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Kapitel

Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

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Monate zogen ins Land und Valeria saß die meiste Zeit an ihrem Fenster und sah hinaus. Er war tot. Wegen ihr. Und hätte sie nicht gelogen, wäre sie es auch gewesen.

Für sie glich eine Nacht der anderen. Aufstehen, jagen, Unterricht und schlafen gehen, obwohl sie noch nicht müde war.

Ein Hauch von Melancholie lag in der Luft. Es tat ihrem Vater weh, sie so zu sehen.

Jede Nacht glaubte sie, Lestat würde unter ihrem Balkon stehen. Mit Blumen. Und sie abholen, um sie aus dem elendigen Leben hier zu befreien. Pah, Leben! Das konnte man wohl kaum Leben nennen!

Ihr Vater klopfte an die Tür und kam herein. "Mein Engel, es ist schon einige Monate her. Du solltest so langsam damit abschließen und wieder leben", meinte er.

Die Blondine blickte nicht auf, sondern immer noch aus dem Fenster und seufzte.

"Wie soll ich leben können, wenn ich wieder in meinem Käfig eingesperrt bin? Jede Nacht dasselbe Lied und ich bin es Leid."

Er seufzte.

"Ich verstehe dich, Engelchen. Aber ich möchte nicht, dass du so wirst wie deine Mutter."

Sie sah ihn immer noch nicht an, also trat er näher und legte seine Hände auf ihre Schultern.

"Weißt du was? Deine Schwester Helena soll morgen Nacht den Kaiser treffen. Er feiert seinen Geburtstag und es soll eine besondere Nacht werden. Warum fährst du nicht an meiner Stelle mit? Ihr seid euch so nah und dir tut es auch gut, mal etwas anderes zu sehen."

"Helena braucht mich nicht", sagte sie leise.

"Da irrst du dich. Sie hat kaum ein Auge zugetan, seit sie von deiner Entführung erfahren hat. Aber wem erzähle ich das? Frag sie doch selbst."

Doch Valeria reagierte nicht.

"Und wenn du nicht ihretwegen gehen willst, dann für deinen Onkel Alain. Du warst schon immer seine Lieblingsnichte."

Sie drehte sich zu ihm um. "Wirklich?"

Er lachte und nickte. "Und wie du das bist! Er hat sich mit keinem deiner anderen Geschwister so oft abgegeben wie mit dir. Er wird sich freuen, dich wiederzusehen."

Endlich lag ein kleines Lächeln auf ihren Lippen.

"Ah, da ist sie wieder. Mein Engel."

In der nächsten Nacht stiegen Valeria, ihre Mutter, Helena und der Hausvorstand in die Kutsche. Der Kutscher ließ die Peitsche schnalzen und die Rappen setzten die Kutsche in Bewegung.

Helena war nervös, wollte sich aber nichts anmerken lassen. In ihrem Schoß hatte sie ein Taschentuch, das sie immer wieder drehte und verknotete.

Sie hatte viel von ihrem Vater geerbt bis auf das dunkelblonde Haar. Ihre Augen waren dunkelbraun und ihre Haut so zart wie warme Milch. Besonders fiel ihr kleiner Schmollmund auf. Jahrelang wurde sie für diesen Moment unterrichtet in Sprachen, Haltung, Tanz und Manieren.

Valeria bemerkte, wie nervös sie war und beugte sich zu ihr rüber.

"Er wird bestimmt Augen machen, wenn er dich sieht!", meinte sie aufgeregt. "Onkel Alain hat uns schon seit Jahren nicht mehr gesehen!"

"Er ist jetzt Kaiser, Valeria. Nenn ihn doch nicht so", korrigierte Helena sie.

Sie sah erst zu Boden, dann zu ihrer Mutter, die gelangweilt aus dem Kutschenfenster blickte.

Als ihre Eltern noch König und Königin waren, lebten ihr Onkel Alexander und ihr Onkel Alain ebenfalls in ihrem Haus.

Doch als sie abdankten, zog Alain in den Rohanpalast und ihr Onkel wurde dazu verdonnert, mitzuziehen, nachdem es zu Streitereien zwischen ihrem Vater und ihm gekommen war.

Eigentlich hätte Alexander König werden sollen, war er der Erstgeborene und rechtmäßige Thronfolger. Der Hausvorstand erkannte aber seine Absichten und sein schwarzes Herz, sodass sie ihrem Vater den Thron versprach.

Wenigstens eine Sache, in der sie mal etwas Gutes getan hatte.

Alexander war manipulativ, spielte gerne Leute gegeneinander aus und lebte sein Leben in Saus und Braus.

Ihre Mutter sprach nicht gerne über ihn, doch seit Jahren sprach sie sowieso wenig.

