LNCrawler

Kapitel

Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

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Er hatte ihn einfach so zurückgelassen. Ohne ihn noch eines Blickes zu würdigen. Er fühlte sich schon fast zu Hause, genauso kalt und grob. Für ihn war es eine Überlegung wert, nochmals hineinzugehen und nach der jungen Frau zu suchen. Doch nun ergab alles einen Sinn und doch keinen. Nie hätte er geglaubt, dass es mehr von ihnen gab, von den Vampiren. Sie hielten sich in Gebäuden auf, die eigentlich nur für Adelige zugänglich waren. Nein, er wollte nicht aufgeben. Jetzt erst recht nicht. Was konnte ihm noch schlimmeres passieren als das hier? Er war bereits tot und wenn dann würde ihm sowieso niemand mehr was anhaben können, was ihn endgültig tötete. Lestat kletterte am Balkon herunter, wo eine Ranke nach oben gewachsen war und landete sicher auf dem Boden. Der Gedanke, dass er gebissen und wenn er für tot geglaubt wurde hier runter geworfen worden wäre, jagte ihm einen kleinen Schauder über den Rücken. Vielleicht sollte er vorerst die Stadt verlassen. 'Nein, nicht bevor ich weiß wer diese junge Frau ist.' Lestat war schon als Kind neugierig und genau das brachte ihn oft in Schwierigkeiten. Doch in diesem Fall war er gerissen. Wer war sie und vor allem warum ernährte sie sich von Tierblut?

Er bekam ein Gespräch in der Ferne über das nächste Fest mit, das hier stattfinden sollte. Es würde allerdings noch einige Wochen dauern. Genug, um ein wenig zu planen. Vielleicht gelang es ihm auch, Kontakt zu ihr aufzunehmen und das ohne solche Zwischenfälle. Er machte sich auf zu seiner Unterkunft und legte sich schlafen. Für weiteres war es sowieso schon zu spät. Die Sonne würde bald aufgehen. In den kommenden Nächten machte er sich Gedanken, wie er an sie herankommen könnte, wie er mehr herausfinden konnte, ohne zu nahe zu kommen. Lestat beschloss, ab und an spazieren zu gehen. Zu dieser Zeit waren wenige Leute unterwegs, aber vielleicht auch Geschöpfe wie er. So war es Zufall, dass er einen der Bediensteten außerhalb des Anwesens antraf. Anscheinend hatte er eine heimliche Liebschaft zu einer Dame, da er zusammenzuckte, als er den Vampir entdeckte. "Habt ihr mich erschreckt!", keuchte dieser und presste sich an die Wand. "Bitte ... sagt nichts zu meinem Meister. Er würde mich sofort einen Kopf kürzer machen." "Ich habe nicht vor, etwas zu sagen, aber dafür möchte ich etwas im Gegenzug." Der Knabe sah ihn mit geweiteten Aufgaben an. "H-herr?" "Bei euren Veranstaltungen sind viele Gäste, darunter eine junge Frau in einer schwarzen Kutsche mit violettem Samt und einem Wappen auf der Rückseite der Kutsche. Könnt ihr mir etwas über sie erzählen?" Er schluckte. "Sie ... Die in unserer Küche war meint ihr bestimmt ..." Anscheinend war Lestat ihm aufgefallen trotz gutem Versteck. Er nickte nur. "Das war Prinzessin Valeria Coin, Herr, eine Angehörige des Coin-Clans." Ein Clan mit einem Wappen. "Woher kommt sie?" "Aus Straßburg, Herr. Sie lebt in der Nähe der Rabenbrücke in einer Residenz mit dem restlichen Clan ..." Er hob eine Braue. Wieso sollte er ihn anlügen? "Mit dem restlichen Clan?" "Ja, dem König und der Königin von Straßburg und ihrer Familie." Er durchbohrte ihn förmlich mit seinen Blicken. "Das war alles, was ich wissen muss. Ich danke euch für die Informationen." Er deutete an, dass der Knabe gehen konnte.

'Straßburg also ... Dann gibt es wohl auch einen König und eine Königin. Adelige und Pöbel ...' Er wollte einfach mehr über das Leben von Vampiren wissen. Der Mann, der ihn überfallen und töten wollte, würde ihm nichts sagen. Er hatte ja schon sehr verschwörerisch geklungen. Vermutlich wollten sich die Vampire untereinander schützen, damit die Menschen nicht dahinter kamen. Er ging zurück und machte sich Notizen. Ihm war klar: Straßburg war zu weit zu Fuß, sie hatten also einen weiten Weg hinter sich. 'Ich werde schon noch zu ihr finden. Wenn nicht auf direkten Weg, dann über Umwege.' Aber bevor er sich bei der nächsten Veranstaltung blicken ließ, musste er sich neue Kleidung besorgen. Bestimmt war es auch hier verpönt, wenn man jedes mal im selben Aufzug auftauchte, wie er schon an der sogenannten Prinzessin gesehen hatte. Was sie wohl dieses mal zum Besten geben würde? Zum Glück war der nächste Schneider nicht weit, der ihm sogar am späten Abend das gab, was Lestat verlangte. Er bezahlte ihn auch dementsprechend. In frischer Aufmachung konnte er sich auch wieder sehen lassen.

