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Kapitel

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Nächte später ging es ihr wieder besser und sie kümmerte sich liebevoll um ihre Tochter. Sie hatte sie auf den Namen Sophie getauft und ihren Eltern und Jako geschrieben, dass ihre Tochter nun auf der Welt war.

Die Blondine ging ungeduldig auf und ab im Zimmer, denn ihr Vater und Jako hatten sich angekündigt, um den Nachwuchs Willkommen zu heißen.

Vor allem, dass Jako diesmal mit dabei sein sollte, machte ihr Hoffnung, dass der Streit zwischen ihnen nun beigelegt werden konnte.

Als die Kutsche beim Palast vorfuhr, eilte sie bereits aus dem Zimmer und die Treppen herunter zum Eingang, wo sie die Stimmen der beiden schon wahrnehmen konnte.

Die Wache wollte Jako nicht reinlassen.

"... Er ist mein Sohn und ebenso meine Begleitung", erklärte ihr Vater.

"Tut mir leid, ich habe klare Anweisungen", erwiderte der Wächter.

"Das ist jetzt nicht euer Ernst!?"

Valeria stieß zu ihnen und meinte zur Wache: "Jako gehört zur Familie, ebenso wie mein Vater. Lasst sie passieren."

"Zu Befehl, Majestät." Er ging beiseite und ließ sie durch, während Jako eine Grimasse schnitt und dann mit seinem Vater auf die Kaiserin zuging.

Sie nahm beide fest in den Arm. "Ich freue mich so, dass ihr hier seid! Wo ist Mutter?"

"Ich habe sie nach Sevilla geschickt zu ihrer Familie. Sie soll sich von den ganzen Strapazen erholen, jetzt, wo Helena auch unter der Haube ist", erwiderte er mit einem Lächeln.

"Kommt! Ich möchte euch Sophie vorstellen!", raunte sie und strahlte über beide Ohren.

Es tat ihrem Vater gut, sie so zu sehen. Jako sah sich im Palast um, während sie ihr folgten.

Man konnte schon das Glucksen der Kleinen hören. Valeria lächelte.

"Darf ich euch vorstellen? Sophie."

Die beiden beugten sich über die Wiege und sahen ein kleines Wesen, das jetzt schon eine richtige Ähnlichkeit mit ihr hatte. Man konnte es an der gleichen, porzellanartigen Haut erkennen.

"Sie ist wunderschön", lächelte ihr Vater.

"Ganz die Mutter", grinste Jako.

Valeria lächelte ihn an. "Willst du sie mal halten?"

Er sah sie perplex an. "Nein, das kann ich nicht ..."

"Unsinn!" Sie holte sie aus ihrem Bettchen und legte sie behutsam Jako in die Arme.

Der Schwarzhaarige stellte sicher, dass er sie wirklich richtig im Arm hatte und sah sie sich genauer an.

Es war seltsam für ihn, einen Säugling in den Armen zu halten.

"Ich würde mir wünschen, dass du ihr Pate wirst", meinte sie zu ihm.

Er sah sie an. "Ich? Pate? Valeria, das ist zu viel ..."

"Warum denn? Du und Vater, ihr bedeutet mir so viel und ich weiß, das werdet ihr auch ihr eines Tages bedeuten!"

Jako schluckte. "Und Alain ..."

"Ist damit einverstanden", hörte er hinter sich. Alain trat ein und lächelte die beiden an.

"Es freut mich, euch wiederzusehen."

Ihr Vater lächelte und verbeugte sich leicht. "Glückwunsch zu eurer Tochter. Sie kommt ganz nach der Mutter."

Er lächelte. "Danke dir, Arnaud. Also, Jako? Was sagst du? Können wir uns auf dich verlassen?"

Wieder sah der Schwarzhaarige zum Säugling. "Ich kann das nicht ..."

Vorsichtig gab er sie Valeria wieder.

"Ganz wie du möchtest", erwiderte sie und drückte sie sanft an sich mit einem Lächeln.

Nun begriff Jako, dass sie wirklich glücklich war.

"Wo ist Marielle?"

"Ich habe sie nach Sevilla zu ihrer Familie geschickt, in der Hoffnung, dass sie sich von all den Jahren erholt", erwiderte ihr Vater. "Jetzt, wo alle Kinder aus dem Haus sind und der Hausvorstand alle Hände hier zu tun hat, dachte ich, dass sie sich eine Auszeit nehmen könnte."

