Kapitel
Kapitel
In der nächsten Nacht war sie bereits aufgeregt. Endlich würde sie Alain wiedersehen und konnte Zeit mit ihm verbringen.
Sie wollte gerade aufstehen, da kamen die Hofdamen mit der obersten Hofdame herein. Alle verneigten sich.
"Guten Abend, Majestät", begrüßten sie sie im Chor.
Die Blondine zwang sich zu einem Lächeln. "Guten Abend ..."
Die oberste Hofdame legte ihre Kleidung bereit, die anderen kleideten sie ein.
Valeria keuchte, als sie ihr das Korsett zu eng zuzogen. Sie glaubte, dass sie ihr irgendwann noch die Knochen brechen würden.
"Ihr werdet mit dem Kaiser gemeinsam euren Trunk einnehmen und dann wird euch der Hausvorstand empfangen", klärte die oberste Hofdame sie auf.
Sie schluckte. Das heißt, sie musste Menschenblut trinken. Schon allein der Gedanke daran, ließ ihr übel werden.
"Fühlen sie sich nicht gut, Majestät?"
Die Blondine schüttelte den Kopf. "Kann ... Kann ich mir das Blut selbst aussuchen?"
Die oberste Hofdame hob eine Braue. "Woran dachte ihre Majestät?"
"Hirschblut ..."
Die anderen Hofdamen tauschten Blicke.
"Euch bekommt Menschenblut nicht?"
"So ist es", erwiderte sie leise und lehnte immer noch mit ausgestreckten Armen am Bettpfosten.
Seit sie das Korsett zugeschnürt hatten, hatte sie sich nicht aus der Haltung bewegt.
"Wem gehört der Palast?"
"Einem Geistlichen, eure Majestät. Er geht nicht auf die Jagd und die Menschen haben jetzt ein Parlament gegründet. Es gibt also keinen Adeligen mehr, dem die Ländereien gehören", klärte die oberste Hofdame auf.
"Das erschwert die Jagd natürlich ..."
"Ihre Majestät jagt nicht. Wir werden dafür sorgen, dass ihr das Blut bekommt, das ihr wünscht."
Valeria schloss für einen Moment die Augen. Es war verpönt, wenn man sich von Tierblut ernährte aber sie wollte es so.
Damit mussten sie sich wohl abfinden.
Die Hofdamen begleiteten sie in den Saal, wo bereits Alain auf der einen Seite eines langen Tisches saß.
Er lächelte, stand auf und ging zu ihr. "Valeria." Mit einer Geste mit seinem Kopf wies er die Damen an, dass sie sie alleine lassen sollten. Diese machten einen Knicks und verließen umgehend den Saal.
Der Schwarzhaarige hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken und lächelte sie an.
"Setz dich. Wie hast du geschlafen?"
Die Blondine bewegte sich langsamer und bewusster. Vielleicht war das auch Sinn und Zweck daran, dass sie das Korsett so eng schnürten.
"Besser, als das Korsett nicht mehr da war", gluckste sie.
Er lachte. "Daran wirst du dich noch gewöhnen."
Zwei Diener kamen herein und servierten ihnen ein Glas mit Blut.
Schon allein der Geruch verriet ihr, dass es sich um einen Menschen handelte und sie rümpfte die Nase.
"Stimmt etwas nicht?", fragte er verwundert bei ihrer Reaktion.
Sie sah unsicher zu ihm. "Ich ... mag kein Menschenblut ..."
Es dauerte einen Moment, bis ihre Worte zu ihm durchgedrungen waren, dann schien er zu verstehen.
"Deswegen hat dein Vater darauf bestanden, dass wir Hirschblut besorgen sollen ... Ich werde die Bediensteten losschicken, dass sie einen Schlachter ausfindig machen sollen."
"Heute Nacht ist schon ok, denke ich", raunte sie und hob das Glas.
"Du sollst dich aber nicht quälen ..."
"Es ist ja nur heute", erwiderte sie und kippte das Glas in einem Zug und schüttelte sich.
"Schmeckt Tierblut so anders als Menschenblut?", wollte Alain wissen.
