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Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

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Die Menge zog davon und Valeria kam wieder zu ihnen. Sie wirkte erwachsener und noch schöner, als sie es ohnehin schon war.

Die drei standen mit offenen Mündern da. "Was hast du ihnen gesagt?", wollte der Hausvorstand wissen.

"Dass sich die Dinge nun ändern werden. Und dass ich unseren Thronfolger erwarte", erwiderte sie ruhig.

Alain sah sie sprachlos an. "Ist das wahr?"

Valeria sah ihn an und nickte.

"Woher willst du wissen, was es wird?", fing der Hausvorstand an.

"Ich spüre es einfach ... Es ist anders, als sonst."

"Hoffen wir, dass dein Gefühl dich nicht täuscht. Du hast gerade ein Versprechen gegeben, von dem du nicht weißt, ob du es auch wirklich halten kannst", gluckste sie.

"Valerias Kräfte haben sich aktiviert. Es könnte sein, dass sie ein Psy-Vampir ist", bemerkte Alain.

"Aber warum gerade jetzt?"

"Bei manchen Vampiren erwachen ihre Kräfte, wenn sie am meisten gebraucht werden", wandte Jako ein.

"Das ist wohl wahr", pflichtete der Hausvorstand bei.

"Ich möchte, dass wir so bald wie möglich die Bewohner besuchen und die Zustände unseres Volkes im Auge behalten. Es lässt sich nicht länger aufschieben", meinte Valeria in einem ruhigen Ton.

Alain sah sie entgeistert an. "In deinem Zustand?"

Sie drehte den Kopf zu ihm und sah ihn ruhig an. "Das sind wir ihnen schuldig."

Sie hatte sich verändert oder vielmehr etwas in ihr hatte sich verändert, nicht nur ihr Aussehen.

Vor ihnen stand eine reife Frau, noch schöner als zuvor aber auch mit einer gewissen Überzeugungskraft.

Und so kam es, dass sie Nächte später durch die Stadt reisten und sich die Umstände ihres Volkes ansahen.

So wie Valeria es bereits beobachtet hatte, gab es viel zu tun. Verwandelte, die außer Kontrolle geraten waren, Leute, die unter üblen Umständen arbeiteten und lebten und immer weniger Gefäße, um sich von ihnen zu ernähren.

Alain bewunderte ihren Mut und auch ihre Weisheit. Er ertappte sich immer wieder dabei, wie er sie wie hypnotisiert beobachtete.

Als sie in den Palast zurückkehrten, setzten sie sich im Arbeitszimmer mit dem Hausvorstand und Alexander zusammen.

"Valeria hat recht. Die Zustände in unserem Volk sind fatal", wandte Alain ein.

"Zu viele Verwandelte, die außer Kontrolle geraten sind, ganz zu schweigen von den Gefäßen, die uns fehlen. Viele kommen überhaupt nicht über die Runden. Daran müssen wir arbeiten."

"Das wird eine Menge Arbeit werden", meinte der Hausvorstand, "doch wir können uns nicht um alle Belange kümmern."

Alain sah zu Alexander. "Sieht so aus, als wärst du an der Reihe. Wir benötigen eine Lösung für die Verwandelten und ich rede nicht davon, sie nur niederzumetzeln. Kriegst du das hin?"

Er rümpfte die Nase.

"Ich soll also die Drecksarbeit erledigen. Wie immer!"

"Es ist eine wichtige Aufgabe. Nimmst du sie nun an oder nicht?", fragte Alain ernst.

Er seufzte genervt. "Ich werde sehen, was sich machen lässt."

"Wir sollten auch niedrigere Abgaben verlangen und den Besitzern die Möglichkeit geben, ihre Arbeiter besser zu bezahlen. Damit könnten wir die Bedingungen deutlich verbessern", schlug Valeria vor.

"Auf die Abgaben sind wir angewiesen. Haus Coin ist schwer verschuldet", wandte der Hausvorstand ein.

"Wir müssen unserem Volk ein Vorbild sein. Dass die Schulden nicht von heute auf morgen getilgt werden können, ist mir bewusst. Aber so gewinnen wir beim Volk einen Vertrauensvorschuss. Genauso finde ich es verschwenderisch, einmal getragene Kleidung zu verbrennen. Wir können noch so viel damit machen!"