Alain nickte. "Verstehe."

Lestat hielt sich hinter Bäumen versteckt und musterte den Palast. Hier lebte sie also nun.

Es hatte lange gedauert, bis er sie ausfindig machen konnte.

Seine Fingernägel bohrten sich in die Rinde vor Wut.

Sie hatten ihm alles genommen: Die Frau, die er liebte und das Leben, das er sich mit ihr aufgebaut hatte.

Er musste sie sehen. Er musste sicher gehen, dass sie wohlauf war.

Langsam schlich er näher an das Gebäude heran, wurde aber von jemandem beobachtet.

"Wohin des Weges?", hörte er plötzlich in seiner Nähe und drehte sich um.

Ein junger Mann in kupferfarbenem Gehrock und mit braunen Haaren lehnte an einem Baum, von dem er sich gerade abstieß und auf ihn zuging.

"Ich bin der neue Berater der Herrschaften", erwiderte er.

Alexander musterte Lestat von oben bis unten. "Noch bin ich der Berater hier und so wie ihr ausseht, könntet ihr einer unserer Diener sein."

Dem Blondschopf schlug das Herz bis zum Hals. Würde er ihn auffliegen lassen?

"Ihr wollt mit Sicherheit zu Valeria? Ein Vögelchen hatte mir gezwitschert, dass es da jemanden in ihrem Leben gab ... Wie hieß er noch gleich?" Er schaute in die Luft, als würde er nachdenken.

"Sie hat von mir gesprochen?", fragte er verwundert.

"Nicht direkt, aber ihr habt euch gerade selbst verraten." Der Braunhaarige sah ihn an.

"Ich bin kein Unmensch, aber so kommt ihr nicht in den Palast. Er wird schwer bewacht. Ich kenne einen Weg zu ihr, der sicherer ist."

Lestat wusste nicht, was er davon halten sollte. Sollte er wirklich diesem Mann trauen?

Doch ihm blieb keine andere Wahl, jetzt, da er aufgeflogen war.

Die beiden kletterten heimlich an einer Ranke nach oben und tasteten sich an der Mauer entlang bis zu ihrem Fenster.

Der Blondschopf musste aufpassen, dass er nicht nach unten sah.

"Da wären wir. Das ist ihr Zimmer."

Er blickte vorsichtig durch das Fenster und tatsächlich: Da war sie.

Doch etwas an ihr war anders: Sie strahlte förmlich und beugte sich zu der Wiege mit einem liebevollen Lächeln runter.

In ihm zog sich alles zusammen.

"Wollt ihr immer noch zu ihr?", hakte Alexander nach.

"Jetzt bin ich zu weit gekommen, als dass ich einen Rückzieher mache", erwiderte er, öffnete vorsichtig das Fenster und stieg ins Zimmer ein.

Valeria sah ihn erschrocken an. "Lestat! Du bist tot", raunte sie.

Er sah sie an. "Ich bin alles andere als das."

Langsam bewegte sie sich schützend vor die Wiege und sah ihn an. "Was machst du hier?"

"Ich habe nach dir gesucht. Bis ich irgendwann herausgefunden habe, dass du hier im Palast lebst."

Sie war ganz anders. Vorsichtig, als würde sie ihm misstrauen.

"Du hättest nicht herkommen sollen ... Du hättest dein Leben leben sollen ..."

Der Blondschopf sah sie an. "Begrüßt man so jemanden, mit dem man vor nicht allzu langer Zeit das Bett geteilt hat?"

Er trat näher an sie heran.

"Wie ich sehe hast du geheiratet und bist Mutter geworden."

Sie nickte nur, behielt ihn aber weiterhin im Auge.

"Richtig. Und genau deswegen möchte ich, dass du gehst. Leb dein Leben ohne mich, Lestat. Es ist das Beste für uns beide."

Sein Finger hob ihr Kinn an. "Und einfach so akzeptieren, dass man dich mir weggenommen und jemand anderem versprochen hat?"

Ihr Atem wurde schneller und auch das Kind wurde hinter ihr unruhig.

