LNCrawler

Kapitel

Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

Kapitel

Ihr Neuanfang sollte aber erneut auf die Probe gestellt werden, denn wenige Monate später stellten sie fest, dass Valeria schwanger war. Dafür kamen aber sowohl Damian, als auch Alain in Frage.

Das Kaiserpaar war im dunklen Arbeitszimmer. Alain sah aus dem Fenster, während Valeria auf dem Sessel Platz genommen hatte und auf den Boden starrte. Es war ein Schock für sie.

"Es wäre ein Skandal, wenn herauskäme, dass das Kind das Ergebnis einer Affäre wäre", murmelte der Schwarzhaarige.

"Sollten sie feststellen, dass es menschlich ist oder mir nicht ähnlich sieht, wird es nicht hier bleiben können."

Doch ihre Bedenken sollten sich in Luft auflösen, als die kleine Eva das Licht der Welt erblickte und nach Jahren der sorgfältigen Beobachtung Alains Temperament mit sich brachte.

Jedoch kam sie blind zur Welt, was die beiden vor eine Herausforderung stellte.

Valeria musste ihr beibringen, sich auf ihre anderen Sinne zu verlassen.

Russeau wurde von seinen Eltern dabei unterstützt, dass er alles für einen Kaiser mitbrachte, was er brauchte.

Sowohl Valeria als auch Alain unterrichteten ihn in ihren Kampfkünsten und klärten ihn über das politische Geschehen auf.

Als er 16 war, durfte er seinen Vater zur Arbeit begleiten und ihm assistieren.

Valeria verbrachte sehr viel Zeit mit ihm und Russau war auch jede freie Minute bei ihr.

Man konnte sehen, dass das Kaiserpaar einander ab und zu beobachtete und das mit einem kleinen Lächeln.

Doch es ließ sich nicht vermeiden, dass Alain erneut in seine Muster verfiel.

Giselle sollte letztendlich im Alter von 17 Jahren in eine ungarische Adelsfamilie einheiraten, worauf sie sich auch pflichtbewusst vorbereitete.

Valeria bereitete sie darauf vor, was sie erwarten würde und was von ihr erwartet wurde.

Sie übernahm es, ihre Tochter zu schnüren und kleidete sie in ein kupferfarbenes Kleid mit goldenen Stickereien und weißer Spitze an Saum, Kragen und Ärmeln.

Das Haar war kunstvoll geflochten und hochgesteckt.

Die Blondine hatte ein eher oberflächliches Verhältnis zu ihrer Tochter. Tatsächlich war Russeau ihr Liebling.

Doch sie konnte es sich nicht nehmen lassen, ihr etwas zu geben, wie auch ihr Vater es einst bei ihrer Hochzeit getan hatte.

"Giselle, ich möchte, dass du das bei dir behältst. Es ist ein Familienerbstück und es soll dich immer daran erinnern, wo du herkommst", meinte sie und überreichte ihr ein Halsband mit einer rosafarbenen Rose und zwei einzelnen Perlen darauf.

Die Rotblonde nahm mit einem kleinen Lächeln das Halsband an sich und lächelte. "Danke, Mutter."

Valeria legte es ihr an und seufzte, als sie vor dem Spiegel standen.

"Ich wünschte, du könntest deine Schönheit sehen, wie ich dich sehe."

Giselle hatte rotblondes, welliges Haar, Sommersprossen und grün-braune Augen, die an die Wälder erinnerten.

Sie war blass und zierlich, wie auch ihre Mutter es früher war, jedoch etwas größer.

"Ich weiß, dass du uns stolz machen wirst", hauchte sie, als sie ihre Hände auf Giselles Schultern legte und sie anlächelte.

Diese strahlte über das ganze Gesicht.

Als die Kutsche eintraf, um sie abzuholen, waren Alain und Valeria dabei und umarmten sie zum Abschied.

Sie strahlte über das ganze Gesicht, stieg in die Kutsche ein und winkte ihnen zu, bis sie sie nicht mehr sehen konnte.

Auch die beiden winkten ihr zum Abschied und blieben noch, bis die Kutsche im Nebel verschwunden war.

Für einen Moment sah Alain Valeria an und lächelte mild. "Da waren es nur noch zwei."