Der Hausvorstand setzte schon an, doch Valeria sah sie ruhig an.

"Man kann aus ihnen neue Kleidung nähen oder sie verändern. Oder wir gehen Tauschgeschäfte mit Händlern ein. Ein Kleid von einer Kaiserin getragen ist für sie von unschätzbarem Wert."

Alexander lachte spöttisch. "Natürlich ist es das. Ich befürchte nur, dass die Händler das nicht so sehen werden."

"Es ist einen Versuch wert", erwiderte sie ruhig.

Die vier arbeiteten einen Plan aus, den sie umsetzen wollten. "Wir müssen uns mit dem Rat besprechen, bevor wir irgendetwas davon umsetzen", erinnerte Alain sie und sah sie an.

"Wir werden Ende der Woche eine Sitzung einberufen und die Vorschläge vorlegen."

Valeria war schon zufrieden, dass sie angehört und ihre Vorschläge ernst genommen wurden.

Patrouillien wurden veranlasst, um die Straßen wieder sicherer zu machen.

Sie sollten auch sicher gehen, dass es nicht allzu viele neue Verwandelte gab, die schon fast mit einer Rattenplage gleichzusetzen waren.

Alain war mit Valeria im Schlafgemach und lächelte sie an. "Ich bin stolz auf dich. Habe ich dir das schon gesagt?", raunte er.

Sie lächelte ihn an. "Das habe ich lange nicht mehr gehört." Dass er sie von oben bis unten musterte, war ihr nicht entgangen.

"Mir war bewusst, dass Vampirkräfte einen optisch ebenfalls verändern können, aber dass du solch eine Schönheit werden würdest ... Noch schöner als ohnehin schon ... Und dass du dich so politsch engagierst ..."

Die Blondine wusste, worauf er hinaus wollte und grinste. "Ich habe dir doch versprochen, dass ich dir eine Stütze sein werde. In der Politik und auch als Ehefrau."

Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte sie an.

"Ich bin der glücklichste Mann, den es gibt", raunte er und küsste sie innig.

Obgleich sie schwanger war, konnte er nicht die Finger von ihr lassen, was ihr aber recht sein sollte.

Es war anders als sonst aber im Positiven.

Die Zeit verflog und tatsächlich brachte Valeria einen gesunden Jungen zur Welt, der Frankreich präsentiert wurde.

Russeau sollte als Kronprinz den Thron besteigen, wenn Valeria und Alain nicht mehr waren.

Alexander, der immer noch innerlich hoffte, dass das Kind es nicht schaffen würde, schlug voller Wut auf seinen Schreibtisch.

Doch ihm kam bereits ein neuer Plan: Vielleicht konnte er zumindest ihn mainpulieren, sodass er handelte, wie er es wollte. Jedoch kam die Frage auf, ob die Revolution dann noch notwendig war.

Er hatte ihrem Plan schon Steine in den Weg gelegt, dass der Rat nicht allen Punkten zustimmte und somit die Zufriedenheit nicht allzu hoch bei den Bürgern ausfallen konnte.

Wenn sie die Kontrolle über das Volk bekamen, war alles umsonst.

Jako saß bei ihm und hatte eine Flasche in der Hand, die er schon zur Hälfte geleert hatte.

"Valeria macht ihre Arbeit ausgesprochen gut", bemerkte er mit einem leichten Lächeln.

"Zu gut ... Es hat mich schon Mühen gekostet, unsere Mitglieder zu überreden, dass sie nicht allen Punkten zustimmen. Unser Haus ist immer noch hoch verschuldet und dementsprechend sind wir auf die Abgaben angewiesen."

"Oder eine weitere Hochzeit ..."

Alexander sah Jako an. "Nimm das noch einmal in den Mund und ich schwöre ich prügel dich windelweich."

"Du bist ja nur noch übrig. Also: Entweder schön am Hungertuch nagen oder etwas Geld mit der nächsten Hochzeit rausbekommen", erwiderte er achselzuckend.

