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Fera

Fire And Ashes Ii — www.fanfiktion.de · All chapters

Fera

Sie wusste nicht, warum sie sich ausgerechnet jetzt, da sie Lao hinunter in die Paddocks begleitete, an ihre Schulzeit zurückerinnerte. Fera hatte nicht viele Freunde gehabt, aber auch keine echten Probleme mit den anderen. Gänzlich erschüttert wurde ihr Freundeskonstrukt jedoch an einem ganz bestimmten Tag. Plötzlich stand ihr wieder bildhaft vor Augen, wie sie im Sportunterricht saß, einige Tage nach der Nachricht vom Tod ihres Vaters. Sie hatte es Zuhause nicht mehr ausgehalten, wollte sich ablenken und vorallem nicht länger hilflos dabei zusehen müssen, wie sich ihre Mutter in Tränen und Alkohol auflöste. Existenzangst bestimmte fortan ihren Alltag, etwas, das sie zuvor nicht gekannt hatte und das ihr Angst machte. Sie hatten öfter nichts Zuessen und kein Geld für den Arzt, obwohl es ihr schlecht ging. Immer wieder hatte sie sich gefragt, ob sie einfach sterben würde, wenn sie eine schlimme Krankheit bekam, weil sie sich die Behandlung nicht leisten konnten. Der Vater ihres Klassenkameraden, an dessen Namen sie sich nicht einmal mehr erinnerte, obwohl es noch gar nicht so lange her war, hatte ebenfalls jemanden verloren. Fera hatte gedacht, vielleicht etwas Halt bei ihm zu finden und auch ihm welchen geben zu können, immerhin waren sie in der Trauer vereint. Sie hatte ihm ihr Beileid ausgedrückt, aber er hatte sie nur stinkwütend angestarrt und ihr entgegengeschmettert, dass sie sich verpissen solle. Fera war verwirrt – und verletzt. Was bitte war das? Sie wusste bis heute nicht, warum er so reagiert hatte, hatten sie doch nie zuvor irgendwelche Probleme miteinander gehabt. Keine jedenfalls, die sie bemerkt hätte. Mehrere Leute aus der Klasse hatten sich danach zu ihm gesellt und ihm Zuspruch gegeben, den er angenommen hatte. Fera begriff nicht, warum ihrer nicht angekommen war, und noch weniger, warum sie selbst so gar keinen bekam. Die anderen wussten doch, dass ihr Vater tot war. Alle wussten es. Es war in den Nachrichten gekommen, ausgeschlachtet bis zum Äußersten, man hatte auch ihre Mutter und sie vor die Kamera gezogen als arme Witwe und Waise, die der blutrünstige Drache zurückgelassen hatte. Aber niemand sprach mit ihr, nur über sie. Es war fast so, als ob der Tod ihres Vaters schon genug Aufmerksamkeit durch die Medien bekommen hätte. Aber das war doch kein Wettbewerb! Fera hatte sich alleingelassen gefühlt, zum ersten Mal in ihrem Leben Alkohol getrunken und die Tabletten ihrer Mutter zur Beruhigung genommen. Es war vielleicht ein Wunder, dass sie nach einem besonders tiefen Schlaf wieder aufgewacht war. Sogar ihre vermeintlichen Freunde hatten nur die Schultern gezuckt und gemeint, dass Soldaten halt fielen. Dass Soldaten aber nur im Krieg fallen sollten und nicht im Heimatland auf sicherem Boden und nicht durch Kameraden, spielte offenbar keine Rolle. Auch nicht, dass dieser Soldat für Fera in erster Linie ihr Vater war. Ihre eine Freundin hatte sich allerdings unmittelbar darauf bei ihr ausgeweint, weil ihr eigener Vater plötzlich schwer krank geworden war. Sich anzuhören, wie schrecklich es für sie sei sich vorzustellen, dass ihr Vater vielleicht bald nicht mehr da wäre und dass sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen könne, während genau diese Horrorvorstellung für Fera längst real geworden war, war ihr emotional zu viel geworden und sie hatte sich von ihr distanziert – etwas, wofür ihre Freundin wiederum keinerlei Verständnis zeigte. Rückblickend war das wohl der Moment gewesen, in dem sie ihre ganze Wut auf den Drachen projiziert hatte. Auf alle Drachen. Ohne sie würde ihr Vater noch leben und sie hätte nicht diese eklige Seite ihrer Mitmenschen sehen müssen.