"Auf jeden Fall ... Jako hat es aber auch eine Zeit lang versucht. Es hilft, wenn mal keine Menschen in der Nähe sind", erwiderte sie.
Nachdem sie beide ausgetrunken hatten, stand er auf und ging zu ihr.
Er lächelte sie an. "Heute hast du mich fast für dich allein. Wir müssen zu unserer Tanzstunde und dann können wir die Nacht zu unserer machen."
Sie lächelte ihn sanft an und er hauchte ihr einen Kuss auf den Kopf.
Der Hausvorstand öffnete die Türen und sah die beiden. "Guten Abend. Seid ihr soweit?"
Alain nickte. Valeria ebenfalls und stand auf.
Sie führte sie zum Musikzimmer, wo bereits ein Streichquartett bereit stand.
"Sie werden die Ehre haben, euch an eurem großen Tag musikalisch zu begleiten. Bei so vielen Bällen, wie wir mit dir bereits besucht haben, Valeria, wirst du das schon hinkriegen."
Die Blondine musste sich erst noch an den neuen Ton des Hausvorstands gewöhnen.
Oder war es, weil Alain bei ihr war?
Er stand ganz nah ihr gegenüber und sah ihr in die Augen. Sie lächelte ihn an.
Der Schwarzhaarige legte eine Hand an ihre Hüfte und Valeria ihre eine Hand auf seine Schulter, die andere in seine.
Das Streichquartett begann zu spielen und die beiden tanzten zur Musik.
Der Hausvorstand beobachtete die beiden dabei.
Sie waren wie im Einklang miteinander. Auch wenn Valeria, wenn auch unfreiwillig, ausbrechen wollte, behielt Alain sie fest im Griff und die Führung.
Nachdem sie einige Male den Tanz durchgegangen waren, schien der Hausvorstand zufrieden.
"Die Stunde ist beendet. Es gibt mit Sicherheit noch die eine oder andere Angelegenheit, die ihr zu erledigen habt, daher könnt ihr nun gehen", meinte sie.
Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Sie sahen einander lächelnd an. und verließen den Saal.
Meinte sie das nur oder hatte sie aus dem Augenwinkel gesehen, wie der Hausvorstand etwas rührselig wirkte?
Hand in Hand spazierten sie durch den Garten. Seit sie wieder mit Alain vereint war, fiel ihr vieles so leicht.
Es war, als wäre aller Ballast von ihr gefallen und sie konnte sich auf ihr neues Leben konzentrieren.
Sie strahlte ihn an, als sie durch die Allee schlenderten. Alain sah sie mit einem liebevollen Lächeln an.
"Du strahlst ja förmlich."
"Ja, weil es mir mit dir an meiner Seite gut geht."
Er schmunzelte bei ihren Worten. "Das beruht auf Gegenseitigkeit."
"Wir müssen mit Sicherheit auch hin und wieder ins Ausland verreisen, oder?"
"Das müssen wir tatsächlich. Ich versuche jedoch, so wenig wie möglich zu reisen."
"Warum? Wir könnten die Welt sehen!", meinte sie enthusiastisch.
Er blieb mit ihr stehen und legte eine Hand auf ihre.
"Das wird nicht so oft vorkommen. Du musst dir vorstellen, dass du mich mit einem ganzen Land teilst. Auch für dich wird sich vieles ändern."
Sie sah ihm voller Zuversicht in die Augen. "Nichts, das ich nicht bestreiten könnte."
Alain lächelte sie an. Sie war das blühende Leben inmitten dieser manchmal trostlosen Welt.
"Heißt das, du machst keinen Rückzieher?"
Valeria schüttelte den Kopf. "Warum sollte ich? Ich habe auf den Mann gewartet, der meine Seele satt macht und das bist du."
Der Schwarzhaarige zog sie mit einem Lächeln näher zu sich und küsste sie liebevoll.
Sie erwiderte seinen Kuss, bis sie merkte, dass er fordernder wurde.
Doch ehe sie reagieren konnte, löste er den Kuss und sah sie verlegen an.
"Verzeih ... Das war doch ein bisschen ..."