"Ich sage es nicht noch einmal: Geh und lass dich nie wieder blicken oder ich rufe die Wachen!", zischte sie und sah ihn ernst an.

In seinen Augen funkelte die Wut, doch vorerst würde er sich geschlagen geben. Wohlgemerkt: Vorerst.

Er drehte sich langsam auf dem Absatz um und stieg wieder aus dem Fenster, zurück zu Alexander.

"Weiber. Man kann nicht mit ihnen, aber auch nicht ohne sie", kommentierte der Braunhaarige gespielt dramatisch.

"Was werdet ihr nun tun?"

"Nichts, das von eurem Interesse wäre", erwiderte er nur stumpf und sah nach unten.

"Lasst uns runterklettern."

Gesagt, getan. Unten angekommen, sah er ihn erneut an.

"Ich habe ein kleines Vorhaben und das beinhaltet, dass ihr eure geliebte Valeria zurückgewinnen könnt. Wenn ihr mir eure Unterstützung zusichert, wird es nicht bei einer Wunschvorstellung bleiben."

Lestat sah ihn an. "Was muss ich tun?"

"Sagen wir einfach, dass der falsche Mann an der Macht ist. Ich werde den Kaiser stürzen und nur noch die am Leben lassen, die ich für würdig halte. Und so wie ich es rieche, seid ihr ein Verwandelter. Mit Sicherheit wollt ihr ebenfalls in der Lage sein, Titel und Ländereien zu besitzen und dann ist sie euer." Er nickte nach oben zum Fenster.

"Überlegt es euch gut. Es geht um eure Zukunft."

Sein Vorhaben war sehr riskant. Wenn er das vermasselte, würde sein Kopf rollen und sein eigener noch dazu.

"Das heißt, ihr habt Verbündete?", hakte er nach.

Er nickte. "Alles hinter dem Rücken abgesichert. Der Kaiser hat keine Ahnung, dass er seinen Schlächtern in die Falle läuft."

Lestat sah ihn ernst an. "Sagt mir wann und wo und ihr werdet meine Unterstützung bekommen."

Alexander zog einen kleinen Zettel aus der Tasche und gab ihn ihm.

"Solltet ihr dieses Symbol sehen, geht zur Kirche. Da werden wir alles weitere besprechen. Bis dahin hat diese Unterhaltung hier nie stattgefunden."

Der Blondschopf nickte und steckte sie ein. "Ich werde da sein."

Als er ging, grinste Alexander ihm hinterher. Er war nichts weiter als eine weitere, dumme Schachfigur in seinem Spiel, die er opfern konnte. Und dann würde er sich Valeria unter den Nagel reißen und Marielle noch dazu.

Valeria sank zu Boden und musste das alles erst verarbeiten. Sie zitterte.

Sophie schrie im Hintergrund.

Alain kam herein, erst lächelnd, dann eilte er erschrocken zu ihr, als er sie sah.

"Valeria! Was ist denn los!?", keuchte er.

Die Blondine bekam kaum Luft und sah immer noch traumatisiert drein.

"Ich ... es ... es geht schon wieder ..."

Er half ihr auf und sah dann zu Sophie, die weinte.

Behutsam strich er über ihre Wange. "Shhh, es ist alles gut", versuchte er, sie zu beruhigen.

Als das Kind ruhig war, wurde es auch die Blondine.

Dann nahm er den Geruch wahr. "Ein Verwandelter? Wer war da bei dir?"

Tränen liefen über ihre Wangen. "Lestat ..."

Alain merkte, dass da mehr dahinter stecken musste und sah sie eindringlich an.

"Ich möchte, dass du mir jetzt alles genau erzählst."

Er bugsierte sie zum nächsten Sessel und setzte sich in den ihr gegenüber.

Sie erzählte ihm alles, auch wenn sie es nicht wollte. Aber er war ihr Gatte und er hatte ein Recht darauf, es zu erfahren.

Ihr war klar, dass er ohnehin nicht locker lassen würde, bis er alles wusste.

Alain hörte ihr aufmerksam zu und blickte ernst drein.

"Verstehe ..."

"Ich dachte, er wäre tot und du ... Ich habe mich immer wohl bei dir gefühlt und mich in dich verliebt und ..."

Mit einer Geste unterbrach er sie. "Liebst du ihn immer noch?"

