LNCrawler

Kapitel

Forbidden Blood — www.fanfiktion.de · All chapters

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Sobald die Sonne auch die letzten Strahlen hinter sich gelassen hatte, öffente Lestat die Augen. Es war dunkel und der Sarg geschlossen. Er sollte warten, bis Valerias Vater ihn holen würde, also ging er dieser Bitte auch nach. Immerhin war es nicht selbstverständlich, dass er seinen eigenen Rang verriet, um seiner Tochter - oder ihm selbst, er wusste es selbst nicht - zu helfen.

Doch im Sarg konnte er die Bediensteten vernehmen, das Klirren von Flaschen, die aus dem Regal entnommen wurden und Schritte, die die Treppe hochstapften. Für was brauchten Vampire Wein? Gut, er trank ja selbst.

Es kam ihm wie eine gefühlte Ewigkeit vor, bis sich der Sargdeckel öffnete, doch als er es tat, war er froh, dass es wirklich ihr Vater war. "Ihr könnt rauskommen. Die Luft ist rein."

Der Blondschopf ließ sich das nicht zweimal sagen und bemühte sich heraus, klopfte den Staub von seinen Kleidern und sog die Luft ein. "Ich danke euch, dass ihr mich aufgenommen habt", meinte Lestat zu ihm.

Er sah ihn an. "Wie geht es nun weiter, jetzt, da eure Fragen beantwortet wurden?", wollte er wissen.

Der Blondschopf zögerte. Er konnte wohl kaum sagen, dass er mit seiner Tochter davonlaufen wollte. Ob sie mit ihm darüber gesprochen hatte? Sicherlich hatte sie ihn schon früher gesehen als er.

"Ich werde nach Gleichgesinnten suchen müssen. Verwandelten wie mir", erwiderte er.

"Es sei denn, eure Tochter würde mit mir durchbrennen."

Warum hatte er das jetzt gesagt? Seine dunklen Augen durchbohrten ihn förmlich.

Er konnte nicht einschätzen, ob er ihm gleich an die Gurgel gehen oder etwas anderes machen würde.

"Darum war sie vorhin so still."

Lestat schluckte. Er hatte keine Ahnung, wozu er fähig war und fürchtete, sein letztes Stündlein hätte geschlagen. Andererseits hätte er das ganze Vampirtheater dann hinter sich.

"Sie hat es euch nicht erzählt?"

Er schüttelte den Kopf. "Vor versammelter Mannschaft wäre das auch töricht."

Für einen Moment dachte er nach.

"Ich schleuse euch nach draußen, dann treffen wir uns auf dem Platz, wo ihr uns beim Trainieren beobachtet habt."

Gesagt, getan. Doch gerade, als sie den Weinkeller verlassen wollten, kam der abartige Diener ihnen entgegen und blickte über die Schulter des Dunkelhaarigen.

"Was macht dieser Abschaum hier?!", keifte er.

"Wenn du ein Wort über seine Anwesenheit an irgendjemanden verlierst, schneide ich dir die Zunge raus!", zischte er bedrohlich und seine dunklen Augen funkelten.

Der Diener musste seine Wut sichtlich zügeln, verbeugte sich dann allerdings.

"Wie der Herzog wünscht."

Mit diesen Worten ging er zur Seite, sodass die beiden passieren konnten, ließ es sich aber nicht nehmen, den Blondschopf mit einem verächtlichen Blick im Vorbeigehen zu mustern.

Draußen fühlte es sich erneut wie eine Ewigkeit an, als er warten musste. Er kickte ein paar Steinchen davon und sah sich immer wieder um. Er traute diesem Diener nicht. Doch dann sah er, wie Valeria von ihrem Vater zum Platz geführt wurde. Sie war so schön wie eh und je, blickte jedoch drein wie sieben Tage Regenwetter.

Aber selbst so wirkte sie wunderschön.

"Er hat mir erzählt, was er dir gestern angeboten hat. Die Chancen, dass ihr beiden heiratet, ist genauso wahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass wir je im Sonnenlicht stehen werden."

Ihr Vater drehte sich zu ihr, legte seine Hände auf ihre Schulter und sah sie eindringlich an.

"Ist es das, was du willst? Liebst du ihn?"

Lestat sah sie an und Valeria blickte ebenfalls zu ihm.

