahrscheinlicher ist, dass er, sobald er dich sicher in seinem Griff hat, unsere Einrichtung trotzdem hochgehen lässt«, antwortete Lao. »So wird er bekommen, was er will, und sich unliebsamer Widersacher entledigen. Du hilfst uns allen und dir selbst mehr, indem du dich aus allem heraushältst.«
»Und verstecke mich für den Rest meines Lebens«, murrte er. »Ich kenne meinen V… Adoptivvater. Er wird jähzornig, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. Er hat geschäftliche Konkurrenten plattgemacht. Er wird auch eure Einrichtung auseinandernehmen, bis er mich gefunden hat und kein Stein mehr auf dem anderen liegt. Alle Drachen werden ihm ausgeliefert sein!«
»So einfach ist diese Nuss nicht zu knacken«, versicherte Lao. »Aber ja, uns wäre es lieber, wenn es hier an Ort und Stelle endet. Kommen Sie. Ich zeige Ihnen die Waffen.«
Ian starrte mit verhärtetem Gesicht auf das Innere des Kofferraums von Laos Wagen. Dort stapelten sich, verdeckt von einer Plane, verschiedene Schnell- und Handfeuerwaffen. »Nehmen Sie zumindest eine für Sie selbst.«
Er atmete tief durch. »Ich will keine Waffen im Reservat. Sie können von den Bewohnern gegeneinander verwendet werden. Aber… ich werde eine für mich auswählen, nur für den Fall der Fälle, und sie gut einschließen.«
»Nicht einschließen. Tragen Sie sie immer bei sich und zögern Sie nicht, sie zu benutzen. Seien Sie jeden Tag bereit, auch, wenn sie schlafen gehen.«
»Ich… danke Ihnen dafür, dass Sie mir Laetitia und Sajian zurückgebracht haben. Und für Ihre Videos. Die waren sehr hilfreich.« Er wählte eine Handfeuerwaffe samt Munition aus und nickte ihm zu, während Sajian sich furchtbar dabei fühlte, das Objekt der Begierde zu sein, das alle in Gefahr brachte. Er spielte mit dem Gedanken, ebenfalls eine Waffe auszuwählen, doch Lao kam ihm zuvor: Er reichte ihm eine Pistole.
»Hier, nimm sie. Zur Sicherheit.«
»Das erlaube ich nicht!«, fuhr Ian dazwischen. »Keine Schusswaffen im Reservat, ich bleibe die Ausnahme!«
»Wie Sie wünschen. Ich verlasse mich darauf, dass Sie ihn beschützen. Entschuldigen Sie mich jetzt – ich bin die halbe Nacht gefahren und muss den ganzen Weg zurück.« Er wandte sich an Sajian, sah erst ihn und dann Laetitia lange an, ehe er ins Auto stieg. »Passt auf euch auf.«
Sajian war zum Heulen zumute, als Lao davonfuhr, und plötzlich fühlte er die unerklärliche Gewissheit, ihn nie wieder zu sehen.