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Kapitel

Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

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In der nächsten Nacht besprachen sie alle zusammen, wie es weiterging. Valeria würde wenige Wochen vor der Hochzeit zum Palast zurückkehren und auf ihre Rolle und die Zeremonie vorbereitet werden.

Ihr Blick fiel auf Helena, die sie jedoch nur kurz böse ansah und dann wieder dem Hausvorstand zuhörte.

Auch das Verhalten des Hausvorstandes fand sie völlig kurios. Sie kannte sie nur als korrigierende, ewig zeternde Frau, die Ohrfeigen wie nichts anderes verteilte. Doch sie war diesmal ruhig und geduldig.

Alain saß in der Damenrunde mit dabei und hörte ebenfalls aufmerksam zu.

"... Da du Französin bist und die neue Kaiserin wirst, ist es dir erlaubt, einen persönlichen Gegenstand mit in die Ehe zu bringen", meinte der Hausvorstand zu der Blondine.

"Nicht wie bei mir", murmelte ihre Mutter und hatte die Arme schmollend vor der Brust verschränkt.

"Wenn du dann endlich den Mund hältst, kannst du deiner Familie schreiben, dass sie dir etwas schicken soll", entgegnete sie kühl.

Das hatte gesessen.

"Ihr werdet heute Nacht zum Anwesen zurückkehren. Ich muss mit Alain noch etwas besprechen. Wenn es soweit ist, werde ich euch einen Brief zukommen lassen."

Sie sah Valerias Mutter an. "Da du bereits Königin warst, werden du und Arnaud Valeria vorbereiten."

Die Blondine war nicht glücklich über die Anweisung, widersetzte sich diesmal aber auch nicht.

Alain und der Hausvorstand begleiteten die drei Damen zur Kutsche. Bevor Valeria einstieg, hauchte er ihr einen Kuss auf den Handrücken und lächelte sie an. "Wir werden uns bald wieder sehen. Richtet eurem Vater Grüße aus."

Sie nickte und stieg dann mit einem schüchternen Lächeln in die Kutsche ein. Das konnte ja noch heiter werden.

Die Fahrt dauerte zwar nicht lang, für sie selbst zog sie sich aber wie eine Ewigkeit.

Es herrschte Totenstille in der Kutsche, die nur vom Trabem der Pferde und den Knirschen der Wagenräder auf dem Boden unterbrochen wurde.

"Helena, können wir bitte nochmal über gestern reden?", versuchte Valeria es in einem ruhigen Ton, doch erntete nur böse Blicke.

"Ich habe dir nichts mehr zu sagen! Für mich bist du gestorben!"

"Als hätte ich mir das ausgesucht! Ich konnte ja nicht ahnen, dass das hier passiert!"

"Du machst nichts als Ärger", zischte ihre Mutter.

Nun wurde es ihr zu bunt.

"Schön zu sehen, dass du dich doch noch für deine eigenen Kinder erweichen kannst!", zischte sie zurück.

"All die Jahre waren wir dir egal und du mit dir selbst beschäftigt und jetzt tust du so, als sei Helena eine Heilige und ich das schwarze Schaf der Familie!"

"Das bist du ja auch! Niemand will dich haben, hätte sich dein Onkel nicht für dich erweicht-"

"Er hätte mir leid getan, wenn er mit so etwas wie dir verheiratet wäre! Vater tut alles, um dich glücklich zu machen und er hat nie aufgehört, dich zu lieben und du tust so, als wärst du eine Gefangene und er dein Peiniger! Ich habe die Gedichte gelesen! Er trägt dein Portrait von früher immer noch bei sich und er spricht von dir nur in den höchsten Tönen, obwohl er, wie jeder andere sieht, zu was für einem Monster du geworden bist-"

WUMM! Valeria hielt sich die Wange. Selbst dafür, dass ihre Mutter neben ihr saß, konnte sie gut austeilen.

"Du wirst schon noch sehen, dass das alles hier kein Spaß ist!", knurrte ihre Mutter.

"Helena ist wenigstens all die Jahre darauf vorbereitet worden, während du dich mit diesem Bastard von deinem Bruder rumgetrieben hast oder von deinem Vater verhätschelt wurdest! Du wirst zerbrechen, genauso wie ich und du wirst den Verstand verlieren in diesem goldenen Käfig!"

Arnaud stand bereits in der Tür, als die Kutsche vor dem Anwesen hielt und lächelte die drei Damen an. Helena und Marielle jedoch stürmten wutentbrannt an ihm vorbei nach drinnen.

Verwundert sah er zur Kutsche, wo Valeria zuletzt ausstieg und dreinschaute wie ein geprügelter Hund.

"Was ist denn passiert?", wollte er perplex wissen, als sie näher kam und den Tränen nahe war.

