Kapitel
Kapitel
Ein Jahr verging und bis jetzt war kein Thronfolger in Sicht. Alain war oft unterwegs und wenn er dann zu ihr kam, war er müde.
Valeria hatte sich die Zeit anderweitig vertrieben.
Zwar versuchte die oberste Hofdame, sie für die eigentlichen Aktivitäten zu begeistern, doch sie langweilten sie schlicht und einfach. Sie war nicht die Art von Frau, die im Garten Kaffeekränzchen hielt, stickte oder gar geistlosen Klatsch verfolgte.
Und so kam es vor, dass sie sich hin und wieder tagsüber nach draußen schlich und den Palast und seine Bewohner unter die Lupe nahm. Das ging zumindest so lange gut, bis der Geistliche einen Brief an den Hausvorstand schickte, sie möge doch die Tagwandlerin im Zaum halten.
Mal wieder saß die Blondine im gemeinsamen Schlafgemach, die Hände im Schoß und den Blick gesenkt. Sie hatte die Hoffnung, dass Alain zu ihr stoßen würde. Stattdessen klopfte es.
"Herein."
Der Hausvorstand kam zu ihr. "Wir müssen ein ernstes Gespräch führen", meinte sie.
"Geht es um meine heimlichen Ausflüge?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Das ist das kleinere Übel. Aber es geht um eure Ehe."
Valeria sah sie an.
"Es ist ein Jahr vergangen und du bist immer noch nicht schwanger. Jedes Jahr, das ihr noch wartet, wird riskanter denn je! Deine Mutter hatte damals schon ihre Schwierigkeiten aber sie war ohnehin verrucht. Wenn es keinen Nachfolger gibt und euch beiden passiert etwas, bricht hier das Chaos aus!"
"Ich habe Alain nicht oft nach der Hochzeit gesehen, Hausvorstand. Und wenn, dann war er ziemlich müde."
Der Hausvorstand seufzte.
"Ein Jahr hast du noch, ansonsten wird die Ehe aufgehoben und du gehst nach Hause. So sind die Vorschriften."
Ihr steckte ein Kloß im Hals, als sie das hörte und ihre Finger verkrampften sich im Schoß.
"Mit Verlaub, Hausvorstand ... Dürfte ich den Vorschlag machen, dass ich mit meinem Mann feste Zeiten ausmachen kann, damit wir uns darum kümmern können?"
Sie nickte. "Soll mir recht sein. Du musst außerdem mehr zum Hof beitragen. Morgen Nacht wirst du die alte Fabrik besuchen. Das Volk will dich sehen. Aber bedenke, dass du über ihnen stehst, also gehst du nicht zu nah an irgendjemanden heran, sprichst mit niemandem und hörst auf das, was die oberste Hofdame sagt. Verstanden?"
Valeria nickte. "In Ordnung. Wenn ich so meinen Gatten unterstützen kann ..."
Der Hausvorstand wollte gerade aufstehen, als die Blondine doch noch eine Frage stellte.
"Hausvorstand ... Warum sind sie eigentlich so anders zu mir? Zu Hause kannte ich sie ganz anders."
Ihre dunklen Augen musterten sie, als würde sie abwägen, ob sie darauf antworten sollte oder nicht.
"Konzentriere dich auf deine Aufgaben. Wir reden ein anderes Mal darüber. Das wäre dann alles."
Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer.
Valeria nahm die Sache selbst in die Hand und wollte nach Alain suchen. Doch auf ihrem Weg traf sie erneut auf Alexander.
"Ärger im Paradies?", kommentierte er und stieß sich von der Wand ab, an die er sich gelehnt hatte.
Die Blondine drehte sich nicht zu ihm um. "Was geht es dich an?"
"Oh, ich mache mir einfach nur Sorgen, das ist alles." Er kam ihr immer näher.
"Du bist jetzt ein Jahr hier und immer noch nicht schwanger. Da kann ja nur etwas nicht stimmen."