Sie schluckte, obwohl es ihr bitter und schmerzhaft im Halse stecken blieb. Nicht mit dem Kopf durch die Wand , dachte sie. Durchdenke es, bevor du handelst. Es war nicht die Schuld des Drachen. Es war die Schuld ihrer Klassenkameraden. Ihr Verhalten war befremdlich, selbstbezogen und unsensibel. Der Tod ihres Vaters war ein Unfall, wie sich ihre Mitmenschen verhalten hatten nicht. Drachen waren nicht bösartig, sonst hätte Helen sie in genau dem Moment getötet, als sie so unverhofft die Chance dazu hatte. Und Laos Frau und Kind waren ebenfalls von Menschen getötet worden, wie so viele andere Drachen – von Menschen wie denen, die sie in ihrer Trauer alleingelassen hatten. Hickory hätte das nie getan, diese Gewissheit sickerte plötzlich in sie hinein wie der Regen in die Erde, um etwas neues sprießen zu lassen: Hoffnung. Plötzlich konnte sie sich gut vorstellen, wie Menschen Drachen als Sündenbock für alles einsetzten, was in ihrer Gesellschaft schiefging. Vielleicht hatte irgendeine höhere Macht im Universum sich an jenem fatalen Tag dazu entschieden, dass jetzt zum Ausgleich auch mal ein Mensch durch einen Drachen sterben sollte. Vielleicht war es auch einfach nur Zufall. Aber sie war hier, ob Zufall oder nicht, in einem Reservat, und sie war dabei, einem Drachen zu helfen. Machte sie das zu einem Menschen, auf den ihr Vater stolz gewesen wäre? Sollte sie sich überhaupt fragen, was ein Toter von ihr erwarten würde? Sollte sie sich nicht viel mehr fragen, was die Leute, die lebten, von ihr hielten?

»Also, Fera«, sagte Lao und holte sie damit aus ihrer Gedankenwelt zurück in die Wirklichkeit. »Du bleibst hinter dem Gitter und kommst nicht raus, egal, was passiert. Bleib ganz in meiner Nähe, aber verlasse nicht das schützende Paddock, weder in die eine noch in die andere Richtung. Hast du das verstanden?«

»Ich glaube nicht, dass Helen mich angreift«, äußerte sie.

»Das ist nicht der Punkt, der mir Sorgen bereitet«, erwiderte Lao. »Solange du im Käfig sitzt, kann sie sich nicht zwischen uns drängen. Genau das wird sie versuchen. Wenn sie dich nicht von mir separieren und in ihre Reichweite bringen kann, besteht weniger Grund für sie, mich zu töten.« Er sprach es völlig beiläufig aus, wie einen Kommentar über das Wetter.

»Aber Drachen töten doch keine Menschen… das hast du selbst gesagt.«

»Sie ermorden keine Menschen«, korrigierte er. »Grund mich zu töten hätte sie. Ich bin ein Mann, und ein Mann hat ihr schweren, irreparablen Schaden zugefügt. Das ist nichts, was spurlos an einem vorbeigeht, weder an Menschen noch Drachen. Das wird ein heikler Tanz, und es besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich das hier nicht überlebe. Solange du aber in meiner Nähe bist, wird sie ihre Aufmerksamkeit darauf richten, dich zu beschützen. Da sie dich dank der Gitter aber nicht erreichen kann, muss sie sich auf meine Spielregeln einlassen. Das ist meine einzige Chance, heil aus der Sache rauszukommen.«

»Ich bin also der Köder?«, fragte sie angespannt.