"Können wir spazieren gehen? Ich will gerade nicht in dieses gottverdammte Haus", murmelte die Blondine.

Er nickte und lief mit ihr die Straßen in der Nähe der Rabenbrücke entlang.

"Onkel Alain hat Helena abgelehnt ... Er hat sich in mich verliebt und stattdessen um meine Hand gebeten ..."

Für einen Moment schien er überrascht, lächelte jedoch.

"Und was hast du daraufhin getan?"

"Ich wollte erst nicht ... Ich meine, immerhin sollte Helena seine Frau werden. Aber er hat mir klar zu verstehen gegeben, dass er sie nicht heiraten würde ... Und ich ..." Sie seufzte.

"Er hat mich alles vergessen lassen von den letzten Monaten ... Bei ihm bin ich sicher ... Wir können über alles reden ..."

"Du hast dich also auch in ihn verliebt und ihn trotzdem abgelehnt?", hakte er nach.

Sie schüttelte den Kopf. "Ich habe ja gesagt."

Ihr war klar, dass von ihrem Vater nie ein böses Wort kommen würde. Er lächelte sogar.

"Wenn es das ist, was du willst und wenn du ihn liebst, dann stehe ich euch ebenfalls nicht im Weg."

"Und Helena und Mama?"

"Die werden sich schon wieder beruhigen, wie immer."

Valeria sah nachdenklich auf den Weg.

"Ich kann es nicht verstehen, dass sie zu so einem Monster geworden ist ... Und du tust alles für sie ..."

"Wenn du auch noch gehst, wird das Haus ziemlich leer sein. Helena wird jemand anderen kennenlernen und heiraten und Jako ist sowieso wie eine Katze: Er kommt nur nach Hause, wenn er Hunger hat."

Sie fing an zu kichern. "Und dann?"

"Dann werde ich sie auf Reisen schicken, dass sie sich wieder beruhigen kann. Ich denke, dass ihr das fehlen wird. Der Hausvorstand hat ohnehin in nächster Zeit genug mit der Hochzeit und den anderen Vorbereitungen um die Ohren, sodass es ihr gar nicht erst auffällt."

Ja, reisen wollte sie ja auch. Aber vielleicht nahm sich auch ein Kaiser mal eine Auszeit und sie konnte mit Alain die Welt sehen.

"Onkel Alexander hat es auch versucht, mich zu überreden, ihn zu heiraten. Er versprach mir auch, zu reisen."

"Tu mir einen Gefallen und halte dich von ihm fern. Obgleich er mein Bruder ist, hat er einfach zu viel Mist gebaut und wird damit auch nicht aufhören, nur weil ihm jetzt eine Frau über den Weg läuft, die ihm gefällt."

"Aber du hast mir immer noch nicht verraten, was du von der Situation hältst ... Ich meine, dass ich Kaiserin werde ..."

"Mach dir darüber keine Sorgen, Engelchen. Deine Mutter und ich werden dich so gut es geht bis zur Hochzeit vorbereiten. Kämpfen kannst du schonmal, das fällt also weg."

Er schenkte ihr ein warmes Lächeln und fuhr mit seinen Fingern durch ihr engelsgleiches Haar.

"Ich bin einfach nur froh, dass du mit Alain wenigstens einen liebevollen Ehemann hast. Ich weiß, dass du es schaffen kannst, mit ihm zusammen zu regieren und ihn immer auf den rechten Weg zu führen."

In den nächsten Wochen unterrichteten ihre Eltern sie in allem, was sie wissen musste. Haltung, Geschichte, Vorbereitungen zum Vollzug der Ehe und die Etikette.

"Ich hörte, es leben Menschen im Palast. Was, wenn ich ihnen begegne?"

"Dann tu so, als wärst du einer von ihnen. Lächle nicht so stark, damit man deine Fangzähne nicht sieht. Du hast ohnehin eine Abneignung gegen menschliches Blut, von daher sollte der Blutdurst dir keine Probleme bereiten", erwiderte ihr Vater.

"Ja, aber ihr Vegetariusmus", kommentierte ihre Mutter mit gerümpfter Nase.

Sie hatte sich mit verschränkten Armen an eine Wand gelehnt.

"Das haben wir immer hinbekommen, dann bekommt sie das im Palast auch schon hin", entgegnete er zuversichtlich und lächelte Valeria an.

"Tanzen kannst du auch, das müssen wir also nicht üben. Denk einfach immer daran, eine förmliche Haltung einzunehmen und nicht aufzufallen."

"Letzteres ist das Problem", meinte ihre Mutter.