Er sah weg und kratzte sich am Hinterkopf.
"Schon gut", erwiderte sie. "Übermorgen ist die Hochzeit."
Dann fiel ihm etwas ein.
Aus seiner Jackentasche holte er etwas heraus.
"Ich habe etwas für dich. Als Zeichen, dass du nun bei mir bist."
Valeria war perplex. Es war ein Halsband, das über und über mit Perlen versehen war.
In der Mitte war ein ovaler Stein mit einer gemalten, violetten Rose. Fast wie die Halskette, die ihr Vater ihr mitgegeben hatte.
"Wie kostbar!", raunte sie.
Er stellte sich hinter sie und sie strich ihre Haare zur Seite, während er ihr das Halsband anlegte.
Es war ziemlich schwer.
Alain hauchte ihr einen Kuss auf den Nacken.
"Ich liebe dich, Valeria. Ich brauche dich ..."
Sie drehte sich zu ihm um und strahlte förmlich.
"Ich liebe dich, Alain."
Die Nacht der Hochzeit war gekommen und die Hofdamen schnürten sie in ihr Korsett, danach ins Hochzeitskleid.
Es hatte einen edlen Kragen aus reiner Spitze, lange Ärmel und war über und über mit kleinen, feinen Steinen verziert.
Ihre langen Haare wallten und waren nur leicht hochgesteckt. Das Brautkleid war seit Generationen im Familienbesitz. Der Hausvorstand hatte darin geheiratet und auch ihre Mutter. Jetzt wurde ihr die Ehre zu Teil.
Es klopfte an der Tür und ihr Vater trat herein. Er staunte, als er sie im Kleid sah.
"Du bist wunderschön, mein Engel", raunte er. "Fast wie deine Mutter damals."
Valeria lächelte nervös. "Ist Helena mitgekommen?"
Er schüttelte den Kopf. "Sie ist zu Hause geblieben. Es geht ihr nicht besonders gut."
Die Blondine war enttäuscht und sah weg.
Ihr Vater trat näher.
"Hey, es wird ihr bald wieder besser gehen. Mach dir keine Sorgen. Das heute ist dein Tag und nichts und niemand wird ihn dir nehmen können."
"Und Jako?"
"Der Hausvorstand wollte ihn nicht dabei haben, genauso wenig Alexander aber er sieht aus seinem Versteck zu."
Wie aufs Stichwort kam der Hausvorstand zur Tür herein. "Es ist soweit."
Ihr Vater verhüllte ihr Gesicht hinter dem mit Spitze versehenen Schleier und lächelte sie an.
"Lassen wir deinen Zukünftigen nicht länger warten."
Sie standen vor verschlossenem Tor in Position und Valeria hatte sich bei ihrem Vater eingehakt.
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie schluckte.
Er tätschelte sanft ihre Hand und lächelte sie ermutigend an.
"Richte deine Augen auf Alain. Du wirst sehen, alles wird gut."
Die Blondine nickte und atmete ein letztes Mal durch.
Dann öffneten sich die Tore langsam und ihr Vater führte sie zum Altar.
Die komplette Kathedrale war besetzt von Leuten, darunter auch ihre Familie und ihre älteste Schwester, die zu diesem Anlass von Italien angereist war.
Als sie merkte, wie die Nervosität stieg, sah sie Alain an, der mit einem Lächeln auf sie wartete und spürte, wie sie ruhiger wurde.
Langsam verschwanden die Leute aus ihrem Blickfeld, sodass sie nur noch ihn sah.
Ihr Vater lüftete Valerias Schleier, hauchte ihr einen Kuss auf den Kopf und übergab ihre Hand Alain mit einem Lächeln.
"Pass gut auf meinen Engel auf", raunte er ihm leise zu.
"Das werde ich, Arnaud", erwiderte Alain leise, dann setzte sich ihr Vater zu den anderen und die beiden gingen die letzten paar Schritte vor zum Altar.
Der Priester führte die Zeremonie durch und sprach dann bald: "Wenn diese Vermählung euer Wille ist, so antwortet mit ja."