"Dass du nicht wieder irgendwelchen Ärger anstellst!", mahnte der Hausvorstand und sah sie mit ihren strengen, dunklen Augen an.

Valeria nickte nur. "Ich werde mir nichts zu Schulden kommen lassen."

Es war eine kurze Fahrt bis zum Palast. Der Kutscher öffnete die Tür und streckte seine Hand nach den Damen aus. Valeria stieg als erste aus, danach Helena, dann der Hausvorstand und anschließend ihre Mutter. Sie bestaunte den Palast in seiner Pracht.

"Es heißt, hier sollen auch Menschen leben", raunte die Blondine aufgeregt.

"Ja, aber der Klerus und der Adel haben eine Vereinbarung getroffen, dass wir ihnen nicht begegnen", murmelte Helena und ging mit ihr weiter.

Sie saßen zu viert im Salon und warteten auf die Ankunft ihres Onkels.

Plötzlich stand ein Bediensteter bereit. "Meine Damen: Seine Majestät Kaiser Alain empfängt sie nun."

Die Tür öffnete sich und ein schmucker, junger Mann in glänzender Uniform trat ein.

Er hatte dieselben, dunklen Augen wie ihr Vater, nur das schwarze Haar glich einem Wuschelkopf.

Seine Haltung zeigte einen Regenten und doch sah sie ihm an, dass er auch eine weiche Seite hatte.

Die vier Damen standen auf und die drei verbeugten sich. Der Hausvorstand ging auf ihren Sohn zu und machte einen Knicks. "Eure Majestät", raunte sie und trat zur Seite.

"Das sind Marielle und Helena. Du wirst dich mit Sicherheit an sie erinnern. Arnaud lässt sich entschuldigen, statt seiner haben wir Valeria mitgebracht."

Er nickte ihnen zu und lächelte. "Meine Damen", sprach er mit sanfter Stimme und trat vor.

Zuerst küsste er Marielles Hand. "Es freut mich, dich wiederzusehen, liebste Schwägerin."

Tatsächlich lächelte ihre Mutter leicht. "Die Freude ist ganz meinerseits, werter Schwager", raunte sie.

Dann wandte er sich Helena zu und küsste auch ihre Hand mit demselben, warmen Lächeln.

"Du bist Helena, nehme ich an. Aus dem schüchternen Kind ist eine wunderschöne, junge Frau geworden", bemerkte er.

Helena machte elegant einen Knicks. "Es freut mich, euch wiederzusehen, Majestät."

Als er zu Valeria kam, blieb sein Blick an ihr hängen. Es war, als hätte er für einen Moment gestutzt.

Er war von ihrem unschuldigen Gesicht, das von ihren langen, blonden Haaren umrahmt war, angetan.

"Und du musst die kleine Valeria sein", raunte er mit einem warmen Lächeln.

"Du bist groß geworden! Und so hübsch! Du kommst ganz nach deiner Mutter!"

Alain warf ihrer Mutter einen freundlichen Blick zu.

"Schön, euch wiederzusehen, Majestät", erwiderte sie mit zarter Stimme.

Seine Lippen berührten auch ihren Handrücken.

Der Hausvorstand mischte sich ein.

"Warum zeigst du Helena nicht den Garten? So könnt ihr beide euch kennenlernen", wandte sie ein.

Der Kaiser nickte und ging wieder zu Helena. Er hielt ihr seinen Arm hin, damit sie sich einhaken konnte.

"Darf ich bitten?"

Auch wenn man es nicht hören konnte, so hatte Valeria das Gefühl, sie hörte ihr Herz bis zu sich schlagen.

Ein wenig tat es ihr schon weh, doch sie schluckte es herunter. Immerhin hatte sie versprochen, keinen Ärger zu verursachen.

Und so flanierten sie gemeinsam den Garten entlang. Der Hausvorstand, ihre Mutter und sie selbst folgten ihnen auf sicherem Abstand, sodass sie alleine sein konnten.

Helena wandte sich dem Kaiser zu. "Mit Verlaub, Majestät: Ich habe euch etwas zum Geburtstag mitgebracht", raunte sie und reichte ihm ein besticktes Taschentuch, auf dem seine Initialien waren.

Alain lächelte sie an und nahm es entgegen. "Ich danke dir, Helena." Er musterte es.

"Ich habe eure Initialien selbst eingestickt, Majestät", raunte sie stolz.

"Es ist sehr schön geworden. Das bedeutet mir viel", erwiderte er mit einem Lächeln.

"Hausvorstand, Maman ... darf ich mich etwas umsehen?", fragte Valeria die beiden Frauen, die sich zu ihr umdrehten.