»Eher der Trick an der ganzen Sache. Ohne dich wird es vermutlich nicht funktionieren.« Er sah kurz nach oben zum Grenzzaun, wo Ian und die Jugendlichen zusammen mit Hickory zusahen. Dann wanderte sein Blick ins Reservat. Aus einem anderen Paddock trat derweil Helen hinaus, nur bekleidet mit der langen Tunika. »Da kommt sie. Wir müssen abwarten, ob sie überhaupt stark genug ist, um die Verwandlung durchzuführen. Der Rest des Schwarms liegt schlafend hinter den letzten Paddocks. Sie haben sie noch nicht bemerkt, werden aber sicher bald darauf aufmerksam, dass ihr Alpha zurückgekehrt ist.«

Helen wirkte zierlich und klein mitten auf der freien Fläche. Dann, mit einem Mal, veränderte sich etwas an ihr: Es war ein gruseliger Anblick, wie ihre Haut sich zu winden und beinahe zu blubbern begann. Das Stück Stoff öffnete sich an den Druckknöpfen und fiel zu Boden, als der Körper seine Form und Farbe änderte, größer wurde und schließlich die Gestalt des riesigen Drachen annahm, der ihr so wohlbekannt war. Feras Nackenhaare standen sofort zu Berge. Helen war riesig im hellen Sonnenschein, sehr viel größer, als sie auf der nächtlichen Lichtung gewirkt hatte. Und sie sah in ihren Augen aus wie die Schlange aus dem Garten Eden, nur schrecklicher.

Helen zischte laut, die Schuppenplatten an ihrem Nacken waren drohend gespreizt und verliehen ihr das Aussehen einer Kobra auf vier Beinen mit Flügeln.

Die anderen Drachen, die zu bunten Haufen zusammengerollt da lagen, hoben plötzlich die Köpfe und begrüßten sie aufgeregt knurrend. Sie erhoben und scharten sich um sie herum, ehe sie durch ein weiteres Zischen zurückgedrängt wurden.

»Bleib unbedingt im Paddock«, schärfte Lao ihr erneut ein, dann öffnete er das Tor und schloss es hinter sich mit einem lauten Knall, ehe er auf die Lichtung trat.

»Lao…!«, schrie Fera entsetzt, als Helen erneut drohend zischte. Dieser kleine Mensch hatte keine Chance gegen sie. Es war, als würde sich ein Wiesel einem Löwen zum Kampf stellen.

»Zeig keine Furcht. Du bist nicht ihre Beute«, erinnerte Lao sie. »Ich bin es.«

Helen zischte noch einmal in seine Richtung und spreizte ihre Nackenschuppen, dann rannte sie plötzlich auf ihn zu.

Fera schrie und wich zurück, trotz der schützenden Gitter um sie herum. Über ihr waren ganz ähnliche Aufschreie zu hören, doch ihre Augen blieben wie gebannt auf das Geschehen gerichtet. Helen rannte mit weit aufgerissenem Maul auf Lao zu, bereit, ihn zu fressen. Dieser zuckte nicht einmal. Fera kniff die Augen zusammen, war sich sicher, dass er gleich in Fetzen gerissen werden würde, und das konnte und wollte sie nicht mit ansehen – doch da verstummte die Geräuschkulisse. Fera öffnete die Augen zögerlich.

Lao stand noch immer da, Helen eine Armlänge von ihm entfernt, den Kopf zu ihm herabgesenkt. Sie spreizte die Flügel und machte einen Scheinangriff, noch immer ohne eine Reaktion von Laos Seite. Ein weiterer Angriff folgte, dann noch einer. Beinahe wirkte sie verlegen, wie sie zurückwich und den Kopf schief legte.

»Der hat Eier aus Stahl«, hörte sie John von oben sagen.