Alain sah sie mit einem Lächeln an und antwortete: "Ja."
Valeria strahlte förmlich und erwiderte ebenfalls: "Ja."
Als er mit ihrer Krone kam, beugte sie ihr Knie und er setzte sie ihr auf.
Alain löste vorsichtig die zwei kleinen Knöpfe an ihrem Kragen und biss ihr sanft in den Hals.
Die Blondine tat es ihm gleich und küsste ihn.
"Euer Blut möge sich vermischen und beide Familien miteinander verbinden. Mögt ihr euren Blutlinien Nachkommen und Frankreich einen Thronerben schenken."
Der Priester sah die beiden an. "Kraft des mir verliehenen Amtes ernenne ich euch zu Mann und Weib."
Die beiden drehten sich zu der Menge um. Valeria hatte eine Hand auf Alains.
"Ich präsentiere euch: Alain und Valeria Marielle Coin. Kaiser und Kaiserin von Frankreich."
Die Menge jubelte und verließ vor ihnen die Kathedrale.
Draußen wartete auch das Fußvolk, das einen Blick auf seine neue Kaiserin werfen wollte.
Alain sah sie mit einem Lächeln an. "Du bist so wunderschön", raunte er.
Sie strahlte. "Danke, Alain."
Beide gingen nach draußen und winkten auch dem Volk, das jubelte.
Valerias Blicke fielen in die Menge. Viele Leute, die sie bisher noch nie gesehen hatte.
Es warteten sogar Kinder mit Blumen am Rand.
Die Blondine hob ihr Kleid an und ging die Treppen hinunter zu ihnen, nahm lächelnd die Blumen entgegen, die die Kinder ihr hinhielten und bedankte sich freundlich.
Alain jedoch war besorgt um seine Braut. Sie war zu nah an der Menge für seinen Geschmack.
"Was für ein hübsches Kind", hörte sie eine Frau in der Menge sagen.
Viele riefen nach ihr, bis plötzlich die Sache zu eskalieren drohte.
Die Massen wollten näher an sie heran und das Gedränge wurde zu groß.
Alain eilte zu ihr und zog sie mit sich, ehe sie zu nah an sie rankamen.
Die Soldaten drängten die Mengen zurück, auch mit Gewalt.
Der Schwarzhaarige eilte mit ihr zur Kutsche und half ihr hinein, ehe er sich ebenfalls reinsetzte.
Er schloss die Tür und der Kutscher brachte sie zum Palast.
Valeria war durch den Wind. Sie verstand nicht, was da gerade passiert war.
"Du darfst nicht zu nah an die Menge heran. Das hätte böse enden können", keuchte Alain außer Atem.
Dieser kleine Schock hatte ihm einen Adrenalinkick verpasst.
"Sie wollten mich doch nur genauer ansehen", meinte sie.
Er sah sie an.
"Nicht jeder meint es gut mit dir, Valeria. Wäre ein Attentäter darunter gewesen ..."
"Warum sollte-"
Der Schwarzhaarige zog seinen Kragen ein Stück runter und am Hals hatte er eine kleine Narbe.
"Das dachte ich früher auch. Bis mir jemand rücklings eine Nadel reingerammt hat. Mein Glück war, dass er kein echtes Silber bei sich hatte."
Sie sah ihn entsetzt an. "Warum hast du nichts gesagt?"
"Ich wollte dich nicht beunruhigen ..."
Die Blondine sah aus dem Fenster.
"Was geschieht jetzt mit den Leuten?"
"Die Versammlung wird aufgelöst."
"Da waren Kinder dabei!"
Alain schwieg und rieb sich nur die Augen.
Valeria begriff bereits jetzt eine Sache: Es musste sich etwas ändern und sie würde das in Angriff nehmen.
Als sie im Palast angekommen waren, kamen auch die anderen Kutschen mit der Familie an.
Der Hausvorstand eilte zum Brautpaar. "Geht es euch gut?"
"Wir sind unversehrt", erwiderte Alain.
Sie sah Valeria an. "Niemals darfst du dich wieder so dem Volk nähern! Es hätte sonst was passieren können!"