Sie schüttelte unter Tränen den Kopf. "Ich habe ihn nie geliebt. Das hier ist mein Leben! Das hier ist mein Zuhause! Hier bei dir und unserer kleinen Sophie!"

Doch er konnte sich bereits denken, wer ihm Zugang verschafft haben könnte.

Alexander war nicht gerade der subtile Typ, zumindest konnte er ihn immer durchschauen.

"Ich werde die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen. Du wirst demnächst ohnehin deine Pflichten wieder aufnehmen, dann besteht zumindest da die Chance, dass er nicht an dich herankommt."

Valeria sah ihn verwundert an. "Aber Sophie ist meine Pflicht!"

Er schüttelte den Kopf. "Du bist die Kaiserin. Der Hausvorstand kümmert sich um die Erziehung der Kinder."

Sie sah ihn fassungslos an. "Ist das dein Ernst!?"

"So war es schon immer", erwiderte er kühl.

Ihre Finger bohrten sich in die Armlehnen. "Du willst mich damit bestrafen, stimmt's?"

Alain schüttelte den Kopf. "Nein. Das war schon mit dem Hausvorstand abgesprochen."

Wütend stand sie auf. "Und das beschließt du einfach über meinen Kopf hinweg? Ohne mich zu fragen!?"

Er sah sie an. "Das sind die Traditionen."

"Also bin ich nur da, um Kinder zu kriegen und dass ich gesehen werde!?", fauchte sie.

"Das bist du nicht!" Alain stand ebenfalls auf und sah sie ernst an.

"Was ich dir gesagt habe, ist wahr. Du bist mir wichtig, Valeria. Aber du hast auch Pflichten."

"Erspar mir das!", knurrte sie und wollte den Raum verlassen.

"Du verhältst dich so, als wäre ich plötzlich nicht mehr der Mann, den du liebst", erwiderte er.

Sie blieb sofort stehen, sah ihn aber nicht an. Ihr Blick war auf die Tür gerichtet.

"Ich werde meine Pflichten erfüllen aber Sophie bleibt bei mir. Ist das klar?"

"Valeria ..."

Sie drehte sich ruckartig zu ihm um.

"DU HAST GESAGT, DU WILLST ETWAS VERÄNDERN! WARUM SEHE ICH DANN, DASS ALLES IN DEN ALTEN MUSTERN HÄNGEN BLEIBT!? ENTSCHEIDE DICH ENDLICH!"

Sophie schrie in der Wiege. Er sah erst zum Kind, dann zu ihr und wirkte ernst.

"Es ist besser, wenn du für eine Zeit zu deinem Elternhaus zurückkehrst."

Sie sah ihn fassungslos an. "Ist das dein verdammter Ernst!?"

Er nickte. "Ich möchte, dass du dir im Klaren wirst, wer deine Priorität ist. Du wolltest die Bürde auf dich nehmen und jetzt taucht dieser Lestat wieder auf und du bist völlig außer Kontrolle. Morgen Nacht bringt dich die Kutsche zum Anwesen zurück."

Tränen liefen über ihr Gesicht. "Das war es also?"

"Ich habe nicht gesagt, dass es das war. Ich habe lediglich gesagt, dass du für ein paar Tage zu deinem Elternhaus zurückkehren sollst", erwiderte er ruhig.

Valeria verließ das Zimmer, ungeachtet der Schreie ihrer Tochter.

Alain sah ihr mit steinerner Miene nach.

Die Blondine saß am Ufer des Rheins und hatte die Knie an ihren Körper gezogen und ihren Kopf darauf abgelegt.

Es war reine Ironie, ein Alptraum, der hart und gnadenlos zuschlug.

In der nächsten Nacht standen Alain und der Hausvorstand im Salon, als Valeria die Treppe runterkam.

Sie sah das Kind in den Armen des Hausvorstands und innerlich packte sie die Wut. Doch äußerlich blieb sie ganz ruhig.

Kein Wort sprachen sie miteinander, kein liebevoller Abschied. Es war alles so kalt.

Als sie in die Kutsche einstieg, sah sie aus dem Fenster, bis der Palast verschwunden war. Nun war sie wieder hier. Völlig allein.

Ihr Vater wusste davon, dass sie heute zurückkehren würde. Doch um welchen Preis?