"Geh aber mach keinen Ärger", mahnte der Hausvorstand. Sie machte einen kleinen Knicks und sah sich dann selbst im Garten um.

Dabei traf sie auf eine junge Frau, die wohl auch adelig zu sein schien. Die Blondine kam näher. "Hallo!"

Die junge Frau erschrak und hielt sich die Brust. "Mon dieu! Ihr dürft mich doch nicht so erschrecken", raunte sie.

"Oh, das tut mir leid. Ich wollte euch nicht erschrecken", beteuerte sie. Dann fiel ihr Blick auf den Palast.

"Lebt ihr hier?"

"Ich bin eine der Zofen der zukünfigten Kaiserin", erwiderte sie mit einem Lächeln.

"Oh, ihr seid schon so früh hier?"

"Ja, es wird alles ganz schnell gehen."

Dafür, dass ihre Familie haushoch verschuldet war, ließen sie sich den Prunk im Rohanpalast nicht nehmen.

"Ich wollte die Gärten erkunden. Hättet ihr Lust, mich zu begleiten? Alleine verlaufe ich mich wahrscheinlich noch."

Sie lächelte und nickte. "Gerne."

Die beiden erkundeten den Garten und die Zofe zeigte ihr ein paar schöne Orte, die nicht für jeden zugänglich waren.

"Oh, ist das ein Pfau auf dem Rasen?", raunte Valeria erstaunt und deutete in seine Richtung.

"Oh, ja. Ein Geschenk an den Kaiser."

Sie ging in die Hocke und sah ihn an. Der Pfau starrte zurück.

"Er starrt sie an", bemerkte die Zofe.

Valeria lächelte. "Natürlich. Ich bin ja auch neu für ihn."

Sie grinste. "Ich habe nicht vom Pfau gesprochen."

Die Blondine stand auf und sah zu der Hecke, wo ein Mann sie ungeniert zu beobachten schien.

Zurückgekämmtes, haselnussbraunes Haar, dunkle Augen und ein imposantes Erscheinungsbild.

Er trug einen bronzefarbenen Gehrock, eine dazu passende Hose und braune Schuhe.

"Onkel Alexander?", fing sie an und kam näher.

Seinen Lippen entglitt ein leichtes Schmunzeln.

"Und ich dachte schon, du wärst eine der Zofen. Bist du das, Valeria?"

Sie näherte sich ihm, sodass nur noch die hüfthohe Hecke zwischen ihnen stand und lächelte.

"Ja, ich bin es!"

"Lass dich ansehen", raunte er und legte seine Hände auf ihre Schultern.

"Ha, du bist das einzige Kind, bei dem sich Marielles Gene durchgesetzt haben. Du kommst nach ihr."

Sie schmunzelte. "Das höre ich öfter."

"Sag mal, wirst du bald heiraten?"

Die Blondine wurde auf seine Worte hin traurig und schüttelte den Kopf. Sie versuchte jedoch, es sich nicht anmerken zu lassen. "Nein ... Bis jetzt war der richtige nicht dabei."

Innerlich triumphierte er. Vielleicht hatte er die Chance, sie zu bekommen, wenn er schon nicht Marielle um den Finger gewickelt bekommen hatte.

"Oh, morgen wird ein großer Ball zu Ehren des Kaisers abgehalten. Ich bin sicher, darunter wird sich auch dein Zukünftiger verstecken."

Er lächelte sie an und fuhr mit seinen Fingern durch ihr engelsgleiches Haar.

"Manchmal vermisse ich es, bei euch allen zu sein. Aber der Hausvorstand möchte mich nicht mehr im Anwesen sehen. Stattdessen sitze ich hier im Palast fest. Aber ich mache das Beste daraus."

Sie schnaubte leicht. "Ich wünschte, ich könnte das auch sagen ..."

Alexander sah sie verwundert an. "Was hast du denn?"

"Ach ... ich wünschte, ich könnte all dem hier entfliehen ..."

Doch ihre Worte spielten ihm genau in die Karten.

"Weißt du ... ich denke, ich werde zu einer Weltreise aufbrechen, sobald ich die Erlaubnis habe. Schade nur, dass ich sie ohne eine Frau antreten werde. Du kannst dir sicher vorstellen, wie es ist, einsam zu sein ..."

Ihre Augen funkelten bei seinen Worten. "Wirklich? Das ist aber äußerst schade."

"Alexander!" Valerias Mutter sah ihn mit einem bösen Blick an.

"Wag es nicht, dich an meiner Tochter zu vergreifen!", zischte sie.

Er verzog das Gesicht. "Wo denkst du nur hin, liebste Schwägerin ... Ich wollte ihr lediglich den Hof zeigen."

