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Sajian

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Sajian

Man sperrte ihn in einen von allen Seiten geschlossenen Transportkäfig auf der Ladefläche eines Geländewagens, den sie in einigem Abstand zum Tor abgestellt hatten. Sajian konnte nicht nach draußen sehen, es gab nicht mal Atemschlitze. Die Angst brach sich nun endgültig Bahn und ließ ihn, verbunden mit dem ganzen Stress und den Erfahrungen der letzten Tage und Wochen, heftig in Tränen ausbrechen. Er sah Laetitias erstarrten Körper vor sich, den Moment, in dem sie Fera und Kena anschossen. Und all das nur wegen ihm, der jetzt doch seinen Weg zur Schlachtbank finden würde. Vielleicht war es gut, diese Welt für immer zu verlassen – sie war zu grausam, um weiter in ihr zu leben.

Die Fahrt endete nach kurzer Zeit abrupt. Er blinzelte verwundert, als sich plötzlich die Tür zum Käfig öffnete und ihm helles Licht entgegenschlug. »Sajian! Da bist du ja! Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht!«

Seine Augen gewöhnten sich nur langsam an die Helligkeit, doch er sah einen menschlichen Schemen, der schließlich die Gestalt seines Adoptivvaters annahm.

Wut brodelte in ihm hoch, doch der Drache ließ weiterhin seinen Auftritt vermissen. Er brauchte vermutlich Wasser.

»Komm her zu mir! Entschuldige die Sicherheitsmaßnahmen, aber anders hätte ich die Leute nicht dazu bewegen können, einen Wandler zu transportieren, obwohl ich ihnen versichert habe, dass du durch und durch vernünftig bist.«

Das war nun endgültig zu viel. Sajian trat nach draußen, direkt auf ihn zu, war sich sicher, dass er ihn anspringen und zerfleischen würde – doch stattdessen blieb er vor ihm stehen, starrte ins Gesicht des Menschen, der ihn großgezogen hatte und so aufrichtig besorgt aussah, dass seine Wut unweigerlich verebbte, ohne dass sein Verstand es wollte. »Du!«, schrie er. »Du hast mich nur adoptiert, um dich an mir zu bereichern! Du wolltest mich umbringen lassen! Deine Leute haben Laetitia und weitere Reservatsbewohner angeschossen, die jetzt vielleicht daran sterben! Du hast meine Mutter und Schwester umgebracht!«

Castletons Gesicht entgleiste. Er leugnete nichts von den Vorwürfen, starrte ihn einfach nur an. Es brachte Sajian völlig aus dem Konzept, vorallem, als er auch noch in die Knie ging, um ihn von unten herauf anzusehen. »Sajian, was um alles in der Welt haben sie dir erzählt? Ich habe die ganze Zeit über verzweifelt versucht, dich zu befreien! Dieser McCord war am Drachenblutskandal in diesem Krankenhaus beteiligt, die Medien haben darüber berichtet. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass er als ausführender Arzt von alldem nichts gewusst hat? Ich habe die ganze Krankenhausriege recherchiert, sie alle haben gemeinsame Sache bei dem Deal gemacht. Was glaubst du, woher McCord plötzlich die Mittel hatte, ein Drachenreservat zu übernehmen, ausgerechnet in einem Bundesstaat, in dem für Drachenreservate Privatrecht gilt? Niemand kann seine Machenschaften jetzt noch behindern. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis er dich zu Geld gemacht hätte!«

In Sajians Kopf drehte sich alles, und er hatte das irritierende Gefühl, der Boden unter ihm würde sich bewegen. »Du lügst«, zischte er, aber es klang bei weitem nicht so sicher, wie er sich noch vor wenigen Minuten gefühlt hatte. Hatte er nicht sogar selbst die ganze Zeit über Ians Motive infrage gestellt, insbesondere aufgrund seiner Verwicklung in ebendiesen Skandal?

Castleton sah ihn unfassbar traurig an. »Sajian, du musst diese Gehirnwäsche abschütteln! Ich konnte ihn nicht auf juristischem Weg zu deiner Herausgabe zwingen, deshalb habe ich diese… nennen wir sie Söldner angeheuert. Das war eine Ultima Ratio, und sie hat leider Opfer gefordert. Diese Frauen und Männer mussten alles aus dem Weg räumen, was deiner Rettung entgegengestanden hat, aber sie haben nicht tödliche Waffen dabei eingesetzt. Niemandem ist bleibender Schaden entstanden, das versichere ich dir.«

»Sie sagten, Fera würde sterben«, entgegnete er mit belegter Stimme. »Und sie klangen nicht unerfreut darüber.«

»Es sind Söldner, diese Leute haben keine Ehre und arbeiten für jeden, der ihnen Geld bietet. Einfach gestrickte Geister. Aber das ist jetzt nicht wichtig, wichtig ist nur, dass du in Sicherheit bist. Nichts von dem, was sie dir im Reservat erzählt haben, ist wahr. Ich verspreche dir, dass ich weniger arbeiten werde. Ich habe so viel Zeit mit dir verpasst. Das fällt mir erst jetzt auf, wo du fast von mir gerissen wurdest, und dafür schäme ich mich. Ich dachte, ich hätte dich verloren, das einzig Wertvolle, das ich jemals hatte und das ich für selbstverständlich gehalten habe. Wäre ich da gewesen an jenem Tag, wäre das alles nicht passiert.«

Sajian schluckte, als sein Adoptivvater zu weinen anfing und ihn in die Arme schloss. »Komm zurück zu uns, wir finden einen sicheren Platz für dich. Ich habe ein Drachenreservat in Kanada gefunden, das auf die Bedürfnisse von asiatischen Drachen ausgelegt ist. Dort bist du vor sämtlichen Zugriffen aus diesem drachenfeindlichen Land geschützt. Ich habe so viel falsch gemacht, war immer viel zu hart zu dir und habe dich an mir zweifeln lassen, lass mich jetzt diese eine Sache richtig machen! Du musst mir nicht vergeben, aber lass mich dein Leben retten!«

Sajian schluckte. Er stand völlig neben sich, als er einstieg, sah dabei zu, wie die Söldner mit ihrem eigenen Wagen vorausfuhren, während sein Adoptivvater und er in einem ganz ähnlichen Wagen hinterher fuhren. In seinem Kopf wirbelten sämtliche Gedanken und Emotionen, zu denen er fähig war, wild durcheinander.