Er schnaubte verächtlich. "Es gibt keine Frau da draußen, die mir das Wasser reichen kann. Und zwei, die mich interessiert hätten, sind jetzt mit meinen Brüdern verheiratet!"

"Und wie geht es jetzt weiter?", fragte Jako gelangweilt.

"Wir werden alles genau beobachten. Vielleicht kann ich doch noch Einfluss auf Russeau nehmen."

Die Umstände im Volk verbesserten sich langsam aber sicher und auch Russeau wurde älter.

Auch wenn Valeria ihn genauso wenig sah wie Giselle, war sie doch eine liebevolle Mutter, wenn sie Zeit mit ihm verbringen konnte. Man könnte meinen, dass sich die Lage entspannt hätte, jetzt, da es einen Thronfolger gab, doch dem war nicht so.

Er wurde vom Hausvorstand beansprucht und einer harten Erziehung unterzogen.

Eines Nachts hörte sie, wie der Hausvorstand ihn und die Hofdame aufhielt.

"Halt! Wohin?"

"Die Kaiserin möchte mit ihrem Sohn spazieren gehen. Sie hat ihn jetzt drei Wochen nicht mehr gesehen, Erzherzogin", erklärte die Hofdame.

"Der Kronprinz bleibt hier! Er ist noch zu weich, als dass er mal ein Nachfolger werden kann! Und sie verhätschelt ihn nur", entgegnete sie.

Der kleine Russeau sah sie mit großen Augen an.

"Warum darf ich denn nie zu Mama?"

"Es geht nicht", erwiderte die Hofdame, doch er tat ihr leid.

"Du wirst Soldat! Wer zum Herrschen bestimmt ist, darf kein Mutterkind sein", erwiderte der Hausvorstand.

"Bitte!", flehte er.

Sie drehte sich zu ihm um, als sie sich bereits anschickte, zu gehen. "Nein!"

Sein Lehrer wurde gerufen, dass er den Kronprinzen unterrichtete.

Der Hausvorstand blieb noch mit der Hofdame vor der Tür stehen.

"Die Wünsche der Kaiserin sind irrelevant! Sie halten sich an meine Anweisungen!"

Die Hofdame verbeugte sich und der Hausvorstand ging davon.

Valeria hatte alles von der Tür aus mitbekommen.

"Na warte!", knurrte sie und setzte sich an ihren Schreibtisch. Die Tür hatte sie verschlossen.

In letzter Zeit hatte sie das Gefühl, dass er sich mehr auf die Seite seiner Mutter schlug und wieder in alte Muster verfiel.

Doch diesmal würde sie es ernst meinen.

Alain wollte zu ihr ins Schlafgemach, doch bemerkte, dass die Tür verschlossen war.

"Valeria! Mach auf, mein Engel!", rief er liebevoll.

"Diese Nacht war ein reiner Alptraum ... Spanien droht uns offen, in unseren Ländereien kommt es immer mehr zu Kämpfen und noch dazu verlieren wir langsam die Kontrolle über die Verwandelten", fuhr er fort.

Sie antwortete nicht, sondern rollte mit den Augen.

"Jetzt mach doch bitte die Tür auf", bat er.

"Warum gehst du nicht zu deiner Mutter? Sie war dir doch sonst immer lieber!", erwiderte sie eingeschnappt.

"Engel?"

"Verschon mich!"

Alain verstand die Welt nicht mehr. "Was habe ich getan?"

"Du lässt zu, dass unser Sohn gequält wird!"

Er verengte unverständlich die Augen. "Was?"

"Ich hab alles mitbekommen! Deine Mutter gab ihm ihren Folterschergen und ihm wird der Kontakt zu mir untersagt!"

"Valeria, er wird zum Kaiser erzogen, so wie ich auch erzogen wurde. Er ist noch zu weich", erwiderte er.

"Ihr zerstört ihn! Und ich habe die Nase gestrichen voll! Ich werde nicht tatenlos dabei zusehen! Du musst dich entscheiden!"

Als sie den letzten Satz geschrieben hatte, ging sie zur Tür.

"Ich habe ein förmliches Ultimatum aufgesetzt. Wenn du mich nicht verlieren willst, dann erfüll es!"

Alain lehnte an der Tür und hatte schon aufgegeben, mit ihr zu diskutieren. "Bitte", meinte er nur.