Die Blondine brachte Eva mit 12 Jahren zu einem Baumhaus im Wald, wo sie ihre Fähigkeiten vertiefen sollte, besuchte sie aber immer wieder und hatte das Baumhaus so errichten lassen, dass kein Sonnenstrahl hineinfiel.

Sie sollte dort in einem Holzsarg schlafen, da sie nicht wussten, ob sie eine Tagwandlerin war.

Doch das sollte sie tatsächlich selbst herausfinden, als sie eines Tages bei Einbruch des Tages immer noch auf war und eine angenehme Wärme auf ihrer Haut spürte.

Es war kein Schmerz, kein Brennen, sondern angenehm und das blieb es auch.

Selbst, wenn Eva die Sonne nicht sehen konnte, war sie von der Wärme fasziniert, was sie dazu verlockte, auch tagsüber im Wald zu verweilen und zu trainieren.

Währenddessen hatte das Kaiserpaar nach einem Mediziner Ausschau gehalten, der ihr helfen könnte, die Sehfähigkeit zu erlangen, was aber jahrelang vergebens war.

An ihrem 15. Geburtstag sollte ein Wunder geschehen: Mit Hilfe eines uralten Rituals erhielt sie ihre Sehkraft und konnte das erste Mal ihre Eltern sehen.

Ab diesen Zeitpunkt nahmen sie sie wieder im Palast auf und wollten sie ebenfalls auf ihre Rolle vorbereiten, was sich jedoch als schwierig entpuppte.

Eva war sehr eigensinnig, lief immer noch oft barfuß und mit offenem Haar durch den Palast und trotzte herum, wenn ihre Eltern sie zurechtweisen wollten.

Obgleich Valeria mit Eva viel zu tun hatte, nahm sie sich immer Zeit für Russeau.

An seinem 18. Geburtstag hoffte sie, dass Alain verkünden würde, dass er seinen Platz einnehmen würde, was aber nicht passierte.

Doch Valeria war zuversichtlich, dass er nur auf den richtigen Moment wartete und ermutigte Russeau dazu, nicht den Kopf hängen zu lassen und weiter an sich zu arbeiten.

Er war seinem Vater fast wie aus dem Gesicht geschnitten, bis auf seine Augen und die weichen Gesichtszüge.

Der Schwarzhaarige bemühte sich sehr, seinem Vater gerecht zu werden, doch auch als weitere Jahre ins Land zogen, änderte sich an der Situation nichts.

Mittlerweile war Russeau 28 und Valeria wollte es nicht länger mit ansehen.

Eines Nachts gingen sie zusammen im Garten spazieren.

"Denkst du nicht, dass Russeau mittlerweile alt genug ist, um unseren Platz einzunehmen? Er gibt sich so viel Mühe", wandte Valeria ein und sah ihn an.

Alain war jedoch nicht sonderlich begeistert. "Er ist noch nicht soweit, Valeria. Er hat noch so viel zu lernen."

"Du hast damals auch mit 18 als Kaiser angefangen", erinnerte die Blondine ihn.

"Ja, aber das waren andere Zeiten und ich wurde richtig darauf vorbereitet. Russeau nicht. Er wurde nur von uns unterrichtet."

Sie verengte die Augen. "Ist das der einzige Grund, warum du ihn noch hinhalten möchtest? Denk doch auch mal an uns! Wir könnten zusammen unser restliches Leben genießen! Giselle wird mit Sicherheit bald Nachkommen haben, sodass wir sie besuchen können. Eva wird auch unter die Haube kommen und dann können wir uns auf uns konzentrieren. Oder willst du dieses Leben am Hof bis zu deinem Tod durchziehen?"

Er sah sie ernst an. "Er ist noch nicht soweit."

Valeria rollte mit den Augen und ging frustriert ein paar Schritte voraus.

"Hast du denn nie darüber nachgedacht, wie dein Leben aussehen würde, wenn du abgedankt hast? Warum willst du unbedingt die Verantwortung nicht abgeben?"

"Warum fängst du jetzt schon wieder Streit an?", erwiderte der Schwarzhaarige trotzig.

"Ich habe dir eine einfache Frage gestellt, weiter nichts!", zischte sie und sah ihn an.

"Du wolltest etwas verändern! Was ich aber sehe ist, wie festgefahren du in alte Muster bist, die du damals genauso verachtet hast!"

"Das ist etwas ganz anderes!", zischte er.

"Es geht hier um die Zukunft der Monarchie und unserer Familie."