Er wartete bereits im Türrahmen, als die Kutsche vorgefahren kam.

Mitfühlend sah er seine Tochter an, die stumm an ihm vorbei ins Anwesen ging.

Als sie eingetreten war, schloss der die Tür.

Valeria betrat ihr altes Zimmer und es war, als wäre sie nie weg gewesen.

Alte Bilder und Gedichte, getrocknte Blumen und eine dicke Schicht Staub auf ihren Möbeln.

Das Zimmer strahlte eine gewisse Traurigkeit aus, die auch sie selbst gerade fühlte.

Hätte sie ihm das mit Lestat verheimlicht, wäre es vielleicht viel schlimmer ausgegangen.

Er war besorgt, eifersüchtig, machte sich vielleicht sogar Gedanken, ob sie ihn gewählt hätte, wenn sie mit ihm zusammen geblieben wäre.

Doch es war, als wäre all ihre Lebenskraft, ihre Lebensfreude aus ihr herausgesaugt worden.

Oder war es dieser trostlose Ort, der ihr all ihre Hoffnung nahm.

Ihr Vater klopfte an und setzte sich zu ihr aufs Bett.

"Möchtest du darüber reden?", fragte er.

Sie sah zu Boden und schüttelte den Kopf.

"Ich muss mich damit abfinden, dass ich alles vermasselt habe."

"Das hast du nicht, Engelchen."

Er nahm ihre Hände und sah sie mitfühlend an.

"Sieh es als Möglichkeit, dass du runterkommen kannst. Das Leben am Hof kann schon anstrengend sein. Ich weiß es am besten. Ich war dort."

Die Blondine sah ihn an. "Aber das kann es nicht gewesen sein ... Er wollte, dass ich ihn unterstütze aber egal, was ich mache, ist nicht in Ordnung ... Und hätte ich ihm die Geschichte mit Lestat verheimlicht, wäre es schlimmer ausgegangen."

"Er will dich beschützen, Valeria. Dich und eure kleine Familie."

"Er hat über meinen Kopf darüber entschieden, dass der Hausvorstand sich um Sophie kümmert!"

"Das war schon immer so. Als ihr auf der Welt wart, hat der Hausvorstand euch in ihre Obhut genommen und groß gezogen."

"Aber wir beide haben viel Zeit miteinander verbracht ..."

"Deine Mutter hat dafür gekämpft, dass Jako bei ihr bleibt. Sie haben sich um das Bündel in ihren Armen gestritten, sodass er fast gefallen wäre. Ab diesem Punkt hat sie klein beigegeben und deiner Mutter erlaubt, sich um ihn zu kümmern, was aber dafür gesorgt hat, dass sein Titel aberkannt wurde. Sonst wäre er jetzt der neue Kaiser und nicht Alain."

Sie verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf.

"Das ergibt alles keinen Sinn!"

"Ich weiß. Aber du wirst deine Kinder dennoch zu Gesicht bekommen und mit ihnen Zeit verbingen können. Glaub mir."

Das Anwesen wirkte so leer, jetzt, da nur ihr Vater und sie da waren.

Sie lief durch die Gegend und sah sich alles an, als wollte sie es sich einprägen.

Es war so dunkel und trostlos.

Ihr Vater lächelte aufmunternd. "Komm. Zeig mir doch mal, dass du immer noch kämpfen kannst."

Wenig später stand sie wieder wie eine Mannequin da und trainierte mit ihrem Vater.

Die Bilder kamen ihr wieder hoch, der Streit, die Dinge, die sie im Palast als ungerecht empfand und plötzlich verengte sie ihre Augen und zeigte keine Gnade beim Training.

Ihr Vater schien aber genau auf das hinaus zu wollen, denn er parierte die Angriffe nur, schlug jedoch nicht zurück.

Irgendwann gab ihre Klinge nach und zersprang.

Außer Atem sah sie das Schwert an, dann ihren Vater und sie verstand: Er wollte, dass sie alles rausließ.

Sie lächelte leicht. "Danke."

Er erwiderte ihr Lächeln völlig außer Atem. "Ich weiß nicht, wovon du sprichst."

Sie fing an zu lachen und stützte sich auf ihren Oberschenkeln ab.

Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee, wenn sie vorerst hier blieb.