»Ich bin eine Bedrohung für sie«, erklärte Lao dem Publikum, ohne sich umzudrehen. Seine Stimme zitterte nicht im Mindesten. »Üblicherweise würde sich ein Drache in dieser Situation zurückziehen, aber das kann sie nicht, weil ihr Schwarm hier ist – und Fera. Gruppenmitglieder zu schützen ist ihr übergeordneter Instinkt, stärker als der natürliche Fluchttrieb. Sie greift mich nur deshalb nicht an, weil ich völlig gleichgültig bin und sie keine Furcht oder andere Emotionen bei mir riecht. Das triggert keinen ihrer Jagdinstinkte.« Er ließ sich tatsächlich vor ihr auf den Boden sinken, woraufhin sie kurz knurrte. »Jetzt warten wir, bis sie zum Schluss kommt, dass ich keine Gefahr bin. Dann wird sie näherkommen und mich begutachten.«

Lao saß still da, und nach einiger Zeit, die Fera wie eine Ewigkeit vorkam, kam Helen näher. Sie schien zu überlegen, dann stieß sie ihn mit der Spitze ihrer Schnauze an. Als er sich auch daraufhin nicht bewegte, musterte sie ihn von oben bis unten und zerzauste sein Haar mit ihrem Atem.

»So ist es gut, erinnerst du dich an mich? Wir kennen uns bereits aus der Krankenstation. Du kennst meine Stimme. Ich habe dir von meiner Frau und meinem Kind erzählt. Das hat etwas in dir bewegt, und es wird auch jetzt etwas in dir bewegen.« Er hob die Hand, ohne dass sie es bemerkte, und berührte sie vorsichtig am Unterkiefer. Helen zuckte erschrocken zurück, aber sie flüchtete nicht und biss auch nicht zu, wie Fera befürchtete. Er begann, sie mit den Fingern zu kraulen, während er die ganze Zeit über mit ihr sprach, wie um seine Stimme in ihrem Bewusstsein zu halten. Dann stand er ganz langsam auf, strich über ihren Oberkiefer und den restlichen Schädel – erreichte dabei eine Stelle, die sie wohlig brummen ließ. Einen Moment später legte sie sich zu Feras maßloser Verblüffung auf den Boden. »Drachen reiben die Köpfe aneinander, um sich zu sozialisieren. So, und jetzt schauen wir mal nach dir.«

Helen rührte sich nicht, wirkte wie hypnotisiert durch die Streicheleinheiten. »Du hast länger nichts Positives durch Menschen mehr erfahren, oder?« Er öffnete mit einer Hand seine Tasche und zog ein Stethoskop heraus, um sie damit abzuhören. Anschließend leuchtete er mit einer Stablampe in ihre Augen und drückte an ihrem Hals herum. Helen ließ alles geschehen. »Du bist völlig gesund, auch die Verwandlung hat dir offensichtlich keinerlei Probleme bereitet.« Er warf Fera einen Blick zu. »Du bleibst wo du bist, egal, was jetzt gleich passiert.«

Fera schluckte. Er würde ihr die angekündigte Spritze geben, und vermutlich würde sie genau das aggressiv machen, weil es mit Schmerz verbunden war. Fera harrte angespannt der Dinge, die da auf sie zu kamen.

Lao nahm das Etui aus der Tasche, in dem sich die vorbereitete Spritze befand. Sie war nicht größer als die, die ein Mensch bekommen würde, weil sie sich vermutlich schon bald wieder zurückverwandeln musste. Fera hatte die Hoffnung, dass sie das kleine Ding gar nicht spüren würde.

Er desinfizierte die Schuppen an ihrer Schulter, dann stach er die lange, dicke Nadel unter die Haut, offensichtlich mit einigem Kraftaufwand – vermutlich waren die Schuppen sehr hart. Helen rührte sich nicht. »Die Haut ist dick und die Schuppen sind fest, deshalb muss die Nadel abbruchsicher und lang sein«, erklärte er. »So, und jetzt alle Mann und Frau festhalten.« Er drückte den Kolben herunter. Helens Nüstern zuckten als erstes, dann ihre Kehle und schließlich hob sie unsicher den Kopf. »Schon gut«, sagte Lao, und zum ersten Mal klang seine Stimme nervös, was Fera große Angst machte. Helen knurrte, und dann, als er den letzten Millimeter in sie hineindrückte, wurde das Knurren lauter, ehe alles viel zu schnell ging.

Helen packte Lao mit dem Maul und schleuderte ihn mit einem heftigen Ruck zu Boden, wo sie ihn mit einem Fuß fixierte. Sie schnappte nach der Stelle, an der die Spritze gesteckt hatte, und Fera schrie auf, zusammen mit der gesamten Zuschauerriege über ihr.