"Und du bist der älteste von drei Söhnen und als einziger noch nicht verheiratet. Würde mir an deiner Stelle zu Denken geben."
Seine Mundwinkel zuckten, doch das sah sie nicht.
"Dieser Punkt geht an dich. Interessant ist nur, dass deine Mutter auch ziemlich lange gebraucht hat, bis sie schwanger war."
Der Braunhaarige stand ganz dicht hinter ihr und raunte ihr ins Ohr: "Ich kann dir vielleicht helfen. Alain muss ja nicht wissen, dass es nicht seins ist-"
Ihre Hand schnellte in sein Gesicht und hinterließ einen roten Abdruck.
Sie sah ihn mit einem bösen Funkeln an.
"Du kannst von Glück sprechen, dass du noch frei rumlaufen kannst, nach allem, was du dir schon geleistet hast! Hast du eine Ahnung, mit wem du sprichst!?", zischte sie.
Sein Blick verfinsterte sich. "Ein Gör, das mehr Glück als Verstand hatte und sich jetzt aufspielt, als gehöre ihr der Hof!"
"Valeria?"
Als sie sich umdrehte, sah sie Alain dastehen, der die beiden beobachtete.
"Gibt es ein Problem?"
Alexander schüttelte den Kopf. "Nein."
"Das will ich hoffen", erwiderte der Schwarzhaarige ernst.
Sein Bruder hielt es für das beste, dass er ging und die beiden allein ließ.
Er trat näher an seine Gattin.
"Hat er dir was getan?"
"Nein, aber sich eine von mir gefangen."
Er sah sie ernst an. "Warum?"
Valeria schnaubte verächtlich. "Das ist es nicht wert, Alain."
"Er spricht immerhin mit DIR so, seiner Kaiserin. Sag schon: Was hat er gesagt oder getan?!"
Sie sah ihm in die Augen. "Er hat sich lustig darüber gemacht, weil ich noch nicht schwanger bin und mir angeboten, dass er das übernehmen könne."
Seine Hand ballte sich zur Faust.
"Ich sagte doch, das ist es nicht wert!"
Alain schüttelte den Kopf.
"Er muss lernen, dass sein Verhalten Konsequenzen mit sich zieht!"
Er wollte gerade aufbrechen, als sie ihn am Handgelenk festhielt.
"Bleib hier. Bitte. Ich wollte ohnehin zu dir."
Der Schwarzhaarige sah sie verwundert an. "Achja?"
Sie nickte. "Ich habe mit dem Hausvorstand diesbezüglich gesprochen. Wir werden mehr Zeit für uns haben."
"Verstehe ..."
Die Blondine sah ihn unverständlich an. "Hast du verstanden, was das bedeutet?"
Er rieb sich gestresst den Nacken und seufzte. "Ich weiß, dass ich dir in diesem Jahr kein guter Ehemann war ... Aber ich weiß auch, dass das keine leere Drohung ist, dass du gehen musst, wenn du nach zwei Jahren keinen Nachfolger zur Welt gebracht hast ..."
Sie nahm seine Hand und lächelte ihn sanft an.
"Und ich werde mein Bestes geben, dich zu unterstützen. Politisch, als auch als deine Ehefrau."
Tatsächlich hatten ihre Worte ihn besänftigt, denn er lächelte sie an.
"Oh, Valeria."
Er legte seine Hände an ihre Wangen und küsste sie liebevoll. Sie erwiderte den Kuss aber hatte das Gefühl, dass sie beobachtet wurden.
"Lass uns reingehen", raunte sie ihm zu und zog ihn sanft mit sich.
In der nächsten Nacht strahlte sie in blauem Samt mit einer Bluse aus weißer Spitze, die auch in ihren Rock eingearbeitet war.
Weiße Handschuhe und die samtblaue Jacke mit schwarzem Kragen rundeten alles ab.