"Ich möchte selbst über die Erziehung unserer Kinder bestimmen und von nun an werde ich entscheiden, was ich tue und lasse!"

Sie schloss die Tür auf und gab Alain keine Chance, überhaupt etwas zu tun oder zu sagen.

Sie drückte ihm ihr Schreiben in die Hand und sah ihn voller Kälte an.

"Lies mein Schreiben und entscheide dich. Für deine Mutter oder mich. Und jetzt lass mich allein!"

Sie konnte den Schmerz in Alains Augen sehen, doch er zog mit dem Schreiben davon.

Valeria schloss die Tür und rutschte an ihr herunter. Sie begann zu weinen.

Als sie damals ihre Kräfte bekommen hatte, versprach alles, wieder gut zu werden. Aber jetzt?

"Ärger im Paradies, was?"

Die Blondine stand sofort auf, als sie sah, wer in ihrem Schlafgemach stand.

"Alexander! Was machst du hier!?"

Er stand da mit seinen Händen in den Hosentaschen.

"Ich kann es nicht länger mit ansehen, wie sich das hier entwickelt. Du kämpfst gegen Windmühlen."

Langsam kam er näher.

"Bleib, wo du bist!", zischte sie und tatsächlich blieb er auch stehen.

"Hör dir wenigstens an, was ich zu sagen habe", erwiderte er in einem ruhigen Ton. "Bitte."

Sie verengte die Augen. "Sprich."

Alexander lief langsam durch den Raum, bewahrte jedoch den Abstand zu ihr bei.

"Die Dinge sind eine Zeit lang gut gelaufen, aber alles wird irgendwann wieder in das alte Schema fallen. Da kannst du so oft protestieren und deinen Mann strafen, wie du willst. Am Ende hat der Hausvorstand die Hand darauf und Alain hört auf sie wie ein Schoßhund."

Er blieb stehen und sah sie an. "Ich werde mir das ebenfalls nicht mehr lange mit ansehen. Aber bevor ich meinen Zug wage, will ich wissen, ob du bereit wärst, diesen Schritt mit mir zu gehen. Für das Wohl des Volkes und auch deinen eigenen Frieden."

Valeria sah ihn unverständlich an. "Was meinst du?"

"Alain sitzt in der Falle. Ich habe genügend Verbündete, die in diesen Palast einmarschieren und euch eurer Position entheben können. Alles, was ich von dir verlange, ist, dass du dich uns anschließt."

Sie verengte die Augen. "Und die Kinder?"

"Wir werden ihnen kein Haar krümmen, genauso wenig wie dir. Aber die Zeit läuft."

Er kam näher und hielt ihr seine Hand ihn.

"Entweder du regierst mit mir oder du und der Rest, der hier lebt, werden ins Exil verbannt."

"Das wirst du nicht schaffen! Alain wird sich nicht kampflos geschlagen geben, genauso wenig der Hausvorstand!", zischte sie.

Alexander zog seine Hand zurück und sah sie ernst an.

"Wie du willst. Wenn es soweit ist, kannst du es dir ja nochmal überlegen. Aber ich würde nicht allzu lange damit warten."

Mit diesen Worten verschwand er wieder.

Valeria stand für einen Moment wie gelähmt da. Wenn das wirklich stimmte, musste sie ihren Mann warnen.

Sie eilte los zu seinem Arbeitszimmer.

Alain laß sich das Ultimatum von Valeria durch.

Sie stellte ihn vor eine Entscheidung, die ihm schwer fallen würde, egal, auf wessen Seite er sich schlug.

Plötzlich klopfte es an seiner Tür.

Er drehte sich um. "Ja?"

Alexander kam langsam herein und sein Bruder sah ihn argwöhnisch an. "Was ist los?"

"Wir müssen reden. Und speis mich jetzt nicht ab. Dafür haben wir keine Zeit."

Der Schwarzhaarige legte das Schreiben beiseite. "Was hast du vor?"

Er stand mit ernster Miene vor ihm.

"Ich habe genügend Verbündete, um sofort den Palast stürmen zu können. Ihr seid umzingelt. Ich gebe dir die Chance, friedlich abzudanken und mir den Thron zu überlassen und dein restliches Leben mit deiner Familie im Exil zu verbringen."