"Ich weiß es nicht, ob ich ihn liebe ..."

Der Blick ihres Vaters war mit Schmerz erfüllt und er ließ von ihr ab.

Nun sah er den Blonden an.

"Gebt gut auf meine Tochter Acht. Sie ist ein Engel unter all den Teufeln."

Für einen Moment schien er nicht zu realisieren, was ihr Vater zu ihm gesagt hatte.

Er holte das Pferd von Valeria und überreichte Lestat die Zügel.

Es war bereits gesattelt. Seiner Tochter überreichte er einen kleinen Stoffbeutel, den sie in der Tasche ihres Kleids versteckte.

"Viel ist es nicht, es sollte euch aber reichen, um so weit weg wie möglich zu fliehen."

Valeria umarmte ihren Vater. Sie war gerührt, dass er so hinter ihnen stand.

"Ich werde euch decken, so lange es geht. Aber rechnet damit, dass der Clan bald Jagd auf euch machen wird. Entfernt euch von Straßburg so weit wie möglich."

Die Blondine nickte und Lestat half ihr aufs Pferd, ehe er selbst aufstieg.

Das Pferd wurde unruhig, doch sie tätschelte seine Flanke. "Es ist okay. Ich gestatte es", raunte sie.

Im nächsten Moment gab er die Sporen und sie ritten mit donnernden Hufen davon.

Die Silhouette ihres Vaters wurde langsam immer kleiner, während sich die Prinzessin fester an seine Hüfte klammerte.

Während sie durch die Gegend ritten, hatten sie nicht ein Wort gewechselt.

Nur nicht zurückblicken. Er hörte das Pferd schnauben und spürte seine Hitze.

Mittlerweile hatten sie die Stadt hinter sich gelassen und ritten durch die Wälder.

Wäre er ein Mensch, hätte er sich nicht hindurch getraut, wurden die Leute nicht nur tagsüber überfallen.

Doch es war anders. Die donnernden Hufen hinterließen ein dumpfes Geräusch.

Am liebsten hätte er gewusst, was ihr gerade durch den Kopf ging. Er spürte nur ihren Griff um seine Hüfte.

Plötzlich hörten sie das Donnern mehrerer Hufen hinter sich, gefolgt von einer Kutsche.

Die Gerte knallte in der kalten Luft und man konnte das Schnaufen eines Vierergespanns vernehmen.

Lestat sah nach hinten. Es waren Gestalten in schwarzen Kapuzen auf Rappen. Hatten sie sie etwa schon gefunden?

Verdammt! Bestimmt hatte dieser Diener geredet! Doch er wollte nicht aufgeben, nicht jetzt, wo sie eine Chance hatten!

Er trieb das Pferd weiter an, sodass es das Tempo erhöhte. Die Pferde hinter ihnen schienen aber gnadenlos.

Und da war noch etwas: Ein Schatten, der durch die Baumkronen huschte und sie ebenfalls verfolgte.

"Bestimmt hat dieser verdammte Diener geredet!", zischte Lestat und trieb das Pferd weiter.

"Er hat euch gesehen!?", fing die Blondine an.

"Euer Vater hat ihn angewiesen, den Mund zu halten. Hoffentlich schneidet er ihm wirklich die Zunge raus", knurrte er.

Sie kamen immer näher, ebenso auch der Schatten und sie hatten keine Waffe, mit der sie sich verteidigen konnten.

Valeria konnte sich schlecht gegen ihren eigenen Clan wenden, das würde alles schlimmer machen.

Doch plötzlich hörten sie das Wiehern der Pferde und einen lauten Knall.

Als sie hinter sich sah, bemerkte sie, dass ein Rad der Kutsche beschädigt war, woraufhin diese umgekippt war.

Jetzt waren es nur noch vier einzelne Reiter mit ihren Rappen, die sie abhängen mussten.

Lestat sah links und rechts von sich, als sie versuchten, sie einzukreisen.

Sein Blick fiel jedoch auch auf eine Gabelung und ehe sie den Kreis schließen konnten, ließ er sich mit dem Pferd zurückfallen, sodass die vier Pferde weitergaloppierten und sie den anderen Weg einschlagen konnten.

Im Galopp sah er nach hinten und vergewisserte sich, dass sie ihnen nicht folgten, ehe er das Pferd weiter trieb.