Die Haare hatten sie ihr hochgesteckt, doch ein paar einzelne Strähnen fielen hartnäckig in ihr Gesicht.
Sie lächelte Alain nochmal zu, bevor sie in die Kutsche stieg, der ihr heimlich einen Kuss zuwarf.
Mit neuem Mut genoss sie die Aussicht aus dem Fenster und war zuversichtlich, dass sie es nun schaffen würden.
Die Fabrik war ziemlich runtergekommen. Es stank nach Ruß und Schmutz und das Personal stand Spalier.
Das Gebäude war in einem fürchterlichen Zustand und aus den Schornsteinen kam schwarzer Rauch.
Kaum hatte sie die Kutsche verlassen, versanken ihre Schuhe im Schlamm.
Valeria hob das Kleid an und wurde vom Besitzer begrüßt.
"Majestät, es ist uns eine Ehre, dass sie unsere Fabrik besichtigen", raunte er.
Sie lächelte ihn an. "Ich danke ihnen für den Empfang."
Ihr Blick fiel auf die Arbeiter. Sie waren dreckig vom Ruß, ausgemerkelt und die Kleidung zerlumpt.
Es gab ihr tatsächlich zu denken. Sie begrüßte sie jedoch mit demselben Respekt wie den Besitzer, während ihre Gesichter ausdruckslos blieben.
In der Ferne sah sie ein kleines Mädchen am Tor stehen, das aber in das Gebäude flüchtete.
Valeria war neugierig und lief hinterher. Die oberste Hofdame jedoch eilte hinterher.
"Majestät! Geht da nicht rein! Es ist gefährlich!"
Doch die Blondine hörte nicht auf sie, sondern war dem Mädchen auf der Spur.
Drinnen dampften die Kessel mit heißem Metall. Arbeiter starrten sie an, als sie dem Mädchen folgte.
"So machen sie doch was!", fuhr die oberste Hofdame den Leibwächter an, der die Verfolgung aufnahm.
Als sie das kleine Mädchen gefunden hatte, lächelte sie sie an und ging in die Hocke.
"Hallo. Wie heißt du denn?", wollte sie freundlich wissen.
Zunächst wollte sie ihren Namen nicht verraten und sah sie nur mit ihren großen Augen an. Sie war im selben Zustand wie die anderen Arbeiter.
"Sei nicht schüchtern. Ich beiße nicht", versuchte sie es erneut.
"Evelyn ...", brachte sie schüchtern heraus und sah zu Boden.
Valerias Blick fiel auf ihre Füße. Ihre Schuhe waren komplett durchlöchert.
"Majestät?", hörte sie die Leibwache rufen, doch sie ignorierte ihn.
Sie zog ihre Schuhe aus und gab sie dem Mädchen mit einem Lächeln.
"Hier. Jetzt sind sie dir noch zu groß aber da wächst du rein."
Der Leibwächter hatte sie gefunden und sah, dass Valeria barfuß dastand.
"Um Himmels Willen, Majestät! Der Boden ist unter ihrer Würde!"
Die Blondine stand auf. "Was für ein Unsinn! Ich wollte mich mit dem kleinen Mädchen unterhalten. Wen kümmert es, ob ich barfuß laufe oder nicht? Mein Kleid ist lang genug."
"Ich werde sie raustragen."
Sie weitete die Augen. "Das werden sie nicht tun! Ich kann selbst laufen!"
Doch er hob sie hoch und trug sie hinaus.
Valeria hingegen zappelte in seinen Armen. "Lassen sie mich runter! Ich befehle es!", zischte sie.
Die oberste Hofdame schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als sie ihre dreckigen Füße sah.
"Mon dieu Majestät!"
Im Hintergrund wurde die Menge unruhig.
Sie hatten mit angesehen, wie der Leibwächter sie rausgetragen hatte.
"Ist sich die Dame zu fein, um selbst zu laufen!?", spottete ein Arbeiter und warf mit Schlamm nach ihr.