"Marielle, mein Engel, ich muss dich wohl nicht daran erinnern, wie du dich damals aufgeführt hast, als du die ersten paar Wochen hier warst", erwiderte er in einem sanften Ton und sah sie an. Sie rollte nur mit den Augen.

"Natürlich! Du bist ja perfekt! Das hab ich ganz vergessen!"

Alain schrieb Valeria immer wieder heimlich Briefe und Valeria gab die Antworten dem Dienstboten mit, wenn er zum Palast zurückkehrte. Monate später sollte dann auch das ersehnte Schreiben kommen: Es ging in den Rohanpalast.

Ihr Vater half dem Diener dabei, die Kutsche zu beladen, ebenso die Aussteuer.

Jako beobachtete alles aus der Ferne und schien wehmütig zu sein. Als Valeria ihn zu sich winkte, schüttelte er den Kopf.

War sie jetzt ein Parasit in seinen Augen?

"Wir werden uns bestimmt bald wieder sehen, Jako. Ich würde mich freuen, wenn du mich besuchen kommst", meinte sie lächelnd.

"Sofern man mich reinlässt", gluckste er.

Ihr Vater nahm sie ein letztes Mal in den Arm und lächelte sie an.

"Ich bin so stolz auf dich! Wir sehen uns bei deiner Hochzeit!"

Als sie in die Kutsche einstieg, stieg er auch nochmal kurz mit ein.

"Das hatte ich ganz vergessen: Hast du bereits einen persönlichen Gegenstand bei dir?", wollte er wissen.

Sie schüttelte den Kopf.

Er kramte in seiner Westentasche und holte eine schöne Kette hervor.

Der Anhänger war handbemalt mit einer rosanen Rose in einem ovalen Stein eingelassen.

"Sie soll dich immer daran erinnern, wo du herkommst und dass eine Rose nie so leicht aufgibt."

Valeria war gerührt, als sie die Kette in den Händen hielt und umarmte ihn erneut.

"Danke, Papa!"

Widerwillig ließ er sie los und stieg aus. "Lass deinen Verlobten nicht warten."

Sobald sich die Tür schloss, ließ der Kutscher die Peitsche schnalzen und die Pferde setzten sich in Bewegung.

Ihr Vater blieb noch stehen und winkte ihr zum Abschied, bis er die Kutsche nicht mehr sehen konnte.

Es war ihm schon immer schwer gefallen, seine Kinder gehen lassen zu müssen.

Valeria betrachtete die Kette und steckte sie sorgfältig ein.

Sie sah aus dem Fenster. Es kam niemand mit, der sie begleiten sollte aber das war ihr jetzt auch egal.

Sie hoffte jedoch, dass sie sich eines Tages mit ihrer Schwester wieder versöhnen würde.

Vor dem Palast angekommen, wartete bereits die ganze Dienerschaft auf sie.

Auch Alain und der Hausvorstand waren zum Empfang erschienen.

Alain half Valeria aus der Kutsche, die ihn anstrahlte und schon ihre Hände an seine Wangen legte.

"Nicht hier", raunte er ihr zu, lächelte sie aber liebevoll an und setzte sie behutsam ab.

Die Diener verbeugten sich und der Hausvorstand ging auf sie zu.

"Willkommen im Rohanpalast. Heute Nacht werde ich dich auf die Probe stellen und anschließend wirst du alles kennenlernen."

Es fühlte sich für sie seltsam an, wie förmlich der Hausvorstand war. Schon gar gruselig.

Die Bediensteten kümmerten sich um das Gepäck, während Valeria den beiden in den Palast folgte.

Eine Gruppe von Damen stand bereits in einer Reihe, um sie zu begrüßen.

"Meine Damen: Valeria Marielle Coin, die zukünftige Kaiserin Frankreichs. Ihr werdet sie waschen und neu einkleiden. So will es der Brauch. Seid gründlich."

Valeria nickte mit einem Lächeln den Damen zu. "Es freut mich, euch kennenzulernen."

"Sie werden dir jeden Wunsch von den Augen ablesen. Es ist nicht nötig, dass du förmlich zu ihnen bist", bemerkte der Hausvorstand.

Für die Blondine war es tatsächlich eine Umgewöhnung, hatte sie zu Hause einiges selbst gemacht. Es war ihr fast schon unangenehm, vor den Augen der Hofdamen ihre Kleidung abzulegen.

In der Wanne wurde die ganze Situation nicht besser. Die Damen wuschen sie von Kopf bis Fuß und widmeten sich sogar ihren Fingernägeln.

"Mit Verlaub, sie haben so weiche Haut", raunte eine der Hofdamen.

"Und so hell wie eine Porzellanpuppe."

"Fast, als seien sie ein Mondkind."

Sie kicherten, doch ihr war das alles unangenehm, sodass sie wenig später einfach abtauchte.