Die Blondine verschränkte die Arme vor der Brust.

"Darum ging es immer aber ironischerweise hat sich nie eine Änderung lange genug durchgesetzt, um Ergebnisse zu liefern."

Valeria stürmte zurück in den Palast und Alain seufzte.

Er fühlte sich von der eigenen Familie vor den Kopf gestoßen.

Doch auch Russeau wollte nicht tatenlos bleiben.

Er setzte sich für Portugal ein, die unabhängig von Frankreich sein wollten.

Alain jedoch war mittlerweile paranoid und hatte die Werte seiner Mutter übernommen.

So ließ er Russeau in sein Arbeitszimmer bestellen.

Dieser verbeugte sich, als er eintrat. "Sie wollten mich sehen, Vater?"

Der Kaiser stand am Fenster und sah hinaus. Er sah ihn nicht einmal an, als er sprach.

"Man hat mich informiert, dass du Journalist gespielt und gegen mich agiert hast", erwiderte er emotionslos.

Russeau sah ihn fassungslos an.

"Das ist eine Lüge!"

"Streit nicht ab, was nachgewiesen ist!", entgegnete Alain kalt.

"Heißt das, sie bespitzeln mich? Den eigenen Sohn!?"

Nun sah er ihn an. "Du mischst dich ohne Sinn und Verstand in die Politik ein. Du setzt dich für Portugal ein!"

Er schluckte.

"Ich habe ein Recht, mich zu engagieren und auch wenn ich vielleicht nicht so viel Erfahrung habe wie sie, müssen sie zugeben, dass ich mich gut schlage! Mutter hat sich auch für Portugal eingesetzt!"

"Sprich nicht von deiner Mutter", erwiderte Alain kalt.

"Warum denn nicht!? Sie denkt genauso wie ich! Und deswegen hat sie sie auch damals verlassen!"

Die Augen des Kaisers funkelten böse.

"Das ist nicht wahr!"

"Sie wollen nicht sehen, dass sie aus Angst die Zukunft verpassen! Sie sind festgefahren in ein System, das nicht mehr für uns funktioniert, beziehungsweise für das Volk besser funktionieren könnte!"

"So redest du nur, weil du nichts verstehst!", zischte Alain.

"Oh, doch, ich verstehe ihren Altersstarrsinn! Sie opfern uns und das schwankende Reich!", fauchte Russeau.

"Was fällt dir ein!?", entfuhr es seinem Vater.

"Sie wollen bewahren, jedoch war sie ernten ist Hass! Merken sie das denn nicht!?", brüllte er.

Alain schlug energisch gegen die Wand und sah ihn böse an.

"Es reicht!" Er atmete schwer.

"Geh mir aus den Augen! Jeder in dieser Familie kritisiert nur an mir herum! Ich gebe alles, um den Strick um den Hals unserer Familie nicht enger zu ziehen und das ist der Dank dafür!"

Russeau stürmte aus dem Arbeitszimmer, während Alain sich die Schläfe hielt.

Sie hatten alle keine Ahnung, was es bedeutete, wenn so viel Druck auf ihren Schultern lastete.

Valeria war gerade in ihrem Zimmer und die Hofdame kämmte ihre Haare, als Russeau anklopfte und eintrat.

"Du bist die einzige, die mich versteht, Mutter. Ich habe alles in meiner Macht stehende getan, um diesem Reich zu helfen und Vater zu beweisen, dass ich ein fähiger Herrscher bin! Aber er wird mir wohl nie den Platz abtreten, solange er lebt. Uns läuft die Zeit davon! Kannst du nicht mit ihm reden?"

Die Blondine verengte das Gesicht und auch, wenn ihre Stimme ruhig klang, spürte er die Wut in ihren Worten.

"Dem Kaiser bin ich längst entglitten. Es gibt nichts mehr, was uns verbindet. Ich werde nicht um etwas bitten. Auch nicht für dich."

Enttäuscht stürmte er aus ihrem Zimmer. Nicht einmal seine eigene Mutter, die sein Halt war, würde ihn unterstützen.

Er sah nach draußen. Die Sonne würde bald aufgehen.

Als Kinder wurden sie gewarnt, das Sonnenlicht zu meiden, da es ihren Tod bedeuten würde.

Doch in was für einer Welt wollte er noch leben, wenn er nicht einmal die Chance hatte, etwas zu verändern?