Auch die anderen Arbeiter wohnten dem Aufstand bei und spotteten und warfen mit Schlamm.
Der Besitzer schlug den Aufstand nieder, während Valeria mit der obersten Hofdame und dem Leibwächter zurück in den Palast fuhr.
"Es gibt klare Regeln, die zu befolgen sind, Majestät! Sie hatten es bei ihrer Hochzeit gesehen und jetzt haben sie sich erneut in Gefahr gebracht!", tadelte sie sie.
"Es wäre nichts passiert, wenn ihr nicht so einen Aufstand veranstaltet hättet und mich hättet laufen lassen!", erwiderte die Blondine sauer.
"Sie sind eurer nicht würdig!"
"Unsinn ist das!" Sie sah sie wütend an.
"Ich bin genauso ein Vampir wie sie! Ich trinke Blut wie sie! Und die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen, sind schrecklich! Kein Wunder, dass das Volk unzufrieden ist!"
Im Palast angekommen, stürmte sie rein.
"Majestät! Ihr braucht neue Schuhe!", rief die oberste Hofdame hinterher.
Der Hausvorstand stand in der Halle und sah Valeria und die oberste Hofdame an.
"Was ist hier los?"
"Ich bin untröstlich, Hoheit, aber die Kaiserin lief barfuß durch das Gebäude", berichtete die oberste Hofdame.
Der Hausvorstand verengte die Augen und sah Valeria an. "Wir hatten das gestern besprochen!"
Die Blondine zog ihre Handschuhe aus und funkelte sie böse an.
"Können wir bitte damit aufhören, dass uns alle wie Götter behandeln sollen? Das sind wir nicht!"
"Wo kämen wir hin, wenn wir-"
"Nein! Was ich gesehen habe, hat mich schockiert! Leute, die unter miesen Umständen arbeiten müssen! Ich spüre immer noch den Ruß in meiner Lunge und ich war vielleicht zehn Minuten in diesem Gebäude! Die Leute sollen wieder zufrieden sein? Dann sollten wir anfangen, uns ihre Belange wirklich anzuhören, ihre Umstände zu überprüfen und sie zu verbessern, statt mit leeren Worten und tollen Neuigkeiten zu überschütten!"
Sie warf die Handschuhe zu Boden und stürmte ins Zimmer.
Alain, der nur noch das Geschrei gegenüber seiner Mutter gehört hatte, eilte zu ihnen, doch sie war bereits im Zimmer.
"Was war los?", wollte er wissen.
"Deine Frau hat ihre Schuhe ausgezogen und ist in einer Fabrik barfuß herumgelaufen. Die Schuhe hat sie jemandem geschenkt und der Leibwächter musste sie raustragen."
Er seufzte. "Geben sie ihr eine Chance, Mutter. Sie sieht die Dinge anders als wir."
"Wenn sie sich weiterhin so aufführt, sehe ich schwarz für sie. Es ist nur schade, dass Helena bereits selbst vor einem halben Jahr geheiratet hat."
"Kommen sie mir jetzt nicht so", entgegnete er und ging ebenfalls in den Schlafsaal.
Valeria saß vor ihrem Schminktisch und sah in den leeren Spiegel.
"Verstehst du das unter Unterstützung?", wollte er wissen.
Sie drehte sich wütend zu ihm um.
"Alain, hast du dir mal all die Leute dort angesehen? Ihre Augen waren so tot, ihre Klamotten nur noch Lumpen und selbst Kinder arbeiten dort! Ich war vielleicht zehn Minuten in diesem Gebäude und ich kann den Ruß immer noch schmecken!"
Er sah sie wütend an. "Du hast dich in Gefahr gebracht! Erneut! Obwohl wir dich davor gewarnt haben!"
Die Blondine stand auf.