Alain sah ihn finster an. "Du bluffst! Wenn das ein Streich sein soll, dann ist es kein sonderlich guter."

Doch er sah ihn weiterhin ernst an. "Ich meine es ernst, Brüderchen. Deine Frau würde mich ebenfalls unterstützen."

"Valeria? Sie mag sauer auf mich sein aber niemals würde sie sich auf deine Seite schlagen!", knurrte er.

"Bist du dir sicher?"

"Weißt du, was du da tust? Das ist Hochverrat!", zischte er.

"Du weichst aus. Ich wünsche nicht, gegen dich kämpfen zu müssen, Alain. Also: Wie lautet deine Antwort?"

Valeria stürmte ins Arbeitszimmer. "Alain! Alexander-"

Sie erstarrte, als sie diesen bereits im Arbeitszimmer sah und sich langsam zu ihr umdrehte.

"Du kommst gerade richtig, mein Schatz."

Alain traf es wie ein Pfeil in die Brust, als er das hörte und er sah sie an.

Die Blondine schüttelte den Kopf. "Alain ... Draußen stehen Leute! Ich habe sie auf dem Weg hierher gesehen!"

Alexander sah ihn siegessicher an. "Ich habe nicht sonderlich viel Zeit. Wenn du dich nicht bald entscheidest, werden sie kommen und dann wird niemand Gnade erwarten können."

"Eher sterbe ich!", knurrte er.

Der Braunhaarige verengte die Augen. "So sei es!"

Draußen wurde ein Leuchtfeuer entzündet, das den Himmel für einen Moment erleuchtete.

In diesem Moment schien alles wie in Zeitlupe abzulaufen.

Valeria sah entsetzt zu Alain, der sie jedoch nur ernst ansah.

"Beschütze unsere Kinder! Ich komme nach, wenn ich mit ihm fertig bin!"

Die Blondine rannte los und hörte die Kampfschreie, die von draußen an ihr Ohr drangen.

Es war kein Bluff, er hatte wirklich Verbündete.

Einer der Wachen kam herein, als der Hausvorstand zum Eingang stürmte. "Wir werden angegriffen!"

Ihr schien es die Sprache zu verschlagen, doch sie bewahrte einen kühlen Kopf.

"Sie hören auf Alexander! Er kämpft gegen Alain!", keuchte Valeria, als sie bei ihnen war.

Ihre Augen verengten sich. "Versammelt draußen alle, die wir haben! Die Wachen im Palast sollen uns den Rücken freihalten!"

Der Wächter nickte und eilte nach draußen, um die Wachen zu mobilisieren und die Befehle zu erteilen.

Die Blondine sah den Hausvorstand an. "Wo sind die Kinder?"

"Im Studierzimmer. Kannst du kämpfen?"

Sie nickte eifrig.

"Dann geh! Beschütze deine Familie!"

"Und sie?"

"Ich habe unser Reich schon einmal verteidigt und ich werde es auch dieses Mal verteidigen! Geh jetzt!"

Valeria nickte und eilte zum Studierzimmer, während der Hausvorstand das Schwert zog und schwor, jeden zu töten, der durch diese Tür kam.

Doch als sie ankam, erstarrte sie.

"Mami!", wimmerte Russeau.

Im Mondlicht sah man Lestat, der der Hofdame die Kehle durchgeschnitten hatte, die zu Boden fiel.

Langsam ging er auf sie zu.

"So sieht man sich wieder."

In ihren Augen loderte der Zorn auf. "Lass meine Kinder in Ruhe!", zischte sie.

Russeau und Giselle standen bei ihm und sahen ängstlich zu ihrer Mutter.

"Entzückende Kinder, die du da hast. Es hätten unsere sein können ... Wie schade ..."

Wütend näherte sie sich, doch er hielt Russeau einen Dolch an die Kehle.

"Keinen Schritt weiter oder der Kronprinz ist Geschichte!"

Sie blieb sofort stehen.

"Lass meine Kinder da raus!", wiederholte sie knurrend.