In der selbst die eigene, liebende Mutter ihn so eiskalt abwies? Erneut.

Russeau ging draußen spazieren und wartete dabei darauf, dass die Sonne aufging.

Die ersten Sonnenstrahlen näherten sich dem Palast und berührten seine Füße, die anfingen, zu lodern.

Er atmete tief durch, breitete die Arme aus und schloss die Augen.

Der Schmerz war eine Wohltat für ihn und gleichzeitig spürte er, wie die Sonne ihn mit Energie erfüllte und sich wie eine warme Decke um ihn legte.

Als die Sonne hoch am Himmel stand, löste Russeau sich komplett zu Staub auf, der in alle Winde fortgetragen wurde.

Valeria und Alain standen mit Eva und anderen am Grabplatz von Russeau in der Gruft.

Sie versuchte, sich zusammenzureißen, doch sie schauderte, schluchzte und brach vor den Augen aller Anwesenden zusammen.

"Valeria!", keuchte Alain und wollte ihr aufhelfen, doch sie riss sich aus seinem Griff raus und schrie und wehklagte.

Ihr Vater sah zu Jako und deutete an, dass sie alle die Gruft räumen sollten, um ihr etwas Raum zu geben und so gingen sie mit den anderen hoch.

Die Tränen tropften auf den kalten Steinboden unter ihren Füßen.

Sie war mit den Nerven am Ende. Er war das zweite Kind, das sie zu Grabe tragen musste.

Noch dazu war es ihre Schuld. Erneut.

"Ich habe versagt! Ich trage die Schuld! Er hat mich gebraucht und ich habe ihn eiskalt im Stich gelassen, weil ich mit mir selbst beschäftigt war! Ich bin wie meine eigene Mutter!", schluchzte sie und schlug mit aller Kraft auf den Boden.

Er wollte sie in den Arm nehmen, um sie zu trösten, doch sie stieß ihn weg.

"Fass mich nicht an!"

Wütend und mit tränenüberströmten Gesicht sah sie ihn an.

"Du bist genauso daran Schuld! Unser Junge war bereit! Er wollte genauso dem Volk helfen wie ich und hat es genauso wenig ertragen, wie du die Monarchie gegen die Wand fährst! Alain, du gabst mir einst ein Versprechen! Dass du es anders machen würdest, dass du deinen alten Mustern entsagen würdest und nichts, aber auch gar nichts, hatte Bestand! In deinen Augen sind wir alle die Bösen, weil wir erkannt haben, wozu du nicht in der Lage bist, anstatt dich mal selbst zu hinterfragen, warum dein eigenes Volk dich so hasst!"

Diese Worte trafen ihn und er stand auf. Ohne ein Wort zu verlieren, verließ er ebenfalls die Gruft.

Die Blondine strich über den kalten Stein, auf dem Russeaus Name verewigt war.

"Könnte ich dich doch nur einmal noch umarmen und vor dieser Welt beschützen! Aber du bist fort!"

Sie sah hilflos drein. "Jetzt sind wir beide alleine ..."

Nächte später bestellte Alain seine Frau ins Arbeitszimmer.

Valeria trug seit der Beerdigung ihres Sohnes nur noch schwarz und empfand nichts mehr außer Schmerz und Wut.

So war ihr Gesicht auch völlig ausdruckslos, als sie sich verbeugte und ihn ansah.

"Du wolltest mich sprechen ..."

Alain sah ebenfalls fertig aus. Er hatte Augenringe und schien auch nicht sonderlich viel geschlafen zu haben.

"Ich habe einen Gesetzesentwurf erlassen, der unseren Clan und unser Volk betrifft. Das Recht auf Scheidung. Niemand wird mehr getötet, wenn er sich entscheidet, die Ehe zu beenden. Als Hausvorstand hat dein Vater diesen Entwurf unterschrieben."

Sie sah ihn weiterhin ausdruckslos an. Wollte er damit sagen, dass er die Scheidung wollte?

"Ich bin mir bewusst, dass ich in der Vergangenheit Fehler gemacht habe, die dich auch letztendlich in eine Affäre getrieben haben. Wir haben zwei Kinder verloren, darunter unseren Thronfolger. Und ich bin es leid, dass wir uns immer wieder im Kreis drehen und streiten. Ich liebe dich aber es bricht mir auch das Herz, dich unglücklich zu sehen."