Sie rannte zum Gitter, glaubte, jeden Moment eine Blutlache zu sehen, die das Schlimmstmögliche bestätigte.

»Schon gut, Liebes, ich bin schon fertig«, sagte Lao behutsam und strich ihr über die gewaltigen Fußklauen. »Du warst wirklich tapfer und geduldig. Wenn du mich jetzt los lässt, kann ich dir noch einen Snack zur Belohnung geben. Wie klingt das?«

Helen blinzelte, sichtlich verwirrt, dann trat sie zurück und von ihm herunter. Lao stand langsam auf, seine derbe Allwetterhose war zerfetzt und blutig, aber bei weitem nicht so schlimm, wie Fera erwartet hatte. Er kramte erneut in der Tasche, dann holte er eine pinkfarbene Frucht heraus. »Drachenfrucht, schmeckt für uns wie Wasser, aber für Drachen ist sie einfach köstlich.« Er rollte sie ihr hin, und Helen senkte den Kopf, schnüffelte, ehe sie die Frucht aufnahm und fraß. Lao lächelte. »Jetzt haben wir ein Vertrauensverhältnis. War nicht so schwer wie ich erwartet hatte nach den Schilderungen eures Vorstehers.« Er kam zurück zum Paddock, und Fera sah, dass er auf dem Bein humpelte, das Helen gepackt hatte. »Ich fürchte, du musst mich stützen, damit ich es bis nach oben schaffe. Mein Bein muss wahrscheinlich genäht werden.«

Sie legten Lao auf den Behandlungstisch und zogen seine Hose herunter – zum Vorschein kamen viele kleine Fleischwunden am Oberschenkel, die dem Abdruck des Drachenkiefers entsprachen, aber nicht tief gingen. Fera erkannte erst jetzt, dass seine derbe Hose gar nicht so derbe war – sie besaß innen ein eingearbeitetes, dünnes Material aus verwobenem Metall. »Eine Art modernes Kettenhemd, unerlässlich bei der Arbeit mit Drachen. Wenn sie sich erschrecken, beißen sie immer mal zu, und dann können sie ihre Kraft nicht richtig einschätzen. Der Warnbiss gegen einen anderen Drachen, der bei diesem einen Kratzer hinterließe, reißt einem Menschen schonmal das ganze Bein ab. Oder den Ober- vom Unterkörper.«

Ian desinfizierte die Wunden mit einem farblosen Spray. »Muss nicht genäht werden, würde ich denken, aber einen Verband brauchen Sie. Sie sind sicherlich gegen Tetanus geimpft?«

»Dieses Jahr erst neu«, erwiderte er.

»Was ist mit ihrem Gift?«, fragte Fera angespannt.

»Sie hat die ganze Zeit über hier gelegen, da kann sie sich keinen Giftvorrat angefressen haben«, erklärte Lao. »Mir ist kein Drache bekannt, der selbst Gift produziert – selbst die Umwandlung von Giftpflanzen zu verwendbarem Gift ist äußerst selten und eher in lateinamerikanischen Populationen zu finden, wo sie möglicherweise ihre Wurzeln hat.« Er warf Ian einen Blick zu. »Habe ich Ihre Prüfung bestanden?«

»Ich hätte das, was Sie da draußen getan haben, nicht für möglich gehalten. Nicht bei ihr. Sie… sind wirklich ein Experte, was Drachen angeht. Ich kann viel von Ihnen lernen.«

»Dann lassen Sie mich bleiben, als Ihren Angestellten?«

»Selbstverständlich. Ich kann jede Hilfe gebrauchen. Doch bevor wir uns wieder den Drachen widmen, seid erstmal ihr dran.« Er richtete seinen Blick auf die Jugendlichen, die um ihn herum standen und ganz und gar nicht begeistert aussahen.

Lao schien das zu freuen. »Endlich mal leichte, entspannte Arbeit.«

»Sie bleiben hier, bis auf Weiteres sind Sie ein Patient – ich kümmere mich darum«, erwiderte Ian.