Er ließ von ihm ab und schritt langsam und siegessicher durch den Raum, behielt sie jedoch im Auge wie ein Raubtier seine Beute.

"Ich muss sagen du hast dich ganz schön verändert. Du bist noch schöner geworden als damals, als wir uns kennengelernt haben."

Sie ließ ihn ebenfalls nicht aus den Augen. "Du stecktst mit Alexander unter einer Decke!?"

"So ist es. Er hat mich zu dir geführt und mir die Möglichkeit gegeben, dich mitzunehmen. Ich komme gleich zur Sache: Du kommst mit mir und deine Kinder bleiben verschont."

"Du bist nichts weiter als eine weitere Schachfigur in seinem Spiel, die er ohne mit der Wimper zu zucken opfern würde, um sein Ziel zu erreichen", erwiderte sie.

"Außerdem: Wer garantiert mir, dass ihr sie nicht sofort tötet, sobald ich mit dir verschwinde?"

Lestat sah sie ernst an. "Du hast mein Wort."

In Valerias Kopf rasten die Gedanken. Sie hörte die Stimmen, das Klirren der Schwerter und von Glas, das zersprang.

Alexander hatte nicht geblufft. Er hatte etwas auf die Beine gestellt und wollte das hier tatsächlich durchziehen.

Und Lestat hatte er versprochen, dass er das Leben zurückbekam, das er einst hatte.

Sie musste rasch handeln. Jede Sekunde, die sie zögerte oder etwas Unüberlegtes tat, hatte Folgen.

"Ich will meine Kinder in Sicherheit wissen, dann komme ich widerstandslos mit dir", fing sie an.

Ein selbstgefälliges Grinsen huschte über sein Gesicht. "Eine kluge Entscheidung."

Er wollte gerade einen Schritt auf sie zu machen, als er plötzlich aufkeuchte und sich ein Blutfleck auf seiner Brust bildete, nachdem eine Schwertklinge ihn durchbohrt hatte.

Der Blondschopf konnte nicht einmal zu seinem Angreifer sehen, denn er verlor das Bewusstsein.

Hinter ihm kam Jako zum Vorschein.

Valeria weitete die Augen.

"Jako! Was machst du hier?"

"Wir haben keine Zeit dafür! Ich bring dich und die zwei raus aus dem Palast! Die Kutsche wird euch in Sicherheit bringen!", erwiderte er ernst.

"Nicht, solange mein Mann in Gefahr ist!", protestierte die Blondine.

"Du bist unmöglich!"

"Mittlerweile müsstest du deine eigene Schwester kennen!"

Er seufzte. "Vater müsste auch bald hier aufkreuzen. Ich habe ihm Bescheid gegeben, sobald ich von den Plänen von Onkel Alexander erfahren habe. Er wird uns unterstützen."

Valeria hatte ihren Vater lange nicht mehr kämpfen gesehen, doch sie war zuversichtlich, dass er seine Enkelkinder mit seinem Leben beschützen würde.

"Bring die beiden zum Anwesen! Ich muss den Palast verteidigen!"

"Valeria!"

"Das ist ein Befehl!"

Jako rollte mit den Augen, nickte aber dann.

"Kommt, ihr zwei. Onkel Jako macht einen Ausflug mit euch."

Er verschwand mit ihnen durch einen Geheimgang, während die Blondine von einer Ritterrüstung das Schwert entriss und sich ebenfalls entschlossen in den Kampf stürzte.

Das Schloss wurde zu einem Schlachtfeld, angeführt von unkontrollierten Verwandelten aber auch Armeen von anderer Verbündeter.

"Verdammte Schweine!", zischte sie und kämpfte mit dem Hausvorstand Seite an Seite.

Sie sah sie erschrocken an. "Valeria! Wo sind die Kinder!?"

"Jako bringt sie in Sicherheit. Papa passt auf sie auf!"

Das beruhigte sie und sie knöpfte sich den nächsten Angreifer vor.

Als Valeria nach oben sah, sah sie, wie Alexander und Alain sich bekämpften.

Beide waren stark, stärker, als sie gedacht hatte, doch Alain war ausgebrannt und das war sein Nachteil.

Sie sah nur noch, wie Alexander ihm in den Bauch trat, sodass er sich krümmte und versuchte, ihn vom Geländer zu schubsen.