Er hielt ihr ein Dokument entgegen.

"Wenn du es möchtest, gebe ich dich frei. Du kannst dein eigenes Leben aufbauen und den Hof verlassen. Du wirst eine angemessene Summe bekommen, um dir dein Leben aufzubauen und bist nicht mehr an mich gebunden. Alles, was du dafür tun musst, ist hier zu unterschreiben."

Valeria starrte für einen Moment das Papier an, ehe sie es an sich nahm und es durchlas.

"Und Eva?"

"Da sie die einzige ist, die noch lebt und nicht verheiratet ist, wird sie den Posten bekommen. Vorausgesetzt, dass sie das möchte."

Sie bat um Feder und Tinte und unterschrieb es, ehe sie es ihm zurückgab.

Alain sah sie traurig an.

"Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst. Ich werde dann eine Kutsche organisieren."

Doch sie schüttelte den Kopf. "Das wird nicht nötig sein. Ich werde noch heute Nacht abreisen."

Er nickte. "So sei es."

Mit einem Koffer und einer großen Tasche stand sie vor der Kutsche.

Alain wollte sich von ihr verabschieden, doch der Schmerz in seinem Gesicht ließ sich nicht übersehen.

"Ich wünsche dir alles Gute, Valeria. Ich weiß, dass du deinen Platz finden wirst."

Auch wenn sie froh war, dass sie alles hinter sich lassen konnte, sah sie ihn traurig an.

"Das wünsche ich dir auch, Alain. Ich wünsche dir Frieden."

"Darf ich dich halten? Ein letztes Mal?"

Valeria nickte und beide hielten sich lange im Arm.

Doch dann löste sie die Umarmung und stieg in die Kutsche.

Der Schwarzhaarige blieb noch draußen stehen, bis die Kutsche komplett verschwunden war.

Nun war er mit Eva allein. Alles lastete auf ihm.

Doch auch die Blondine vergoss in der Kutsche ein paar Tränen.

Alles, was sich in den letzten Jahren angestaut hatte, brach plötzlich aus ihr aus.

Ihr erstes Ziel würde aber das alte Anwesen sein. Ein letzter Besuch bei ihrem Vater und Jako.

Ihr Vater stand im Türrahmen, wie er es schon vor Jahren getan hatte und empfing die Blondine.

Er nahm sie in den Arm und sie schluchzte.

"Es ist das beste für euch beide", meinte er leise.

Sie nickte und vergrub ihre Finger in seinem Rücken.

Das Volk hatte von dieser Neuigkeit Wind bekommen und zettelte einen Aufstand an, der forderte, dass Alain den Thron aufgab und Valeria übernahm.

Sie hatten erkannt, dass sie für das Volk arbeitete, dass sie wirklich eine Veränderung wollte und nicht in alte Muster verfiel.

Dieser Forderung ging sie mit Alains Einverständnis auch nach und herrschte als alleinige Kaiserin.

Doch sie wollte nicht für immer regieren und arbeitete heimlich einen Plan aus, um die Monarchie ein für alle Male zu beenden.

Eines Nachts hämmerte es gegen die Tore und eine Wache klopfte bei Valeria an.

"Verzeihen sie die Störung, Majestät. Aber ein junger Mann namens Louis möchte sie sprechen. Er ist ein Verwandelter."

Sie sah ihn verwundert an. "Lassen sie ihn rein."

Die Blondine zog sich einen Morgenrock über und eilte nach unten, wo Louis außer Atem vor ihr stand.

"Sie sind die Kaiserin der Vampire Frankreichs?", keuchte er, als er sie sah.

Valeria nickte. "So ist es. Was führt sie zu mir?"

Er schluckte. "Ich fordere Gerechtigkeit ..."

Sie hob eine Braue. "Sprechen sie."

"Es geht um Lestat ... Wir haben versucht, ihn loszuwerden und wurden in seine Verbrechen mit hineingezogen."

Für einen Moment wurde ihr Blick ernst, als sie diesen Namen hörte.

Also war er doch damals an seiner Seite.

"Wo ist er?"

"Wenn er mich irgendwie aufgespürt hat, wird er in der Nähe sein", erwiderte der Braunhaarige.

Ihre Augen verengten sich.

"Geben sie mir einen Moment, um mich umzuziehen. Dann können wir über die Einzelheiten sprechen."