"Würdet ihr mal richtig hinsehen und zuhören, dann wüsstet ihr, dass die Missstände direkt vor eurer Nase sind und ihr sie schlichtweg ignoriert, weil ihr euch denkt, es kommt sowieso nicht zur Revolte! Sie haben mich nicht mit Dreck beworfen, weil ich mir was auf meinen Titel eingebildet habe, sondern weil dieser tolle Leibwächter meinte, er müsse mich raustragen! Das wäre alles sonst nie passiert!", schrie sie.
"Was du machst, ist Selbstmord! Ich verbiete es dir, nochmal so eine Geschichte abzuziehen, ansonsten fährst du tatsächlich nach Hause!", brüllte er.
Valeria schnappte sich das Kissen auf dem nahegelegenen Sessel und warf es mit voller Kraft gegen Alain.
Dieser sah sie wütend und perplex zugleich an. "Das hast du gerade nicht gemacht!"
Sie nahm das nächste Kissen. "Ach, vielleicht siehst du das ja kommen!", zischte sie und warf es mit derselben Kraft auf ihn.
Alain kam bedrohlich näher, doch Valeria konnte mit dem Tisch zwischen ihnen an Abstand gewinnen und ging mit ihm um diesen herum, bis er ihn zur Seite stieß und direkt vor ihr stand.
Beide waren angespannt und einer ließ den anderen in dem Moment nicht aus den Augen, unwissend, welchen Zug der andere machen würde.
Doch plötzlich küssten sich die beiden innig und stürmisch.
Die Blondine spürte, wie er fast schon ungeduldig ihr Korsett löste, den Kuss jedoch nicht.
Sie zog ihm ruckartig den Gehrock aus, löste den Kuss jedoch ebenfalls nicht.
Wenig später lagen sie völlig fertig nebeneinander im Bett.
Alain drehte den Kopf zu ihr rüber und nahm ihre Hand in seine.
"Ich will dich nicht verlieren, Valeria. Versteh das doch. Keine Frau auf dieser Welt hat mich so erfüllt, wie du es tust. Du bist etwas Besonderes, warst schon früher etwas Besonderes und wirst auch immer etwas Besonderes sein."
Ihre Augen sahen ihn traurig an. "Ich will dich auch nicht verlieren, Alain, aber es muss sich etwas ändern. Zwischen uns und auch hier am Hof. Du wolltest frischen Wind und Veränderung. Hier bin ich. Aber ihr müsst mir zuhören. Wahrhaftig zuhören."
Er seufzte. "Du hast recht ... Ich predige immer, dass wir mit der Zeit gehen müssen und bleibe doch in meinen alten Mustern hängen."
Der Schwarzhaarige beugte sich zu ihr rüber und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Ich werde mir mehr Mühe geben. Versprochen. Aber versprich du mir, dass du mehr auf dich Acht gibst."
Valeria nickte. "Versprochen."
Ein halbes Jahr später war es soweit: Die Blondine klopfte bei Alain in seinem Arbeitszimmer an, wo er gerade Besuch vom Hausvorstand hatte und strahlte über das ganze Gesicht, als sie eintrat.
Der Kaiser sah von seinen Unterlagen auf und sah sie an. "Valeria?"
"Es ist soweit!", keuchte sie mit rosigen Wangen vor Freude.
Die beiden tauschten Blicke, ehe sie begriffen, was sie damit sagen wollte.
"Ich erwarte ein Kind!"
Alain stand sofort auf und nahm sie in den Arm. "Ist da wirklich wahr?"
Valeria nickte und Freudentränen liefen ihre Wangen herunter.
Der Hausvorstand wirkte zufrieden. "Na also."
Von nun an musste sie die meiste Zeit im Palast verbringen, um sich zu schonen.
Der Leibarzt untersuchte sie regelmäßig und Alain war immer dabei. Er lächelte Valeria immer wieder zu.
Mit der Zeit wuchs ihr Bauch und der Hausvorstand verbeugte sich zur Begrüßung.
Gerade weil sie in anderen Umständen war, genossen sie und Alain die Zeit zusammen.