"Das Kind ist klug genug. Es kann alleine laufen."

Er rollte mit den Augen, ehe er sich wieder Valeria zuwandte.

"Dann schau ich mal, was die alte Nebelkrähe von Hausvorstand wieder für Schandtaten für mich hat."

Er hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken.

"Es war mir eine Freude, Valeria." Mit diesen Worten ging er.

Nun war sie wieder allein, doch ihre Neugierde war groß genug, den Garten alleine weiterzuerkunden.

Sie bewunderte die Bäume in ihrer Blütenpracht und streckte ihre zarten Finger nach den Blüten aus, um sie aus der Nähe zu betrachten.

"Sie sind wunderschön, nicht wahr?", hörte sie hinter sich und drehte sich um.

Es war Alain, der sie anlächelte.

Sie blickte ihn verwundert an. "Majestät ..."

Er hob die Hand. "Bitte, nenn mich Onkel Alain ... Oder nur beim Namen. Wir sind hier unter uns", erwiderte er ruhig.

"Wo ist Helena?"

"Bei deiner Mutter und dem Hausvorstand. Sie wollten noch etwas besprechen."

Alain trat näher und sah sie verwundert an. "Du bist wirklich groß geworden! Wenn ich überlege, wie klein du damals warst ..."

Valeria kicherte. "Damals habe ich dich auch für riesengroß gehalten. Aber ich sehe trotzdem noch zu dir auf."

Er lächelte sie mild an und streckte seine Hand nach dem Blütenzweig aus. "Ja, das tust du."

Für einen Moment berührten sich versehentlich ihre Hände. Valeria ließ sofort los.

"Stimmt es, was Vater sagt? Ich bin deine Lieblingsnichte?"

Er fing an zu lachen. "Das hat er gemerkt? Und ich war mir sicher, dass er in seinen Gedichten vertieft war und nichts mitbekommen würde. Aber ja, das bist du wirklich."

Er hielt ihr seinen Arm zum Einhaken hin. "Begleitest du mich? Wenn du hier bist, dann hast du mit Sicherheit noch nicht die schönsten Orte im Palast gesehen."

Die Blondine ging nicht auf seinen Arm ein, sondern lief neben ihm, die Arme nah am Körber und die Hände verschränkt. Sie hatte den Blick zu Boden gesenkt.

Er sah sie verwundert an, als er neben ihr lief. "Was hast du?"

"Es schickt sich nicht, den Arm des Kaisers anzunehmen, wenn du bald meine Schwester heiratest."

Alain lächelte sie mit seinem warmen Blick an. "Entspann dich. Hier kommt niemand vorbei und ich bin dein Onkel."

Sie liefen gemeinsam am Rhein entlang.

"Erinnerst du dich noch? Du wolltest unbedingt einen Frosch fangen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit."

Valeria fing an zu kichern. "Ja, daran erinnere ich mich noch. Und du warst so geduldig und bist mit mir geblieben, bis wir einen gefangen hatten."

Es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an, die sie zusammen spazieren waren. Sie konnte sich an der Aussicht und der Umgebung kaum satt sehen. Und zum ersten Mal seit langer Zeit lächelte sie wieder herzlich.

Bei ihm fühlte sie sich wohl und konnte ganz sie selbst sein. Ihrem Onkel schien es ähnlich zu gehen.

Als sie wieder am Eingang des Palastes ankamen, nahm er ihre Hände und sah sie mit einem Lächeln an.

"So, da wären wir. Du wirst doch morgen Nacht ebenfalls da sein, wenn der Ball stattfindet, oder?"

Sie lächelte ihn an. "Wo denkst du hin? Natürlich werde ich da sein!"

"Dann freue ich mich besonders auf meinen Geburtstag", raunte er und küsste ihre Hände.

"Falls dich jemand fragt, ich habe dich vor Onkel Alexander beschützt", scherzte er.

Sie kicherte. "Bis morgen Nacht."

Ihre Wege trennten sich im Palast und ihre Mutter hielt ihr eine Predigt, dass sie sich ja von ihrem Onkel Alexander fernhalten solle. So viel "Liebe und Fürsorge" hatte sie schon seit Jahren nicht von ihr erlebt.

"Vielleicht wäre er nicht so übel, wenn man ihm eine Chance geben würde", wandte Valeria ein.

"Manche Leute ändern sich."

"Aber nicht er!", zischte ihre Mutter.

Sie gingen zu Bett, doch in ihrem Kopf spielte sich der ganze Abend nochmal ab.

Sein Lächeln, seine warmen Augen, wie er ihre Hände zum Abschied geküsst hatte.

Mit einem Lächeln auf den Lippen schloss sie die Augen und schlief ein.