Die Blondine nickte. "Alain hat es mir auf dem Weg erklärt."
"Gut."
Ihr Vater stieg besorgt aus der Kutsche. "Ist alles in Ordnung?"
Sie sah ihren Vater an. "All diese Leute ..."
"Ja, du hast einen ordentlichen Eindruck hinterlassen", gluckste er.
"Aber ich kann dich beruhigen: Es wurde alles aufgelöst. Heute Nacht passiert nichts mehr. Komm, es ist eure Nacht. Ihr sollt sie genießen."
Der Saal war gefüllt mit Adeligen und der Familie. Hell erleuchtet, schwül, stickig und eine Mischung aus Stimmengewirr, klirrenden Gläsern und dem Streichquartet, das im Hintergrund spielte.
Doch das alles verstummte, als Alain und Valeria das Tor durchschritten.
"Madame et monsieur! Das frisch vermählte Kaiserpaar Alain und Valeria!", verkündete der Hausvorstand feierlich und die Menge applaudierte und machte ihnen Platz.
Die Blondine sah ihn mit einem nervösen Lächeln an, das er genauso erwiderte.
Sie schritten zum Fuße der nächsten Treppe und Alain räusperte sich.
"Ich danke euch vielmals für euer zahlreiches Erscheinen! Diese Nacht ist nicht nur eine Hochzeit, sie ist ein Schritt in ein neues, besseres Frankreich! Wir werden unser bestes geben, dieses Land aufblühen zu lassen!"
Die Menge applaudierte, dann nickte Alain dem Streichquartett zu.
Alain führte Valeria elegant zur Tanzfläche und legte seine Hand an ihre Hüfte.
Sie passte sich ebenfalls an und sie fingen an zu spielen.
Es war wie der letzte Tanz: Langsam aber sicher verschwand alles aus ihrem Blickfeld.
Valeria ließ sich von Alain führen und lächelte ihn an.
Alain wirkte jedoch etwas ernster.
Als das Lied zu Ende war, applaudierten alle und die Tanzfläche füllte sich.
"Lass uns an die frische Luft gehen", raunte sie und lächelte ihn an.
Er nickte, wirkte jedoch etwas angespannt, als er mit ihr draußen auf dem Balkon war.
"Ist alles in Ordnung?", wollte sie wissen und sah ihn besorgt an.
"Es geht schon", erwiderte er.
"Sag jetzt nicht, dass du von vorhin noch angefressen bist ..."
"Dir hätte was passieren können! Und das hätte ich mir nicht verzeihen können", erwiderte er ernst.
Er sah sie nicht einmal an.
Sie drehte sein Gesicht zu ihm.
"Sieh mich an! Es ist nichts passiert! Und ich werde ab jetzt vorsichtiger sein. Versprochen."
Alain seufzte und legte seine Stirn an ihre.
"Also gut ... Du hast recht ... Es ist unsere Nacht ... Amüsieren wir uns."
Valeria lächelte ihn an. "So gefällst du mir schon besser."
Doch diese Ruhe sollte nicht lange halten, denn ein paar Adelige verlangten nach ihm. Alain sah sie entschuldigend an und ging rein.
Also ging die Blondine alleine draußen spazieren. Ihr Blick fiel auf den riesigen Brunnen, der mit Seerosen gefüllt war.
Was gäbe sie dafür, zu sehen, wie sie aussah.
Doch da war noch etwas im Brunnen, etwas, das nicht dort hin gehörte.
"Aaaaachtung!", hörte sie nur in einem militärischen Ton und sah einen Mann, der mit einer Flasche im Brunnen taumelte und hinfiel.
Als sie genauer hinsah, bemerkte sie, wer es war.
"Jako!?"
"Jap! Und da ist die Kaiserin Frankreichs!", lallte er. "Da hast du dich schön in die Scheiße geritten!"
Sie verengte die Augen. "Danke für deine Glückwünsche! Aber was meinst du damit?"
Er versuchte, aufzustehen, doch er fiel wieder ins Wasser.