Sie saßen unter einem der Kirschbäume. Die Blondine hatte sich an Alain gelehnt, der sanft über ihren Bauch streichelte.
"Was, wenn es ein Mädchen wird?", kam ihr plötzlich der Gedanke.
"Dann haben wir eine Kronprinzessin", erwiderte er und hauchte ihr einen Kuss auf den Kopf.
"Zählt das trotzdem?"
"Das zählt schon. Aber dennoch brauchen wir einen Erben. Du musst nicht nach Hause."
Nun war sie beruhigt und seufzte zufrieden mit dem Blick auf die Baumkrone.
"Was, wenn das Kind tagsüber kommt?", wollte sie wissen.
"Die Bewohner wissen Bescheid. Sollte es tagsüber kommen, kannst du dich an sie wenden. Sie werden dir helfen."
Sie sah zu ihrem Bauch. "Ich hoffe, dass das nicht der Fall sein wird ... Ich würde mich freuen, wenn du bei der Geburt dabei wärst."
Er küsste ihren Handrücken. "Das werde ich. Ich lass es mir doch nicht entgehen, wenn unser Fleisch und Blut auf die Welt kommt."
Monate später war es tatsächlich soweit: Die Geburt setzte in der Nacht ein.
Alle Hofdamen waren um das Bett versammelt, ebenso der Hausvorstand und Alain.
Valeria atmete schwer und fühlte sich sichtlich unwohl mit so vielen Leuten im Raum. Alain nahm ihre Hand.
"Du machst das gut ..."
"Es sind zu viele Leute ... Argh!", fing sie an und schloss vor Schmerzen die Augen.
"Hey, sieh mich an", erwiderte er und drehte ihren Kopf sanft zu sich. Er lächelte sie liebevoll an.
"Du schaffst das. Ich bin bei dir. Stell dir vor, wir wären nur zu zweit hier."
Tatsächlich half ihr der Gedanke und sie konnte sich besser darauf konzentrieren, zu pressen.
Alain hätte nie gedacht, dass sie solche Kräfte entwickeln würde, dass sie sogar fast seine Hand brach.
Ihre Schreie waren mittlerweile nicht mehr menschlich. Fast wie eine Bestie, die vor Schmerzen schrie.
"Noch einmal pressen! Gleich ist es geschafft!", meinte der Arzt.
Valeria schrie auf und plötzlich hörten sie einen Säugling schreien. Die Blondine war nassgeschwitzt und atmete schwer.
Der Schwarzhaarige durfte als Erstes ihr Kind auf dem Arm halten.
"Herzlichen Glückwunsch, Majestät. Es ist eine gesunde Tochter", verkündete der Arzt.
Der Hausvorstand war schon fast enttäuscht. Sie hatte auf einen Jungen gehofft.
"Sie ist wunderschön. Findest du nicht auch, Valeria? Valeria!"
Die Blondine bekam das Ganze gar nicht mehr mit. Ihr wurde schwarz vor Augen und wurde bewusstlos.
"Öffnet die Fenster!", befahl der Hausvorstand und die Hofdamen eilten hastig, um diese zu öffnen.
Alain zog sein Taschentuch mit einem ätherischen Öl aus seiner Brusttasche und wedelte sanft damit vor ihrer Nase herum.
Langsam kam sie wieder zu sich. Er war erleichtert.
"Ich hab mir schon Sorgen gemacht!", keuchte er und hielt dann vorsichtig das kleine Bündel vor ihre Nase.
"Schau mal. Wir wurden mit einer Tochter gesegnet."
Noch leicht benommen sah sie das Bündel an. "Eine Tochter?", wiederholte sie schwach und ließ den Kopf wieder in die Kissen sinken.
Alain hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. "Du warst so stark, mein Engel."
Niemand hatte bemerkt, dass Jako an einem der Fenster stand und heimlich reingeschaut hatte.
Nun war er also Onkel geworden.