Die nächste Veranstaltung kam schneller als gedacht. Und wie er es sich gedacht hatte, kam auch dieses mal die Kutsche vorgefahren, wieder stieg die junge Frau aus, allerdings nur in Begleitung der zwei anderen Frauen, die das letzte mal dabei waren. Das Kleid passte ironischerweise zu seinem Aufzug. Aber er musste sich gedulden, bis sie drinnen waren, ehe er sich ihr annähern konnte. Er bemerkte den argwöhnischen Blick des Kutschers im Nacken und ehe etwas passierte, ging er lieber zum Eingang. Er mischte sich unter die anderen Gäste und erschlich sich so Zugang zum Gebäude. Drinnen war es wieder festlich. Lestat war neugierig und nahm sich eins der Gläser, von dem er nippte, nachdem er kurz daran gerochen hatte. Dieser süßliche Geschmack, sicherlich war das eine Jungfrau, die ihr Blut geben musste. Woher sie das wohl jedes mal hatten? Sein Blick war auf den Saal gerichtet, immer nach der jungen Frau Ausschau haltend. Valeria ... ein sehr seltener Name. Es dauerte, bis alle Gäste versammelt waren, aber er sah den Clan nicht. Hatten sie einen anderen Weg eingeschlagen?

Nach einer halben Ewigkeit hatte er sie gefunden und bahnte sich einen Weg zu ihr. Doch er kam nicht einmal dazu, ein Wort zu sagen, denn in diesem Moment kam der Gastgeber die Treppe runter und begrüßte seine Gäste. Sie applaudierten, dann fing die Musik an zu spielen. Anscheinend hatten sich schon die ersten Begleitungen dazu entschlossen, zu tanzen, denn die ersten hatten sich auf der Tanzfläche versammelt und tanzten. Er, der hinter der Prinzessin stand, merkte, wie sie sich langsam zu ihm herum drehte. Ihre hellen Augen zogen ihn für den Moment in den Bann. Sein Blick fiel kurz auf die Tanzfläche, dann sah er sie erneut an, hielt ihr seine Hand hin und raunte: "Gestattet ihr mir diesen Tanz?" Sie wirkte verwundert, legte aber ihre zarte Hand in seine.  Ihre Hand mit ihrer Porzellanhaut war klein, die Finger länglich. Er wollte nicht zu sehr zudrücken, da er glaubte, dass er sie verletzen könnte. So gingen sie zur Tanzfläche und sie schlossen sich den anderen Gästen an. Wie es der Anstand verlangte, tanzten sie eher auf Abstand. "Verzeiht, wenn meine Manieren nicht gerade die besten sind", raunte er ihr während des Tanzes zu. "Ich habe nichts zu beanstanden. Ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich bis jetzt keine Gelegenheit hatte, euch zu danken, dass ihr mich aufgefangen habt, als ich fast gestürzt wäre." "Nichts zu danken." Sie war sehr dünn und leicht, fast schon unmenschlich. "Ich bin noch nicht lange genug ein Vampir, dass ich behaupten kann, eure Art zu kennen." Die Blondine sah ihn an. "Dann seid ihr verwandelt worden? Wo ist euer Meister?" Er schluckte leicht. Würde sie ihn verraten? "Er schickt mich als Bote und Berichterstatter." "Verstehe. Es wird sicher nicht einfach sein." Lestat wusste nicht wieso, aber er war fasziniert von ihr. Ihre Stimme war so ruhig und bedacht, als hätte sie es lange perfektioniert. Doch wenn sie tanzten, konnten sie auch nicht lauter sprechen, immerhin gehörte es sich nicht. Das Lied endete bald, ehe er sie weiter ausfragen konnte. Sie verbeugten sich voreinander, während die Zuschauer applaudierten. "Es war mir eine Freude." Sie wollte sich von ihm entfernen, doch er hielt sie vorsichtig am Arm. "Lestat de Lincourt. Ich hatte nie die Gelegenheit, mich vorzustellen." "Valeria Marielle Coin", raunte sie. Schweren Herzens ließ er sie los. "Werden wir uns wiedersehen?" Die Blondine sah ihn leicht verwundert an. "Das nehme ich an. Entschuldigt, bitte." Sie bahnte sich ihren Weg zu den anderen Frauen.

Für Lestat war es unverständlich, dass sie ging. Doch das würde nicht das letzte mal sein. Den Rest des Abends war er auf Abstand, sie allerdings auch. Als es dann aber Zeit war zu gehen, suchte er nach der Kutsche. Die drei Frauen stiegen ein, der Kutscher ließ die Peitsche schnalzen und die Pferde galoppierten los. Das war seine Chance. Er rannte los, sprang und hielt sich hinten an der Kutsche fest. Es war ein langer Weg und kalt war es dazu. Er glaubte, dass seine Arme bald abfallen würden. Doch seine nächste Sorge wäre wie er unbemerkt an der Kutsche vorbei kam. Und so schmiedete er schon Pläne während der Reise. Es war für ihn ein Wunder, dass die Pferde so schnell waren. Sie mussten es wohl sehr eilig haben. Vorsichtig kletterte er auf das Dach der Kutsche und hielt sich fest, obgleich es sehr wackelig war, war es doch angenehmer, als wenn er sich die ganze Zeit am Fenster festgehalten hätte. Als sie ankamen legte er sich flach auf das Dach und gab keinen Mucks von sich. Er hielt den Atem an, den er sowieso nicht benötigte. Sie schienen nichts zu bemerken, dauerte es aber lange, bis sie alle hinein gingen. Er hörte die schwarzhaarige sagen: "Untersteh dich, das nächste mal mit fremden Männern zu tanzen! Du weißt genau, dass du einen der Adeligen schöne Augen machen sollst!" "Das hatte ich nicht vor ... Sie haben mir ja gesagt wenn mich jemand zum Tanz auffordert soll ich es nicht ablehnen. Außerdem werde ich niemanden kennen lernen, wenn ich nicht mit anderen spreche-" Er hörte nur noch ein Klatschen. Anscheinend hatte sie eine Ohrfeige abbekommen. Lestat schluckte. Es war wohl eine sehr konservative Familie. Doch umso erleichterter war er, als auch sie ins Haus gingen, ein altes, dunkles Anwesen. Langsam kroch er vom Dach.