Ihr Weg führte zu einem kleinen Bauernhof fernab der Zivilisation. Dort stieg er ab und half Valeria vom Pferd.

Doch es erinnerte ihn an etwas. Vielleicht konnte er in seine Stadt zurückkehren und sie ihr zeigen?

Vielleicht konnten sie dort ein neues Leben beginnen. Beide waren erschöpft, immerhin waren sie schon lange unterwegs.

"Wir sollten uns hier verstecken und ausruhen", schlug Lestat vor, während Valeria sich umsah.

Anscheinend schien es ihr hier zu gefallen. Vorsichtig sah sie zum Fenster des Bauernhauses rein.

Es war dunkel und anscheinend nicht bewohnt. Die Leute mussten unterwegs sein.

Als sie sich umsahen, sollte sich ihre Vermutung bewahrheiten, denn sie fanden einen leeren Stall vor und Spuren von Wagenrädern.

Die beiden brachten das Pferd in den Stall, das sich sofort über das Wasser und das Heu hermachte.

Jetzt war nur noch die Frage, wo Lestat bleiben konnte, wenn sie wirklich den Tag über hierbleiben würden.

Valeria fand eine große Kiste, groß genug, um als Sarg zweckentfremdet zu werden.

"Was, wenn sie euer Pferd wiedererkennen und sich doch hier umsehen?", wandte er ein.

"Die meisten in unserem Clan sind nachtaktiv. Außer meiner Mutter und mir gibt es keine Tagwandler. Zumindest haben Helena und Maria es nie ausprobiert."

Sie wirkte nachdenklich.

"Ich frage mich, ob der Schatten in den Baumkronen was mit der Kutsche zu tun hatte ..."

"Wir werden es wohl nie erfahren", erwiderte der Blondschopf und brachte mit ihr die Kiste an einen sicheren Ort.

Valeria ging in den Stall zu ihrem Pferd und ließ sich lächelnd ins Stroh fallen. "Ich wollte das schon immer mal machen!"

Lestat blieb im Rahmen stehen und sah sie an. "Habt ihr das nicht im Stall zu Hause gemacht?"

"Doch, ab und zu schon", gab sie zu, setzte sich auf und sah ihn an.

"Gern geschehen", scherzte er, während die Blondine ihn verwundert ansah.

"Wovon sprecht ihr?"

"Von unserer Flucht." Er stand vor einer Lampe und betrachtete die Flamme.

"Wärt ihr je weggelaufen, wenn ich nicht gewesen wäre?"

Sie schüttelte den Kopf.

"Ein Vögelchen im goldenen Käfig vergisst mit der Zeit, dass dieser eine Tür hat ..."

Lestat musterte sie von oben bis unten. Ihr Vater musste sie wirklich wie einen Schatz gehütet haben.

War das vielleicht auch der Grund, warum sie bis jetzt noch nicht verheiratet war?

Er wollte ihre Gesellschaft, er wollte ihr nah sein, doch er wusste, dass die Zeit noch nicht gekommen war.

Deswegen blieb er auf Abstand und setzte sich auf einen Strohballen in der Nähe und sah sie einfach nur an.

Ihre silbergrauen Augen fixierten ihn verwundert. "Wollt ihr mich die ganze Nacht anstarren?"

Er fühlte sich ertappt. Sein Mund war trocken.

"Es ist nur ... Ihr seid die erste Frau, die ich bewundere. Ihr seid anders. Etwas an euch bringt mich dazu, euch einfach nur beobachten zu wollen."

Sie schmunzelte. "Und ihr seid der erste Mann, der so töricht war, mich zur Flucht anzustiften."

Er lachte leise. "Das stimmt. Aber mit Erfolg."

Als die Morgenröte sich ankündigte, eilten sie ins Haus. Valeria machte es sich im Bett gemütlich, während Lestat sich in die Kiste legte.

"Dann sehen wir uns morgen Nacht."

Sie lächelte ihn liebevoll an. "Ja. Bis morgen Nacht."

Mit diesen Worten schloss er den Sargdeckel.

Er hätte am liebsten auch in einem richtigen Bett geschlafen, doch der kleinste Sonnenstrahl hätte ihn erledigt.

Vielleicht gab es eine Möglichkeit, dass er das eines Tages umgehen konnte und auch er wieder das Sonnenlicht bewundern konnte.