"Du wolltest doch frei sein, schon vergessen? Auf mich hattest du keinen Bock, auf Onkel Alexander auch nicht und dieser andere Typ da hat es auch nicht auf die Reihe gebracht. Und wo bist du jetzt gelandet? Direkt im goldenen Käfig!"
"Alexander ist ein Trunkenbold und Tunichtgut, der meint, er kann mich für dumm verkaufen! Und könntest du damit leben, mich geschwängert zu haben?"
"Muss ja keiner wissen", lallte er und schwankte.
"Und Lestat ist tot ... Aber ich habe mich noch nie so lebendig und frei gefühlt wie jetzt!"
"Heute Nacht schon. Ab morgen weht hier ein anderer Wind."
Sie sah ihn enttäuscht an. "Kannst du dich nicht einfach für mich freuen?"
"Nöööö!"
Die Blondine schnaubte und stürmte wutentbrannt zurück in den Palast.
"Auf die Kaiserin!", brüllte er und nahm einen kräftigen Schluck aus seiner Flasche.
Die Nacht fühlte sich wie eine Ewigkeit für sie an. Sie genoss die restliche Feier mit Alain und ihrer Familie und lernte bereits wichtige Leute kennen.
Doch auch diese Nacht sollte sich dem Ende zuneigen und die Hofdamen halfen Valeria aus dem Kleid.
"Dieses Gewand, das ihr bekommt, dürft ihr unter keinen Umständen ausziehen", mahnte die oberste Hofdame.
"Bleibt einfach liegen und lasst alles geschehen. Lasst es seinen Lauf nehmen."
Die Blondine nickte und als die Hofdamen weg waren, sah sie an sich runter. Ein einfaches Leinenkleid mit einem Duft nach Lavendel.
Wenig später öffnete sich die Tür auf der anderen Seite des Schlafzimmers und Alain trat in einem ähnlichen Gewand ein.
Valeria musste sich ein Lachen verkneifen.
"Du siehst gut aus", feixte sie.
Alain schmunzelte.
"Du siehst wenigstens noch besser aus", gluckste er.
Sie sah an sich runter und grinste. "Ich komm in die Hölle, wenn ich das ausziehe, haben sie gesagt."
Er lachte und trat näher. Der Schwarzhaarige legte eine Hand an ihre Wange.
Die Blondine schloss ihre Augen und drückte ihre Wange in seine Hand.
Alain beugte sich zu ihrem Ohr runter.
"Hab keine Angst."
Sie hielt weiterhin die Augen geschlossen.
"Ich habe keine Angst", flüsterte sie, "ich gehöre ganz dir."
Er fuhr mit dem Daumen die Bisswunde sachte entlang und hauchte einen sanften Kuss auf sie.
Die Blondine schauderte leise.
Sie konnte spüren, wie seine Hände ihren Körper erkundeten, neugierig ertasteten.
Ihr Herz raste. Doch dann hielt er inne und auch wenn sie es nicht sah, konnte sie sein Grinsen spüren.
"Zum Teufel mit dieser Tradition", flüsterte er und zog das Gewand aus.
Valeria kicherte und wollte es ihm gleich tun, doch er war schneller und zog es ihr über den Kopf.
"Du bist wirklich wunderschön", raunte er, als er sie musterte. Ihre helle, porzellanartige Haut, die zarten Züge und die wohlgerundeten Kurven.
Es fiel ihm schwer, sich zu beherrschen.
Da ergriff die Blondine die Gelegenheit und küsste ihn innig. Auch ihre Hände gingen auf Erkundungstour und was sie ertasten konnte, gefiel ihr. Auch wenn er schlank wirkte, konnte sie Muskeln spüren.
Valeria schubste ihn mit einem Grinsen aufs Bett und beugte sich über ihn und küsste ihn erneut.
Alain jedoch packte sie an der Hüfte und drehte sie herum, sodass er die Oberhand hatte.
Für den einen Moment sah er sie hungrig wie ein Tier an, das seine Beute vor sich hatte, doch dann wurde er zu einem sanften Lächeln.
"Tu es", flüsterte sie und küsste ihn.
Alain kam ihrer Bitte nach und die Dinge nahmen ihren Lauf.