"Majestät!", hörte sie nur dumpf von den Damen, ehe sie auftauchte und ihre Haare nach hinten strich.

Es war eine reine Wohltat, wie sie sich im Anschluss um ihre Haare kümmerten.

Die Tücher waren parfümiert und vorgewärmt und verbreiteten bald im Bad einen herrlichen Duft.

Als sie ihre neue Kleidung bekam, wurde es jedoch wieder unangenehm.

Die Zofen schnürten ihr Korsett ziemlich eng, sodass sie für einen Moment kurz taumelte.

"Das ist viel zu eng!", keuchte sie, "Ich kriege keine Luft!"

"Dann sitzt es richtig", bemerkte die Hofdame des Hausvorstands.

Valeria war von Natur aus schon ziemlich dünn, jetzt aber zeichnete sich ihre schmale Figur noch mehr ab.

Das Kleid, das sie trug, schmeichelte ihr umso mehr mit seiner intensiven, nachtblauen Seide, den Puffärmeln und dem delikaten Ausschnitt.

Ihr Haar wurde zunächst geflochten und dann hochgesteckt.

"Zeit, dass ihr eine Führung durch den Palast bekommt", meinte die Hofdame des Hausvorstands und zeigte ihr jeden Winkel des Palastes.

Die Hofdamen folgten ihr auf Schritt und Tritt, immer von der obersten Hofdame beobachtet.

Alexander ging durch den Garten spazieren und staunte bei ihrem Anblick nicht schlecht.

"Na sieh mal einer an. Da ist ja die zukünftige Braut!", grinste er und musterte sie ungeniert.

Er hielt ihr einen Arm hin. "Gehen wir ein Stück?"

Einige Hofdamen tuschelten, interessierten sie sich wohl für ihn.

Die beiden gingen nebeneinander her, gefolgt von den Hofdamen.

"Also ich muss sagen: Du gehst ganz schön auf bei Hof. Wie eine aufgesprungene Mandel."

"Ich kann mich nicht entscheiden, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung sein soll", erwiderte sie.

"Das sollte in der Tat ein Kompliment sein", entgegnete er grinsend.

Für einen Moment kam er ihr näher und flüsterte ihr ins Ohr: "Halte dich einfach an mich, dann wird es dir hier gut gehen."

Sie blieb stehen und sah ihn an. "Warum habe ich das Gefühl, dass das Gegenteil der Fall sein wird?"

Der Hausvorstand empfing sie und sie testete Valeria, was sie alles von ihren Eltern gelernt hatte.

Die Blondine gab sich alle Mühe, ihr gerecht zu werden.

"Du machst Fortschritte, aber hast noch einen langen Weg vor dir. Meine oberste Hofdame wird dir nicht von der Seite weichen und mit Rat und Tat zur Seite stehen."

Sie sah sie an. "Darf ich zu meinem Verlobten?", fragte sie.

"Momentan ist er noch in einer Sitzung, danach kannst du ihn besuchen", erwiderte sie.

"Ihr werdet morgen Nacht mit mir die Vorbereitungen durchgehen. Für heute ist es genug. Du hast Zeit, dich einzugewöhnen und umzusehen aber stell keinen Ärger an."

Valeria nickte und machte einen Knicks, ehe sie mit den Hofdamen den Raum verließ.

Dass sie ihr auf Schritt und Tritt folgten, störte sie jetzt schon.

Tatsächlich ging sie nochmals im Garten spazieren, wo sie Alain vor wenigen Monaten noch angetroffen hatte und er kam ihr gerade aus dem Garten entgegen und zuckte zusammen. Als er aber realisierte, dass sie es war, schien sie erleichtert.

"Alain. Ich dachte du bist bei einer Sitzung ..."

"Das war ich auch aber ich musste an die frische Luft", gab er zu und lachte.

"Ich hoffe es ist noch nicht allzu viel für dich."

Sie lächelte ihn an.

"Ich werde schon klarkommen. Wollen wir ein Stück gehen?"

Er lächelte sie müde an.

"Das würde ich gerne aber ich muss mich erst noch um ein paar Angelegenheiten kümmern. Morgen Nacht können wir das aber gerne tun. Dann gehöre ich den ganzen Tag nur dir."

Mit einem Lächeln hauchte er einen Kuss auf ihren Handrücken und nickte dann den Hofdamen zu.

"Meine Damen."

Sie tuschelten, wurden jedoch von der obersten Hofdame zurechtgewiesen.

Valeria sah ihm nach. Ja, sie musste wohl noch viel lernen, doch sie war froh, hier zu sein.

Sie nutzte die Zeit, um ihre Hofdamen kennenzulernen und setzte ihren Rundgang fort.