Die Blondine stürmte die Treppe hinauf und hob ihre Hand, um eine Druckwelle auf Alexander zu schleudern, der daraufhin tatsächlich mit einem Schmerzensschrei seinen Arm hielt.

Alain nutzte diese Ablenkung und schlug ihm so fest ins Gesicht, dass er auf die Knie ging.

Er zielte mit seinem Schwert direkt auf sein Gesicht und sah ihn ernst an.

"Es ist vorbei, Alexander! Lass die anderen abziehen und ergib dich!"

Für einen Moment wirkte es, als wollte er aufgeben, jedoch bemerkte sie, wie Alexander heimlich einen Silberdolch aus seinem Mantel zog.

Valeria rannte sofort los und schaffte es gerade noch so, auf seinen Rücken zu springen und ihm den Dolch zu entreißen, der über den Boden schlitterte.

Alain sah erschrocken zum Dolch, dann zu Valeria.

"Das ist Silber!", schrie sie und hatte wenig später Alexanders Ellenbogen im Gesicht, sodass sie nach hinten fiel.

Der Schwarzhaarige kickte den Dolch aus seiner Reichweite und hob seinen Arm, woraufhin der Braunhaarige seinen Hals hielt und plötzlich in der Luft schwebte.

"Es ist vorbei!"

Die Wachen und die Soldaten schafften es, inmitten des Chaos die Oberhand zu gewinnen.

Gegen die Verwandelten wurden starke Scheinwerfer eingesetzt, sodass sie direkt zu Staub zerfielen.

Der Hausvorstand sah hoch zu den dreien und eilte zur Hilfe.

Die Wachen packten Alexander, der sich mit einem Knurren heftig wehrte.

"Das sollte alles mir gehören! ALLES!"

Der Hausvorstand vergewisserte sich, dass Alain wohlauf war, ehe sie ihn ansah.

"Dir wird der Prozess gemacht!", zischte sie.

Alain eilte zu Valeria, die noch auf dem Boden lag und half ihr auf.

Er sah sie besorgt an. "Geht es dir gut?"

Sie nickte und spuckte kurz Blut.

"Dieser Bastard muss für seine Taten ein für alle Male zur Rechenschaft gezogen werden."

"Das wird er."

Die Wachen warteten auf seinen Befehl.

Alexander grinste ihn spöttisch an. "Komm schon! Bring es zu Ende!"

Alain jedoch sah ihn voller Abscheu an und schüttelte den Kopf.

"Der Tod wäre eine Gnade. Du wirst für alles, was du in all diesen Jahren verbrochen hast, im Exil schmoren. Auf einer Insel, mutterseelenallein."

"Denkst du, dass mich eine kleine Insel aufhalten würde?", meinte er spöttisch.

"Barrieren werden dich davon abhalten, dass du je das Festland verlassen wirst. Morgen Nacht wirst du dorthin verlegt. Doch heute Nacht wirst du noch im Gefängnis schmoren. Führt ihn ab!"

Die Wachen nickten und brachten ihn ins Verlies.

Valeria beobachtete Alain genau. Er war erschöpft.

"Wo sind die Kinder?"

"Bei meinem Vater. Jako hat mir geholfen, sie zu beschützen."

Er nickte nur und sah sie dann an. "Wir müssen morgen Nacht reden ... Aber jetzt sollten wir uns um die Verletzten und Toten kümmern."

Mit diesen Worten humpelte er Richtung Schlafsaal.

Da erinnerte sie sich daran, dass Lestat noch im Studierzimmer lag.

Sie hob ein Beil vom Boden auf, das ein Kämpfer hatte fallenlassen und machte sich mit schnellen Schritten auf den Weg dorthin.

Er würde ein für alle Male aus ihrem Leben verschwinden.

Doch als sie dort ankam, war nur noch ein großer Blutfleck auf dem Boden zu sehen und eine Schleifspur, die Richtung Fenster führte.

Die Vorhänge wehten im Wind. Anscheinend hatte er sich aus dem Fenster gerettet.

Als sie hinaussah, konnte sie niemanden sehen. Er musste schon geflüchtet sein.